Margot Lee Shetterly

Hidden Figures
Unerkannte Heldinnen

Aus dem Amerikanischen von
Michael Windgassen und Sandra Ritters

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HarperCollins®

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1. Auflage: Januar 2017

Copyright © 2017 by HarperCollins

in der HarperCollins Germany GmbH

Titel der amerikanischen Originalausgabe:

Hidden Figures

Copyright © 2016 by Margot Lee Shetterly

Erschienen bei: William Morrow,

Imprint of HarperCollins Publishers, New York

Published by arrangement with

HarperCollins Publishers, New York

Umschlaggestaltung: Deborah Kuschel/HarperCollins Germany GmbH

Redaktion: Maya Gause

ISBN eBook 978-3-95967-643-4

www.harpercollins.de

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eBook-Herstellung und Auslieferung:

readbox publishing, Dortmund

www.readbox.net

Meinen Eltern Margaret G. Lee und Robert B. Lee III sowie allen Frauen beim NACA und der NASA, auf deren Schultern alles ruhte

INHALT

Prolog

1. Kapitel Eine Tür öffnet sich

2. Kapitel Mobilmachung

3. Kapitel Die Vergangenheit: ein Vorspiel

4. Kapitel Das Doppel-V

5. Kapitel Die Doktrin der „offensichtlichen Bestimmung“

6. Kapitel Kriegsvögel

7. Kapitel Die Dauer

8. Kapitel Die einen Schritt nach vorn machen

9. Kapitel Die Barrieren fallen

10. Kapitel Am Meer zu Hause

11. Kapitel Die Flächenregel

12. Kapitel Glücklicher Zufall

13. Kapitel Turbulenzen

14. Kapitel Anstellwinkel

15. Kapitel Jung, begabt und schwarz

16. Kapitel Ein einziger Tag kann alles ändern

17. Kapitel Weltraum

18. Kapitel „In angemessenem Tempo“

19. Kapitel Verhaltensmodell

20. Kapitel Freiheitsgrade

21. Kapitel Aus der Vergangenheit die Zukunft

22. Kapitel Ein Amerika für alle

23. Kapitel In Welten vordringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat

Epilog

Anmerkungen

Bibliografie

Danksagung

ANMERKUNG DER AUTORIN

„Neger.“ „Farbige.“ „Indianer.“ „Mädchen.“ Die Wortwahl in Hidden Figures mag in den Ohren heutiger Leser zuweilen befremdlich klingen. Ich war bestrebt, sowohl der Epoche als auch den in dieser Geschichte auftretenden Personen treu zu bleiben.

PROLOG

„Mrs. Land hat dort draußen in Langley als Computer gearbeitet“, sagte mein Vater, während er vom Parkplatz der First Baptist Church in Hampton, Virginia, nach rechts abbog.

Mein Mann und ich waren kurz nach Weihnachten 2010 zu Besuch bei meinen Eltern und genossen es, uns von dem Alltags- und Arbeitsstress in Mexiko zu erholen. Meine Eltern kutschierten uns in ihrem zwanzig Jahre alten grünen Kleinbus in der Stadt umher, mein Vater am Steuer, meine Mutter auf dem Beifahrersitz, Aran und ich wie Geschwisterkinder angeschnallt auf der Rückbank. Mein Vater war redselig wie immer und unterhielt uns mit Neuigkeiten über Freunde und Nachbarn, die uns in der Stadt über den Weg liefen, wechselte dann zum Wetterbericht und landete schließlich bei ausgefeilten Diskursen über die Physik, die seinen jüngsten Forschungen als sechsundsechzigjähriger Doktorand der Universität von Hampton zugrunde lag. Es gefiel ihm, meinem in Maine geborenen und aufgewachsenen Mann die Gegend zu zeigen und mich auf den neuesten Stand über das Leben und die Entwicklungen im Ort zu bringen.

Während unseres Besuchs zu Hause verbrachte ich die Nachmittage mit meiner Mutter im Kino, während sich Aran meinem Vater und seinen Freunden anschloss, um sich die Footballspiele an der Norfolk State University anzusehen. Wir schlugen uns in Billigrestaurants bei Buckroe Beach die Bäuche mit Backfisch-Sandwiches voll, besuchten die Ausstellung von Ureinwohner-Kunst des Hamptoner Universitätsmuseums und stöberten in Antiquitätenläden.

Als ich als unerfahrene Achtzehnjährige fortgegangen war, um das College zu besuchen, hatte ich meine Heimatstadt lediglich als Ausgangsbasis für ein Leben in weltgewandteren Städten betrachtet, als einen Ort, aus dem man stammte, aber an dem man nicht blieb. Doch auch die vielen Jahre und Meilen, die ich fort von zu Hause war, haben nichts daran geändert, wie sehr die Stadt meine Identität geprägt hat. Je mehr Orte und Menschen ich fern meiner Heimat erkundete, desto mehr Bedeutung bekam für mich die Tatsache, dass ich eine Tochter Hamptons war.

An diesem Tag damals nutzten wir die Gelegenheit, uns eingehend mit der beeindruckenden Mrs. Land zu unterhalten, die zu meinen Lieblingslehrern der Sonntagsschule gehört hatte. Kathaleen Land, pensionierte Mathematikerin der NASA, lebte mit ihren weit über neunzig Jahren noch allein und versäumte nie den sonntäglichen Kirchgang. Nachdem wir uns von ihr verabschiedet hatten, kletterten wir in den Kleinbus und brachen zu einem Familienbrunch auf.

„Viele der Frauen hier in der Gegend, schwarze und weiße, haben als ‚Computer‘, also als Rechenspezialistinnen gearbeitet“, berichtete uns mein Vater und schaute Aran im Rückspiegel an. „Kathryn Peddrew, Ophelia Taylor, Sue Wilder“, sagte er und zählte noch einige weitere Namen auf. „Und Katherine Johnson, die die Startfenster für die ersten Astronauten berechnete.“

Was er erzählte, weckte in mir jahrzehntealte Erinnerungen an einen überaus wertvollen Tag, den ich statt in der Schule im Büro meines Vaters im Langley-Forschungszentrum der Nationalen Luft- und Raumfahrtbehörde verbrachte. Ich saß vorn in unserem 1970er Pontiac, mein Bruder Ben und meine Schwester Lauren hinten, während unser Vater die zwanzigminütige Strecke von unserem Haus über die Virgil I. Grissom Bridge und den Mercury Boulevard zum Tor der NASA fuhr. Er zückte seinen Ausweis, und wir segelten durch die Einfahrt auf ein Gelände mit perfekt geraden, parallelen Straßen, die vom einen bis zum anderen Ende von unscheinbaren zweigeschossigen Backsteinbauten gesäumt waren. Lediglich die gigantische Hyperschall-Windkanal-Anlage – eine dreißig Meter hohe, mit Rillen versehene Silberkugel, die sich vor vier achtzehn Meter hohen, glatten Silbergloben erhob – lieferte den optischen Beweis dafür, dass eine außergewöhnliche Arbeit auf dem ansonsten unspektakulären Campus stattfand.

