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J. Margot Critch, Karen Rock, Ali Olson, Taryn Leigh Taylor

TIFFANY HOT & SEXY BAND 74

IMPRESSUM

TIFFANY HOT & SEXY erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Cora-Logo Redaktion und Verlag:
Postfach 301161, 20304 Hamburg
Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0
Fax: +49(0) 711/72 52-399
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© Deutsche Erstausgabe in der Reihe TIFFANY HOT & SEXY
Band 74 - 2018 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg

© 2017 by Juanita Margot Critch
Originaltitel: „In Her Best Friend’s Bed“
erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto
in der Reihe: BLAZE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Johannes Heitmann

© 2017 by Karen Rock
Originaltitel: „His Last Defense“
erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto
in der Reihe: BLAZE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Johannes Heitmann

© 2017 by Mary Olson
Originaltitel: „Her Sexy Texas Cowboy“
erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto
in der Reihe: BLAZE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Almut Strote

© 2017 by Taryn Leigh Taylor
Originaltitel: „Playing Dirty“
erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto
in der Reihe: BLAZE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Renate Moreira

Abbildungen: Uwe Krejci / Getty Images, alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 02/2018 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733752873

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY

 

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J. MARGOT CRITCH

Lust – in aller Freundschaft

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KAREN ROCK

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Ein aufregendes Spiel beginnt, als Profiplayer Coop mit der sexy Bartenderin Lainey flirtet. So provokant sie ihn behandelt, sie hat eine Verletzlichkeit an sich, die Coop mehr reizt als jedes Pokalfinale …

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Lust – in aller Freundschaft

1. KAPITEL

Trevor Jones schaute sich in der Lounge des „Swerve Las Vegas Hotel and Night Club“ um und trank von seinem Champagner. Eins ist klar, dachte er, Jamie Sellers weiß, wie man eine Party schmeißt.

Er sah, wie Jamie mit seiner Verlobten Maya die Gäste begrüßte, lächelnd, relaxt.

In all den Jahren, die er Jamie kannte, hatte Trevor seinen Freund noch nie so entspannt gesehen. Gerade bei der Eröffnung einer neuen Bar der „Swerve“-Kette wäre Jamie sonst das reinste Nervenbündel gewesen. Anscheinend war es Mayas Gegenwart und ihrer Liebe zu verdanken, dass er so ruhig blieb. Dank ihr war Jamie ein völlig neuer Mensch geworden.

Trevor freute sich für seinen Freund. Leider bedeuteten Jamies Erfolg und seine Beziehung zu Maya, dass Trevor ihn von nun an nicht mehr so häufig sehen würde.

Womöglich bedrückte ihn das so sehr, weil er erkannte, dass er selbst auch nicht jünger wurde. Er war jetzt in den Dreißigern, vielleicht war es auch für ihn Zeit, sich weiterzuentwickeln und sesshaft zu werden.

Trevor versuchte, seinen engen Kragen zu lockern. Er hasste es, Anzüge zu tragen. Während der Arbeit hinter dem Tresen in der Bar trug er immer Jeans und T-Shirts, um sich frei bewegen und beim Mixen der Drinks eine kleine Show für die Gäste einlegen zu können. Mit Seidenkrawatte und in engen Schuhen musste doch jeder Mann verrückt werden.

„Wie kommt’s, dass du hier so still und einsam stehst?“

Er erkannte die leicht rauchige Stimme, die ihn aus seinen Gedanken riss, sofort. Schon bevor er sich umdrehte, wusste er, wer dort stehen würde. Doch auf den Anblick, den Mayas beste Freundin Abby bot, war er trotzdem nicht gefasst. Er hatte die lebhafte Blondine mit dem strubbeligen Kurzhaarschnitt schon ein paarmal getroffen, bevor er ihr einen Job hinter der Bar des ersten „Swerve“ in Montreal angeboten hatte, in dem er selbst auch arbeitete.

Auch heute Abend hatte er sie bereits in Jamies Büro gesehen, als sie dort noch vor der Party in kleinem Kreis auf die Eröffnung der Bar und die Verlobung ihrer Freunde angestoßen hatten. Genau wie er hatte auch sie sich für die feierliche Eröffnungsparty elegant angezogen. Das kurze blonde Haar trug sie nach hinten gegelt, und ihr schwarzes Kleid hatte lange Ärmel und einen breiten Ausschnitt bis zu den Schultern.

Für jemanden, der sich sonst eher mutig kleidete, wirkte der Aufzug auf den ersten Blick recht konservativ, doch Trevor hatte sie bereits von hinten gesehen – und dort war das Kleid fast bis zu ihrem wohlgeformten Po ausgeschnitten. Außerdem hatte es seitlich einen Schlitz bis zur Hüfte hinauf.

Er konnte gar nicht anders, als ihre langen Beine und ihren makellosen Körper zu bewundern, den er erst vor ein paar Monaten bei einer Poolparty von Jamie hatte sehen können.

Als er ihr jetzt wieder ins Gesicht sah, erkannte er an ihrem Lächeln, dass ihr nicht entgangen war, wie ungeniert er sie gemustert hatte.

Sie trank einen Schluck. „Ich hätte gedacht, dass du mittlerweile schon mindestens zwei Frauen an jedem Arm hängen hast.“

Gelassen lächelnd beugte er sich zu ihr, bis er ihr Parfüm und den Champagner auf ihren Lippen riechen konnte. „Weißt du, ich sehe mich erst mal gründlich um und schau, was sich mir bietet. Was ist mit dir? Gibt’s hier keine Typen, die dich ansprechen?“

Beim leisen Klang ihres Lachens musste er lächeln.

In aller Ruhe blickte sie sich in der Bar um und nickte schließlich langsam. „Die Nacht ist ja noch jung. Hier gibt es eine Menge schöner Menschen.“

„Allerdings.“ Er konnte den Blick nicht von ihr abwenden. Wenn er ganz ehrlich war, musste er zugeben, dass er kaum noch jemanden wahrnahm, wenn Abby in diesem umwerfend sexy Kleid vor ihm stand. „Und was ist mit deinem Freund?“ Er zog eine Braue hoch. „Luther, stimmt’s?“

„Luke“, korrigierte sie ihn und warf ihm einen Seitenblick zu. „Und er ist nicht mehr mein Freund.“

„Tatsächlich? Was ist passiert?“ Er spielte den aufrichtig betroffenen Freund, doch er hatte den Kerl nie gemocht. Seiner Meinung nach war dieser Luke nicht gut genug für eine Frau wie Abby.

