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Elke Immanuel

Liebe meines Lebens

- bis dass der Tod uns scheidet?


Ich widme all den Frauen und Männern diesen Roman, die sich mit Elfi und Gert, meinen beiden Romanfiguren, identifizieren. Möge Gott, der alles ändern kann, euch mit euren Seelenpartnern zusammen führen! Seid gesegnet!


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Liebe meines Lebens - bis dass der Tod uns scheidet?

Elke Immanuel

Liebe meines Lebens - Bis dass der Tod uns scheidet?
    

Ein Roman frei aus dem Leben

 

 

© eBook-Version 2015 Elke Immanuel
    Alle Rechte Text und Bild bei Elke Immanuel


    Schriftzitate aus Luther-Bibel 1912

Inhalt

Inhalt

 

Vorwort - Vorwort von „Einer“ - Corinna
     Dank
     Personen
     Prolog


     1 Mein 45. Geburtstag
     2 Dr. Kornthal privat
     3 Seelenverwandt
     4 Ein neues Bündnis
     5 Die Skulptur entsteht
     6 Gartenmöbel
     7 45 Jahre - Schmetterlinge im Bauch
     8 Peters Altlasten
     9 Von den Liebchen und Eischen
   10 Die Grenze überschreiten
   11 Kündigung
   12 Weihnachtsfreuden
   13 Amerika
   14 Ich bin immer da
   15 Wenn du mich brauchst
   16 Frühling lässt sein blaues Band
   17 Den Tatsachen ins Auge sehen zu müssen
   18 Heimkommen
   19 Entscheidung – oder die Wege Gottes
   20 Es ist vorbei
   21 Zehn Jahre später

   Nachwort

 

Vorwort

 Liebe meines Lebens - bis dass der Tod uns scheidet?

 

Das Manuskript zu diesem Buch habe ich bereits vor zehn Jahren geschrieben. Die Thematik jedoch ist und bleibt wahrscheinlich so lange aktuell, wie es Menschen gibt. Vieles, was ich als Roman niedergeschrieben hatte, habe ich so oder so ähnlich in meinem Umfeld beobachtet. Manchmal waren die Situationen sehr schlimm. Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt: Wo fängt das Ende einer Ehe an - wie weit kann man als Ehepartner Kompromisse eingehen, um eine Ehe aufrecht zu erhalten. Wann ist der Zeitpunkt erreicht, wo keine Möglichkeit mehr gegeben ist, und man sich endgültig für eine Scheidung entscheiden muss, oder vom Partner dazu gezwungen wird. All dies sind aktuelle, brisante Themen.

 Als ich das Manuskript jetzt aktuell überarbeitet habe, standen mir so manche Situationen noch einmal lebhaft vor Augen. Ich erkannte, wie dankbar ich Gott wirklich für meinen Mann sein kann. Es hat meine Sicht ziemlich verändert und mir wurde zum ersten Mal in vollem Umfang bewusst, wie wertvoll es ist, in der heutigen Zeit nun schon 40 Jahre mit dem gleichen Mann sein Leben zu teilen, eine intakte Familie zu haben und die Sicherheit einer stabilen Partnerschaft im Hintergrund zu wissen.

Diese Erkenntnis und die positive Resonanz meiner „Probeleser“, die mein Manuskript vorab gelesen haben, spornten mich noch einmal an, mein Buch zu veröffentlichen. Ich habe das Manuskript einem befreundeten Ehepaar, Corinna und Manfred, zum Lesen gegeben. Das Feedback dazu möchte ich hier gerne wiedergeben und lasse Corinna einfach selbst zu Wort kommen.

 Das Gedicht von „Paul“ hat mir mein lieber Freund vor vielen Jahren in einer Krisenzeit geschrieben. Paul ist inzwischen schon im Paradies!

 Möge der Herr dir, liebe/r Leser/in beim Lesen immer näher kommen! Das ist mein Wunsch und mein Gebet und der einzige Grund, warum ich diesen Roman veröffentliche.