Gebäude 1236, tägliches Ziel meines Vaters, bestand aus einem unübersichtlichen Komplex verwaltungsgrauer Kabinen, in denen der Geruch von Erwachsenen hing: Kaffee und abgestandener Zigarettenrauch. Seine Ingenieurkollegen mit ihrer zerknitterten Kleidung und ihrem fahrigen Auftreten wirkten wie exotische Vögel in einem Reservat. Uns Kindern gaben sie Stapel mit gebrauchtem Computer-Endlospapier, das auf einer Seite mit kryptischen Zahlenreihen bedruckt war, auf der leeren Seite jedoch eine Leinwand für Meisterwerke in Buntstift bot. Viele der Kabinen waren mit Frauen besetzt; sie nahmen Anrufe entgegen und saßen vor Schreibmaschinen, machten aber auch hieroglyphische Zeichen auf Diapositive und diskutierten mit meinem Vater und den anderen Männern des Büros über Dokumente, die stapelweise ihre Schreibtische bedeckten. Dass so viele von ihnen Afroamerikanerinnen waren, nicht wenige im Alter meiner Großmutter, erschien mir als Teil der natürlichen Ordnung: Ich wuchs in Hampton auf, wo das Gesicht der Wissenschaft so dunkel war wie meines.

Mein Vater war 1964 als Werkstudent nach Langley gekommen und ging 2004 als international anerkannter Klimawissenschaftler in den Ruhestand. Fünf der sieben Geschwister meines Vaters profilierten sich als Ingenieure oder Technologen, und einige seiner besten Freunde – David Woods, Elijah Kent, Weldon Staton – machten in Langley Karriere als Ingenieure. Unser direkter Nachbar lehrte Physik an der Universität von Hampton. In der Kirche wimmelte es von Mathematikern. Ultraschall-Spezialistinnen besetzten Führungspositionen in der Studentinnenvereinigung meiner Mutter, und im Vorstand der College-Ehemaligenverbände meiner Eltern saßen Elektroingenieure. Der Mann meiner Tante Julia, Charles Foxx, war der Sohn von Ruth Bates Harris, einer Beamtin und leidenschaftlichen Anwältin für die Förderung von Frauen und Minderheiten; 1974 setzte die NASA sie als stellvertretende Verwaltungsassistentin ein, womit sie unter den Frauen den höchsten Posten in der Behörde bekleidete. Es gab in der Gemeinde natürlich auch schwarze Englischprofessoren wie meine Mutter, ebenso schwarze Mediziner und Zahnärzte, schwarze Mechaniker, Portiers und Unternehmer, schwarze Schuster, Hochzeitsplaner, Immobilienmakler und Leichenbestatter, verschiedene schwarze Anwälte und eine Handvoll schwarzer Kosmetikberaterinnen. Aber ich sah als Kind so viele Afroamerikaner in der Wissenschaft, der Mathematik und im Ingenieurwesen arbeiten, dass ich glaubte, das sei einfach das, was schwarze Leute tun.

Mein Vater, der während der Segregation aufgewachsen war, nahm eine andere Realität wahr. „Werde Sportlehrer“, hatte mein Großvater 1962 zu seinem achtzehnjährigen Sohn gesagt, der wild entschlossen war, Elektrotechnik am traditionell schwarzen Norfolk State College zu studieren.

Damals setzten afroamerikanische College-Absolventen, die belesen und mit Alltagsverstand gesegnet waren, auf Lehrerjobs oder suchten sich Arbeit im Postamt. Doch mein Vater, der, nachdem 1957 Sputnik ins All geschossen worden war, seine erste Rakete im Metallwerkunterricht der Mittelstufe gebaut hatte, widersetzte sich meinem Großvater und stürzte sich mit Volldampf in die Ingenieurwissenschaften. Sicherlich waren die Befürchtungen meines Großvaters, dass es für einen Schwarzen schwierig sein könnte, sich dort zu behaupten, nicht unbegründet. Noch 1970 waren lediglich ein Prozent aller amerikanischen Ingenieure schwarz – eine Zahl, die sich bis 1984 auf unglaubliche zwei Prozent verdoppelte. Noch immer war die US-Regierung der verlässlichste Arbeitgeber für Afroamerikaner in Wissenschaft und Technik: 1984 waren 8,4 Prozent der NASA-Ingenieure schwarz.

Die afroamerikanischen Mitarbeiter der NASA fanden allmählich ihren Platz in der Ingenieurkultur der Raumfahrtbehörde, und ihre Erfolge eröffneten ihren Kindern einen Zugang zur amerikanischen Gesellschaft, der bis dahin undenkbar war. Ich wuchs mit weißen Freunden auf, besuchte eine Schule ohne Rassentrennung. Vieles von dem, was sie an Vorarbeit geleistet hatten, nahm ich als selbstverständlich.

Tag für Tag sah ich meinen Vater einen Anzug anziehen und sich auf den Weg zum Gebäude 1236 machen, wo er sich alles abforderte – für das Raumfahrtprogramm und für seine Familie. Mit seiner Arbeit sicherte mein Vater der Familie den Platz in der bürgerlichen Mittelschicht, und Langley wurde zu einem der Anker unseres gesellschaftlichen Lebens. Jeden Sommer kauften meine Geschwister und ich von unserem ersparten Taschengeld Karten für das Ponyreiten beim alljährlichen NASA-Vergnügen. Jahr für Jahr vertraute ich meinen Weihnachtswunschzettel dem NASA-Weihnachtsmann auf der Langley-Kinderweihnachtsfeier an. Viele Jahre saßen Ben, Lauren und meine jüngste Schwester Jocelyn, die noch ein Kleinkind war, an den Donnerstagabenden auf der Tribüne der Mehrzweckhalle in Langley und feuerten meinen Vater und sein NASA-Basketballteam, die Stars, an. Ich war nicht weniger ein Produkt der NASA als die Mondlandung.

Aus dem Funken der Neugier wurde bald ein leidenschaftliches Feuer. Ich löcherte meinen Vater mit Fragen über seine Anfänge in Langley Mitte der Sechzigerjahre, Fragen, die ich ihm nie zuvor gestellt hatte. Am darauffolgenden Sonntag befragte ich Mrs. Land zu den Anfängen im Langley-Rechenzentrum, als es zu ihren Aufgaben gehörte, die Toiletten zu kennen, die den „farbigen“ Angestellten zugewiesen und entsprechend gekennzeichnet waren. Und weniger als eine Woche später saß ich auf dem Sofa in Katherine Johnsons Wohnzimmer, über mir eine eingerahmte amerikanische Flagge, die auf dem Mond gestanden hatte, und lauschte der Dreiundneunzigjährigen. Mit einem Gedächtnis, das schärfer als mein eigenes war, holte sie ihre Erinnerungen hervor: an getrennte Sitzplätze in Bussen, an die Jahre, in denen sie gelehrt und Kinder aufgezogen, und an die Zeit, als sie die Flugbahn für John Glenns Raumflug berechnet hatte. Auch Christine Dardens Geschichten hörte ich mir an, über die vielen Jahre, in denen sie als Datenanalystin gearbeitet und auf die Chance gewartet hatte, sich als Ingenieurin zu beweisen.