Sie verdrehte die Augen. „Er hat das L-Wort benutzt.“

„Lasagne?“

Lachend stieß sie ihn an die Schulter. „Liebe.“

„Das war ja ein bisschen überstürzt, oder? Ihr zwei wart noch nicht lange zusammen.“

„Richtig. Ganze fünf Wochen.“

„Und dann spricht er schon von Liebe? In einer normalen Unterhaltung? Oder hat er sich dazu im Lustrausch hinreißen lassen?“

Abby lachte leise. „Nicht im Lustrausch, nein. In einer Textnachricht. Heute früh.“

„Und was ist passiert?“

„Ich habe zurückgeschrieben, dass wir uns vielleicht mit anderen Leuten treffen sollten. Dann habe ich weiter meinen Crêpe gegessen.“

„Eiskalt.“

Abby zuckte mit den Schultern. „Ich will nicht in irgendeiner Beziehung festhängen. Das hat er von Anfang an gewusst.“ Ungerührt wandte sie sich wieder Trevor zu. „Jetzt sieh dir uns an: zwei Kids aus Montreal, die hier mit der Elite von Las Vegas feiern.“

Trevor sah ihr an, dass das Lächeln aufgesetzt war. Sie wirkte genauso lustlos wie er. „Das stimmt. Wir haben es weit gebracht.“ Er seufzte.

Prüfend musterte sie ihn eine Weile, ehe sie sagte: „Wieso kommt es mir dann vor, als würdest du am liebsten auf der Stelle von hier verschwinden?“

Erwischt. Trevor setzte sein Glas an die Lippen, doch leider war es leer. Er brauchte Abkühlung, seine Kehle war wie ausgedörrt. Sein Blick ging zu Abbys Glas. Es war auch leer.

Er deutete zur Bar. „Lust auf einen Drink?“

„Sicher.“

Er ließ ihr den Vortritt und legte ihr unwillkürlich eine Hand auf den Rücken. Ihre Haut war seidenweich unter seinen Fingern. Ein Kribbeln durchfuhr seine Finger. Bei seiner Berührung blieb Abby stehen und blickte ihn leicht verwundert an.

Trevor senkte den Blick zu ihren roten Lippen und konnte ihn kaum abwenden. Als er sich regelrecht dazu zwang und ihr in die Augen sah, kam es ihm vor, als würde einen Moment absolute Stille herrschen. Weder die Musik im Club noch der Lärm der Partygäste drang zu ihm durch. Er hörte nur noch seinen eigenen hämmernden Herzschlag und seinen dröhnenden Puls.

Weder er noch Abby rührten sich, beide schienen sie wie gebannt. Er ging das Risiko ein und ließ seine Hand langsam noch tiefer gleiten, bis er mit dem kleinen Finger den Saum ihres Rückenausschnitts am Ansatz ihres Pos berührte.

Trevor sah, wie Abby die Schultern hob und sie mit einem kleinen Schauern wieder fallen ließ. Erst in dem Moment erkannte er, dass er die Luft anhielt.

Er stieß laut den Atem aus. Abby blinzelte, und der Bann war gebrochen. „Äh … wollten wir nicht etwas trinken?“

Hastig knöpfte er sich das Jackett zu, um die Erektion zu verbergen, die allein die Berührung von Abbys bloßem Rücken ausgelöst hatte. Er trat einen Schritt zurück und deutete in Richtung Bar. „Nach dir.“

Sie ging voraus, und dieses Mal blieb Trevor ein paar Schritte hinter ihr. Er konnte nicht anders, sein Blick ging zu ihrem sexy Hüftschwung und dem tiefen Rückenausschnitt, der bei jedem Schritt noch mehr preiszugeben schien.

Sie fanden zwei freie Hocker direkt am Tresen und ließen sich zwei Gläser Champagner servieren. Trevor probierte und gab einen anerkennenden Laut von sich. Dieser Champagner war erstklassig. Natürlich, dachte er. Jamie weiß, wie wichtig ein guter erster Eindruck bei den Gästen ist, und geizt nicht bei der Qualität der Getränke.

Er beobachtete das Team hinter der Bar, das er selbst mit eingestellt und ausgebildet hatte, und stellte zufrieden fest, dass es gut eingespielt wirkte.

Dieser Eröffnungsparty nach zu urteilen, würde das Swerve Las Vegas für Jamie eine weitere erfolgreiche Bar werden.

„Ziemlicher Trubel hier, nicht wahr?“ Abby trank von ihrem Champagner und sah dabei überallhin, nur nicht zu ihm. Er hoffte, dass er mit seinem unüberlegten Auftreten nicht die aufkeimende Freundschaft zunichtegemacht hatte, die zwischen ihnen entstanden war.

„Typisch Jamie.“ Er lächelte. „Er weiß, wie man die Leute dazu bringt, sich gut zu amüsieren.“ Er sah Jamie und Maya, die von einer Traube Gäste umgeben war. Gerade schüttelte Jamie ein paar Hände, woraufhin er für einen Augenblick seine Verlobte für sich allein hatte.

„Ist das nicht verrückt, dass die zwei jetzt verlobt sind?“ Lächelnd beobachtete Abby, wie Jamie Maya in die Arme zog, hochhob und küsste. Sie freute sich offensichtlich genauso für die beiden wie Trevor. „Das ging alles so schnell!“

„Die beiden ergänzen sich perfekt. Ich bin froh, dass es mit ihnen geklappt hat.“ Trevor dachte an all die Widrigkeiten, die Jamie und Maya überwunden hatten. „Bestimmt wäre Jamie jetzt gern allein mit ihr, um ganz privat und ungestört zu feiern.“

„Das glaube ich auch“, stimmte Abby lachend zu.

Beide beobachteten sie eine Weile schweigend die Menge, doch unwillkürlich kehrte Trevors Blick zurück zu der umwerfend schönen Frau neben sich. Er konnte immer noch nicht glauben, wie sehr ihn dieser simple Körperkontakt erregt hatte. Das war ihm noch bei keiner Frau passiert. Bei Abby kam es ihm vor, als würde jeder Nerv in ihm gereizt und jede Leidenschaft geweckt.

Als Trevor ihr das erste Mal begegnet war, war sie im Swerve zu Gast gewesen. Er hatte sie heiß gefunden, aber mit Bargästen fing er aus Prinzip nichts an. Das nächste Mal hatte er sie im Juni bei Jamies Poolparty getroffen. Im winzigen Bikini hatte sie seine heißesten Fantasien entfacht.

Er betrachtete ihre langen übereinandergeschlagenen Beine und den klaffenden Schlitz in ihrem Kleid und malte sich aus, wie es wäre, mit den Lippen an ihrem Bein hinaufzugleiten, von ihrem zierlichen Knöchel über die Wade an der Innenseite des Schenkels hinauf bis …

„Hast du heute noch was anderes vor, oder willst du den ganzen Abend hier sitzen und meine Beine anstarren?“

Ohne jede Verlegenheit lachte er auf. „Ich habe nur deine Schuhe bewundert. Die sind toll, aber ich verstehe nicht, wie man darin laufen kann.“

Sie betrachtete ihre Füße in den Schuhen mit den gefährlich hohen Absätzen. „Wenn sie dir so gut gefallen, bekommst du vielleicht beim nächsten Weihnachtswichteln ein Paar in deiner Größe.“

Damit holte sie ihn aus seinen heißen Fantasien zurück in die Realität. Sie ist deine Angestellte! rief er sich in Erinnerung.