 

Elke Immanuel

 

Vorwort von "Einer" - Corinna

Ich, Corinna, bin „Eine“, die diese „Geschichte“ von Elfi ähnlich durchlebt hat.
Mein Herzenswunsch ist es, dass Menschen in ähnlichen Lebens-Situationen ihre Hilfe bei Gott suchen und finden, der sich in Seiner Gnade zu uns beugt und uns aufhilft, heilt und uns in Seiner Liebe annimmt. Der Verständnis für unsere Fehler hat und ein zerbrochenes Herz wieder heilen kann. Jesus ist gekommen, als wir noch Sünder waren, um das Verlorene zu retten. Er ist für die Not der Menschen gekommen, um aus Verzweiflung Freude zu machen, aus Verletzung heraus Heilung und aus Tod neues Leben zu geben.

 Ich weiß nicht, wie ich damals ohne Jesus die Trennung von meinem ersten Mann durchgestanden hätte und wie meine Zukunft verlaufen wäre. Eines ist klar, Jesus hasst Scheidungen, Trennungen jeglicher Art. Doch der Mensch wurde mit einem freien Willen von Gott geschaffen. Die Konsequenzen die aus unseren Entscheidungen resultieren, wie wir unser Leben leben und gestalten, liegen in erster Linie in unserer Verantwortung. Doch genau da steht Jesus mit offenen Armen und ruft: „Komm, ich will dir helfen, ich will mit dir leben und dir Freude und Heil schenken – komm in meine Arme!“

 Heute darf ich mit meinem zweiten Ehemann ein neues, erfülltes Leben haben, das mir Jesus in seiner Liebe geschenkt hat. Jesus ist es, der echtes ausgefülltes Leben geben kann und uns wieder auf die Füße stellen will. Er hat damals die Weichen für mein neues Leben an der Seite eines Mannes gestellt, der in seinem Wesen Elfi´s Dr. Kornthal ähnlich ist. Dies konnte geschehen, weil ich meinen Willen und meine Gefühle bewusst in Jesu Hände gelegt habe. Möge diese Geschichte Mut machen, auf Gott zu vertrauen und durchzuhalten, bis eine Lösung kommt.

 

Jesus sei alle Ehre und Dank gegeben.

Corinna

 

Dank

 Zur Ehre geschrieben für:

JESUS CHRISTUS – der mich liebt, lenkt und begleitet – egal wohin ich gehe.

 

Mit Dank an: Meinen Mann, dem Mann,
der seit 45 Jahren gute und schlechte Zeiten mit mir
teilt. Danke für deine Beharrlichkeit, mich zu der Frau zu machen, die ich heute bin!

 

Meine Söhne, meinen wahren Schätzen, die mir eine sehr große Freude sind!

Danke dass ihr mir immer wieder eure Liebe so herzlich zeigt!

 

Dank auch an all meine WAHREN FREUNDE, diejenigen,

die mich nehmen wie ich bin. Ihr seid sehr wertvoll!

 

Zum Gedenken an meinen lieben Vater,

der bereits im Paradies sein darf.

Er hat den Grundstein für mein jetziges Leben gelegt.

Ihm verdanke ich das feste Fundament. Er hat mich verstanden und gefördert!

Gott unser Herr möge euch alle reichlich segnen!

Die Personen

Die Personen sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten sind natürlich wie immer rein zufällig!


     Die Personen:

 

Dr. Gert Kornthal (52) .... Elfis Frauenarzt

Dessen Kinder:

Anke (26) Architektur-Studentin
     Phillip (29) Internist

Elfi Hauser (45) .... Patientin
     Wolfgang Hauser (45) Elfis Mann

Deren Kinder:  

Peter (25) Grafik-Designer         

Bernd (21) Buchhändler

David (14) Schüler

Freundin: Caroline (39) Elfis beste Freundin

Und: Blacky (5) der Familienhund .... Elfis treuer Vierbeiner

 

Dasein!

D A S E I N

 


Jedes menschliche Dasein ist ein Rennen

mit vielen verschiedenen Kapiteln

doch einmal, einmal wird es auch das

Letzte geben

ob es aber vollendet ist
liegt am vergangenen Dasein

und dieses Dasein nennt die Menschheit

L E B E N !

