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Jean Sarafin

»Die Nachtmahr Traumtagebücher«

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www.Elysion-Books.com

Die Autorin:

Jean Sarafin stammt ursprünglich aus Wellington. Im Alter von zehn Jahren ist sie mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester Daria ins Ruhrgebiet gezogen, wo sie noch heute lebt. Gemeinsam mit ihrer Schwester, mit der sie zurzeit an einem SciFi-Abenteuer arbeitet, hat sie früh das Schreiben für sich entdeckt. «Die Nachtmahr Traumtagebücher« ist eine deutsche Erstveröffentlichung.

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ELYSION-BOOKS TASCHENBUCH
BAND 4035

1. Auflage: Dezember 2011

Inhalt

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Epilog

Prolog

Im ersten Augenblick wusste ich nicht, wie ich an diesen Ort gekommen war. Aber das «Wie?« war ebenso unwichtig, wie das «Warum?«, denn an beides erinnerte ich mich verschwommen, wie durch eine dichte Mauer aus Watte – und beides konnte mir nicht helfen.

In einem Moment war ich draußen gewesen, hatte um Hilfe gerufen und nach David. Aber der war, ohne sich umzudrehen, gegangen. Wie im Zeitraffer gaukelte mein Gehirn mir die Erinnerung vor und ließ meinen Mund trocken werden, den Kloß in meinem Hals dicker. Ich hatte versucht fortzulaufen, weg von Jonah und seinen beiden Freundinnen. Irgendwann musste ich ohnmächtig geworden sein, doch ich hatte keine Ahnung, wann und wie es geschehen war, denn im nächsten Moment hatte ich die Augen geöffnet und mich in einem kleinen, dunklen Raum als Gefangene wiedergefunden. Es war so nasskalt, dass es mir die Sprache verschlug und ich den ersten Impuls zu schreien unterdrückte. Das Rauschen des Wassers lenkte meine Aufmerksamkeit auf die zweite Hälfte des Raumes.

Ich blinzelte und wurde das Gefühl nicht los, dass es wieder einen Zeitsprung, eine Ohnmacht, gegeben hatte. Das Wasser, eben noch ruhig in einem betonierten Bett fließend, war zu einer reißenden Strömung geworden, die über die Ufer getreten war. Beinahe hatte die dunkle, nasse Masse schon den Sims erreicht, auf dem ich lag. Erst jetzt registrierte ich wirklich, dass ich eingesperrt war. Es war dunkel – aber nicht dunkel genug.

Leider, denn ich konnte genau sehen, dass das Wasser immer höher stieg und sogar von oben kam. Unzählige Wassertropfen – vermutlich Regen, dachte mein Verstand mit einer befremdlichen Logik, und ich wünschte sich, er würde damit aufhören – fielen durch ein schmales Gitter, welches sich weit über mir befand, und das Gefängnis von der Welt trennte. Ich kannte das Gefängnis, die Tropfen und das Wasser. Aber ich konnte nichts tun, um die Erinnerungen zu stoppen. Sie kamen ungefragt, unaufhaltsam.

Kälte kroch in meine Glieder und zog mich wieder in den Traum. Die Gänsehaut auf meinen Kinderarmen ließ sich selbst in diesem verregneten Dämmerlicht nicht übersehen. Jetzt erst registrierte das Mädchen, das ICH war, dass es erbärmlich fror – schon die ganze Zeit gefroren hatte. Doch als ihm klar wurde, dass das Wasser schneller in den Raum hineinfloss, als es abfließen konnte und es immer weiter steigen würde, bis unter die Decke, lähmte die Erkenntnis seinen Geist und überstieg seine Vorstellungen.

Sekunden später übernahm der Verstand der Kleinen und sie sprang ungeachtet der Kälte und des Wassers auf, hin zu der Tür, die sich am gegenüberliegenden Ende des unterirdischen Raumes abzeichnete. Nichts. Die Klinke ließ sich drücken, aber die Tür bewegte sich nicht. Panisch schlug sie mit der flachen Hand gegen die Tür, rüttelte an der Klinke und rief um Hilfe. Doch weder öffnete sich die Tür noch antwortete jemand.

Und plötzlich war es zu spät, das Wasser überall, und obwohl sie ein letztes Mal tief Luft geholt hatte, bevor die letzte Luft, die es zwischen Wasser und Decke gegeben hatte, verschwunden war, brannten ihre Lugen schon nach wenigen Sekunden.

Vor wenigen Minuten – nachdem sich das Gitter in der Decke als zu fest verankert erwiesen hatte – hatte sie beschlossen, dass sie ruhig und gefasst ihrem Schicksal und dem Tod entgegentreten würde. Der Wunsch, ihre Eltern wiederzusehen, endlich, hatte Angst und Verzweiflung ausgeblendet und sich auf die verzweifelte Hoffnung konzentriert. Kurz hatte sie sich vorgestellt, wie ihre Mutter sie durch den Tunnel führen würde, hinein ins Licht. Sicher hätte sie geschimpft, aber nur kurz. Dann hätte sie sich sicher gefreut, dass ihre Tochter nach nur drei Monaten wieder bei ihnen war. Doch was in der Fantasie so einfach schien, war in der Realität ganz anders. Ihr Überlebenswille verdrängte ihren Vorsatz und die hoffnungsvolle Vorstellung. Panik pulsierte in ihren Adern und mit schier übermenschlichen Kräften gelang es ihr, unter Einsatz ihrer Hände als Trichter, durch die Gitterstäbe Luft zu holen. Dann schwappte die Pfütze, die das anstauende Regenwasser über dem Gitter bildete, über ihre Finger.

Ihre Narbe, ein Überbleibsel des Brandes, begann wie so oft zu schmerzen. Aber dieses Mal war der Schmerz so intensiv, wie bei ihrem Erwachen nach dem Brand. Feurig heiß, wurde er viel qualvoller, als der Druck in ihren Lungen, der doch eben das Maß für Unerträglichkeit gewesen war. Der Schmerz fräste sich durch ihren Körper, verband sich mit dem Bedürfnis einzuatmen und dem Wunsch, den Schatten ignorieren zu können, der schon die ganze Zeit geisterhaft durch das halbdunkle Wasser gewabbert war – vielleicht ein unheimlicher Todesbote, wahrscheinlicher ein Teil ihrer Einbildung.

