Unsichtbare Mission Sammelband #7 - Fünf Thriller in einem Band

Agent Mike Borran, Volume 7

Earl Warren

Published by Cassiopeiapress/Alfredbooks, 2017.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Unsichtbare Mission – Sammelband 7

Copyright

Nordpol – Mordpol

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

Der Killer-Guru

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

Stahlfaust

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

Killer, Spieler, leichte Mädchen

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

DER MORD-CLAN

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

Sign up for Earl Warren's Mailing List

Further Reading: 14 Sommermörder - 14 Super Strand Krimis

Also By Earl Warren

About the Publisher

Unsichtbare Mission – Sammelband 7

Fünf Thriller in einem Band

Der Umfang dieses Buchs entspricht 662 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende fünf  Thriller:

Earl Warren: Nordpol – Mordpol

Earl Warren: Der Killer-Guru

Earl Warren: Stahlfaust

Earl Warren: Killer, Spieler, leichte Mädchen

Earl Warren: Der Mord-Clan

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Nordpol – Mordpol

Unsichtbare Mission - Band 31

von Earl Warren

Nachdem den CIA-Top-Agenten Mike Borran und seinem Kollegen Ben Copley die Rückkehr von Doc Alphas Raumstation zur Erde geglückt ist, erwartet sie bereits ein neuer Auftrag: Unnatürlich schnelles Abschmelzen des Polareises könnte für ein klimatisches Chaos sorgen. Eine völlige Umkehr der Klimazonen wäre die Folge! Hat Doc Alpha auch dabei seine Finger im Spiel? Die beiden mutigen CIA-Agenten begeben sich ins ewige Eis, um der Ursache auf den Grund zu kommen – in dem lebensfeindlichsten Teil der Erde geraten sie erneut in Lebensgefahr ...

1

Eisiger Nordwind fauchte um die Baracken und Anlagen des Luftwaffenstützpunkts Thule, als Murray Cole die Unterkunft verließ. Cole war Sicherheitsoffizier und Leiter der Spionageabwehr der Basis.

In letzter Zeit hatte sich einiges ereignet. Deshalb war Cole dazu übergegangen, zu allen möglichen Zeiten unregelmäßige Kontrollgänge durchzuführen.

So auch jetzt, kurz nach Mitternacht am 31. Januar. Pechschwarz war die Nacht, und Schneegestöber jagte durch den Lichtschein der Peitschenlampen. Murray Cole stellte den Pelzkragen der gefütterten Steppjacke auf und stapfte vornübergebeugt durch den Schneesturm zum Verwaltungstrakt.

Fast wäre er mit einem Wachposten zusammengestoßen, der hinter der nächsten Gebäudeecke Schutz gesucht hatte. Der Wachposten trug Winteruniform und dicke Handschuhe.

Unbeholfen fummelte er damit an seinem Schnellfeuergewehr herum, bis er den großen, schlanken Mann erkannte.

»So spät noch unterwegs, Major Cole?«, schrie er nahe am Ohr des Sicherheitsoffiziers durchs Heulen des Wintersturms.

Cole nickte. Er eilte weiter, nur darauf bedacht, das Verwaltungsgebäude zu erreichen, in dessen Keller das Archiv mit den streng geheimen Unterlagen eingerichtet war. Der Major schloss die äußere und die innere Tür mit dem Spezialschlüssel auf.

Im Gebäude erschien es ihm nach der Kälte draußen angenehm warm zu sein. Bei seinem Eintreten war automatisch die Notbeleuchtung in Betrieb gesetzt worden. Der Major betrat die Vermittlungszentrale, schloss mit dem Universalschlüssel den Schaltkasten auf und wollte die Alarmanlage fürs Archiv abschalten.