 


Paul

 

Prolog

 Lebkuchen im September

 

Gerade komme ich vom Einkauf zurück. Auf meinem Einkaufskorb liegt obenauf eine Packung Lebkuchen. Ich stelle den Korb auf den Tisch in unserer Küche. Mein Mann Wolfgang kommt zur Tür herein, geht mit finsterer Miene ohne ein Wort zu sagen an mir vorbei, bleibt stehen, dreht sich um, sieht in den Korb und schon geht das Donnerwetter über mir los. „Sag mal, spinnst du? Haben wir zuviel Geld oder was?“ Ich bin ganz erschrocken. Was habe ich denn nun schon wieder falsch gemacht?

Mein Herz fängt wild an zu klopfen. Ich sehe ihn an und weiß nicht, was er schon wieder zu mäkeln hat. Nur seine bösen Augen sehe ich. Mein Mund wird ganz trocken. „Wieso kaufst du Lebkuchen?“, zischt er mir entgegen. Ich schaue zu den Lebkuchen hin und frage: „Warum sollte ich keine Lebkuchen kaufen?“ „Wie dämlich muss man sein, im September Lebkuchen zu kaufen!“ Er schaut mich verächtlich an – und geht zur Tür hinaus.

Da stehe ich nun, mitten in der Küche, schaue auf die Packung Lebkuchen und verstehe gar nichts. Meine Gedanken schlagen Purzelbäume. Warum soll ich keine Lebkuchen kaufen, wenn es welche zu kaufen gibt, auch wenn es erst September ist? Die Packung kostet nicht einmal einen Euro, wozu dieses Theater?

Gibt Wolfgang nicht genug Geld für sein teures Hobby aus. Fragt er jemals, ob wir uns das leisten können? Und jetzt hält er mir eine Packung Lebkuchen vor, als würde davon unser weiteres Leben abhängen….

Tränen steigen mir in die Augen. Ich räume die Lebensmittel ein und tue meine Arbeit……

 

Kapitel 1 - Mein 45. Geburtstag

Zwei Tage später….
Heute ist mein 45. Geburtstag. Es ist mir in keiner Weise nach Feiern zumute. Wolfgang hat mir nicht einmal gratuliert, bevor er zur Arbeit geht. Eigentlich ist jeder Tag, an dem andere Freude haben, bei uns ein trostloser, trüber Tag. Trotzdem versuche ich, das Beste daraus zu machen. Meine beiden „Großen“ haben schon ganz früh gratuliert und David zündet beim Frühstück eine Kerze für mich an.

Ich habe heute zudem einen Termin bei meinem Frauenarzt – eine Routineuntersuchung. Nach der Untersuchung geht Dr. Kornthal, den ich seit fast 20 Jahren als kompetenten, freundlichen, menschlichen Arzt kenne, aus dem Zimmer. Ich stehe hinter dem Vorhang in der Umkleidekabine und ziehe mich wieder an.

Es ist soweit alles in Ordnung. Die Ergebnisse des Krebstestes, den er gerade gemacht hatte, würden in etwa 8 Tagen vorliegen, erklärt er mir. Nur mein Gemütszustand, den er, wie er sagt, in meinen Augen lesen kann, mache ihm Kummer. „Ist es immer noch so schlimm bei ihnen zuhause?“, hat er mich gerade bei der Untersuchung gefragt. Was sollte ich ihm sagen, ja es ist immer noch nicht besser mit Wolfgang. Ich habe noch nicht den Mut gefunden, alles hinzuwerfen und mein eigenes Leben zu beginnen. Ich sage nichts, sehe ihn nur an. Es ist mir peinlich, über meine Eheverhältnisse zu sprechen. Er nickt mit dem Kopf, versteht ohne Worte. Dann geht er aus dem Zimmer.

Was ist mein eigenes Leben – ist es nicht mein Mann und meine Familie, die drei Kinder, die wir zusammen bekommen haben? Ja, was sollte ich darauf antworten? Es ist immer noch nicht anders - leider. In diese Gedanken versunken, höre ich, wie die Tür wieder aufgeht. Dr. Kornthal steht im Zimmer, als ich hinter dem Vorhang hervorkomme. Ich schaue ihn an. Hat er mir doch noch etwas zu sagen – bin ich vielleicht doch nicht gesund?