Als er im letzten Frühjahr erfahren hatte, dass sie Schwierigkeiten hatte, einen Job zu finden, hatte er sie eingestellt, und sie hatte sich als sehr fähig und fleißig erwiesen. Bei ihr war die Bar sauber, und die Gäste waren glücklich. Ihm war klar, dass sie früher oder später einen Job finden würde, der zu ihren Qualifikationen passte, dennoch bereute er es keinen Augenblick, sie eingestellt zu haben.

Als er nichts erwiderte, lachte Abby, trank einen Schluck und stand vom Barhocker auf. „Ich glaube, ich brauche etwas frische Luft. Magst du mitkommen?“

Mit ihr würde er überall hingehen. „Sicher.“ Doch als sie in Richtung Innenhof ging, hielt er sie zurück. „Warte, kennst du schon die Dachterrasse für die VIPs?“

„Ich wusste gar nicht, dass es eine gibt.“

„Offiziell ist sie noch nicht eröffnet, aber Jamie hat sie mir gestern gezeigt. Sieht toll aus.“

Sie blickte sich in der Bar um. „Wo ist sie denn?“

„Auf dem Dach.“ Er musste schmunzeln.

„Klugscheißer.“ Lachend stieß sie ihn an die Schulter. „Ich meinte, wie kommen wir da hin?“

„Komm mit, ich zeig’s dir.“ Beim Aufstehen achtete er darauf, sie nicht wieder zu berühren – sonst würde er sie sich noch über die Schulter werfen, mit ihr nach oben laufen und sich mit ihr in seinem Zimmer einschließen.

Die Türen des VIP-Fahrstuhls glitten auf, und Abby und Trevor betraten die Dachterrassen-Bar. Trevor führte Abby zur hohen Brüstung am entgegengelegenen Ende der Plattform.

Die Aussicht auf die Lichter des Las Vegas Strip war atemberaubend. Trevor drehte sich zu den Sitzgruppen aus weißem Leder um. Schon bald würde die von unten beleuchtete Tanzfläche gefüllt sein, die Beats würden dröhnen, und die Leute würden sich darum reißen, hier oben feiern zu dürfen.

Schweigend sahen Trevor und Abby sich um und malten sich das lebendige Partytreiben aus. Obwohl sie mitten in Las Vegas waren, konnte man so hoch über der Stadt im Moment nichts vom Verkehr tief unter ihnen hören.

Es war Spätherbst, und die Luft war kühl. Trevor streifte sich das Jackett ab und legte es Abby um die Schultern.

„Danke.“ Sie zog es vor der Brust zusammen. „Habe ich mich eigentlich jemals dafür bedankt, dass du mir den Job in der Bar gegeben hast? Damit hast du mir sehr geholfen.“

„Habe ich gern getan.“ Im Mondlicht sah sie in Trevors Augen noch hinreißender aus. „Gibt es bei dir denn Neuigkeiten, was die Jobsuche angeht?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich bewerbe mich und werde auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, aber nie ergibt sich etwas daraus.“

„Du findest schon was.“ Ihn bedrückte der Gedanke, schon bald ohne sie auskommen zu müssen. „Du wirst nicht ewig in der Bar arbeiten, aber es ist schön, dich für den Moment dort zu haben. Du bist ein Naturtalent.“

„Richtig. So wie ich kann niemand sonst Drinks einschenken“, spottete sie.

Bei ihrem Tonfall runzelte er die Stirn. Er wusste, dass sie von einer Karriere im Marketing träumte, aber trotzdem musste ihr doch klar sein, dass ein Barkeeper mehr können musste, als Bier einzuschenken und einen Cocktailshaker zu schwenken. Ein guter Barkeeper musste freundlich, verbindlich, humorvoll, gut organisiert, geschickt und fleißig sein und sich außerdem durchsetzen können. All das traf auf Abby zu.

Dass sie jetzt so abfällig über seinen Beruf sprach, verletzte ihn, auch wenn er Manager des erfolgreichsten Clubs von ganz Montreal war.

„Hey, du bist ja so still“, unterbrach sie seine Gedanken. „Alles okay?“

„Sicher.“ Er lächelte sie an. „Dein Kleid gefällt mir.“

Abby blickte an sich hinab und strich sich über den flachen Bauch. „Dieser alte Fetzen?“, meinte sie lachend. „Mit dem tiefen Rückenausschnitt und dem Schlitz hatte ich Angst, es sei für den Anlass zu gewagt.“

„In Vegas ist alles erlaubt.“

„Stimmt. Denn wie heißt es doch gleich? Was in Vegas geschieht

… das bleibt in Vegas“, beendete er den Satz für sie.

Sie blickten auf die Lichter und den Trubel weit unter ihnen hinab.

Er hörte den Stoff ihres Kleids rascheln, dann stand Abby dicht neben ihm, sodass sie sich berührten. Trevor blickte auf ihre Hand auf dem Geländer. Langsam schob sie die Hand näher zu seiner, bis sie seine Finger berührte. Wieder war da dieses seltsame Kribbeln, das er vorhin schon gespürt hatte, als er ihren Rücken berührt hatte.

Er drehte sich zu ihr um und legte die Hand sanft auf ihre Hüfte. Sachte zog er Abby an sich. Ihre Brüste streiften seine Brust, und er spannte sich an. Langsam ließ er eine Hand unter das Jackett wandern und legte sie wieder tief unten auf ihren nackten Rücken.

Diesmal würde er nicht zurückweichen. Er konnte den Blick nicht von ihren leicht geöffneten Lippen abwenden. Mehr als alles in der Welt wollte er sie jetzt küssen.

Trevor beugte sich leicht vor und berührte unendlich sachte ihre Lippen mit seinen. Sobald er sie schmeckte, sehnte er sich nach mehr. Spielerisch umschloss er ihre Unterlippe mit seinen Lippen. Nur wie aus weiter Ferne nahm er wahr, dass jemand seinen Namen rief.

Schnell trat er einen Schritt von Abby zurück, bevor sie sich beide den Neuankömmlingen zuwandten. Trevor fluchte leise, als er Jamie und Maya Hand in Hand auf sich zukommen sah.

„Da seid ihr ja.“ Lächelnd wandte sich Jamie an Trevor. „Hätte ich mir denken können, dass ich dich hier oben finde.“

„Ja, hier sind wir.“ Es war offensichtlich, dass Jamie sich nicht bewusst war, was er gerade unterbrochen hatte, doch ein Blick zu Maya reichte, um Trevor klarzumachen, dass ihr nichts entgangen war. „Was gibt’s?“

Jamie lächelte leicht verlegen. „Ich … wollte Maya nur den Ausblick von hier oben zeigen.“

Trevor lachte. „Schon klar.“

Lachend schlug Jamie seinem Freund auf die Schulter. „Ehrlich gesagt bin ich todmüde. Maya und ich lassen es wohl für heute gut sein.“

„Ihr verlasst eure eigene Party?“, hakte Abby nach.