Selbst als beruflich qualifizierte Person in einer integrierten Gesellschaft bin ich wohl die einzige schwarze Frau, die genug Empfangszimmer und Sitzungsräume gesehen hat, um eine Ahnung davon zu bekommen, welcher Chuzpe es bedurfte, als afroamerikanische Frau in einer rassisch getrennten Arbeitswelt seinen Bossen zu sagen, man sei überzeugt davon, dass man mithilfe eigener Berechnungen einen Menschen auf den Mond bringen kann. Die Pfade, die diese Frauen eingeschlagen hatten, bereiteten mir den Weg; mich in ihre Geschichten zu vertiefen half mir, meine eigene zu verstehen.

Selbst wenn es darin nur um die ersten fünf schwarzen Frauen gegangen wäre, die im Mai 1943 in Langleys rassisch getrenntem Westteil zur Arbeit gegangen sind – später nannte man diese Frauen „West-Computer“ –, hätte ich mich der Aufgabe verschrieben, die Fakten und Umstände ihrer Lebensgeschichten aufzuzeichnen. So wie Inseln – isolierte Orte mit einzigartiger, reicher Artenvielfalt – für das gesamte Ökosystem eine Rolle spielen, so eröffnet die Beschäftigung mit anscheinend vereinzelten und unbedeutenden Menschen und Ereignissen der Vergangenheit unerwartete Verbindungen und Einsichten in das moderne Leben. Die Vorstellung, dass schwarze Frauen zur Zeit der Rassentrennung am südlichen Standort der NASA als Mathematikerinnen beschäftigt waren, überrascht uns und revidiert vermeintliche Gewissheiten über die amerikanische Geschichte. Es ist eine großartige Story, und allein deshalb sollte sie erzählt werden.

In den Frühstadien der Recherche für dieses Buch sprach ich mit Experten für die Geschichte der Weltraumbehörde über meine Ergebnisse. Bis auf einen bestätigten mich alle darin, dass es sich um eine wertvolle Ergänzung des Themas handelte, auch wenn einige von ihnen die Bedeutung des Phänomens bezweifelten.

„Über wie viele Frauen sprechen wir? Fünf oder sechs?“

Ich wusste, dass allein die Zahl der in Hampton aufgewachsenen höher war, dennoch überraschte es mich selbst, dass es ständig mehr wurden. Diese Frauen tauchten auf Fotos und in Telefonbüchern auf, manche Quellen waren naheliegend, andere ungewöhnlich. Die Erwähnung eines Langley-Jobs in einer Verlobungsanzeige im Norfolk Journal and Guide. Eine Handvoll Namen, die die Tochter einer der ersten Rechenspezialistinnen beisteuerte. Ein 1951 verfasster Vermerk des Personalchefs von Langley, der die Anzahl und den Status der schwarzen Angestellten festhielt und ganz unerwartet eine schwarze Frau aufführte, die „GS-9-Forscherin“1 war, also nach Besoldungsgruppe neun des öffentlichen Dienstes bezahlt wurde. Ich entdeckte ein Personaldokument von 1945, das von regen Aktivitäten im Bereich Mathematik berichtete, und zwar im Büro eines neuen Traktes in Langleys Westen. Fünfundzwanzig schwarze Frauen entlockten hier rund um die Uhr den Rechnern Zahlen, kontrolliert von drei schwarzen Schichtaufseherinnen, die den beiden weißen Vorgesetzten2 Bericht erstatteten. Noch jetzt, während ich an den letzten Worten dieses Buchs schreibe, arbeite ich an den genauen Zahlen. Ich habe die Namen von fast fünfzig schwarzen Frauen, die zwischen 1943 und 1980 als Rechenspezialistinnen, Mathematikerinnen, Ingenieurinnen oder Forscherinnen im Langley Memorial Aeronautical Laboratory tätig waren, und ich schätze, dass man den Archiven bei intensiverer Recherche noch zwanzig weitere entlocken kann.

Zwar sind die schwarzen Frauen die unbekanntesten aller Mathematiker, die beim NACA (National Advisory Committee for Aeronautics) und später bei der NASA beschäftigt waren, doch fristeten sie ihr Schattendasein nicht allein: Auch die weißen Frauen, die über all die Jahre den Hauptanteil in Langleys Rechenzentrum ausmachten, sind für ihre Verdienste um die langfristigen Erfolge der Behörde kaum wahrgenommen worden. Virginia Biggins war bei der Daily Press zuständig für Langley und begleitete das 1958 gestartete Raumfahrtprogramm. „Wann immer von Wissenschaftlern oder Ingenieuren die Rede war, handelte es sich um Männer“3, stellte sie 1990 in einer Podiumsdiskussion über die „menschlichen Computer“ von Langley fest. Es gelang ihr nie, irgendeine der Frauen zu treffen. „Ich nahm einfach an, sie seien alle Sekretärinnen“4, sagte sie. 1935 gehörten fünf weiße Frauen5 zu Langleys erstem Rechenzentrum, und 1946 waren bereits vierhundert „Mädchen“ zu aeronautischen Fußsoldaten ausgebildet worden. Die Historikerin Beverly Golemba schätzte 1994 in einer Studie, dass Langley „einige Hundert“6 Frauen als „menschliche Computer“ beschäftigt hatte. Jetzt, am Ende meiner Recherchen für Hidden Figures, gehe ich davon aus, dass es mehr als tausend gewesen sein könnten.

Als Erstlingsautorin ohne geschichtswissenschaftlichen Hintergrund erlebte ich das Schreiben über ein Thema, das in den Geschichtsbüchern nicht vorkommt, als recht riskant. Ich bin mir der Dissonanz, den die Formulierung „schwarze Mathematikerinnen bei der NASA“ hervorruft, bewusst. Mir war von Anfang an klar, dass ich an meine Arbeit genauso analytisch herangehen musste wie diese Frauen an ihre. Und wie aufregend es auch war, einen Namen nach dem anderen zu entdecken und herauszufinden, wer sich dahinter verbarg, so war es doch immer nur der erste Schritt. Die eigentliche Herausforderung bestand darin, die Arbeit der Frauen zu dokumentieren. War die große Zahl schwarzer und weißer Frauen, die unbemerkt in einem traditionell weißen und männlichen Beruf gearbeitet hatten, überraschend, so war das wissenschaftliche Gesamtwerk, das sie hinterließen, eine Offenbarung.

Da war Dorothy Hoover, die 1946 für Robert T. Jones arbeitete und 1951 einen theoretischen Aufsatz über seine berühmten dreieckigen Deltaflügel veröffentlichte. Da war Dorothy Vaughan, die bei den weißen „Ost-Computern“ ein Lehrbuch über algebraische Methoden für die mechanischen Rechenmaschinen verfasste, mit dem man dort fortan ständig arbeitete. Da war Mary Jackson, die ihre Forschungsergebnisse gegen John Becker, einen der weltweit führenden Aerodynamiker, verteidigte. Da war Katherine Coleman Goble Johnson, die die Umlaufbahn von John Glenns Flug beschrieb und die 1959 mit einem bahnbrechenden Bericht über mathematische Operationen von sinfoniehafter Eleganz, Präzision und Größe überzeugte. Da war Marge Hannah, die als weiße Rechenspezialistin die unmittelbare Vorgesetzte der schwarzen Frauen war; sie verfasste als Koautorin einen Aufsatz mit Sam Katzoff, der wissenschaftlicher Forschungsleiter wurde. Da war Doris Cohen, die den Maßstab für alle setzte und – als erste Frau beim NACA – 1941 ihren ersten Forschungsbericht vorlegte.