Aber anstatt etwas zu sagen, nimmt er ganz behutsam meine Hände und drückt sie. „Sie sind eine ganz besondere Frau“, sagt er schließlich und streicht mir über meine Wange. „Sie haben heute Geburtstag, habe ich gerade gesehen! Ich wünsche ihnen von ganzem Herzen alles Gute.“ Es wird mir ganz warm zumute – und ich werde ein wenig rot – wie ein kleines Mädchen. Ich bin so perplex, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll. So schaue ich ihn nur lächelnd an – ich sehe in sein Gesicht, direkt in ein paar leuchtendblaue Augen, umgeben von feinen Fältchen, die sich jetzt durch sein Lächeln vertiefen. Welche Wärme dieser Mann ausstrahlt, welche Geborgenheit, welche Ruhe....

Er gibt mir noch einmal die Hand, umschließt meine mit seinen beiden Händen und sagt, er würde mich gerne anrufen, wenn die Testergebnisse eingetroffen wären. Ja, das könne er gerne tun, erwidere ich. Ich sage ihm unsere neue Telefonnummer, die wir erst seit einigen Tagen bekommen haben. Er gibt sie seltsamerweise nicht an seine Sprechstundenhilfe weiter, sondern schreibt sie auf einen Zettel und ich sehe, dass er ihn in seine Kitteltasche steckt.

Wir verabschieden uns. Ich gehe aus der Praxis und mir zittern die Knie. Auf der Straße hole ich erst einmal tief Luft. – Was war jetzt dies? Ich schäme mich. Was denken die Menschen über mich und meine Ehe? Es ist entwürdigend für mich, darauf angesprochen zu werden. Doch andererseits tut es mir gut, dass überhaupt jemand Notiz von mir nimmt. Er hat gesehen, dass ich heute Geburtstag
habe.

Meine Gedanken gehen zu Jesus, meinen Herrn. Ich liebe Jesus von ganzem Herzen und habe Ihm vor Jahren schon mein Leben in die Hand gelegt. Ohne Jesus hätte ich diese Ehe nicht solange ertragen können. Bei Ihm finde ich die Hand, die mir Halt gibt.

Herr, Du weißt, dass ich in Deinen Händen bin. Aber was hat das zu bedeuten? Wieso fragt ausgerechnet Dr. Kornthal nach meinen Verhältnissen daheim? - diese Frage schicke ich in Richtung Himmel…

Ich setze mich in mein Auto und fahre nach Hause. Mir fällt der Vorabend ein. Gestern war wieder einmal kein Auskommen mit meinem Mann möglich gewesen. Kein normales Gespräch kam zustande. Nur Zank und Streit wegen allem möglichen Unwichtigen. Wegen der Kinder, die nicht nach seiner Ansicht leben, hat er mit mir Streit angefangen, obwohl es dazu überhaupt keinen Grund gab. Wegen Dingen, an die ich nicht einmal denke. Solch unnötige Streitereien finden bei uns ständig statt. Am Abend dann hätte ich ihm gerne von meinem Tag erzählt, aber er sitzt missmutig vor dem Fernseher. Auch mein Geburtstag geht so trist zu Ende.

Nachdem wir wortlos zu Bett gegangen sind, zieht noch einmal diese Szene von heute morgen bei Dr. Kornthal an mir vorbei und ich spreche mit meinem HERRN in meinen Gedanken:

Herr, ich habe Dir seit vielen Jahren meinen ganzen Berg Probleme hingelegt. Du hast gesagt, wir können immer zu Dir kommen, wenn wir Probleme haben. Das habe ich getan. Alles – ehrlich aus meinem tiefsten Innern – habe ich Dir gesagt. Und nun ist mir das passiert. Es hat meiner blutenden Seele gut getan. Menschliche Wärme, wie Du gesagt hast, Herr, so könnten wir das Leben lebenswert machen. Schon mit ein paar liebevollen Worten und einem wärmenden Blick. Es wäre so einfach Herr. Warum ist das nicht mit Wolfgang möglich? So schlafe ich dann irgendwann ein.