„Ich habe mit allen geredet, und es war ein langer Tag.“

„Alles klar, Mann.“ Trevor bezweifelte, dass die zwei heute Nacht viel schlafen würden.

„Ja, es war ein anstrengender Tag“, stimmte Maya zu, ohne den Blick von Jamie abzuwenden.

Abby nickte, doch auch sie wirkte wenig überzeugt – was auch Jamie nicht zu entgehen schien. Lachend sah er zwischen Trevor und Abby hin und her. „Also, wir gehen dann jetzt. Aber frühstückt ihr morgen noch mit uns, bevor ihr zurückfliegt?“

Trevor und Abby stimmten nur zu gerne zu.

„Prima. Hier im Hotel? Im Café. So um elf?“

Trevor und Abby nickten zustimmend und sahen Maya und Jamie nach, die zum Fahrstuhl zurückkehrten und in ihre Penthouse-Suite hinunterfuhren.

Abby atmete tief durch. „Weißt du, ich sollte auch lieber ins Bett gehen.“

Ihr Gähnen wirkte auf Trevor nicht sehr überzeugend, doch er begleitete sie zum Fahrstuhl und fuhr mit ihr wieder bis ins Erdgeschoss, wo er ihr zu den Fahrstühlen folgte, die zu den Hotelzimmern führten.

Sie wollte schon in einen freien Fahrstuhl einsteigen, doch Trevor hielt sie zurück. „Soll ich dich noch bis zu deiner Tür begleiten?“

Obwohl sein Angebot nur von guten Manieren zeugte, hoffte er insgeheim, dass sie ihn noch mit in ihr Zimmer bitten würde, damit sie dort fortfahren könnten, was sie oben auf der Dachterrasse begonnen hatten.

„Nicht nötig. Ich komme zurecht.“ Sie lächelte. „Danke. Bis morgen früh.“

Seufzend kehrte Trevor kehrte in den Club zurück. Die Party tobte immer noch, und er betrachtete den Raum voller Fremder. Morgen Nachmittag würden Abby und er nach Montreal zurückfliegen, und kurz nach der Landung musste er zu einem Treffen mit Lieferanten des Clubs. Außerdem musste er noch den Dienstplan für nächste Woche und die Monatsabrechnung erstellen. Dann noch die zu planenden Events für den Club … Seine To-do-Liste war lang.

Andererseits würde er in der näheren Zukunft wohl nicht wieder nach Las Vegas kommen, und er hatte noch nie Nein zu einer guten Party gesagt. „Schlafen kann ich auch noch im Flugzeug“, sagte er leise zu sich selbst.

Schade, dass Abby nicht noch geblieben war. Im Lauf der letzten Monate hatten sie sich angefreundet und herausgefunden, dass sie viel gemeinsam hatten. Sie gingen zusammen ins Kino und zum Dinner und erzählten sich gegenseitig von ihren Problemen. Selbst von den Männern in ihrem Leben hatte Abby ihm erzählt.

Er kehrte an die Bar zurück und bestellte sich noch einen Drink. Abby hatte ihn zurückgewiesen. Anscheinend wollte sie von Männern wie ihm nur Freundschaft.

„Ist dieser Platz besetzt?“

Er lächelte, als er die umwerfend schöne Frau im kurzen roten Kleid sah, die vor ihm stand. Einladend deutete er auf den leeren Barhocker neben ihm. „Er gehört ganz Ihnen.“

Ungeduldig wartete Abby darauf, dass der Fahrstuhl ihr Stockwerk erreichte. Erst als sie die Arme vor der Brust verschränkte, merkte sie, dass sie immer noch Trevors Jackett trug. Sie schnupperte an dem Kragen, und Trevors Duft umhüllte sie. Immer noch glaubte sie, seine Lippen an ihren zu spüren. Wenn schon ein zarter Kuss von ihm so stark auf sie wirkte, wieso hatte sie Trevor dann nicht gebeten, mit auf ihr Zimmer zu kommen? Aus Angst um die unbekümmerte Freundschaft mit ihm? Diese Freundschaft war ihr wertvoll, aber was für eine Nacht hätte sie mit ihm erleben können?!

Auf ihrem Handy fand sie eine Reihe Nachrichten von Luke. Seufzend verließ sie den Fahrstuhl, doch dann blieb sie vor ihrer Tür stehen. Luke hatte die oberste Regel gebrochen. Keine ernste Beziehung, nur Spaß. Das war alles, was sie wollte … Sehnsüchtig blickte sie zu der Tür von Trevors Zimmer und sah auf ihre Uhr. Wie erbärmlich, dass sie so früh schon schlafen ging!

Entschlossen kehrte sie zum Fahrstuhl zurück und fuhr wieder hinunter ins Erdgeschoss. Vielleicht konnten Trevor und sie dort weitermachen, wo sie aufgehört hatten: bei dem heißen Kuss …

Als sie in den Club zurückkehrte, hörte sie trotz der Geräuschkulisse sofort Trevors Lachen. Dort saß er an der Bar und unterhielt sich lächelnd mit einer schönen Brünetten im kurzen Kleid!

Fassungslos und wütend zugleich blieb Abby stehen. Gerade eben noch hatte Trevor sie auf der Dachterrasse geküsst, und jetzt verlor er keine Zeit und amüsierte sich mit einer anderen Frau!

Zutiefst enttäuscht verließ sie den Club. Es war ein Fehler gewesen, ihm zu folgen. Eine Beziehung kam für sie nicht infrage, aber ein Mann wie Trevor war für sie ebenfalls tabu. Zum Glück war sie Zeugin der Szene an der Bar gewesen. Es änderte nichts an ihrer Freundschaft, aber jetzt wusste sie, dass er keinen Deut besser war als andere.

Ein Grund mehr, sich von Männern fernzuhalten. Egal, ob sie sich zu schnell in ihre Partnerinnen verliebten oder Frauenhelden waren: Am besten ließ sie sich mit keinem von ihnen ein!

2. KAPITEL

Drei Monate später.

„Was darf ich Ihnen bringen?“

Abby lehnte sich über den Tresen, um trotz der lauten Musik die Bestellung der stark geschminkten Frau zu verstehen. Gewöhnlich war das Swerve mittwochabends nicht so voll, aber die Collegestudenten feierten zurzeit in Scharen das Ende des Semesters.