Trotzdem brachte sie es nicht über sich, die Augen zu schließen, ihre Blicke hingen wie gebannt an ihm. Einem finsteren Boten des Jenseits gleich, hob er sich von der restlichen Dunkelheit ab und schien jegliches Licht aufzusaugen. Er glitt körperlos durch das Wasser, tänzelte durch die Kälte, als könnten ihm materielle Bedingungen nichts anhaben. In immer engeren Kreisen glitt er um das Mädchen herum. Doch es hatte sich vorgenommen, nicht zu schreien und den scheinbaren Spott den seine Fantasie nach außen projizierte, zu ignorieren. Schreien bedeutete atmen und atmen bedeutete den Tod. Und so verharrte es in der kalten Gewichtslosigkeit, obwohl der Schmerz der Narbe immer noch in seinem Körper pulsierte. Gleich würde es atmen müssen. Nein, nein, damit würde der Tod kommen! Nicht atmen. Nicht …

Als der Schemen durch die Haare der Kleinen strich und sie tatsächlich berührte – keine Einbildung – war es um ihre Willenskraft geschehen. Sie öffnete den Mund zu einem lautlosen Ruf, als die Auswüchse der Dunkelheit über ihre Haut strichen. Wasser strömte in ihren Mund. Sie schluckte das Wasser und …

Im nächsten Moment war einer der schwarze Schatten da, vor ihr, in ihr. Sie konnte ihn fühlen, warm und auf seltsame Weise lebendig. Er füllte ihren Mund, verdrängte das Wasser und seine Wärme setzte sich in ihr fort, prickelte über ihre Haut und verdrängte den glühenden Schmerz. Erst als ihre Nase zugehalten wurde, kehrte die Panik zurück. Ohne nachzudenken, schlug sie um sich, versuchte, von der Dunkelheit fort zu kommen, wandte sich und kämpfte gegen die finstere Umarmung, doch wie von stählernen Klauen wurde sie gehalten, etwas legte sich auf ihren Mund, Lippen … und plötzlich konnte sie wieder atmen. Seine Luft. Die Finsternis schloss sich noch fester um sie, die Berührung fühlte sich an wie Arme, doch ihre Augen sagten ihr etwas anderes. Es gab keine Haut, keinen Menschen, nichts Greifbares.

Und trotzdem war ihr warm, und trotzdem starb sie nicht, sondern konnte atmen. Von seinen Lippen. Es war gar keine Frage, sondern musste so sein. Wieder atmete sie seine Luft, versuchte aber dieses Mal vorsichtig, ihn mit der Hand zu berühren. Sie konnte sich nicht bewegen, die Arme nicht heben – vielleicht war sie doch tot – und so blieb ihr nichts anderes übrig, als sich halten zu lassen – und zu küssen. Und es war ein Kuss, ohne Zweifel, aber es war auch etwas anderes, eine Rettung. Als sie diese Gewissheit vollends realisierte, schmiegte sie sich an ihren unbekannten Retter. Die Wärme und sein Griff waren irgendwie tröstlich. Sie spürte, wie sich die Spannung in ihrem Inneren löste; die stummen Tränen, die sich mit dem kalten Wasser vermischten.

Nicht ein einziges Mal hatte sie in den letzten drei Monaten geweint und auch jetzt gab es keinen Kloß in ihrem Hals, kein Trauergefühl, nur Erleichterung.

Etwas strich kurz über ihre Wange, mitfühlende Finger, aber vielleicht bildete sich diese Geste nur ein, denn die Wärme des Schemens wurde heißer, auf unfassbare Weise intensiver. Sie strömte über ihre Lippen, in ihren Mund, füllte sie und zwang sich in ihren Körper. Sie war ein Gefäß, das gefüllt wurde, mehr und mehr, bis der Druck unerträglich wurde, ein Ventil suchte – und nicht fand.

Dann wurde es schwarz um sie.

Kapitel 1

Die Wut war so intensiv, dass sie förmlich in meinen Fingern kribbelte. Es fiel mir zunehmend schwerer, sie unter Kontrolle zu halten und einen gleichmütigen Gesichtsausdruck beizubehalten.

Ich hasste den Gang, die Schüler, die wie aufgeschreckte Hühner scheinbar planlos herumliefen, den Lärm der unzähligen Stimmen und sogar den Schlüssel, den ich in der Hand hielt. Er symbolisierte meinen persönlichen Alptraum für die nächsten Schultage, -wochen und vielleicht sogar Jahre. Normalität in Form eines eigenen Spinds.

Bei dem Gedanken an die vor mir liegende Zeit ballten sich meine Hände unwillkürlich fester um das gezackte Metall. Die Entspannungsübungen, die ich in den vergangenen sechs Jahren hatte lernen müssen, halfen nur geringfügig. Wahrscheinlich war ich schon außer Übung, weil ich heute nicht – wie sonst jeden Morgen um sieben Uhr – zur Meditation gezwungen worden war. Auf Kommando ins Nirwana, ein Ding der Unmöglichkeit. Trotzdem konzentrierte ich mich. Einatmen, halten, halten, halten, und … ausatmen, warten, warten, warten und … einatmen … Ich bemühte mich darum, die Sekunden zu zählen, während ich den überfüllten Gang entlang schlenderte. Dabei wich ich rennenden Schülern aus, ignorierte das farbenfrohe Kaleidoskop der ungewohnten und freien Kleiderwahl, und wünschte mir woanders zu sein. Irgendwo anders.

Natürlich half es nichts. Weder die Atemübungen noch der Wunsch. Das mochte am schlechten Karma dieses hellgrau gestrichenen Schulflures liegen, oder an meinem eigenen. Aber aus irgendeinem Grund wirkte nicht, was sich jahrelang bewährt hatte. Meine schlechten Charaktereigenschaften regten sich und weckten noch schlechtere Gedanken. Wahrscheinlich spielte die Tatsache, dass ich auch nach zehn Minuten intensiven Suchens meinen Spind noch nicht gefunden hatte, dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Aber auf gar keinen Fall lag es daran, dass mich alle die hektischen Schüler anstarrten, als sei ich stigmatisiert. Ihre Blicke bohrten sich in meinen Rücken, fixierten und prüften mich, schätzen mich ein und bildeten sich ein Urteil. Aber vor allem führten sie mich in Versuchung. Vielleicht sollte ich mich ganz einfach wild schreiend im Kreis drehen, um herauszufinden, ob in irgendeiner Ecke schon ein Exorzist oder die Männer mit den weißen Kitteln lauerten – bei mir konnte man schließlich nie wissen, oder?

Ich seufzte und kämpfte diese Fantasie nieder. Sollten die Kinder doch starren … darüber war ich erhaben … irgendwie … und strenggenommen hatte ich ihre Blicke ja verdient. Ich war stigmatisiert, auch wenn man es mir beim besten Willen nicht ansehen und sie es nicht wissen konnten. Dessen war ich mir sehr sicher. Ziemlich jedenfalls. Zumindest wenn nicht plötzlich auf meiner Stirn »War in den letzten sechs Jahren auf einem Internat für Schwererziehbare« stand. Beinahe hätte ich es überprüft. Schließlich gab es ansonsten nichts, weshalb ich seltsame Blicke ernten konnte. Optisch gab es an mir nichts zu beanstanden – zumindest solange die Brandnarben an meinem linken Arm durch Stoff bedeckt waren. Ich war groß, schlank und hatte rabenschwarze, lange Haare. Vermutlich kam die allgemeine Aufmerksamkeit von dem »ist neu« und »ist groß«. Es war nicht leuchtturmgroß, aber immer noch groß genug, um aufzufallen und die meisten Jungs abzuschrecken. Jetzt mal ehrlich … Wer möchte schon eine Freundin, bei der er eine Klapptrittleiter benötigt, um sie zu küssen? Ich fing meine Finger im letzten Moment ein, da sie sich – wie immer, wenn ich nervös war – selbständig machen wollten und versucht hatten, sich in meine Haare zu verirren … vielleicht liegt es ja doch an ihnen, dachte ich. Entgegen meines Vorsatzes fuhr ich mir nun doch durch die lange Pracht, die ich aus Protest offen trug. Welches Teeniemädchen träumte schon von langen, blauschwarzen Haaren? Jedes wollte doch blond sein, oder? Gerade deswegen trug ich sie trotzdem stolz offen. Das ergab natürlich nur einen Sinn, wenn man generell ein sehr wütender und trotziger Mensch war. Zumindest behauptete Tante Meg das. Wahrscheinlich waren meine Haare auch nur aus Protest schwarz? Eine Vermutung, die genauso wahrscheinlich war, wie die Vererbungslehre. Der entsprechend hätte ich nämlich mit einer 85% Wahrscheinlichkeit blond werden müssen, genau wie meine Mutter und eben Tante Meg. Stattdessen war ich nach der väterlichen Seite gekommen und hob mich angenehm von Meg, ihrem Mann Klaus und seinen beiden Jungs ab, die er mit irgendeiner ersten Ehefrau gezeugt hatte.