In dieser Nacht habe ich einen sonderbaren Traum. Es ist alles weiß. Da steht ein Thron, darauf sitzen zwei Gestalten, beide ganz in weiß gekleidet. Die Gesichter kann ich nicht erkennen. Ich höre schöne schmeichelnde Musik. Die beiden Gestalten sagen nichts, aber in diese Atmosphäre hinein schwingt ein Text und eine schöne Melodie:


„Komm in meine Arme,
komm ich will dich halten.
Komm in meine Arme, komm ich halte dich.
Und hast du auch Kummer, oder hast du Sorgen.
Komm in meine Arme, komm ich halte dich!“

 

Dieses Lied ist beruhigend und angenehm. Die linke Gestalt streckt die Arme zu mir aus und möchte anscheinend, dass ich in „Seine Arme“ komme. Und gerade, als ich mich entschließe, auf die weiße Gestalt zuzugehen, wache ich auf, weil Wolfgang neben mir schnarcht. Es hört sich an, als würde ein Stier schnauben, bedrohlich und bösartig. Ich tippe seinen Arm an und er dreht sich brummend auf die andere Seite.

So liege ich nun mitten in der Nacht wach, aber dieses Lied, dieser Text, geht mir nicht aus dem Kopf. Dann endlich, nach einer Weile, verstehe ich, was das bedeutet. Das ist die Antwort auf mein Gebet. Ich habe verstanden, dass ich mich nicht auf Menschen konzentrieren soll. Weder auf Wolfgang, der mir unverständlich ist, noch auf Dr. Kornthal, der mir mit seiner Geste so gut getan hat. Einzig und allein in „SEINE ARME“, in Gottes Arme, soll ich mich flüchten. Der weiße Thron ist der Thron Gottes und die weißen Gestalten sind Gott und Jesus. Und Jesus selbst, mein geliebter Jesus, schickt mir einen wunderbaren Traum, schenkt mir eine Melodie und so schöne Worte in meine trüben Gedanken.

Eine Bibelstelle fällt mir ein. Jesus sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. ICH will euch Ruhe geben!“ (Matthäus 11,28) Wie sehr muss dieser Schöpfer mich lieben, wenn er so umgehend für meine Seelennot Abhilfe schafft. Ich bin wohl gleich darauf wieder eingeschlafen. Der Wecker hat mich am Morgen dann geweckt.

Acht Tage sind seitdem vergangen. Ich verrichte meine alltägliche Arbeit. Immer noch geht mir dieser Moment bei Dr. Kornthal nicht aus dem Sinn. Irgendwie beschäftigt es mich doch, was er da getan und gesagt hat. Ich komme am Mittag von der Arbeit nach Hause. Mein jüngster Sohn David ist noch nicht von der Schule zurück. Gedanklich noch in die Arbeit vom Vormittag vertieft, stehe ich in der Küche und bereite uns das Mittagessen zu. In meine Gedanken hinein klingelt das Telefon. Ich melde mich und höre ihn am anderen Ende. „Hallo Frau Hauser, Kornthal hier“. Wie es mir geht, fragt er. Ich erschrecke ganz fürchterlich, denn wenn er selbst anruft, kann er eigentlich nur ein schlechtes Testergebnis haben. Nein, nur das jetzt nicht auch noch.

„Bitte erschrecken sie nicht“, sagt er sofort und beruhigt mich. „Es ist alles in Ordnung. Die Testergebnisse sind alle ok. Ich möchte mich gerne noch einmal mit ihnen unterhalten“, fährt er fort. „Gibt es einen besonderen Grund?“, frage ich ihn. Eigentlich wolle er gerne mit mir über meine Lebenssituation sprechen. Ob er mir helfen könne, und dass er das Gespräch nicht in der Praxis führen möchte, da dort immer sehr viel Betrieb sei und keine Möglichkeit zu einem ruhigen Gespräch gegeben wäre.