Die Frau vor ihr hatte das College-Alter schon lange hinter sich. Sie schürzte die roten Lippen. „Ich möchte zwei Orgasmen.“

Abby kannte diesen Cocktail, hatte aber keine Ahnung, wie man ihn zubereitete. „Hey, Trevor“, rief sie ihm am anderen Ende des Tresens zu, „glaubst du, du kannst der Lady hier zwei Orgasmen besorgen?“

Lächelnd stellte Trevor seinen Gästen deren Drinks auf den Tresen und kam zu Abby herüber. „Das schaffe ich bestimmt. Wäre nicht das erste Mal.“

Abby verdrehte die Augen. Natürlich. Die stark geschminkte Blondine war genau Trevors Typ. Und obwohl sie selbst Trevor dazugerufen hatte, empfand sie einen kleinen Stich, als sie ihn mit der Frau flirten sah. Dieses Gefühl hatte sie nicht mehr empfunden, seit sie ihn in Vegas mit der anderen Frau an der Bar gesehen hatte, kurz nachdem er sie auf dem Dach geküsst hatte.

Sie hatte ihm nie erzählt, dass sie vor drei Monaten in die Bar zurückgekehrt und ihn dort mit der anderen Frau gesehen hatte.

Jetzt war es zu spät. Ihre Beziehung war rein platonisch. Obwohl sie manchmal aus Spaß miteinander flirteten, blieb zwischen ihnen alles freundschaftlich. Und da Maya jetzt in Las Vegas lebte, war Abby die Freundschaft mit Trevor noch wichtiger. Trotzdem wusste sie immer noch sehr genau, wie seine Lippen sich anfühlten und wie seine warmen Hände ihren Rücken berührt hatten.

Ihr Blick ging zu den durstigen Gästen am Tresen.

Sie musste ihre Ziele im Auge behalten und durfte sich von keinem Kerl ablenken lassen, weder von denen, die eine feste Beziehung wollten, noch von Bad Boys wie Trevor.

Sie servierte den nächsten Gästen ihr Bier, doch aus dem Augenwinkel sah sie, wie die Blondine Trevor am tätowierten Unterarm festhielt und ihm ihre Visitenkarte reichte. Ein Wunder, dass sie die Karte vorher nicht noch geküsst hat, dachte Abby, als Trevor die Karte lächelnd einsteckte.

Während Trevor weiter seine Drinks mixte, sah Abby, wie die Blondine mit ihren Cocktails zu einer Freundin an einem der Tische ging. Trevor schob sich derweil hinter Abby vorbei, und sie spürte seine feste Brust am Rücken. Mühsam unterdrückte sie das Verlangen, das die Berührung in ihr hervorrief. Sie wusste, dass er keine Hintergedanken gehabt hatte: Hinter dem Bartresen war nur wenig Platz, und jeden Abend berührten sie sich, das ließ sich gar nicht vermeiden. Trotzdem konnte sie nicht vermeiden, dass seine Nähe ihr zusetzte.

Als Abby kurz darauf den Cointreau unten aus dem Regal holte und sich wieder aufrichtete, sah sie gerade noch, wie Trevor schnell den Blick abwandte. Er hatte ihr also auf den Po geschaut. Wieder mal.

Abby blickte sich in der gut besuchten Bar um. Als Barkeeper zu arbeiten war nicht das, wovon sie nach dem Collegeabschluss geträumt hatte. Sie dachte an die vielen Bewerbungen, die sie für Stellen im Marketing geschrieben hatte. Morgen früh hatte sie wieder ein Vorstellungsgespräch. Vielleicht kam sie dann von dieser Bar weg, wo Trevor sie ständig mit den kleinsten zufälligen Berührungen, mit seinem Duft und mit dem Klang seines Lachens aus dem Konzept brachte.

Sie sah ihn geschickt einen Drink zubereiten, wobei er die Wodkaflasche mit einer Hand hinter dem Rücken hochwarf und in der anderen Hand erst noch den Cocktailshaker kreisen ließ, bevor er die Flasche wieder auffing. Er ist gut, dachte sie. Die ganzen Preise, die er schon gewonnen hat, hat er sich redlich verdient.

Immer wieder kehrte ihr Blick zu seinen Händen zurück, zu seinen langen, kräftigen Fingern und den muskulösen Unterarmen. Er hatte die Ärmel seines schwarzen Hemds bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, sodass die Ansätze seiner Tätowierungen sichtbar waren.

Unwillkürlich malte sie sich aus, was für sexy Dinge er mit diesen Händen anstellen konnte. Er würde ihr am ganzen Körper über die nackte Haut streichen, bis sie vor Lust aufschrie und …

Blinzelnd verdrängte Abby diese Fantasie. Lieber Himmel! Trevor und sie waren Kollegen und Freunde. Mehr nicht. Dieser eine Kuss war Vergangenheit.

Sie blickte hoch. Die Blondine, die mit ihrer Freundin an dem Bartisch stand, winkte Trevor mit ihrer perfekt manikürten Hand zu, und Abby sah ihn lächelnd zurückzwinkern.

Sie seufzte. Nein, sie durfte keinem Mann verfallen. Es ging ihr besser, wenn sie allein lebte und sich ganz auf sich konzentrierte. Nicht so wie ihre Mutter oder diese Lady, die Orgasmen trank.

Sie verdrängte jeden erotischen Gedanken an Trevor und machte sich wieder an die Arbeit, für die sie bezahlt wurde.

3. KAPITEL

Am nächsten Nachmittag bog Abby auf den leeren Parkplatz des Swerve. Sie war spät dran, weil sie direkt von ihrem Vorstellungsgespräch kam. Ihrer Meinung nach war es ganz gut gelaufen, und sie machte sich Hoffnungen, dass sie diesen Job bekommen würde.

Sobald sie im Club war, ging sie in Trevors Büro, um dort das dunkle Kostüm, das sie bei ihren Vorstellungsgesprächen immer trug, gegen ihren üblichen Minirock und das offizielle Tanktop des Swerve zu tauschen. Sie zog die Tür hinter sich zu. Trevor machte es bestimmt nichts aus, wenn sie sich hier schnell umzog. Bestimmt würde er es gar nicht mitbekommen, selbst wenn er pünktlich kam.

Was sicherlich nicht der Fall wäre, wenn er gestern Nacht mit der Blondine mitgefahren war. Vielleicht hatte er der Lady noch einige ganz persönliche Orgasmen beschert. Den ganzen Abend lang hatte die Blondine ständig zu Trevor gesehen, und als Trevor und Abby die Bar geschlossen hatten, hatte die Blondine draußen auf dem Parkplatz auf ihn gewartet. Abby hatte Trevor zum Abschied freundschaftlich geboxt, und dann hatten sie sich getrennt.

„Sie sind beide erwachsen“, schimpfte sie mit sich selbst, als sie sich die Bluse aufknöpfte. „Die zwei können tun und lassen, was sie wollen.“

Sie selbst hatte ihre Chance auf eine unvergessliche Nacht mit ihm verstreichen lassen. Das bedeutete ja nicht, dass alle anderen Frauen genauso dumm sein mussten wie sie.