Apropos Jungs … ich beglückwünschte mich im Stillen, weil ich es geschafft hatte, David schon seit geschlagenen fünfzehn Minuten aus dem Weg zu gehen. Obwohl wir jetzt auf derselben Schule waren, empfand ich die Tatsache des Nicht-Begegnens als guten Anfang, der sich gerne zum Durchschnitt entwickeln konnte.

Das schrille Klingeln der Schulglocke schreckte die starrenden, neugierigen und gibbelnden Mitschüler auf und ich konnte nicht länger so tun, als sei ich in einem Paralleluniversum. Mein Aufsehen beendete meine Glückssträhne. Oder Pechsträhne, wenn man als Bemessungsfakt zugrunde legte, dass ich meinen Spind immer noch nicht gefunden hatte. Nach einem weiteren, festen Griff um den Schlüssel, der die kleinen Metallzacken tiefer in meine Haut drückte, entschied ich auf Glück. Immerhin hatte ich die Nummer 333 und nicht die 666 zugewiesen bekommen. Und jetzt lehnte von den knapp 400 Schülern der Green Falls High ausgerechnet der Schüler, den ich auf gar keinen Fall treffen wollte, am Anfang der Spindreihe, die meinen aktuellen Berechnungen zufolge mein neues Schulzuhause beherbergen musste. Natürlich konnte ich mich irren, schließlich hatte ich mich schon bei den fünf Spindreihen zuvor geirrt. Aber Davids Anwesenheit war ein Indiz. Manchmal nennt man mich auch Sherlock-Liz.

Trotz des flauen Gefühls in meiner Magengegend wurde ich nicht langsamer und schaffte es sogar, ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Ich nickte David und seinen rot-weiß gekleideten Footballfreunden im Vorbeigehen zu. Dabei tat ich so, als gäbe es nichts, vor dem ich Angst hatte. Das war neben der Wutkontrolle eh meine älteste Freizeitbeschäftigung. Und eine gute Ablenkung war es zudem. So konnte ich die aufmerksamen Gesichter der Jungs übersehen. Sie betrachteten mich nicht wie die anderen Schüler, die nur Gerüchte gehört haben konnten. Eher mit einer gewissen interessierten und wissenden Herablassung.

David selbst tat wie gewöhnlich so, als existiere ich nicht. Manchmal konnte er Tage damit verbringen, nicht mit mir zu reden und einfach nur anwesend zu sein und stoische Ruhe auszustrahlen. Er wirkte dann immer so, wie ich mir die Palastwache vor dem Buckingham Palace vorstellte. Ich versuchte dann oft ihn aus dem Konzept zu bringen. Ein komplett nutzloses Unterfangen, denn wenn es mir gelang, war er hinterher erst recht sauer. Trotzdem war es mein drittes Lieblingshobby – schließlich wollte ich nicht, dass er immerzu grundlos auf mich sauer sein musste. Wenn, wollte ich es auch verdient haben. Auch jetzt. Kurz war ich versucht, ihm vor das Bein zu treten. Einfach so, ohne einen anderen Anlass, als seine Anwesenheit. Dann gewann meine Vernunft die Oberhand. Nicht die zweite Chance versauen, einatmen, ausatmen einatmen … ich seufzte leise, als ich die 333 fand – auch wenn jemand in leuchtend roter Schrift 666 draufgepinselt hatte.

»Kindergarten!«, murmelte ich laut genug, damit es auch jeder auf dem Flur hören konnte. Dabei war David ein Jahr älter als ich und mal ganz ehrlich: Originell ging anders.

Mein Gesichtsausdruck blieb ungerührt, auch wenn inzwischen einige Schüler die Klingel ignorierten und stehenblieben, um zuzusehen, wie ich mich meinem Spind näherte. Nämlich vorsichtig, sehr vorsichtig.

Schräg neben der Tür stehend, war ich überrascht, dass der Schlüssel nicht nur passte, sondern sich das Schloss auch problemlos bedienen ließ. Nicht überrascht war ich von dem Ballon mit roter Farbe, der beim Öffnen der Tür aus dem Spind schoss. Ich mochte schwererziehbar sein, oder paranoid und gestört, wie David oft genug meinte, aber ich war nicht dumm.

Ein neugieriges Mädchen, das sich zu nah am Spind aufgehalten hatte, war da anderer Meinung. Sie funkelte mich böse an und murmelte etwas, was wie ein unschöner Fluch klang. Ihre schönen langen Haare – natürlich blond – waren nun rotverklebt. Trotzdem fand ich, dass sie schon allein wegen dieses Fluches verdiente, was ihr zugestoßen war. Wer solche Flüche kannte, konnte nicht unschuldig sein. Dasselbe galt im Großen und Ganzen auch für Blondinen.

Aber jetzt waren 70% ihrer Haare farbig und das unbekannte Mädchen offiziell rothaarig. Deswegen schenkte ich ihr ein entschuldigendes Lächeln. Ihre Reaktion verblüffte mich. Sie zuckte zurück und lief unter dem verhaltenen Gelächter der Footballspieler und anderen Gaffer in die Richtung, in der ich die Toiletten vermutete.

Da die öffentliche Aufmerksamkeit abgelenkt war, nutzte ich meine Chance und linste ins Innere des Spinds. Wie vermutet stand dort eine kleine Schleuder, ferngesteuert. Ein einziger Schuss? Erbärmlich!

Ich zog das kleine Spielzeug aus dem Halbdunkeln und ließ es direkt vor mir auf den Boden fallen. Der magische Trick namens Erdanziehung verwandelte das teure Kleinod in Schrott.

»Hei, es gibt Abfalleimer!« Trotz der melodischen Stimme war die Herausforderung in den Worten beinahe greifbar und ich hatte Probleme, meine unbeteiligte Miene beizubehalten. Soviel zu meinem Pokerface.

»Ich weiß …« Ich nahm die zweite Hälfte des Spindinnenlebens an mich und drehte mich zu David um, der seine lässige Position aufgegeben hatte. Einige meiner neuen Mitschüler waren clever genug, augenblicklich das Weite zu suchen.