Meine Recherche wurde zunehmend zur Obsession. Ich verfolgte jede Spur, an deren Ende ich mir einen Hinweis auf eine der Rechenspezialistinnen versprach. Ich war entschlossen, ihre Existenz und ihre Leistungen so zu dokumentieren, dass sie der Geschichte nie wieder verloren gehen würden. Als sich die Fotos und Notizen, die Gleichungen und Familiengeschichten allmählich in echte Menschen verwandelten, als die Frauen zu meinen Begleiterinnen wurden und zu ihrer Jugend oder in ihre Leben zurückkehrten, entstand der Wunsch, mehr für sie zu tun, als sie lediglich in einem Bericht zu registrieren. Was mir für sie vorschwebte, war die große, mitreißende Story, die sie verdient haben, vergleichbar mit der, die man mit den Brüdern Wright und den Astronauten, mit Alexander Hamilton und Martin Luther King Jr. verbindet. Nicht separat erzählt, sondern als Teil der großen amerikanischen Geschichte, die wir alle kennen. Nicht an deren Rand, sondern im Zentrum als Protagonisten des Stücks. Und das nicht, weil sie schwarz oder weil sie Frauen sind, sondern ein Teil des amerikanischen Epos.

Heute sieht mein Heimatort – das Nest, das sich 1962 in „Spacetown USA“7 umbenannte – so aus wie jede andere Vorstadt im modernen und hypervernetzten Amerika. Menschen aller Ethnien und Nationalitäten mischen sich an Hamptons Stränden und an den Busstationen, und die Schilder mit der Aufschrift NUR FÜR WEISSE existieren nur noch im Museum für Stadtgeschichte und in den Erinnerungen derer, die die Bürgerrechtsrevolution überlebt haben. Der Mercury Boulevard beschwört keine Bilder mehr von der gleichnamigen Mission herauf, die die ersten Amerikaner ins All geschossen hat, und jeden Tag verblasst die Erinnerung an Virgil Grissom beim Anblick der Brücke, die seinen Namen trägt, ein bisschen mehr. Ein geschrumpftes Raumfahrtprogramm und über Jahrzehnte vorgenommene Kürzungen von Regierungsgeldern haben die Region hart getroffen. Heute würde eine ehrgeizige College-Absolventin mit Rechentalent wohl eher ein Engagement bei einem Start-up im Silicon Valley anvisieren oder zu einem der vielen Technologieunternehmen gehen, die von den in Virginia gelegenen Vorstädten Washington D. C.s aus den NASDAQ erobern.

Doch bevor der Computer zu einem unbeseelten Objekt wurde und bevor die Mission Control in Houston entstand, bevor Sputnik den Lauf der Geschichte änderte und bevor das NACA zur NASA wurde, bevor der vor dem Obersten Bundesgericht verhandelte Fall Brown gegen Board of Education of Topeka klarstellte, dass Rassentrennung nicht Gleichheit bedeutete, und bevor die Zeilen „I have a dream“ in Martin Luther King Jr.s Rede über die Stufen des Lincoln Memorial schallten – vor alldem verhalfen die schwarzen Rechnerinnen von Langley den USA zu seiner Vormachtstellung in Luftfahrt, Raumforschung und Computertechnologie und erkämpften sich dabei einen Platz als Mathematikerinnen, die außerdem schwarz waren, und als schwarze Mathematiker, die außerdem weiblich waren. Für eine Gruppe intelligenter und ehrgeiziger Afroamerikanerinnen, sorgfältig ausgebildet für eine mathematische Karriere und bereit für den Sprung in die obere Liga, muss sich Hampton, Virginia, wie das Zentrum des Universums angefühlt haben.

1. KAPITEL

EINE TÜR ÖFFNET SICH

Melvin Butler, Personalchef am Langley Memorial Aeronautical Laboratory, hatte ein Problem, dessen Art und Ausmaß im Mai 1943 in einem Telegramm an die Leitung des Verwaltungsdienstes deutlich wurde. „Diese Einrichtung hat dringenden Bedarf1 an schätzungsweise 100 Nachwuchsphysikern und -mathematikern, 100 Assistenzrechnern, 75 Auszubildenden für den einfachen Laborbereich, 125 Lehrlingen und Praktikanten, 50 Stenografen und Typisten“, hieß es in dem Schreiben. Jeden Morgen um sieben2 erwachten der stets eine Fliege tragende Melvin Butler und seine Mannschaft zum Leben und fuhren mit dem Kombifahrzeug3 des Forschungszentrums zum örtlichen Bahnhof, zum Busbahnhof und zum Fähranleger, um die Männer und Frauen – viele Frauen, es wurden jeden Tag mehr – einzusammeln, die sich auf den Weg zu dem entlegenen schmalen Stück Land an der Küste von Virginia gemacht hatten. Der Shuttle transportierte die Neuankömmlinge bis zur Tür des Servicegebäudes auf dem Campus von Langley Field. In der ersten Etage brachten Butlers Mitarbeiter sie durch die Erfordernisse der ersten Tage: Formulare, Fotos und den Amtseid: Ich werde die Verfassung der Vereinigten Staaten wahren und gegen äußere und innere Feinde verteidigen … So wahr mir Gott helfe4.

Nach dieser Einführung verteilten sich die frischgebackenen Angestellten auf die bereits zum Bersten vollen Häuser der ständig wachsenden Forschungsanlage. Kaum hatte Sherwood Butler, Leiter des Beschaffungswesens, den letzten Stein auf ein neues Gebäude gesetzt, machte sich sein Bruder Melvin daran, es mit neuen Mitarbeitern zu füllen. Abstellräume und Flure, Lager und Werkstätten dienten als provisorische Büros. Jemand hatte die brillante Idee, zwei Schreibtische gegeneinanderzustellen und für das neue Möbel einen Klappsitz5 zu improvisieren, um drei Beschäftigte auf dem Platz von zweien unterzubringen. In den vier Jahren seit Hitlers Einmarsch in Polen – seit die amerikanischen Interessen und der Krieg in Europa in einem zerstörerischen Konflikt aufeinandergetroffen waren – wuchs die Zahl der Mitarbeiter von etwas über fünfhundert6 bis auf nahezu fünfzehnhundert an. Doch die große Kriegsmaschinerie schluckte sie alle und hatte einen unstillbaren Hunger nach mehr.