Er stutzte, als er sah, dass der unscheinbare Schalter ohne Bezeichnung bereits auf der Nullstellung stand. Handelte es sich um einen Fehler des Wachhabenden, der zuletzt das Gebäude verlassen hatte? Oder war jemand vor Major Cole eingedrungen und hatte die Alarmanlage ausgeschaltet?

Cole überlegte, ob er gleich den Offizier vom Dienst und die Wache alarmieren sollte. Er entschied sich dagegen. Es konnte sich durchaus um ein harmloses Versehen handeln. Wenn nicht, dann fühlte sich Major Cole durchaus fähig, um einen Eindringling oder auch zwei persönlich in Schach zu halten und festzunehmen.

Es würde sich für seine Karriere sehr günstig auswirken, wenn er allein den Spion oder die Spione stellte. Cole beging mit dieser Einschätzung der Lage einen tödlichen Fehler.

Er öffnete die Jacke, zog den Colt Combat Commander mit den Walnussholzgriffschalen aus dem Holster und lud die Waffe durch. In seiner linken Jackentasche steckte die Taschenlampe, in der rechten der Schlüsselbund.

Der Major verließ die Zentrale und wanderte durch die langen, kahlen Korridore. Er stieg hinab in den Keller. Das Archiv verfügte über eine Panzertür mit Zahlenkombinationsschloss.

Major Cole drehte am Justierungsrad. Er hatte die Nummernkombination im Kopf. Doch er benötigte sie nicht, die Tür war offen. Cole erschauerte. Jetzt spürte er eine Spannung, die sich seines ganzen Körpers bemächtigte.

Seine Nerven prickelten. Denn jetzt war er ganz sicher, dass hier etwas vorging. Er öffnete die Panzertür gerade weit genug, um hindurchschlüpfen zu können. Die Notbeleuchtung brannte nicht.

Cole, die Pistole schussbereit in der rechten Hand, leuchtete sekundenlang mit der Taschenlampe. Das Archiv bestand aus verschiedenen Räumen, die alphabetisch bezeichnet waren. Im Spalt unter der Tür von Raum B schimmerte Licht.

Der Major schaltete die Taschenlampe aus und steckte sie weg. Er zögerte einen Moment. Dann atmete er entschlossen ein, straffte sich, stieß die Tür auf und eilte ins Zimmer.

Ein Aktenschrank war geöffnet. Ein Mann mit dunkelgrüner Parka und dünnen schwarzen Lederhandschuhen war gerade damit beschäftigt, mit einer Minox Geheimpapiere über das Raketenfrühwarnsystem der USA und über Satellitendaten zu fotografieren.

Coles schwungvoller Eintritt ließ ihn heftig zusammenzucken. Er drehte sich um. Cole kannte den Mann flüchtig. Auf der Air Base Thule waren immerhin um die 3000 Leute stationiert.

Es handelte sich um einen Luftwaffensergeanten, der zum Bodenpersonal gehörte, einen altgedienten Mann Ende dreißig.

Cole schaute sich flüchtig um, sah sonst niemanden und richtete die Pistole auf den Spion, der automatisch die Hände hob.

»Sie sind festgenommen, Sergeant Hilroy«, sagte Cole mit Triumph in der Stimme und war dabei noch stolz auf sein gutes Namensgedächtnis. »Stellen Sie sich drüben an die Wand, stützen Sie sich mit den Händen ab, und setzen Sie die Füße zurück, damit ich Sie durchsuchen kann. Diesmal haben Sie Pech gehabt, und Ihre Komplizen fasse ich auch!«

»Das glaube ich nicht, Major Cole«, sagte eine Frauenstimme hinter dem Sicherheitsoffizier. »Vom Leiter des Sicherheitsdienstes eines so wichtigen Stützpunkts wie Thule sollte man etwas mehr Cleverness erwarten. Sie enttäuschen mich. Sie haben sich wie ein blutiger Anfänger benommen.«

Cole war es, als ob ein Eiszapfen über sein Rückgrat striche. Er erkannte die Frauenstimme. Es war also noch jemand in dem Raum, er hatte diese Person übersehen. Sie musste direkt neben der Tür gestanden haben, die sie dann beim öffnen verdeckte.