Warum habe ich – ausgerechnet ich – seine Aufmerksamkeit erregt. Hat er nicht jede Menge Patientinnen mit traurigen Augen, die sicher attraktiver sind als ich?! Aber andererseits – vielleicht hatte es einen Grund, dass gerade ich ihm aufgefallen war. „Sind sie noch da?“, fragt es aus dem Hörer. „Ja, entschuldigen sie bitte“, sage ich, weil mir in meiner Verwirrung nichts anderes einfällt. „Natürlich nur, wenn es ihnen recht ist“, hakt er nach. „Ich würde sie gerne am Donnerstag zu einer Tasse Kaffee zu mir nach Hause einladen. Ich würde mich freuen, wenn sie kommen würden! Wäre ihnen Donnerstag recht?“

„Ja, gerne, Donnerstag ist mir recht.“ „Gut, das ist schön! ich wohne in Mittenforst, in der Kronstraße 27. Kennen sie sich in Mittenforst aus?“, fragt er. „Nein“, sage ich, „ich weiß nur den Weg zu ihrer Praxis.“ „Nun, dann schlage ich vor, sie fahren bis zu meiner Praxis und ich hole sie dort ab. Um 19.30 h, wäre die Zeit ok?“ „Ja, das ist eine gute Zeit“, überlege ich laut und weiß immer noch nicht, wie mir geschieht. Ich bin ganz durcheinander. „Also, bis Donnerstag. Ich freue mich. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag, Frau Hauser.“ „Danke, den wünsche ich ihnen auch, bis Donnerstag dann“, höre ich mich sagen und lege auf. Jetzt erst, als das Gespräch beendet ist, wird mir bewusst, dass er mich in seine Privatwohnung eingeladen hat.

Meine Gedanken gehen in ein Gebet über.

Herr, warum lädt mich Dr. Kornthal zu einem Kaffee ein und auch noch bei sich zuhause? Du weißt alle Dinge. Hast DU eine Lösung für meine Probleme? Was will der Mann wirklich Herr?? Du weißt, dass ich Dich nicht enttäuschen will. Du weißt aber auch, wie ich mich in dieser Ehe fühle Herr. Was entwickelt sich da? Wie viele Male habe ich mir in meinen Wunschträumen schon einen liebenswerten, warmherzigen Partner gewünscht. Und wie viele Male bin ich schon heulend und verzweifelt nachts allein im Wohnzimmer gesessen und habe Dich um Deine Hilfe angefleht, und nun das? Was wird daraus? Ich finde Dr. Kornthal sehr sympathisch, aber deshalb muss ich nicht in seine Privatwohnung. Bitte bleibe bei mir, damit ich keinen falschen Weg einschlage. Dein Wille ist mein Weg Herr! So bete ich zu Jesus meinem Herrn, der mir ein treuer Begleiter auf meinem steinigen Weg ist.

Heute ist Dienstag, überlege ich. Was ziehe ich an – bei diesem Gedanken muss ich lächeln, typisch Frau – die alte Frage – was ziehe ich an? Ich habe eigentlich genug Kleider in meinem Schrank. Der ganze Schrankinhalt landet auf meinem Bett, aber ich finde nichts, was mir gefällt. Ich muss unbedingt mit jemandem darüber reden und so rufe ich meine Freundin Caroline an und erzähle ihr, was mir gerade passiert ist. Sie überredet mich, eigentlich hat sie nicht lange dazu gebraucht, mit mir zum Kleiderkaufen zu fahren.

Am nächsten Morgen fahren wir zusammen zum Einkaufen und ich finde schnell ein passendes Outfit für dieses Treffen. Wolfgang hat noch nicht einmal gefragt, bei wem ich eingeladen bin, als ich ihm am Abend erzähle, ich würde am Donnerstagabend weggehen. Noch nicht einmal das wollte er wissen, nur „dass ich ihm und den Kindern vorher ja wohl noch etwas zu Essen kochen müsse.“ Als würde ich meine Familie verhungern lassen. Diese Gleichgültigkeit ist für mich fast nicht zu ertragen. Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, was Wolfgang wohl sagen wird, wenn ich ihm erzähle, wohin ich fahre. Aber das hat sich wohl erledigt.