Die Büros des Verwaltungsgebäudes gingen auf den halbmondförmigen Flugplatz hinaus. Nur der Strom der zivil gekleideten Menschen auf dem Weg zur Forschungsstätte, dem ältesten Außenposten des National Advisory Committee for Aeronautics, unterschied die flachen Backsteinbauten der Behörde von denen der US-Luftwaffe. Beide Einrichtungen waren parallel entstanden, der Fliegerhorst zur Ausweitung der militärischen Luftmacht Amerikas, die Forschungsanstalt als zivile Behörde mit der Aufgabe, die wissenschaftlichen Kenntnisse der Luftfahrt voranzubringen und ihre Ergebnisse der Militär- und der privaten Industrie zur Verfügung zu stellen. Von Anfang an hatte das Forschungszentrum die Genehmigung der Armee, das Flugplatzgelände zu nutzen. Der enge Kontakt zu den Militärfliegern erinnerte die Ingenieure stets daran, dass jedes Experiment, das sie durchführten, seinen Niederschlag in der realen Welt finden würde.

Der Doppelhangar – zwei über dreißig Meter lange, nebeneinanderliegende Hallen – war 1942 in Tarnfarben gestrichen worden, um feindliche, nach Angriffszielen suchende Blicke zu täuschen; sein düsteres, höhlenartiges Inneres schützte die Flugzeuge und ihre Betreuer vor der Witterung. Männer in Overalls fuhren – oft gruppenweise – in Lastwagen und Jeeps von Flugzeug zu Flugzeug, steuerten wie auf einem Bestäubungsflug befindliche Insekten dieses oder jenes an, prüften die Maschinen, tankten sie auf, tauschten Teile aus, untersuchten sie, wurden mit ihnen eins und flogen dem Himmel entgegen. Die Musik der Flugzeugmotoren und Propeller im Kreislauf der Starts, Flüge und Landungen war von vor Sonnenaufgang bis zur Dämmerung zu hören, und der Klang jeder Maschine war für ihren Betreuer so einzigartig wie der Schrei eines Babys für seine Mutter. Unterlegt wurden die Tenorstimmen der Motoren durch das Bassgedröhn der Windanlagen, die ihre abrufbaren Orkane über die Flugzeuge – auch Flugzeugteile oder Modellflieger – schickten.

Nur zwei Jahre zuvor, die Gewitterwolken zogen bereits auf, hatte Präsident Roosevelt die Nation aufgerufen, die Produktion von Flugzeugen auf fünfzigtausend pro Jahr7 zu steigern. Eine, wie es schien, unlösbare Aufgabe für eine Industrie, die noch bis 1938 das Army Air Corps lediglich mit neunzig Fliegern8 im Monat beliefert hatte. Nun entwickelte sich Amerikas Flugzeugbau zu einem Produktionswunder, das das von Roosevelt gesetzte Ziel mit Leichtigkeit um mehr als die Hälfte hinter sich ließ. Er wurde zur weltweit größten, produktivsten und höchstentwickelten Industrie9 und übertraf mit seinem Output die Deutschen um mehr als das Drei-, die Japaner um fast das Fünffache. Keiner der Kriegsteilnehmer zweifelte daran: Der letzte Sieg würde aus der Luft errungen.

Die Burschen des Fliegerkorps nutzten die Flugzeuge zum Transport von Truppen und Versorgungsgütern in die Gefechtszonen; Kampfflieger dienten der Jagd auf Feinde und als fliegende Abschussrampen für die Bombardierung von Schiffen. Bevor die Männer mit ihren Maschinen in den Himmel stiegen, unterzogen sie sie einer gründlichen Überprüfung.

Die Mechaniker krempelten die Ärmel auf und schärften ihren Blick; ein gebrochener Kolben, ein nicht sorgfältig befestigter Schultergurt, eine defekte Tankleuchte – all dies konnte Leben kosten. Doch noch bevor ein Flugzeug durch die sachkundige Liebkosung seines Piloten in Betrieb genommen wurde, war sein ganzes Wesen, seine ganze DNA – von der Form der Tragflächen bis zur Motorhaube – von den Ingenieuren nebenan verändert, verfeinert, geprüft, auseinandergebaut und neu zusammengesetzt worden.

Lange bevor die US-Flugzeugbauer eine der neu konzipierten Maschinen in die Produktion gaben, schickten sie einen funktionsfähigen Prototypen nach Langley, wo das Design getestet und verbessert werden konnte. Nahezu jedes in den Vereinigten Staaten produzierte Hochleistungs-Flugzeugmodell machte dort zur Untersuchung des Luftwiderstandsverhaltens Station: Die Ingenieure stellten die Maschinen in Windkanäle und vermerkten den Luftstrom bremsende Oberflächen, aufgeblähte Rümpfe, ungleiche Tragflächengeometrie. Umsichtig und sorgfältig wie alte Familienärzte untersuchten sie jeden Aspekt des im Luftstrom stehenden Fliegers und registrierten alle seinen Lebenszeichen. Testpiloten des NACA, manchmal in Begleitung eines Ingenieurs, unternahmen Flüge. Kam die Maschine ins Schlingern? Setzte der Motor aus? Gab es Probleme beim Manövrieren, sperrte sie sich gegen den Piloten wie ein Einkaufswagen mit einem blockierten Rädchen? Die Ingenieure unterzogen die Flugzeuge Tests, erhoben und analysierten die Werte und schlugen – mal kleine, mal entscheidende – Verbesserungen vor. Selbst geringfügige Fortentwicklungen bei der Geschwindigkeit und der Effizienz summierten sich, hochgerechnet auf Millionen von Flugmeilen, zu einem Unterschied, der die langfristigen Kräfteverhältnisse des Krieges zugunsten der Alliierten beeinflussen konnte.

„Sieg durch Flugtechnik!“, sang der leitende Ingenieur der Langley-Forschungsabteilung, Henry Reid, seinen Mitarbeitern vor; der Slogan erinnerte sie stets an die entscheidende Rolle des Flugzeugs für den Ausgang des Kriegs. „Sieg durch Flugtechnik!“, wiederholten die NACA-Leute untereinander, betrachteten jeden Dezimalpunkt, grübelten über Differenzialgleichungen und Druckverteilungstabellen, bis sie vor Müdigkeit kleine Augen bekamen. Sie würden beim Forschungswettlauf den Sieg davontragen.

Das aber natürlich nur, wenn Melvin Butler nicht versäumte, das Dreischichtensystem an sechs Tagen in der Woche mit immer frischen Köpfen zu versorgen. Dabei ging es nicht nur um die Ingenieure selbst – jeder von ihnen bedurfte der Unterstützung durch andere: Handwerker, die die in den Windkanälen zu testenden Flugzeugmodelle bauten, Mechaniker, die die Tunnel warteten, und flinke Zahlenakrobaten, die die aus den Testreihen resultierenden Datenfluten verarbeiteten. Auftriebs- und Zugkräfte, Reibung und Strömung. Was war ein Flugzeug mehr als ein Bündel Physik? Physik aber bedeutete Mathematik, und Mathematik erforderte Mathematiker. Und von der Mitte des Jahrzehnts an waren mit Mathematikern Frauen gemeint gewesen. Langleys erstes mit Frauen besetztes Rechenzentrum war 1935 in Betrieb gegangen10 und hatte die Männer der Forschungsanstalt in Aufruhr versetzt. Wie konnte ein weibliches Gehirn eine derart analytische und exakte Arbeit wie Mathematik verrichten? Schon der Gedanke, 500 Dollar11 in eine Rechenmaschine zu investieren, die dann ein Mädchen bedienen sollte! Aber die „Mädchen“ hatten ihre Sache gut gemacht, sehr gut sogar – tatsächlich rechneten sie besser als viele der Ingenieure, wie die Männer selbst widerwillig zugaben12. Die meisten der menschlichen Computer wurden als schlechter bezahlte „Halbprofessionelle“ bezeichnet, und lediglich eine Handvoll Mädchen kamen in den Rang von Mathematikerinnen – eine Berufsbezeichnung, die sie mit männlichen Nachwuchsangestellten gleichstellte. Dennoch war ihre Zahl ausreichend, um die Ergebnisse des Forschungszentrums13 zu verbessern.