Wirklich nicht mehr der neueste Trick.

»Lassen Sie die Pistole fallen, Major Cole!«, sagte die Frau mit schneidender Härte in der Stimme.

Der Major wusste, dass seine Stunde geschlagen hatte, wenn er nicht eine Menge Glück hatte oder etwas ganz Gravierendes geschah. Die Spionin und der Spion durften ihn nicht am Leben lassen.

Das konnten sie sich überhaupt nicht leisten.

Cole schaute über die Schulter. Die Frau neben der Tür war hochgewachsen und bildschön. Ein rassiges Weib, das das Herz jedes Mannes höher schlagen ließ. Seit einiger Zeit war sie in Thule stationiert.

Die Frau trug einen Hosenanzug, der ihre Formen betonte. Ihre gefütterte Jacke war aufgeknöpft, das Haar fiel ihr lang über die Schultern.

Ihre schmalen Hände mit den langen, rot lackierten Fingernägeln hielten eine hässlich wirkende Pistole mit Schalldämpfer.

»Sie also!«, sagte Cole. »Von Ihnen hätte ich das nicht vermutet. Für wen arbeiten Sie eigentlich?«

Der Major wollte Zeit gewinnen und seine Gegner ablenken. Er hatte Angst, aber er war auch eiskalt und entschlossen. Denn ohne Gegenwehr würde sich Murray Cole nicht töten lassen. Nicht, solange er noch einen Finger rühren konnte.

»Für die UdSSR?«, fragte er weiter. »Oder für die Chinesen?«

»Weder - noch«, antwortete die langhaarige Schönheit. »Sondern für eine Organisation, die Sie vielleicht gar nicht kennen, Major Cole, die aber in absehbarer Zeit die ganze Welt beherrschen wird. - Die Vierte Macht!«

Cole hatte etwas darüber gehört und ein paar Aktennotizen gelesen, das Ganze aber nicht ernst genommen. Cole hatte die Vierte Macht mit ihrem Leiter Doc Alpha bisher für das Hirngespinst einiger überkandidelter Bürohengste in Washington und Langley gehalten.

Cole sah aus dem Augenwinkel, wie auch der Luftwaffensergeant Hilroy eine handliche Pistole mit Schalldämpfer aus der Parkatasche zog. Der Major durfte nicht länger zögern.

Er wirbelte herum. Die Tatsache, dass er eine Frau vor sich hatte, durfte ihn jetzt nicht zögern lassen.

Cole war schnell, er verfügte über ausgezeichnete Reflexe und hatte sich immer fit gehalten. Doch er kam nicht zum Schuss.

Die Schalldämpferpistole in der Hand der rassigen Frau spuckte Feuer. Die Schüsse klangen nicht lauter als das Knallen eines Sektkorkens.

Der Major spürte heftige Schläge gegen die Brust. Er wollte abdrücken, die Spionin kampfunfähig schießen und zur Seite springen. Doch es gelang ihm nicht einmal, den Zeigefinger zu krümmen.

Vor seinen Augen begann die Umgebung zu verschwimmen. Er fühlte sich, als ob er ein großes Loch in der Brust hätte, und sein Körper schien ihm nicht mehr zu gehören.

Major Cole sah in die Augen der Frau, die ihn getötet hatte, und starb im Stehen. Dass der Luftwaffensergeant noch zweimal von hinten auf ihn feuerte, merkte er nicht mehr. Er ließ die Pistole fallen und kippte mit einem letzten Seufzer um wie ein Baum.

Er regte sich nicht mehr. Auf dem glatten Fußboden begann sich eine Blutlache auszubreiten. Die Spionin steckte die Pistole weg. Der Luftwaffensergeant stand immer noch schussbereit und starrte auf den Toten vor sich.