»Schade, dass du das nicht bedacht hast, bevor das Zeug in meinem Spind platziert wurde.« Ungerührt von seinem Näherkommen, ließ ich auch die Bücher, die den Abschusswinkel erhöht hatten, auf den Boden fallen. Trotzdem fiel es mir schwer, David selbst zu ignorieren. Schließlich war er so dicht bei mir stehen geblieben, dass er mich beinahe berührte. An sich nichts Dramatisches, aber was für den einen nicht-dramatisch war, war für den anderen eine Drohgebärde. Ich hasste es, wenn mich Leute dazu zwangen, zu ihnen aufzusehen – und aufsehen musste ich, da ich ihm nur bis zum Kinn reichte und meine Nase in Normalposition fast gegen seine muskulöse Brust stieß.

»Was willst du damit sagen?« Die Betonung seiner Worte hätte gereicht, einen Krieg zwischen Nationen zu provozieren.

Aber anscheinend begannen meine Übungen nun doch zu wirken. Ich trat einen Schritt zurück, um nicht nur David, sondern auch seine Freunde zu mustern. »Pass auf, David. Weder bin ich blöde, noch gerne hier und es wäre mir ganz lieb, wenn du nicht mir die Schuld gibst. Wenn deine Eltern …«

»Lass die beiden aus dem Spiel«, unterbrach er mich und brachte mich zum Lächeln. Dieses Mal war es sogar ehrlich. Er hasste es, wenn ich betonte, dass SEINE Eltern MEINE Stiefeltern waren. Deswegen wiederholte ich es noch einmal expliziter und genoss jede Sekunde seines Zorns. »Also wenn Tante Meg und Onkel Klaus der Meinung sind …«

»Das hat nichts mit den beiden zu tun.« David überbrückte den Abstand zwischen uns und brachte mich wieder in die gefährliche Höhe seiner Brust. »Das hier ist zwischen dir und mir!«

Einatmen, ausatmen … Ich bin ein guter Mensch, om … Beinahe glaubte ich mir selbst.

»Du benimmst dich kindisch!«, behauptete ich mit der gesamten selbstbeherrschten Ruhe, die mir zur Verfügung stand. Dabei betete ich stumm zu allen Göttern und schloss sogar verschiedene Religionen in meine Wünsche mit ein. Und tatsächlich trat David einen Schritt zurück. Sein Blick, eben noch herausfordernd herablassend, wurde weicher. Er erinnerte mich an den David, den ich einmal mehr gemocht hatte, als mir jetzt lieb war.

»Vielleicht hast du Recht?!« Er klang versöhnlich und warf seinem rot-weißen Gefolge einen Blick zu. Sie blickten verwirrt zurück.

Das zweite Klingeln schreckte mich auf. Wenn David nicht bald ging, würde ich zu spät kommen. Ausgerechnet!

»Hei, Liz!«

Ich hatte nicht gemerkt, dass ich mich bereits sehnsüchtig gen Spind gedreht hatte. Der erste Fehler. Der zweite war, auf den Ruf zu reagieren. Die Farbe traf mich vollkommen unvorbereitet. Dass es keine zweite Falle gewesen war, sondern David den Farbballon geworfen hatte – vor Zeugen – schockierte mich. Unfähig mich zu bewegen, starrte ich meinen Stiefbruder an und fühlte einen Moment lang nichts. Gar nichts. Zeitverzögert traf mich die Tat psychisch – mehr, als es ein Schlag ins Gesicht gekonnt hätte – und sekundenlang rang ich um Fassung. Es gab nichts mehr schönzureden, keine Ausreden wie sonst. David machte ernst und offensichtlich waren ihm Kollateralschäden ebenso egal wie eine Strafe.

Bevor ich die veränderte Situation einordnen und mich aus meiner Lähmung lösen konnte, trat er wieder an mich heran.

»Ich werde dir die Zeit hier zur Hölle machen. Du wirst dir wünschen, du wärst in Saint-Blocks geblieben.« Seine Stimme war drohend. Er flüsterte so nahe an meinem Ohr, dass ich normalerweise zusammengezuckt wäre. Zum Glück war ich noch immer erstarrt. Wie durch Watte gefiltert, nahm ich die triumphierenden und beglückwünschenden Rufe der Spieler war, die ausnahmslos ihrem Quarterback David galten. Als ich mich endlich aus der Starre lösen konnte, war er bereits wieder zu seinem Team zurückgekehrt.

»Wünsche ich mir doch schon!«, brüllte ich ihm hinterher. Schon seit Wochen. Seit ich erfahren hatte, auf welcher Schule ich meine Chance zur Rehabilitation bekommen würde.

Natürlich war mein Brüllen vergeblich, David hörte nicht zu, hatte er nie.

Mehr frustriert als wirklich wütend, stopfte ich die Bücher, die ich in der nächsten Stunde nicht brauchen würde, in den Spind. Dann sperrte ich wieder ab. Gleich morgen würde ich mir ein neues Schloss besorgen und gegen die erste Schulregel verstoßen müssen. Meine Finger schlossen sich wieder fester um den kantigen Schlüssel, während ich in dieselbe Richtung ging, die das blonde Mädchen genommen hatte. Einige kichernde Nachzügler verschwanden in den Schulzimmern, bis ich allein und ziemlich rot auf dem eben noch sauberen Flur zurückblieb und mich fragte, wie um alles in der Welt mein erster Schultag so hatte aus dem Ruder laufen können.

Karma, daran musste es liegen.

Manchmal wünschte ich mir wirklich, ein Riese würde kommen, und mich von meiner Stiefmuggelfamilie befreien. Nur waren meine Verwandten eigentlich ganz okay – und ich die Böse. Naja, wenn ich an mir herabsah wohl doch nicht. Außerdem war es ja nicht so, dass ich Leute umbrachte. Nicht, dass ich nicht schon öfter daran gedacht hatte, genauer gesagt dachte ich genau in diesem Moment daran. Aber das taten sechs Jahre Schwererziehbareninternat – Jugendknast hätte besser zur Saint Blocks gepasst – mit einem. Trotzdem war die Saint Blocks immer noch besser, als mit David auf der Schule zu sein. Oder mit David überhaupt irgendwo.

Ich vergrub meine Hände in den Hosentaschen, ignorierte, dass ich so die Farbe nur weiter verteilte und atmete tief ein. Zur Hölle … das konnte ja heiter werden!

Sekundenlang spielte ich mit dem Gedanken, einfach zurückzugehen, in meine Klasse, und David zu verpfeifen. Aber mal ehrlich: wer würde mir schon glauben?

Also benötigte ich fünf Minuten, um das rote Zeug – Tomatensaft mit irgendwas Klebrigem – halbwegs aus meinen Haaren zu bekommen. Fünf weitere Minuten benutzte ich dazu, um wieder einigermaßen trocken zu werden.

Auf dem Weg in den Klassenraum überlegte ich mir einige Möglichkeiten mich zu rächen, verwarf aber alle, da die Vorstellung eines roteingefärbten Davids nicht einmal halbwegs befriedigend war. Obwohl … ein bisschen tröstlich war die Idee schon, als ich die Tür zum Klassenraum öffnete und 26 Anwesende ihre Aufmerksamkeit auf mich richteten. Vor allem, da nur einer von ihnen nicht herablassend grinste. Der Lehrer. Der grinste nämlich überhaupt nicht.