Doch 1943 wurde es schwieriger, Mädchen zu gewinnen. Virginia Tucker, Langleys Chefrechnerin, klapperte die Ostküste auf der Suche nach Studentinnen ab, die wenigstens ein Mindestmaß an analytischen oder mechanischen Kenntnissen besaßen, und hoffte auf College-Schülerinnen, um Hunderte von offenen Stellen für Rechenspezialisten, wissenschaftliche Helfer, Modellbauer, Forschungsassistenten, und, ja, auch Mathematiker zu besetzen. Sie rekrutierte scheinbar ganze Jahrgänge von Mathematik-Absolventinnen ihrer Alma Mater in North Carolina, des Greensboro College for Women, und begab sich in Virginia in Schulen wie Sweetbriar in Lynchburg und dem State Teachers College in Farmville auf die Jagd.

Melvin Butler bekniete hartnäckig die US-Ausschüsse für Staatsdienst und Militärpersonal, man möge dem Forschungszentrum hinsichtlich qualifizierter Bewerber Vorrang gewähren. Er verfasste Anzeigen für die Lokalzeitung, die Daily Press: „Reduzieren Sie Ihre Hausarbeit! Frauen, die sich nicht scheuen, die Ärmel hochzukrempeln und in bislang von Männern besetzten Jobs zu arbeiten, sollten sich an das Langley Memorial Aeronautical Laboratory wenden“14, hieß es in einer der Annoncen. Die Personalabteilung veröffentlichte flehentliche Bitten im Air Scoop, dem Mitteilungsblatt für Angestellte: „Haben Sie Familienmitglieder oder Bekannte, die mit uns die Luftherrschaft erringen wollen? Haben Sie Freunde, männlich oder weiblich, die einen wichtigen Beitrag zum Gewinn und zur Beendigung des Krieges leisten möchten?“15 Doch die Männer waren beim Militärdienst, die Frauen bereits von anderen Arbeitgebern angeworben, sodass der Arbeitsmarkt ebenso ausgelaugt war wie die Kriegsarbeiter selbst.

Ein Lichtblick tat sich in Form des Problems eines anderen Mannes auf. Asa Philip Randolph, Vorsitzender der größten schwarzen Arbeitervereinigung des Landes, verlangte von Roosevelt, lukrative Militärstellen für schwarze Bewerber zu öffnen, und drohte im Sommer 1941, hunderttausend Schwarze zu einer Protestaktion in der Hauptstadt zu versammeln, wenn der Präsident die Forderung zurückweisen sollte. „Wer zum Teufel ist dieser Randolph?“16 Der persönliche Berater des Präsidenten, Joseph Rauh, schäumte. Roosevelt gab nach.

Asa Philip Randolph, ein „hochgewachsener, vornehmer schwarzer Mann mit shakespearescher Diktion und dem Blick eines Adlers“17, war ein enger Freund von Eleanor Roosevelt und stand der 35 000 Mitglieder starken Gewerkschaft der Schlafwagenschaffner vor. Die Schaffner bedienten die Passagiere in den staatlichen, rassisch getrennten Zügen und mussten täglich Vorurteile und Demütigungen durch Weiße ertragen. Dennoch waren diese Jobs in der schwarzen Gemeinschaft begehrt, da sie ein gewisses Maß an wirtschaftlicher Stabilität und sozialer Stellung gewährleisteten. Überzeugt davon, dass Bürgerrechte an ökonomische Privilegien gebunden sind, kämpfte Randolph unermüdlich dafür, Schwarze angemessen am Wohlstand des Landes zu beteiligen, das sie mit aufgebaut hatten. Zwanzig Jahre später sollte sich Randolph bei einem anderen Marsch auf Washington an die Öffentlichkeit wenden und die Bühne dann einem jungen, charismatischen Pfarrer aus Atlanta namens Martin Luther King Jr. überlassen.

Spätere Generationen verbanden die schwarze Freiheitsbewegung mit dem Namen Kings, doch 1941 – die Vereinigten Staaten richteten zum zweiten Mal in nicht einmal dreißig Jahren sämtliche Bereiche ihrer Gesellschaft auf Krieg aus – waren es Randolphs langfristige Vision sowie das im Raum stehende Schreckgespenst eines Protestmarschs, die es erstmals seit Ende der „Reconstruction“ ermöglichten, eine neue, vielfach gesicherte Tür aufzustoßen. Mit zwei Federstrichen setzte Roosevelt zwei Dokumente in Kraft: die Anordnung 8802, die die Aufhebung der Rassentrennung in der Verteidigungsindustrie verfügte, und den Erlass 9346, mit dem er einen Ausschuss für gleichberechtigte Beschäftigung einsetzte, der das nationale Projekt der wirtschaftlichen Einbindung der Schwarzen begleiten sollte. Damit hatte er der Nutzung neuer Quellen von Arbeitskräften für den Produktionsprozess den Weg bereitet.

Fast zwei Jahre nach Randolphs Machtprobe von 1941, als die Personalanforderung des Forschungszentrums den Verwaltungsdienst erreichte, trafen Bewerbungen qualifizierter schwarzer weiblicher Kandidaten in Langleys Personalverwaltung ein. Fotos, die die Hautfarbe der Bewerberinnen enthüllt hätten, hatte man nicht angefordert – diese Vorgabe, die unter der Regierung Woodrow Wilsons eingeführt worden war, hatte die Regierung Roosevelt gestrichen, um Diskriminierung bei der Anwerbung von Kräften zu verhindern. Nur die angegebenen Hochschulen verrieten sie: West Virginia State University, Howard, Arkansas Agricultural, Mechanical & Normal, das Hampton Institute gleich in der Nähe – allesamt Schulen für Schwarze. Sonst gaben die Bewerbungen über nichts als die Qualifikationen Auskunft, zeigten allerdings, dass die Bewerberinnen oft mehr Erfahrung mitbrachten als ihre weißen Konkurrentinnen und mit ihren Topabschlüssen in Mathematik oder Naturwissenschaften viele Jahre als Lehrerinnen gearbeitet hatten.

