Paul Ronzheimer

 

 

Sebastian Kurz

Die Biografie

 

 

 

 

 

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© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2018

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Umschlaggestaltung: Chris Langohr Design

Umschlagmotiv: © Getty Images

 

E-Book-Konvertierung: Daniel Förster, Belgern

 

ISBN (E-Book) 978-3-451-81340-5

ISBN (Buch) 978-3-451-39977-0

Inhalt

Vorwort

Kapitel 1: Kindheit und Jugend

»Als hätten wir das Fluchtthema in den Genen«

Aus einfachen Verhältnissen

»Er war immer in Bewegung«

Schulzeit

»Selbst wenn es ganz finster ist, kann man noch eine Lösung finden«

Erste politische Schritte

»Ich habe einfach mit diesen extremen Haltungen nie was anfangen können«

Kapitel 2: Der politische Aufstieg

Radau bringt Erfolg

Frühe Kontakte nach Deutschland

»Ich will erreichbar bleiben für die Leute«

Ein Karrierist?

24-Stunden-Politik

Ein besonderes Angebot

Vernichtende Kritik

Kampf gegen das Schnösel-Image

Auf dem Weg zum Hoffnungsträger

Kapitel 3: Der Außenminister

Große Vorbilder

Der jüngste Außenminister der Welt

Erste Schritte im Außenamt

Ein echter Europäer?

Ein gutes Verhältnis zu Israel

Der enttäuschte väterliche Freund

Krisenzeit

Nur ein Kalter Krieg?

»Kleines Österreich ziemlich groß«

Kapitel 4: Die Flüchtlingskrise

Die Probleme der Welt kommen nach Europa

Eine selbst verschuldete Krise?

Ein Tweet und seine Folgen

In der Ecke der Hardliner

»Wir schaffen das!«?

»Einfaches Durchwinken ist keine Lösung«

Der Stimmungsumschwung

Die Schließung der Grenzen

Der Türkei-Deal

Kapitel 5: Auf dem Weg zum Kanzler

Der größte Tag: Die Angelobung des Kanzlers Kurz

Schwarz-blau – eine Wunschkombination?

Das wichtigste Thema im Wahlkampf: Flüchtlinge

»Wir wussten immer, dass Sebastian auf den richtigen Zeitpunkt warten musste«

Die Übernahme der ÖVP

Ein schmutziger Wahlkampf

Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ

»Wir werden weiter versuchen, Brückenbauer zu sein« – die Zukunftspläne

Kapitel 6: Die Zukunft

Wer ist Sebastian Kurz?

Gelingt der politische Balanceakt?

Eine mögliche Agenda Sebastian Kurz

Über den Autor

Vorwort

Es war März 2016, als die Bilder von Flüchtlingen am Grenzzaun zwischen Griechenland und Mazedonien um die Welt gingen. Die Grenze war plötzlich zu, und Frauen, Kinder und Männer saßen im Schlamm fest.

Sebastian Kurz war derjenige, der für diese Bilder in ­Idomeni politisch mit verantwortlich war. Er kam aus Wien, ich aus Idomeni, als wir uns bei einem Abendessen in Berlin trafen. »Wie können Sie diese Menschen alleinlassen, wie konnten Sie die Balkan-Route schließen? Das ist eine Schande für Europa«, blaffte ich ihn an.

Kurz blieb im Gegensatz zu mir ruhig. Und erklärte stoisch, warum es aus seiner Sicht keine Alternative zur Schließung der Balkan-Route gab, warum er die Bilder des Zauns als Abschreckung für wichtig hält, und dass aus seiner Sicht nur so die Flüchtlingskrise bekämpft werden könne.

Ich berichtete ihm von den Menschen dort. Von ihrem Leid. Und von dem Leben in den Krisenregionen. »Auch ich habe Mitleid mit den einzelnen Menschen«, sagte Kurz zu mir, »aber was hätten wir denn machen sollen? Es kamen doch immer mehr!«

Wir waren uns an diesem Abend fast in jeder Frage uneinig, aber blieben intensiv in Kontakt und diskutierten in den folgenden Wochen und Monaten immer wieder über die Flüchtlingskrise.

Kurz war und ist interessiert an anderen Perspektiven. Und wenn mir etwas schon früh aufgefallen ist am Politiker Sebastian Kurz, dann war es das aufrichtig erscheinende Interesse an seinem Gegenüber. Er fragt häufig nach, will immer mehr wissen. Das ist durchaus untypisch für Politiker, die häufig vor allem sich selbst gern reden hören.