»… de Temples! Hat man Ihnen auf Ihrer alten Schule nicht beigebracht, wie die Uhr gelesen wird?«

Verblüfft über die offene Herablassung und die Feindseligkeit in der Stimme des älteren Mannes, war ich sekundenlang sprachlos. Sekunden, die er mit Worten füllte, die mir noch vor den sechs Jahren im »innersten Zirkel der Hölle« Schamesröte ins Gesicht und Tränen in die Augen getrieben hätten. Oh ja, ich war eine ganz Harte. Dass meine Gesichtszüge meinen rasch wechselnden Emotionen nicht folgen konnten und einfach versteinerten, hatte natürlich nichts mit meinem Lächeln zu tun, das ich trotz des rüden Empfangs beibehielt.

»Orientieren Sie sich einfach am Klingeln – oder ahmen Sie das Verhalten der normalen Schüler nach. Am besten nehmen Sie sich Rebecka Montag zum Vorbild, pünktlich, strebsam und vorbildlich.«

Während seiner Tirade – ich konnte einzelnen seiner Haare beim Grau werden zuschauen – zeigte der Mann mit der Halbglatze und den akkurat über sie hinweggestylten, schütteren Haaren auf einen freien Sitzplatz neben Miss Vorzeigeschülerin. Blondie funkelte mich wütend an. Irrte ich mich oder waren ihre Haare auch noch ein wenig feucht?

»Danke, ich werde mir diesen weisen Rat zu Herzen nehmen!« Ich schenkte meinem neuen Mathelehrer ein dankbares Lächeln, gab mir aber keine Mühe, den Sarkasmus aus meiner Stimme zu verbannen.

Entweder er bemerkte es nicht oder es war ihm egal – vielleicht besaß er auch einfach ein besseres Mantra als ich. Auf jeden Fall wandte er sich wieder dem Lehrmaterial zu, während ich unter dem stillen Grinsen der anderen Schüler den Platz neben Blondie belegte. Tatsächlich, ihre Haare waren nicht ganz trocken – und rochen intensiv nach billiger Handwaschlotion.

Kurz war ich versucht, eine Entschuldigung zu flüstern, doch ihr Blick hielt mich ab. Irgendwoher kann ich diesen Ausdruck. Doch bevor sich das flaue Gefühl in meinem Magen weiter verdichten, oder ich über die merkwürdige Bekanntheit nachdenken konnte, befahl Mister Förster, Seite 74 aufzuschlagen. Das laute Rascheln von Seiten und Aufschlagen von Heften übertönte meine innere Stimme.

Drei Minuten später waren sie und ich eingeschlafen, obwohl mein Körper immer noch vital wirkte und meine Augen offen standen. Ein Zustand, den ich in den letzten sechs Jahren perfektioniert hatte. Niemand konnte so gut geistig anwesend wirken wie ich und sich trotzdem im seelischen Nirwana befinden. Das funktionierte leider nur im Unterricht, nicht im wahren Leben.

»… de Temples

»16ter Buchstabe des griechischen Alphabeths, Neutrum, Majuskel. Als Ziffer hatte der Buchstabe den Wert 80 … im milesischen Prinzip …«

Das Schweigen um mich herum wurde so dick, dass es beinahe bedrohlich wirkte und ich verabschiedete mich von meinem kurzen Seelenfrieden. Irritierte, beeindruckte und hämische Gesichtsausdrücke waren mir zugewandte. Naja, irritiert und beeindruckt war eigentlich nur Mister Förster. Wahrscheinlich der einzige, der etwas mit meiner Antwort anfangen konnte. Geistige Notiz an mich selbst: Intelligente Antworten auf die Frage beziehen und nicht Fachübergreifend-Klugscheißen – versteht hier keiner.

»Pi ist eine Kreiszahl mit dem Anfangswert 3,14159. Die Zahl ist ins Unendliche fortsetzbar … und auch als Archimedes-Konstante bekannt.«

Die anderen Kursteilnehmer wandten sich zum Teil mit herablassenden Gesichtern ab, geflüsterte Bemerkungen mehr oder weniger schmeichelhaften Inhalts wurden ausgetauscht, und Förster nickte gönnerhaft, bevor er sich wieder der Tafel zuwandte. Das Quietschen der Kreide auf der grünen Unterlage war beinahe mehr, als mein Karma ertragen konnte. Das Geräusch schmerzte körperlich und die Abwehrreaktion meines Körpers manifestierte sich genau zwischen meinen Schläfen.

»Hei, Streber!«

Die Dunkelhaarige, die sich einen Doppeltisch mit Rebecka Superschülerin, teilte, lehnte sich ein wenig vor und nutzte Försters Schreiben dazu, mir einen Zettel zu reichen. Unter dem leisen Kichern einiger Jungs, deren Aufmerksamkeit sich auf uns fokussierte, nahm ich den Wisch an mich. »Schade, dass du nicht immer so schlau warst«, stand in roter, akkurater Schrift auf dem Zettel, darunter der Vermerk »Daneben gekackt.«

»Fräulein Morgen? Entschuldigung, dass ich Sie und Jessica Slater unterbreche …« Förster klang selbstgefällig gut gelaunt und brachte meine Nachbarin allein mit seiner Tonlage aus der Ruhe. »Kommen Sie, Mädchen. Zieren Sie sich nicht so.« Er deutete auf die Tafel, nur für den Fall, dass Fräulein Morgen nicht zugehört hatte. Eine unfaire Hilfestellung, wie meine aufgewühlten Emotionen fanden. Die Versuchung, den Zettel einfach in der Hand zu zerknüllen, war beinahe übermächtig, und ich spürte, wie sich meine Finger langsam krümmten. Meine Nachbarin stand auf. Ich erstarrte. Hatte Förster mir gerade zugezwinkert? Direkt, bevor er sich zur Tafel umgedreht hatte?

Ich starrte Blondie hinterher, wie sie tapfer und gefasst zur Tafel stolzierte, ganz Musterschülerin. Tatsächlich, Försters Blick blieb einen Augenblick an mir hängen, glitt zu dem Zettel in meiner Hand, dann wandte sich der Lehrer der Tafel und der rechnenden Schülerin zu.

Ich nutzte die Gunst der Stunde und drehte den Zettel herum. Ein Baby, klein, moppelig und ein wenig schrumpelig strahlte mir entgegen. Rabenschwarze, struppige Haare standen in alle Himmelsrichtungen, doch das Augenmerk wurde auf den Wickeltisch gelenkt. Auf die offene Windel und das ganz offensichtlich danebengekackte Häufchen, das zur Hälfte über den kleinen Babypopo geschmiert hatte.

Wer zum Teufel fotografierte denn so etwas?

Mein zweiter Gedanke war auch gleichzeitig die Antwort auf Gedanke Nummer eins. Das Muttermal neben dem Bauchnabel gab Aufschluss auf die Identität des Babys – und auf die Eltern, die den Anblick auf Zelluloid gebannt hatten.