Melvin Butler war bewusst, dass eigene Räumlichkeiten notwendig sein würden. Dann würde man eine Leitung für die neue Gruppe ernennen müssen, ein erfahrenes Mädchen – natürlich weißer Hautfarbe –, dessen Gesinnung der Sensibilität der Aufgabe entsprach. Das Lagerhaus, eine nagelneue Halle im Westen des Forschungszentrums – ein Teil des Geländes, das noch mehr einer Wildnis als einer Arbeitsstätte glich –, könnte genau das Richtige sein. Die Gruppe seines Bruders Sherwood war bereits dort18 eingezogen, auch einige der Angestellten der Personalabteilung. Die Ingenieure, rund um die Uhr unter Druck beim Testen der Flugzeuge, die sich im Hangar aneinanderreihten, würden die zusätzliche Hilfe begrüßen. Viele von ihnen waren Nordstaatler und in der Rassenfrage eher Agnostiker, glaubten aber inständig an mathematisches Talent.

Melvin Butler selbst stammte aus Portsmouth19 gleich auf der anderen Seite der Bucht von Hampton. Er brauchte wenig Fantasie, um sich auszumalen, wie manche seiner Landsleute in Virginia über die Idee, schwarze Frauen in die Büros von Langley aufzunehmen, dachten und dass sie die „come-heres“ (wie man die Neuankömmlinge in Virginia nannte) und ihre fremden Gepflogenheiten ablehnen würden. Schon immer hatte es schwarze Beschäftigte im Forschungszentrum gegeben – Hausmeister, Mitarbeiter der Cafeteria, Mechaniker-Assistenten, Pfleger für die Außenanlagen. Aber dass sich nun die Türen für „Neger“ öffneten, die qualifizierte Kollegen sein würden, war neu.

Butler ging diskret vor: keine große Bekanntmachung in der Daily Press, kein Trara im Air Scoop. Zugleich handelte er zielgerichtet. Er verkündete die Ankunft der schwarzen Frauen im Forschungszentrum zwar nicht, stellte sich aber nicht dagegen. Vielleicht war Melvin Butler für seine Zeit und diese Region besonders fortschrittlich, vielleicht war er nur ein Funktionär, der seine Pflicht tat. Oder vielleicht auch beides. Die Gesetze – und Sitten – Virginias hielten ihn von allzu progressiven Schritten ab, doch bot ihm sein Versprechen, für ein getrenntes Bürogebäude zu sorgen, womöglich die nötige Deckung, um die schwarzen Frauen einzuschleusen. Ein Trojanisches Pferd der Rassentrennung, das die Tür zur Integration aufstieß. Welche persönliche Haltung er auch zur Rassenfrage gepflegt haben mag, eines war klar: Butler war durch und durch ein Mann Langleys, loyal gegenüber dem Forschungszentrum und dessen Auftrag, Weltsicht und Kriegspflichten. Seinem Wesen und seinem Auftrag gemäß ging es ihm wie dem Rest des NACA immer um praktische Lösungen20.

So war auch Asa Philip Randolph. Der unermüdliche Aktivismus dieses Anführers, sein unerbittlicher Kampf und sein großes Organisationstalent legten den Grundstein für das, was in den Sechzigerjahren als die schwarze Bürgerrechtsbewegung „Civil Rights Movement“ bekannt wurde. Doch weder Randolph noch die Männer des Forschungszentrums noch sonst jemand konnte vorhersehen, dass die Anwerbung einer Gruppe schwarzer Mathematikerinnen am Langley Memorial Aeronautical Laboratory auf dem Mond enden würde.

Die großen Fortschritte der Luftfahrt, die mit der Vorstellung aufräumen würden, dass Überschallflüge physikalisch nicht machbar seien, die elektronischen Mittel der Datenverarbeitung, die die Möglichkeiten von Forschung und Technik um unvorstellbare Dimensionen erweitern würden – all das war noch lange nicht in Sicht. Niemand ahnte, dass Millionen von Frauen, die zu Kriegszeiten gearbeitet hatten, sich weigern würden, die amerikanische Arbeitswelt wieder zu verlassen, und dass sich die Bedeutung von Frauenarbeit für immer verändern sollte. Auch dass die amerikanischen Schwarzen auf ihrer Forderung bestehen würden, an den Gründungsidealen ihres Landes in vollem Umfang teilzuhaben und nicht weggedrängt zu werden, war kaum denkbar. Die schwarzen Mathematikerinnen, die 1943 nach Langley gingen, sollten sich an der Schnittstelle dieses großen Wandels wiederfinden und mit ihrem Scharfsinn und Ehrgeiz zu dem beitragen, was die Vereinigten Staaten als einen ihrer größten Siege feiern würden.

Doch im Amerika von 1943 forderte die Gegenwart ihren Tribut. Butler reagierte auf die Erfordernisse des Hier und Jetzt, handelte und setzte einen weiteren Posten auf Sherwoods scheinbar unendliche Liste der benötigten Dinge: ein metallenes Toilettenschild mit der Aufschrift FARBIGE MÄDCHEN 21.

2. KAPITEL

MOBILMACHUNG

Es gab kein Entrinnen vor der Hitze des Sommers 1943, nicht auf der aufgewühlten See des Südpazifiks, nicht unter dem glühenden Himmel über Hamburg und Sizilien. Auch nicht für die Gruppe schwarzer Frauen, die in der betriebseigenen Wäscherei von Camp Pickett arbeiteten. Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der militärischen Einrichtung waren so hoch, dass es eine Erleichterung verschaffte, nach draußen in die fast achtunddreißig Grad1 der Junisonne Virginias zu treten.

Die Wäscherei war sowohl einer der versteckten Winkel des Kriegs als auch ein eigener Mikrokosmos, eine komplexe, effiziente Maschinerie, die achtzehntausend Bündel Wäsche 2 wöchentlich verarbeiten konnte. Eine Gruppe Frauen lud die Schmutzwäsche in die riesigen Waschkessel. Andere hievten die triefende Kleidung in die Trockner. Ein weiteres Team stand an den Bügelmaschinen wie Köche an einem gigantischen Backblech. Die zweiunddreißigjährige Dorothy Vaughan arbeitete in der Sortierstation3 und packte widerspenstige Socken und Hosen in die Wäschesäcke der schwarzen und weißen Soldaten, die mit dem Zug für eine vierwöchige Grundausbildung nach Camp Pickett kamen, bevor es für sie weiterging zum Port of Embarkation4 in Newport News. Geplauder über Ehemänner, Kinder, das Leben zu Hause oder den stets gegenwärtigen Krieg erhob sich über dem Donnern und Brummen der gewaltigen Waschkessel und Trockner. „Wir haben ihm einen richtig schönen Abschied bereitet, alle Nachbarn waren da. Man bekommt nirgendwo mehr Socken bei dieser Hitze. Dieser Mr. Randolph, das ist schon jemand und außerdem mit Mrs. Roosevelt befreundet!“ Sie machten sich Gedanken über die Männer und Brüder und Väter, die in den Krieg zogen, der weit weg von den alltäglichen Dingen ihres Lebens in Virginia war und doch so nah in ihren Gebeten und Träumen.