Trevor parkte neben Abbys Wagen. Es war März, und immer noch war es kalt. Hoffentlich kam bald der Frühling, dann konnte er endlich wieder Motorrad fahren. Gähnend löste er den Gurt und rieb sich die Augen. Bis drei Uhr früh war er im Club gewesen, und dann hatte er noch gewartet, bis das Taxi für die Blondine kam, die den ganzen Abend lang mit ihm geflirtet hatte. Als er sie draußen auf dem Parkplatz entdeckt hatte, hatte er entnervt aufgeseufzt und sie – obwohl sie sehr beharrlich gewesen war – nach Hause geschickt.

Als er selbst endlich auch zu Hause angekommen und ins Bett gegangen war, hatte er nicht einschlafen können. Sobald er die Augen geschlossen hatte, hatte er Abbys lange Beine, ihr kurzes blondes Haar, ihr strahlendes Lächeln und ihre lebhaften Augen vor sich gesehen. Und dann noch ihr Po, als sie sich vor dem Regal gebückt hatte … Seit jenem Abend in Las Vegas, als er sie geküsst hatte, musste er ständig an sie denken.

Über diesen Abend hatten sie nie wieder ein Wort verloren. Im Grunde sollte Trevor froh darüber sein, denn er würde sowieso nie eine Beziehung mit einer Angestellten in Erwägung ziehen.

Außerdem war da noch ihre Freundschaft. Auf keinen Fall wollte er diese aufs Spiel setzen. Abby war umwerfend und sexy, und es machte Spaß, Zeit mit ihr zu verbringen, aber er wusste auch, dass sie jeden Mann, der ihr emotional zu nahe kam, aus ihrem Leben schob. Mehr als Freundschaft war für ihn und Abby nicht drin.

Erst als er sich über das Kinn rieb, merkte er, dass er vergessen hatte, sich zu rasieren. Na toll! Gähnend zog er die Schlüssel für den Club aus seiner Tasche und holte vom Rücksitz eine Kiste mit edlem Wodka. Die Gäste ließen sich Drinks mit dieser Marke sehr viel Geld kosten. Jedem das Seine, dachte er. Die Gäste sorgen dafür, dass ich meine Rechnungen bezahlen kann. Und dank der Trinkgelder hatte er sich auch ein schönes finanzielles Polster anlegen können.

Mit dem Wodka unter dem Arm betrat er den Club und brachte den Kasten ins Lager. Mit einer Flasche, die er hinter der Theke verstauen wollte, in der Hand kam er auf dem Rückweg an seinem Büro vorbei und stutzte. Seltsam. Normalerweise ließ er die Tür doch immer offen stehen.

Er öffnete die Tür, und die Flasche Wodka fiel ihm aus der Hand und zersprang am Boden in unzählige Scherben. Abby stand mitten im Büro, nur mit schwarzem Minirock und hochhackigen Schuhen bekleidet.

Der Duft von teurem Wodka erfüllte die Luft, und Trevor brauchte nur eine Sekunde, um ihre makellosen vollen Brüste und ihren flachen Bauch zu registrieren, bevor sie ihre Arme hochriss und sich ihr schwarzes Top vor die Brüste hielt.

Wie gebannt standen sie voreinander. Erst nach ein paar Sekunden brach Abby aus ihrer Schockstarre. „Mein Gott, Trevor!“, schrie sie ihn an.

„Verdammt!“ Erst jetzt bemerkte er das Chaos zu seinen Füßen und bückte sich, um die Scherben aufzusammeln. „Entschuldige, ich wusste nicht, dass du hier drin bist.“

Er blickte starr auf den Boden und drehte ihr halb den Rücken zu. „Was tust du hier?“

„Ich ziehe mich um. Was tust du hier?“

Aus dem Augenwinkel sah er, wie sie sich abwandte und sich das Tanktop über den Kopf zog. „Das ist mein Büro“, verteidigte er sich. Im dunklen Computerbildschirm sah er Abbys Reflexion. Er kam sich wie ein Spanner vor, aber er konnte einfach nicht wegsehen.

„Du kommst doch sonst nicht so früh“, beschwerte sie sich.

Er sah, wie sie sich das Top über der Brust glatt zog. Als sie tief durchatmete, hoben ihre Brüste sich unter dem Stoff.

„So. Fertig. Du kannst dich jetzt umdrehen.“

Er gehorchte. Abby packte gerade ihr Kostüm weg.

„Tut mir leid“, brachte sie atemlos heraus. „Ich hätte dafür nicht in dein Büro gehen sollen.“

„Macht nichts. Du kannst hier reinkommen, wann immer du magst. Wenn die Tür demnächst geschlossen ist, klopfe ich an. Man kann ja nie wissen, wann das nächste Mal eine halbnackte Frau drin ist.“ Er lachte.

„So wie ich dich mittlerweile kenne, ist das immer möglich“, erwiderte sie und zog eine Braue hoch.

Wie kam sie dazu, so was zu behaupten? Er hatte während der Arbeit noch nie irgendwas mit einer Frau angefangen. „Tut mir leid, wenn ich dich in Verlegenheit gebracht habe. Ich wusste wirklich nicht, dass du hier drin bist.“

Lachend drängte sie sich an ihm vorbei. „Das war mir doch nicht peinlich. Ich weiß doch, wie gut ich nackt aussehe.“ Sie zwinkerte ihm zu und ging hinter den Tresen, um mit der Arbeit anzufangen.

Trevor atmete tief durch. Ja, dachte er, sie sieht nackt wirklich fantastisch aus.

Ein paar Stunden später machte Abby im kleinen Hinterzimmer der Bar eine kurze Pause, um etwas Wasser zu trinken. Ihre Füße brannten höllisch, und sie ließ sie langsam kreisen, während sie ihr Handy einschaltete und ihre Mailbox abhörte.

Sie hatte eine Nachricht von Michael Arnett bekommen, dem Mann, bei dem sie das Vorstellungsgespräch gehabt hatte. „Hallo Miss Shaw. Ich rufe an, um Ihnen mitzuteilen, dass wir wirklich sehr froh sind, heute mit Ihnen gesprochen zu haben …“

Lächelnd richtete sie sich auf. Ja! Jetzt kommt’s!

„Dennoch haben wir beschlossen, den Posten anderweitig zu besetzen. Wir behalten Sie für zukünftig frei werdende Stellen im Gedächtnis und wünschen Ihnen viel Glück bei Ihrer Jobsuche.“

Abby sank entnervt in sich zusammen. Dieser Abend wird ja immer besser, dachte sie und sah auf ihre Uhr. Erst in vier Stunden konnte sie nach Hause und in Selbstmitleid versinken. Am besten sah sie zu, dass sie zurück hinter den Tresen kam – obwohl Trevor auch ohne sie ganz gut zurechtkam.