Mein Jüngster bittet mich um Geld für ein Spiel, das er sich ausleihen will, obwohl er sein Taschengeld für diese Woche schon erhalten hat. Eigentlich müsste ich jetzt mit ihm darüber reden, doch dazu habe ich heute wirklich keine Lust. Also gebe ich ihm das Geld.

Voller Bitterkeit denke ich an meine Familienverhältnisse. Wollte ich nicht eine harmonische Familie haben. Wollte ich nicht für alle sorgen, damit es ihnen gut geht. Ja, gesorgt habe ich für sie. Aber dabei habe ich über meine Kraft gelebt, mich in meinem Beruf, mit Familie, Haushalt, meiner Gutmütigkeit anderen gegenüber, völlig verausgabt. Und ich bin auch noch selbst daran schuld, dass es mir jetzt so geht. Viel zu wenig habe ich meine Grenzen gesteckt und gesagt, es reicht jetzt. Viel zu wenig!

Und dann kommt der Donnerstag, es ist 18.00 Uhr als ich losfahre. Alle sind bei uns zuhause mit sich selbst beschäftigt. So kann ich relativ ruhig wegfahren. Auf dem Weg zu Dr. Kornthal schaue ich noch einmal kurz bei Caroline vorbei, ich brauche noch ein wenig Rückenstärkung. Sie weiß von dem Gespräch mit Dr. Kornthal und mit ihr kann ich noch einmal darüber reden. „Was meinst du, wie wird es heute Abend ablaufen? Pass auf, dass alles gut geht, wie war die Adresse noch mal?“ Sie redet plötzlich wie ein Wasserfall.

„Warum willst du das wissen“, frage ich sie. „Damit jemand weiß, wo du bist.“ Sie sieht mich an. Ich lache zu ihr hinüber, während ich verstehe, worauf sie hinaus will. „Hast du Angst, mir könnte etwas passieren?“, frage ich sie. „Nein, aber es ist mir wohler, wenn ich weiß, wo du bist.“ Sie hat ja Recht, aber ich glaube nicht, dass mir bei Dr. Kornthal etwas passieren wird.

Wie viele Gespräche haben wir schon geführt und wie viel Kummer zusammen verarbeitet. Ich bin dankbar, dass ich sie als Freundin habe. Mit ihr kann ich alles reden. Und so unterhalten wir uns noch ein paar Minuten über diese Geschichte, bis ich losfahren muss. Auf dem Weg nach Mittenforst bekomme ich kalte Hände. So etwas habe ich noch nie gemacht. Wolfgang war mein erster Freund, wir haben uns ganz jung kennen gelernt und sind schon über ein viertel Jahrhundert verheiratet. Obwohl unsere Ehe nicht gerade glücklich ist, ist mir jetzt doch etwas komisch zumute.

Herr, bete ich still, warum das auch immer passiert, es soll in Deinen Händen ruhen. Lass mich nicht fallen, darum bitte ich Dich. Geleite mich dorthin und halte Deine schützenden Hände über mich und Dr. Kornthal.

Es ist erstaunlich, welche Empfindungen ich in meinem Innern verspüre. Einerseits habe ich volles Vertrauen zu Dr. Kornthal, aber andererseits fahre ich einfach so zu einem fremden Mann, treffe mich mit ihm in seiner Privatwohnung, ohne zu denken. Und wenn ich ehrlich bin, freue ich mich sogar darauf.

Als ich in die Straße einbiege, in der die Praxis liegt, sehe ich schon den Wagen von Dr. Kornthal stehen. Ich parke direkt hinter ihm und steige aus. Er kommt mir entgegen. In Jeanshose, Polohemd und einem Pullover, den er über die Schultern gehängt hat. So habe ich ihn noch nie gesehen, in der Praxis hat er weiße Kleidung an. Er ist ein imposanter Mann. Seine äußere Erscheinung ist sehr angenehm. Seine grauen Haare und diese unsagbar blauen Augen strahlen Wärme und etwas Beschützendes aus.