Die meisten der Frauen in der Wäscherei des Militärs hatten zuvor in anderen Jobs, etwa als Hausmädchen oder Entripperinnen in den Tabakfabriken5, gearbeitet. Die Wäscherei war eine feuchte Hölle, die Tätigkeit so monoton wie anstrengend. Die Arbeiterinnen rangierten auf der untersten Ebene der großen Kriegspyramide, unsichtbar und zugleich enorm wertvoll. Ein leitender Angestellter der Flugzeugindustrie schätzte, dass jede Wäscherin mit ihrer Tätigkeit drei Arbeiter6 bediente; dass andere sich um ihre Schmutzwäsche kümmerten, senkte die Abwesenheitszeiten der Männer und Frauen in der Produktion. Die Wäscherinnen verdienten 40 Cent in der Stunde7, womit sie zu den am schlechtesten bezahlten Kriegsarbeitern gehörten, doch da ihnen sonst kaum Jobs offenstanden, empfanden sie den knappen Lohn wie einen Geldregen.

Nur eine Woche8 lag für Dorothy zwischen dem Ende des Schuljahrs der Robert Russa Moton, der schwarzen Highschool in Farmville, Virginia, wo sie als Mathematiklehrerin gearbeitet hatte, und ihrem ersten Arbeitstag in Camp Pickett. Als College-Absolventin und Lehrerin war sie beinahe am Gipfel dessen angekommen, was die meisten schwarzen Frauen zu erreichen hoffen konnten. Lehrer galten als „obere Ebene der Ausbildung und Intelligenz der Rasse“9, eine Bodentruppe von Erziehern, die nicht nur Schulwissen vermittelten, sondern in der schwarzen Gemeinschaft lebten und deren „Gedanken beeinflussten und sozialen Bewegungen anführten“10. Ihre Schwiegereltern waren die Hauptstützen der schwarzen Elite in der Stadt. Sie besaßen ein Frisörgeschäft11, einen Billardsalon und eine Tankstelle. Die Aktivitäten der Familie lieferten regelmäßig Stoff für die Gesellschaftskolumne im Farmville-Lokalteil des Norfolk Journal and Guide, der führenden schwarzen Zeitung im Südosten der Vereinigten Staaten. Dorothy, ihr Mann Howard und ihre vier kleinen Kinder lebten zusammen mit Howards Eltern und Großeltern in einem großen, weitläufigen viktorianischen Haus an der South Main Street12.

Im Sommer 1943 ergriff Dorothy die Gelegenheit beim Schopf und machte sich auf nach Camp Pickett, um sich während der Schulferien etwas dazuzuverdienen. Die Arbeit als Lehrerin brachte ihr zwar Prestige, aber einen eher bescheidenen Lohn ein. Die weißen Lehrer rangierten13 in Virginia im unteren Viertel der Gehaltsskala für staatliche Schulen, und ihre schwarzen Kollegen verdienten noch einmal 50 Prozent weniger14. Viele schwarze Lehrer im Süden unterrichteten in Schulen mit ein oder zwei Räumen, die sich kaum als Gebäude bezeichnen ließen. Es war Aufgabe der Lehrer, dafür zu sorgen, dass die Schulhäuser sauber, sicher und für die Schüler annehmbar waren. Sie schaufelten im Winter Kohle, reparierten zerbrochene Fenster, schrubbten schmutzige Fußböden und kochten das Mittagessen. Wenn Ebbe in der gemeinsamen Schulkasse herrschte, griffen sie in ihre eigenen, abgeschabten Portemonnaies.

Andere Frauen in Dorothys Situation hätten die Arbeit in der Wäscherei trotz der Verdienstmöglichkeit vielleicht für unakzeptabel gehalten. War es nicht Sinn eines College-Abschlusses, dass man keine schmutzigen, schweren Jobs annehmen musste? Und da das Camp fast fünfzig Kilometer südöstlich von Farmville lag, musste sie während der Woche in einer Arbeiterunterkunft leben und konnte nur am Wochenende nach Hause fahren. Doch die vierzig Cent Stundenlohn, die Dorothy als Wäscherin verdiente, übertrafen ihr Einkommen als Lehrerin15, und bei vier Kindern würde der Zusatzverdienst eines Sommers eine sinnvolle und sofortige Verwendung finden.

Überdies war Dorothy ein ungewöhnlich unabhängiger Geist, der den Ansprüchen, die ihre aufstrebenden schwarzen Landsleute manchmal hatten, kritisch gegenüberstand. In Camp Pickett tat sie nichts, um Aufmerksamkeit zu erregen, und unternahm keinen Versuch, sich von den anderen Frauen abzuheben. Es lag etwas Besonderes in ihrer Haltung, ihrer sanften Stimme und ihrer zierlichen Statur. Die Augen beherrschten ihr hübsches, karamellfarbenes Gesicht: mandelförmige, weit auseinanderstehende, intensiv blickende Augen, die alles zu sehen schienen. Bildung stand auf ihrer Liste der Ideale ganz oben; sie war der sicherste Schutz vor einer Welt, die ihren Kindern mehr abverlangte als weißen Kindern, ihnen aber weniger zurückzugeben versuchte. In der Aufstiegsleiter der Schwarzen zum amerikanischen Traum fehlten Sprossen, und selbst die nach außen erfolgreichsten Farbigen befürchteten, dass die massive Diskriminierung ihre wirtschaftliche Sicherheit jeden Moment zerstören könnte. Ideale ohne praktische Lösungen waren leere Versprechen. Den ganzen Tag in der kochend heißen Wäscherei zu stehen war eine gute Option, da jede saubere Militäruniform neue Schulkleidung einbrachte, jede Socke eine Anzahlung auf den College-Besuch ihrer Kinder war.

Nachts in ihrem Bett in der Arbeiterunterkunft, wenn sie eine Brise herbeisehnte, die die unbewegte Luft zerschneiden würde, dachte Dorothy an Ann, die acht Jahre alt war, an die sechsjährige Maida, den dreijährigen Leonard und den erst acht Monate alten Kenneth. Ihr Leben und ihre Zukunft prägten jede von Dorothys Entscheidungen. Wie nahezu alle schwarzen Frauen kämpfte sie darum, die Zeit, die sie zu Hause mit ihren Kindern verbrachte, und die Zeit, die sie für sie , für die Familie, in die Arbeit investierte, in ein Gleichgewicht zu bringen.

Dorothy war 1910 in Kansas City in Missouri zur Welt gekommen. Ihre leibliche Mutter starb16, als Dorothy erst zwei Jahre alt war, und weniger als ein Jahr später heiratete ihr Vater Leonard Johnson, ein Kellner, erneut. Ihre Stiefmutter Susie Peeler Johnson arbeitete als Reinigungskraft17 im großen Zugdepot der Union Station, um die Familie zu unterstützen. Sie nahm Dorothy als ihre eigene Tochter an, förderte das aufgeweckte Mädchen und brachte ihr schon vor dem Schuleintritt18 das Lesen bei, wodurch sie zwei Klassen überspringen 19 konnte. Sie bestärkte auch das natürliche musikalische Talent ihrer Tochter, indem sie sie zum Klavierunterricht20 anmeldete. Als Dorothy acht war, zog die Familie nach Morgantown, West Virginia, wo ihr Vater eine Stelle bei einem erfolgreichen schwarzen Restaurantbetreiber21 antrat. Dort besuchte sie die Beechhurst School222324