Mühsam lächelnd kehrte sie an die Arbeit zurück. Von ihrer Enttäuschung wollte sie sich nichts anmerken lassen. Im Moment war sie vielleicht nur ein Barkeeper, aber es war immer noch ihr Job, und sie würde ihr Bestes geben.

Als die letzten Gäste leicht schwankend die Bar verließen, atmete Trevor tief und erschöpft durch. Die Semesterferien bedeuteten viel Umsatz, und auch bei den Trinkgeldern haben die Gäste sich nicht lumpen lassen – was nicht hieß, dass Trevor und Abby nicht schwer dafür geschuftet hatten.

Er schloss die Eingangstür ab, während Abby ein blaues Tuch mit Reiniger tränkte und zu putzen anfing. Seit sie ihre Pause genommen hatte, wirkte sie verändert. Er fragte sich, was sie derart aus dem Konzept gebracht hatte. Er ging zur Theke. „Alles okay bei dir?“

„Ja, bestens.“ Ohne hochzusehen, schrubbte sie an einem Fleck auf der Edelstahlfläche.

Trevor lehnte sich an den Tresen. „Dich beschäftigt doch etwas.“

Sie zögerte, dann warf sie den Lappen hin. „Ich habe einen Anruf bekommen wegen meines Vorstellungsgesprächs, das ich heute hatte. Ich bekomme den Job nicht.“

„Mist. Tut mir leid, Abby. Aber lass dich davon nicht unterkriegen.“ Das war also der Grund für ihre Enttäuschung! Trevor holte zwei Flaschen Bier aus der Kühltruhe, öffnete eine davon und reichte sie Abby.

Sie nahm sie entgegen und blickte Trevor fragend an. „Alkohol bei der Arbeit? Das sieht dir nicht ähnlich.“

Er machte sich sein Bier auf und fing an, den Tresen abzuwischen. „Wir haben schwer gearbeitet, da haben wir es uns verdient.“

Sie prostete ihm zu. „Das kann man wohl sagen. Danke.“

Seite an Seite putzten sie eine Zeit lang, ohne zu reden. Trevor legte Wert auf Sauberkeit, aber er merkte, dass Abby mit dem Schrubben am Tresen auch versuchte, ihren Frust loszuwerden.

Schließlich ließ sie den Putzlappen fallen, entsorgte die leeren Bierflaschen und reckte sich nach den Flaschen auf dem obersten Regalbord.

Dabei rutschte ihr Top etwas höher, und Trevor erhaschte einen Blick auf ihren nackten Rücken. Dort, dicht über der Hüfte, hatte sie ein kleines Schmetterlings-Tattoo. Er konnte gerade noch den Blick abwenden, als sie sich mit einer Flasche teurem Tequila und zwei Schnapsgläsern wieder zu ihm umdrehte.

Fragend hob er die Brauen, doch Abby achtete gar nicht auf ihn, sondern schenkte ihnen ein.

„Heute brauche ich etwas Stärkeres als Bier.“ Sie sah zu ihm hoch. „Was ist mit dir?“

„Ja, was soll’s.“ Lächelnd nahm er ihr einen der Tequilas ab, bevor er sich wieder der Kasse zuwandte und die Einnahmen zählte. „Warum setzt du dich nicht, ich brauche hier noch ein paar Minuten.“ Er selbst hatte die Regel aufgestellt, dass niemand von der Belegschaft am Ende der Schicht allein die Bar verließ. Ihm war die Sicherheit des Teams auf dem Heimweg wichtig.

„Okay.“ Mit der Flasche Tequila ging sie zum nächsten Tisch.

Trevor blickte kurz von den Geldscheinen hoch und sah, wie sie sich stirnrunzelnd einen zweiten Tequila einschenkte. „Du findest schon noch was, Abby. Du bist für jede Firma ein echter Glücksgriff, das weiß ich selbst am besten.“ Er teilte ihre Enttäuschung, und gleichzeitig bedrückte ihn der Gedanke, sie bald als Angestellte zu verlieren.

„Heißt das, ich darf dich als Referenz angeben?“ Prostend hob sie das Glas, trank ihren Tequila und stellte das Glas knallend auf den Tisch.

Trevor musste lachen. „Schenkst du mir auch noch einen ein?“ Er schob ihr das Glas über den Tresen zu. Sie stand auf und füllte nicht nur sein Glas, sondern auch gleich noch einmal ihr eigenes.

„Sláinte.“

„Was bedeutet das?“

„Ein irischer Trinkspruch auf die Gesundheit. Mein alter Herr hat das oft gesagt, bevor er getrunken hat.“

„Sláinte.“ Abby kehrte zu ihrem Tisch zurück. „Gefällt mir.“

Unwillkürlich wanderte sein Blick zum Schwung ihrer Hüften unter dem kurzen Rock. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir jetzt beide nicht mehr fahren sollten.“ Er spürte die Wärme des Alkohols im Magen.

Abby zuckte nur mit den Schultern. „Ich wohne nicht weit von hier, das schaffe ich zu Fuß. Allerdings habe ich noch keine Lust auf mein einsames Apartment. Hier habe ich viel mehr Spaß. Ist schon lange her, dass wir zwei zusammen abgehangen haben.“

„Viel zu lange.“ Er beendete die Abrechnung, ging mit dem Trinkgeld zu Abby und schob ihr die Hälfte der Geldscheine zu. „Ziemlich guter Abend, oder?“

„Allerdings.“ Mit dem Daumen blätterte sie die Geldscheine durch. „Danke.“

„Und was fängst du jetzt mit diesem unglaublichen Reichtum an?“, scherzte er und steckte seinen Anteil ein.

„Tja, ich werde mir wohl irgendeinen Luxus gönnen.“ Sie seufzte wehmütig. „Du weißt schon: Strom, Telefon … Und dann werde ich es mir richtig gut gehen lassen: Ich hab schon ’ne Weile eine Auge auf Brot und Milch geworfen …“ Sie musste lachen.

Trevor lachte mit, doch ihre Worte ließen ihn besorgt die Augenbrauen runzeln. „Kommst du finanziell zurecht? Ich könnte dir mehr Stunden zuteilen. Oder soll ich dir was leihen?“

Kopfschüttelnd legte sie ihm eine Hand auf den Arm, und bei der Berührung setzte sein Herz sofort einen Schlag lang aus. „Ich komme klar, Trevor. Ohne Maya als Mitbewohnerin muss ich die Miete allein stemmen, aber dank dir habe ich einen Job und kann obendrein noch umsonst trinken.“ Sofort schenkte sie in beide Gläser nach, trank ihren Tequila aus und lachte leise. „Ich komme klar, bis ich einen richtigen Job finde.“

Hastig schlug sie sich mit der Hand vor die Stirn. „Mist, tut mir leid, ich weiß, es ist dein richtiger Job. Ich meine ja nur, dass ich …“

„Schon gut, Abby.“ Ausladend deutete er auf den leeren Club. „Das alles hier ist mein Reich.“

„Und in diesem Reich liegen dir die Frauen zu Füßen.“

„Wovon redest du?“ Noch nie hatte jemand von der Belegschaft ihn mit einer Frau nach Hause gehen sehen. In seinem Leben hatte es zwar eine wilde Zeit gegeben, doch er war definitiv nicht der Schürzenjäger, den sie in ihm sah. Tatsächlich war er seit Monaten mit keiner Frau mehr zusammen gewesen. Normalerweise scherte Trevor sich nicht darum, was die Leute von ihm dachten, doch dass Abby eine so schlechte Meinung von ihm hatte, störte ihn.