Super! Ganz große Klasse … Aus dem Augenwinkel sah ich, wie einige andere Schüler kleine Zettel in die Höhe hielten. Niemand musste mir erklären, was wohl darauf abgebildet war. Ein Hoch auf David, den tollsten Stiefbruder, den man sich wünschen konnte.

Ich legte das Bild vor mir auf den Tisch, in die Deckung meiner Schlamperrolle. Abstreiten war eine Option, aber nur eine kurze. Zwar kannte nur ich das einzige, dafür aber sehr einprägsame, Muttermal meines Körpers – Groß, eine Art heller Vollmond in dem sich eine dunklere Mondsichel befand und ein Venusstern innerhalb dieser Mondsichel – aber warum das Offensichtliche leugnen?

Mit dem Zeigefinger strich ich über das Bild, und die blassrosa Wundmale, die an einigen Stellen meine Hand verunzierten, schmerzten plötzlich wie am ersten Tag. Für einen Augenblick kämpfte ich nun doch gegen die Tränen, die ich so lange zurückgehalten hatte. Acht Jahre lang hatte ich nicht einen einzigen Tropfen vergossen, ich hatte nicht beim Tod meiner Eltern geweint, nicht im Krankenhaus, als meine eigenen Verbrennungen behandelt worden waren, nicht bei der Beerdigung und auch nicht, als ich beinahe ertrunken war – erst recht nicht bei meiner Verbannung auf das »Internat-des-Grauens«. Aber wie sehr mussten meine Eltern mich geliebt haben, wenn sie sogar vor solch einem dämlichen Foto nicht zurückschreckten?

»Ich würde vor Scham tot umfallen – oder notfalls dem Schicksal dabei nachhelfen«, flüsterte die Dunkelhaarige hilfsbereit. Gerade laut genug, so dass auch die von der Tafel zurückkehrende Rebecka etwas von der Bemerkung hatte. Schwungvoll warf sie ihre inzwischen getrockneten, schönen blonden Haare über ihre Schulter und machte aus ihrem Hinsetzen eine Model-Show. Der Blick, der mir galt, war dazu geeignet, Frostbeulen hervorzurufen.

Trotzdem musste ich lachen. »Dann ist es ja gut, dass es mein Bild ist … denn ich liebe es – und ich wurde geliebt!«

Meine Mundwinkel verselbständigten sich, und mein Grinsen wuchs in die Breite als ich meinem guten Karma mutwillig den Todesstoß versetzte. »Weißt du eigentlich, dass 60 % der Highschool-Schönheiten 5 Jahre nach ihrem Abschluss bereits übergewichtig sind, sich 30% nach zehn Jahren Ehe scheiden lassen und beim ersten Klassentreffen immer noch versuchen die gutaussehenden, erfolgreichen Normalo-Mitschüler niederzumachen? Erbärmlich, oder?«

Das Klingeln unterbrach Jessicas Antwort.

Kapitel 2

Ich pinnte das Babyfoto auf die Innenseite meiner Spindtür und verstaute erst dann meine Bücher im halbdunklen Innenraum. Obwohl immer noch ein leichter Geruch nach Ketchup in der Luft hing, spürte ich das Strahlen auf meinem Gesicht. Ich liebte dieses Bild!

Auch wenn ich die hämischen Blicke in meinem Rücken spürte konnte, gelang es mir doch, das Getuschel auszublenden. Das Gewirr der verschiedenen Stimmen, ob auf mich bezogen oder allgemein, war zu einem sanften Hintergrundgeräusch geworden. Es störte mich nicht weiter, als ich die aktuellen Unterrichtsunterlagen und Bücher hervorkramte und dabei immer wieder zu der Abbildung blickte. Immerhin war es das einzige Bild, das mich als Kind zeigte. Alles andere hatte das Feuer damals verzehrt. Zusammen mit einem großen Teil meiner Erinnerung an meine Kindheit.

Ich seufzte, weil mir auffiel, dass ich gerade Unterlagen für die falsche Stunde zusammenkramte. Abermals wechselte ich die Bücher und kontrollierte noch einmal alles. Erdkunde, Atlas, gebundenes Buch in hässlichem grünen Plastiküberzug, Schreibheft, Montag, 4. Stunde, alles richtig. Naja, bis auf den Geruch nach Plastik, der von dem Umschlag kam.

»Sind das deine Schmierereien?«

Die Stimme war so laut, dass sie sich über das Hintergrundgemurmel erhob. Und so nah an meinem Rücken, dass kein Zweifel möglich war. Jemand sprach mit meiner Wirbelsäule. Trotzdem benötigte ich einige Sekunden, um die Worte wirklich in einen Zusammenhang zu bringen und zu analysieren, dass der Sprecher niemand war, den ich kannte.

Langsam drehte ich mich um und sah direkt in die empörte Miene eines jungen Mitschülers. Selbst sein blaues Outfit schaffte es, vor selbstgerechtem Grimm förmlich zu strahlen. Schlagartig kamen die Geräusche, die Farben und die Hektik in meine kleine private Welt zurück. Ich blinzelte und versuchte die Kleidung und den Jungen einzuordnen. Doch es war die Offensichtlichkeit, mit der sich Rebecka und ihre Freundin plötzlich mit etwas anderem beschäftigten und die bummelnden Schüler in meiner näheren Umgebung auf einmal einen Zahn zulegten, die mir den ersten Hinweis gab. Ich ignorierte ihn.

»Wieso sollte ich 666 auf meinen Spind schreiben?«

Die Miene des Jüngeren verzog sich kaum merklich und gab einen Hauch der Verachtung preis, die er vermutlich für alle anderen Schüler verspürte. Trotzdem blieb sie auf gewisse Weise genauso farblos, wie der Rest von ihm, der nicht blau leuchtete.