Ich kenne Sebastian Kurz seit 2014, als ich als Reporter für BILD fast das ganze Jahr über aus der Ukraine berichtet habe. Ich habe den damaligen Oppositionsführer Vitali Klitschko monatelang am Maidan begleitet. Und ich war auch dort, als Kurz auf den Platz im Zentrum von Kiew kam. Es war das erste Mal, dass Kurz in seinem Leben mit Krieg konfrontiert war, und die Monate dieser Krise haben ihn ganz sicher nachhaltig beeindruckt und verändert.

Aber warum eine Biografie über einen 31-Jährigen? 

Natürlich kann dieses Buch nur eine Bestandsaufnahme sein, für Sebastian Kurz werden vor allem die kommenden Jahre als Kanzler entscheidend sein, um sein politisches Leben bewerten zu können. Und dennoch hat er in den vergangenen sechs Jahren einen solch einzigartigen Weg hingelegt, dass er schon jetzt als Ausnahmepolitiker gilt.

Er ist mit seinem steilen Aufstieg, seiner demonstrativen Nahbarkeit und als Initiator einer Bewegung vielleicht auch typisch für eine neue Generation europäischer Politiker, die sich in den nächsten Jahren anschickt, die Macht zu übernehmen. Die Dinge ändern sich nicht nur, sie tun das auch immer rascher. Wer sich dem am besten anpassen kann, gewinnt. Sebastian Kurz steht dafür.

Er hat mir die Möglichkeit gegeben, intensiv Einblick zu erhalten. Ich habe ihn nach der Wahl im Oktober 2017 zu stundenlangen Gesprächen in seinem Wohnviertel in Wien-­Meidling getroffen, ich war mit ihm auf dem Bauernhof seiner Großmutter in Niederösterreich und in seinem Außenministerbüro.

Bei der Angelobung am 18. Dezember 2017, als Kurz zum Kanzler ernannt wurde, habe ich ihn begleitet. Und seine Eltern gaben mir das erste Interview, das sie jemals mit einem Journalisten geführt haben. Zu Kurz’ Strategie gehörte bisher immer eine fast komplette Abschottung seines Privatlebens, weshalb auch seine Eltern in den Medien kaum aufgetaucht sind.

Ich habe auch viele Politiker und Weggefährten kontaktiert, die Kurz kritisch gegenüberstehen. Auffällig war dabei, dass viele entweder gar nicht sprechen oder nur anonym zitiert werden wollten. »Wir wollen erst mal abwarten, wie die Regierung jetzt arbeitet, und nicht gleich als Kritiker auffallen«, hieß es zum Beispiel.

In diesem Buch geht es um den Weg von Sebastian Kurz zur Macht, wie er als 31-Jähriger Kanzler werden konnte, und was in seinem politischen Leben passiert ist.

Seine Unterstützer sehen in Kurz einen Politiker ganz neuer Art, der Österreich reformieren und verändern wird. Und als junger aufstrebender Kanzler dem Land in Europa ein neues Gewicht verleiht.

Seine Kritiker sehen in ihm einen Karrieristen, der für Wählerstimmen gegen Flüchtlinge Stimmung gemacht hat, und jetzt eine Koalition mit Rechtspopulisten eingegangen ist, nur um an die Macht zu kommen.

Eine zentrale Rolle in Kurz’ Karriere nimmt die Schließung der Balkan-Route ein, und deshalb ist dieses Buch auch keine rein klassische Biografie. Es geht auch um Menschen, denen Kurz zwar nicht begegnet ist, deren Leben er aber, gewollt oder ungewollt, mitbestimmt hat.

Als Reporter habe ich aus Ländern wie Syrien, Irak, Libyen, Ägypten, Ukraine, Afghanistan, Griechenland und der ­Türkei berichtet. Insbesondere während der Flüchtlingskrise habe ich mich bei der Berichterstattung auf die Schicksale der Menschen und ihre Geschichten konzentriert. Auch sie sollen zu Wort kommen, denn auch sie gehören zum Leben von Sebastian Kurz. Er hat insbesondere als Außenminister Entscheidungen mitgeprägt, die nicht nur Konsequenzen für Österreich hatten, sondern weit darüber hinaus.

Sebastian Kurz ist jetzt Kanzler. In diesem Buch erfahren Sie, wie es dazu kam.

 

Mein Dank geht an meine Freunde und Kollegen beim Axel Springer Verlag und der BILD-Zeitung, die mir seit Jahren alle Unterstützung und Freiheit geben, die sich ein Reporter nur wünschen kann, besonders an Julian, Kai und Nikolaus. ­Außerdem geht mein Dank an meine Eltern und meine ganze Familie.