„Du weißt schon“, sagte Abby leicht schleppend. „Diese Frau gestern Nacht … und dann die andere in Vegas …“

„Welche andere?“ Es war das erste Mal, dass einer von ihnen den kurzen Trip nach Las Vegas erwähnte.

„Die auf Jamies Party. Wir zwei haben uns getrennt, ich bin zu meinem Zimmer gegangen, und du hast sie an der Bar getroffen.“

„Du bist zurück auf die Party gekommen?“ Er konnte sich kaum an die Frau aus Vegas erinnern.

„Ja.“

„Wieso?“

Sie stieß die Luft aus. „Was spielt das für eine Rolle? Du warst schon anderweitig beschäftigt.“

„Ich habe die Nacht nicht mit ihr verbracht, Abby.“ Sie durfte nicht glauben, dass er sich blind von seinen Trieben steuern ließ. „Ich habe meinen Drink ausgetrunken und bin ins Bett gegangen. Allein. Und gestern Nacht habe ich der Frau ein Taxi gerufen und gewartet, bis sie abgeholt wurde.“

„Das ist schon okay! Du bist ein Mann – das sind ganz natürliche Bedürfnisse. Außerdem bist du heiß. Ich merke doch, wie die Frauen dich ansehen. Du bist charmant. Ein Wunder, dass du sie nicht jeden Abend mit einem Knüppel abwehren musst.“

Trevor räusperte sich. Es stimmte, die Frauen schenkten ihm Aufmerksamkeit. Aber Abby brauchte nicht zu erfahren, dass er seit dem Abend in Vegas an keiner anderen Frau mehr interessiert war. „Und bei dir? Irgendein neuer Typ?“

Abby schenkte sich nach, trank und lachte verbittert auf. „Keine Dates mehr für mich. Nach der Trennung von Luke habe ich den Männern abgeschworen.“ Sie knallte das Glas auf den Tisch.

„Du hast was? Und was ist mit Sex?“

Sie verdrehte die Augen. „Dem habe ich nicht abgeschworen. Schließlich haben wir Frauen auch Bedürfnisse.“

„Aber keine Beziehungen mehr?“ Trevor war immer noch skeptisch, aber zugleich auch interessiert. „Was genau hat dich zu diesem Entschluss gebracht?“

„Ich bin froh, dass du fragst, Trevor. Ich erzähl’s dir …“ Sie sprach immer undeutlicher und umfasste einen Finger mit der anderen Hand. „Erstens: Mich zieht es immer zu Kerlen, die unbedingt heiraten und ein Dutzend Kinder mit mir haben wollen.“ Unwillig verzog sie das Gesicht. „So was passt einfach nicht zu mir. Ich sage auch immer gleich zu Anfang, dass sie sich nicht in mich verlieben sollen. Wenn sie das doch tun, kann ich nichts dafür.“ Sie atmete tief durch. „Und von unreifen Losern und Bad Boys habe ich auch genug. Deshalb habe ich einen Schlussstrich gezogen.“

„Okay, verstehe. Sonst noch was?“

Abby umfasste den zweiten Finger. „Nummer zwei: Ich bin jetzt seit fast einem Jahr mit meinem Studium fertig. Und bin immer noch hier im Swerve – wofür ich auch super dankbar bin“, fügte sie Trevor zuliebe schnell hinzu. „Aber so habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Wenn ich also jetzt mit einem Kerl zusammenkomme, dann raubt mir das Energie, die ich brauche, um verlorene Zeit aufzuholen und wieder auf die Spur zu kommen.“

„Aha.“ Trevor nickte. „Und was ist mit Nummer drei?“ Er schenkte ihnen noch einen Tequila ein. Dafür werde ich morgen früh büßen, dachte er. So viel habe ich schon lange nicht mehr in so kurzer Zeit getrunken.

„Nummer drei ist mein Favorit.“ Abby umfasste den dritten Finger. „Ein Mann kann mir nichts geben, was mein Vibrator nicht auch hinbekommt. Und der lässt die Klobrille nicht oben.“ Sie trank ihren Tequila, wobei ihr etwas über die Finger lief. „Sláinte!“ Wieder knallte sie das Glas auf den Tisch.

Fast hätte Trevor sich an dem Schluck Tequila, den er immer noch im Mund hatte, verschluckt. „Ein Mann kann dir nichts geben, was dein Vibrator nicht auch schafft?“ Er lachte laut auf. „Tatsächlich?“

Abby zwinkerte ihm zu. „Trevor, sieh mich nicht so entsetzt an. Ihr Männer seid ersetzbar.“

„Schätzchen.“ Er senkte die Stimme und beugte sich vor. „Wenn du denkst, ein Ding mit Batterie könnte einen Mann vollständig ersetzen, dann haben die Männer, mit denen du bisher zusammen warst, ihren Job nicht richtig gemacht.“

Abby lachte. „Mach dir keine Sorgen darum, ob und wie oft sie den Job gemacht haben. Es sei denn, du machst mir ein Angebot.“ Fragend hob sie die Brauen und legte ihm eine Hand auf die Brust. Erst war es nur eine flüchtige, scherzhafte Berührung, doch dann zog sie ihre Finger nicht zurück.

Was sollte er darauf erwidern? Er wusste ja selbst nicht, ob er es als Angebot gemeint hatte. Daher lachte er nur. Das gefiel ihm an Abby: Sie war direkt und witzig. Und ihre Hand lag immer noch auf seiner Brust.

Sein Blick ging zu ihren Fingern. Durch das T-Shirt hindurch spürte er ihre Wärme. Abby strich ihm über die Brustmuskeln, und ihm stockte der Atem. Unwillkürlich spannte er sich an. Er sah zu ihren kirschroten Lippen und brachte keinen Ton heraus.

„Abby“, stieß er schließlich flüsternd aus. Sie sah ihm in die Augen, und er spürte nichts als ihre Hand. Sein Herz hämmerte, sein Puls raste, und sein Verstand setzte fast aus. Sie muss meinen Herzschlag spüren, dachte er.

Keiner von ihnen sagte ein Wort.