Als die Geräusche der anderen Schüler dieses Mal in den Hintergrund blendeten, lag es nicht an mir, sondern daran, dass die anderen leiser wurden. Selbst die beiden Jungen, die mit einem dritten schräg vor mir auf der anderen Seite des Ganges standen und ihn eben noch gegängelt hatten, wurden ruhiger. Die Hektik, die sie beim Verhandeln über die Preise von Fußballsammelkarten an den Tag gelegt hatten, erstarb schlagartig und machte einer gespannten Aufmerksamkeit Platz. Wie Fluchttiere, die ein drohendes Unwetter aufkommen spürten. Selbst der Blick meines Gegenübers verließ zum ersten Mal mein Gesicht und wanderte zu einem Punkt über meiner Schulter. Sekunden später konnte ich aus dem Augenwinkel erkennen, wem die allgemeine Aufmerksamkeit galt. Natürlich! Rebecka und ihre Freundin waren ja schon da und im Mittelpunkt. Fehlte nur noch mein geliebter Stiefbruder. Sogar ohne mich nach ihm umzudrehen sah ich das hämische Grinsen, als er mit seinen Freunden an mir vorbeimarschierte, als gehöre ihm die Schule. Und im gewissen Maße stimmte das sogar. Andere wichen ihm aus, erstarrten und beobachteten furchtsam, was er tat. Wie Kaninchen vor der Schlange, dachte ich und platzierte das letzte überflüssige Buch geräuschvoll in meinem Spind. Ich hatte ja keine Ahnung gehabt, dass man vor David Angst haben konnte. Oder vor seinen Superkumpels und Saufkumpanen. Ich warf einen weiteren, unauffälligen Blick in Richtung Stiefbruder. Zwei seiner Anhängsel erkannte ich, weil sie am Wochenende bei uns gewesen waren. Also eigentlich bei Meg, Klaus und David, denn ich war in meinem Zimmer geblieben und hatte die heile-Familie-trifft-Freunde-Szene nur durch das Fenster betrachtet. Paul und Dominique. Sie waren inzwischen an mir und dem anderen vorübergegangen, schenkten mir aber immerhin noch neugierige Blicke zurück über die Schulter. Der dritte ging neben meinem Bruder und drehte sich nicht um. Immer wieder von der überragenden Figur Dominiques verdeckt, war nur wenig von ihm zu sehen. Aber das Wenige war schon zu viel. Die mitternachtsschwarzen Haare wirkten wie ein Auslösemechanismus. Sie brachten genau die Gefühle zum Vorschein, wegen denen ich mich jede Nacht vor dem Einschlafen fürchtete. Die absolute Hilflosigkeit, gepaart mit Angst und irrationaler Hoffnung. Ich kannte jemanden mit solchen Haaren! Und als ich an die dazugehörige Person dachte, war es vollständig um meine innere Ruhe geschehen. Gegen manche Dinge halfen weder Mantren, noch Atemübungen. Mein Atem setzte aus und mein Innerstes gefror. Der Sauerstoffmangel war sofort da und akut. Ich würde ersticken. Mitten in der Schule. Panik floss in einer Welle aus Adrenalin durch meinen Körper und brachte mich dazu, meinen offenstehenden Mund zu schließen. Erst jetzt merkte ich, dass ich weitergeatmet und der blaue Schlumpf vor mir etwas gesagt hatte. Denn offensichtlich wartete er auf eine Antwort.

»Entschuldigung. Wie bitte?« Zu meiner eigenen Überraschung klang meine Stimme ganz normal, obwohl mein Herz immer noch raste.

»Du hast fünf Minuten, um die Farbe zu entfernen.«

Jetzt begriff ich. Blau war die Uniform der Schülerlotsen.

»Hör mal …«

»Justus Früh. Kommt von Justitia, der römischen Göttin der Gerechtigkeit.«

»Justus Früh. Ich bin neu an dieser Schule und jemand hat meinen Spind beschmutzt, ebenso den Boden davor. Und du bestrafst mich, anstatt den Schuldigen zu suchen? Was denkst du, wie gerecht meine Eltern das finden werden?«

»Hast du dort, wo du herkommst auch immer die Anweisungen der Autoritätspersonen in Frage gestellt?« Oh weia, Justus war nicht nur ein Rechtsverdreher, sondern wirklich Superschlumpf at his best.

»Für eine Autoritätsperson fehlt es dir an Alter – und an Erfahrung mit Leuten, die da herkommen, wo ich gelernt habe, dass Recht haben und Recht bekommen nicht immer dasselbe ist …«

Ich drehte mich um und schloss meinen Spind, wobei ich sowohl die rotgeschmierte Zahlenkombination als auch den Drohungen murmelnden Schüler hinter mir ignorierte. Wenn ich für jede Drohung zum Direktor musste, würde ich in diesem Schuljahr verdammt wenig Zeit im Klassenraum verbringen. Allerdings war ich bisher davon ausgegangen, dass mein Stiefbruder und seine Späße und Verschwörungen dafür sorgen würden – nicht ich selbst mit meinen eigenen Entscheidungen.

Unwillkürlich warf ich einen Blick Richtung David. Die gesamte Truppe an Spielern und Cheerleadern war in Hörweite stehengeblieben. Obwohl sie so taten, als bekämen sie nichts von dem zeternden blauen Jungen vor mir mit, war die Ruhe der sechs aufschlussreich. Genug jedenfalls, um meine innere Erstarrung, die mich beim Anblick dieser unglaublichen, schwarzen Haare wieder ergriff, in Wut zu verwandeln.

»Weißt du was …?« Ich richtete meine Wut auf Justus Superschlumpf. »Du machst dich unglaubwürdig, wenn du Drohungen und Warnungen nicht in die Tat umsetzt!« Ich ging an ihm vorbei und nur der winzige, gute Teil meiner Persönlichkeit verhinderte, dass ich ihn dabei anrempelte.

Mein Gehen war eigentlich eine langsame Flucht hoch erhobenen Hauptes. Aber das wusste nur ich. Trotzdem konnte ich die Blicke wie Dolche in meinem Rücken spüren. Mindestens sieben Augenpaare verfolgten meinen Abgang … aber nur eines davon hatte ihn ausgelöst und nur die dazugehörige Person interessierte mich wirklich.

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Einatmen, halten, halten, halten … ausatmen, halten … Ich versuchte meine Angst und die Aufregung zu unterdrücken. Doch mein Herzschlag klang so laut in meinen Ohren, dass er die anderen Geräusche um mich herum übertönte. Wenn ich die Augen schloss, nahm das Schlag-Schlag meine gesamte Wahrnehmung in Anspruch und es schien unmöglich, dass niemand anderes diesen Laut hören konnte. War es aber, deswegen verharrte ich reglos in meiner kleinen Nische und bemühte mich darum, möglichst unauffällig zu sein. Eine Eigenschaft, die ich perfektioniert hatte – zumindest bis vor fünf Minuten.

Seit diesen fünf Minuten stand ich in einem Schatten, der so finster war, dass allein das Fehlen von Licht schon gereicht hätte, mich nervös zu machen. Doch manchmal musste man über seinen Schatten springen – welch blödes Wortspiel – und mit der Dunkelheit klarkommen. Trotzdem zitterte ich wie Espenlaub und konnte nur noch sehr flach atmen.

Aber es schien zu funktionieren. Die anderen Schüler stürmten an mir vorbei, ignorierten mich in Gruppen und tauschten sogar geflüsterte Geheimnisse in meiner Hörweite miteinander. Selbst Rebecka und die Dunkelhaarige schienen keinerlei Notiz von mir zu nehmen. Sie waren zu sehr damit beschäftigt, David zu gefallen, der mit ihnen Richtung Klassenzimmer flanierte. Der Anblick ihrer ebenmäßigen Gesichter, die Lippen zu einem modelmäßigen Lächeln verzogen, genügte, um mich von der Finsternis abzulenken. Sogar meine Angst verschwand und machte einem Gefühl Platz, das ich nicht ergründen konnte und wollte.

Dieses Mal ignorierte ich das Klingeln absichtlich. Ebenso den Drang aus der Finsternis zu fliehen und mich den anderen Schülern anzuschließen. Bewusst verdrängte ich den Gedanken daran, dass ihre Gegenwart Schutz bot und konzentrierte mich auf die Wut, die ich seit meiner Ankunft in der Schule in meinem Innersten brodelte. Sie war verschwunden. Na toll!

