Details

Die Ehrgeizigen


Die Ehrgeizigen


1. Auflage

von: Günter Görlich

7,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 24.05.2022
ISBN/EAN: 9783965216822
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 465

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Die Dreherlehrlinge stehen im Berufswettbewerb. Paul, der als einziger das Abitur hat, ist der Beste des Aktivs und ziemlich überheblich. Er hat den Ehrgeiz, die Goldmedaille im Berufswettbewerb zu bekommen. Dazu muss sein Lernaktiv das beste sein, komme was wolle. Sein Freund Jürgen betrachtet Paul immer kritischer, vor allem, nachdem beide bei einer Demonstration in Westberlin verhaftet wurden und Paul dort – im Gegensatz zu Jürgen – mit Samthandschuhen angefasst wurde. Ein spannendes Buch über Freundschaft, Ehrlichkeit und Liebe.
Das werd ich dir nicht vergessen
In dem Gang hängt eine bunte Tafel
Nächtliches Gespräch
Das rote Auto liegt vorn
Morgen wird es lustiger
Wie die Mädchen sind
Immer schön langsam trinken
Am Wrack der „Maria Magdalena“
Die Jawa hat einen Sozius
„He, Christa!“, muss er jetzt rufen
Abschiedsworte
Aber in unserer Zeit …
Der Kriminalbeamte ist ganz in Ordnung
Freunde
Ich bin kein Verräter!
Das Bett unter dem Jazztrompeter ist leer
Du hättest dir eine andere einladen sollen
Hinter jeder Zahl verbirgt sich einer
Manchmal muss man etwas zerreißen
Günter Görlich
Geboren am 6. Januar 1928 in Breslau, gestorben am 14. Juli 2010 in Berlin.
Ab 1944 Flakhelfer, sowjetische Kriegsgefangenschaft bis Oktober 1949. Bauarbeiter, Volkspolizist.
Nach dem Pädagogikstudium war er Erzieher in einem Jugendwerkhof und in einem Lehrlingswohnheim.
1958 erhielt er für sein erstes Jugendbuch „Der Schwarze Peter“ den Jugendbuchpreis des Ministeriums für Kultur.
Weitere Auszeichnungen:
Kunstpreis des FDGB 1966, 1973
Nationalpreis 2. Klasse 1971
Held der Arbeit 1974
Nationalpreis 1. Klasse 1978
Joh.-R.-Becher-Medaille in Gold 1979
Vaterländischer Verdienstorden in Gold 1979
Ehrenspange zum VVO in Gold 1988
Goethepreis der Stadt Berlin 1983
In Fallers Zimmer war es still. Die Augen der Frau, eben noch liebenswürdig, waren kühl und abweisend geworden. Der Mann saß mit gespreizten Beinen auf dem Stuhl, die Hände hielt er gekreuzt.
Faller hatte gesagt, dass er sich um Paul Sorgen mache …
Der Mann nickte, und in seinem Gesicht war ein Ausdruck, als wolle er sagen: Hab ich doch recht gehabt. Trotzdem forderte er Faller unwirsch auf, konkreter zu werden.
Er möchte jetzt nicht nur als Pädagoge, sondern auch als Genosse zu ihnen sprechen, sagte Faller.
Die Frau presste die Lippen aufeinander, und der Mann setzte sich aufrecht.
Faller betonte, dass er Paul für einen sehr begabten Menschen halte. Das habe aber bei ihm zur Überheblichkeit geführt; er zeige egoistische Züge und ein übersteigertes Geltungsbedürfnis.
Der Mann wiederholte ungeduldig: „Konkreter, bitte!“
„Ich frage mich“, sagte Faller, „ob Paul von Ihnen nicht in einigen entscheidenden Fragen falsch erzogen wurde. Ich möchte ein Beispiel bringen. Warum kaufen Sie ihm ein Motorrad? Das muss doch zur Überheblichkeit führen. Er verliert den Blick für die wirkliche Welt. Erarbeiten soll er sich so etwas.“
Die Frau protestierte aufgeregt: „Sie übertreiben. Natürlich übertreiben Sie. Er hat gespart. Ist Sparen keine Erziehung?“
„Wenn man viel hat und sich nicht einzuschränken braucht, ist Sparen keine Kunst.“
Der Mann sagte: „Sie haben recht!“
Faller berichtete auch über das Verhältnis Pauls zu dem Mädchen Hannelore, dass Paul mit den Gefühlen des Mädchens nur gespielt habe und sie, als er ihrer Zuneigung anscheinend überdrüssig geworden sei, einfach beiseite geschoben habe.
Die Frau senkte die Augen, ihre dichten Wimpern waren wie schwarze Fächer.
Der Mann sagte aufrichtig: „Danken muss man dir, Genosse!“ Er seufzte und fügte zögernd hinzu: „Jetzt fahren wir weg, man hat wieder keine Zeit. So war das schon immer. Man gibt dem Bengel alles, will damit sein Gewissen beruhigen … und es ist alles verkehrt …“ Unsicher strich er sich mit der Hand über sein schütteres Haar.
Die Frau schnappte mit dem Verschluss ihrer Tasche.
Der Mann drückte lange die Hand Fallers.
„Nimm ihn ran! Hörst du! Ich war Arbeiter, er soll kein Schnösel werden …“
Der Händedruck der Frau war flüchtig.
Faller lauschte den auf dem Korridor verhallenden Schritten nach.
Er dachte: Das sind nun die Eltern, kluge Menschen, Genossen, die ihre Kräfte nicht schonen. Ja, mehr Zeit müsste man haben. Wir, die Verantwortlichen, dürfen nicht immer alles auf einen Ruck lösen wollen. Warum habe ich nicht schon einmal einen Brief an die Eltern geschrieben? Natürlich wäre das gut gewesen.
Faller seufzte. Er schob die Bücher auf dem Tisch zusammen. Es waren auch Bücher über Pädagogik dabei.

Diese Produkte könnten Sie auch interessieren:

Der Geschichtenbäcker
Der Geschichtenbäcker
von: Carsten Henn
EPUB ebook
11,99 €
Plumpsklo und Zinkwanne
Plumpsklo und Zinkwanne
von: Eckhard Burmester
EPUB ebook
9,99 €
Illusions
Illusions
von: Richard Bach, Vitaliy Shabanov
ZIP ebook
5,99 €