Dabei war ich doch gar nicht diejenige, die Schutz benötigte. Ich legte mehr Gewissheit in den Gedanken hinein, als ich empfand, und erinnerte mich daran, dass ich diejenige war, die im Schatten stand, diejenige, die lauerte. Es half trotzdem nur bedingt. Einatmen, halten, halten, halten, und … ausatmen, warten, warten, warten und … langsam übernahm wieder das Adrenalin die Oberhand und versetzte mich in eine Art Hochspannung. Ich wich tiefer in die Nische zurück. Nur für den Fall der Fälle.

Er trat nicht ein. Niemand schaute überhaupt in meine Richtung. Nicht der strohblonde Klassenclown, mit dem ich Mathe gehabt hatte und der seine Nase in die gefärbten Haare seiner Freundin grub, nicht die Cheerleader in ihren rotweißen Kostümen und auch nicht die Gang der Wir-sind-so-verwahrlost-dass-esschon-wieder-cool-ist. Alle strömten an mir vorbei und in ihre Unterrichtsräume. Langsam leerte sich der hellgraue Gang und gab den Blick frei auf die Spindreihe. Erst jetzt bemerkte ich, wie abenteuerlich einzelne Fächer gestaltet waren. Offensichtlich galt bei einigen: Individualität gegen die Norm. Gegen die farbenfrohen Portraits, Graffiti oder Collagensammlungen war meine »666« noch harmlos.

Der letzte Schüler, der in Sichtweite gewesen war, ging in den Raum, in dem ich jetzt auch sein sollte. Das Zufallen der Tür klang in dem leeren Flur sehr laut. Es machte mich nervös. Aber nicht halb so nervös, wie es die plötzliche Stille tat.

Trotzdem widerstand ich der Versuchung, meinen Stundenplan hervorzukramen. David war bereits gegangen, es gab keinen rationalen Grund, meine Stunden mit seinen zu vergleichen, um ihm nicht über den Weg zu laufen. Ein Vergleich wäre lediglich eine irrationale Übersprunghandlung, um meine Nervosität zu überspielen. Außerdem konnte mich jedes Geräusch verraten. Ich schluckte bei dem Gedanken und versuchte mein Herz zum leiser Schlagen zu animieren. Erfolglos.

Dabei musste er schon in Hörweite sein!

Ich schloss kurz die Augen und schickte ein letztes Stoßgebet gen Himmel, während die Geräusche näher kamen. Beim zweiten Läuten – dem Beginn des Unterrichtes – trat ich um die Ecke. Und war beinahe so schockiert, wie die drei anderen Schüler. Obwohl ich auf mein Gegenüber vorbereitet gewesen war, benötigte ich eine Sekunde, um mich von seinem Anblick zu lösen. Seine hellen, blauen Augen waren immer noch so unglaublich, sein Blick ebenso angsteinflößend wie damals. Es gab kein Vertun. Den Grund für meinen Aufenthalt in Saint Blocks hätte ich auch nach dreihundert Jahren und im siebten Kreis der Hölle wiedererkannt.

»Hallo, Arschloch!« Obwohl seine Begleiter von den drei Footballspielern die deutlich größeren und massigeren waren, war der größte Teil meiner Aufmerksamkeit auf den Schwarzhaarigen gerichtet. Ein kleiner Teil meiner Selbst war plötzlich wieder zehn Jahre alt und eingeschüchtert, während ein anderer jede Veränderung an ihm registrierte, die langen dunklen Wimpern, die Größe, die breiten Schultern … und … ich unterbrach meine Beobachtungsgabe und trat einen Schritt näher, bevor Jonah reagieren konnte.

»Wir müssen etwas klären!«

»Meine Güte, die Kleine hat Mumm oder?« Dominique schenkte mir ein fettes Grinsen, was sich auf seinem ebenso fetten Gesicht nicht gut machte. Es erinnerte an ein Michelin-Männchen.

»Ich denke eher, sie ist verrückt!« Paul stemmte seine Arme in die Hüfte, um das Augenmerk auf den Umfang der Muskeln zu richten. »Lauf!«, forderte er.

Ich konnte spüren, wie mein rechter Mundwinkel nach oben zuckte. Mein Blick glitt wieder zurück zu Jonah und wieder schlugen mich seine Augen in den Bann. Schade, dass sie zu einem Irren gehörten.

»ICH werde nicht laufen!«

Meine Stimme klang genauso selbstsicher, wie ich mich inzwischen fühlte. Ein Hochgefühl hatte von mir Besitz ergriffen und prickelte durch meine Adern. Adrenalin pulsierte darin mit und die Gewissheit, die Oberhand zu haben.

»Weißt du, was mit kleinen Mädchen passiert, die auf unserer Liste stehen?« Dominique bewegte sich so zur Seite, dass er mir den Weg zu den Klassenräumen abschnitt – und sich selbst jede Fluchtmöglichkeit versagte.

Es dauerte einen Augenblick, bis ich begriff, dass das Lachen aus meinem Mund kam. Vitalität und Erleichterung verwandelten sich in befreiende Laute. Der Gesichtsausdruck der beiden Jungs wechselte von drohend zu verwirrt. Nur Jonah reagierte nicht, sondern sah mich weiterhin mit einem Ausdruck an, den ich nicht deuten konnte. Enervierend.

»Hat David euch nicht gewarnt?« Die Selbstsicherheit in meinen Worten ließ Dominique einen Schritt nach vorne machen.

Jonah stoppte ihn mit einer Handbewegung.

»Wir wollen doch nicht, dass jemand verletzt wird, oder?« Seine Stimme war tiefer und weicher als ich sie in Erinnerung hatte. Beherrscht. Selbst ohne die Geste wäre jedem sofort klar gewesen, wer von den dreien die ranghöchste Position innehatte. Es mochte den beiden fülligen Best-Buddies nicht bewusst sein, aber ihre Instinkte bemerkten es. Dominique nickte, offensichtlich zufriedengestellt. Aber er konnte ja auch nicht sehen, wen Jonah geschützt hatte. Trotz seines lakonischen Lächelns, das mir galt, war der Schwarzhaarige der einzige von den dreien, der mich nicht unterschätzte.

Seine nächsten Worte belehrten mich eines Besseren.

»Geht schon mal vor!«

Nach einer Verwirrungssekunde setzten sich Paul und Dominique in Bewegung. Nicht ohne mir letzte, wütende Blicke zuzuwerfen, die mir eine Menge Ärger versprachen. Lustig eigentlich, denn egal, wie diese Konfrontation ausging, eine Menge Ärger würde ich ohnehin bekommen.

Jonahs Blick folgte seinen beiden Kameraden, bis sie um die nächste Ecke und auf den Hauptflur gegangen waren. Erst dann wandte er sich wieder mir zu.

»Also?!« Immer noch wirkte er unbeschreiblich lässig und sich ärgerlicherweise keinerlei Schuld bewusst. »Sie haben dich wieder auf die Normalsterblichen losgelassen?«

»Wie dich?«

Er lachte leise, und der Ton sandte einen weiteren Schwall Adrenalin durch mein System. Selbst meine Fingerspitzen kribbelten, als er mich von oben bis unten begutachtete.