»Was glotzt du so, Bill?«, fragte die schöne Frau. »Hast du geglaubt, wir trieben hier ein Kinderspiel? Beeil dich, die Geheimakten fertig zu fotografieren. Sie müssen heute Nacht auch noch auf Mikrofilm verkleinert werden.«

Der Sergeant nickte benommen. Er war weniger kaltblütig als die Frau und dieser unterstellt. Bald fuhr er mit seiner Arbeit fort, aber manchmal schweifte sein Blick zu dem Toten hinüber.

Sergeant William B. Hilroy fühlte sich alles andere als wohl in seiner Haut. Der Frau war keine Gemütsbewegung anzumerken. Aber vielleicht verbarg sie, was sie empfand, tief in ihrem Innern.

2

Die Geheimkonferenz fand in einem Sitzungssaal des Pentagon in Washington statt. Anwesend waren sechs ausgewählte Mitglieder des Verteidigungsausschusses, je zwei Generäle von Army und Air Force sowie ein Admiral der Navy mit ihren Adjutanten.

Ferner drei Fachreferenten, hochqualifizierte Wissenschaftler, der Direktor des CIA sowie dessen graue Eminenz, General Benson. Außerdem ein Mann, der zwischen den zwei CIA-Größen saß und dessen Gesicht eine fleischfarbene Maske verbarg.

Der Mann mit der Maske war Mike Borran, die Geheimwaffe des CIA, der letzte und schlagkräftigste Trumpf im Kampf der Geheimdienste. Mike Borran war Professor der Kernphysik und hatte als solcher in den Kensington Labors in Los Angeles gearbeitet.

Bei einem Experiment mit einer hauptsächlich von Professor Borran entwickelten Laserkanone hatte es einen Unfall gegeben. Mike Borran war einer bisher unbekannten Gamma-Strahlung ausgesetzt worden. Sie hatte die Molekularstruktur seines Körpers verändert. Seitdem konnte Mike sich unsichtbar machen - für eine Zeitspanne von genau zwei Stunden. Zwischen zwei Unsichtbarkeitsphasen musste eine Regenerationszeit von jeweils vierundzwanzig Stunden liegen.

Einen solchen Supermann konnte der CIA sich nicht entgehen lassen. Mike Borran war zuerst wider Willen zum US-Geheimdienst gepresst worden und hatte eine harte Sonderausbildung hinter sich gebracht.

Inzwischen konnte man ihn als Geheimdienstexperten und Top-Agenten bezeichnen. Mikes Einstellung zur Geheimdienstarbeit hatte sich grundlegend gewandelt. Er sah sie als notwendig an.

Im Kampf gegen die Vierte Macht, der weltweiten Geheimorganisation des genialen Despoten und Telepathen Doc Alpha, hatte Mike Borran seine Lebensaufgabe gefunden. Er war, seit er sich gründlich mit der Alpha-Organisation angelegt hatte, wohl der meistgefährdetste Mann der USA.

Er hatte den Killer-Satelliten vernichtet, in Singapur und Malaysia einen Putsch vereitelt, der Doc Alphas Pläne sehr gefördert hätte, und auf Borneo eine Raketenbasis der Vierten Macht zerstört.

Mike Borran und sein Teamkollege Ben Copley waren sogar auf der Raumstation der Vierten Macht gewesen. Die Raumstation existierte nach wie vor. Sie war die modernste Weltraumbasis der Menschheit, eine permanente und mit derzeitigen Mitteln unangreifbare Bedrohung für die Freiheit der Welt.

Denn Doc Alphas Pläne liefen global weiter.

Nach Mike Borrans und Ben Copleys Rückkehr zur Erde war der Fall Doc Alpha und Vierte Macht zur Top-Secret-Angelegenheit erklärt worden. Die Weltöffentlichkeit durfte nichts davon erfahren.

Konferenzen und auch Gespräche zwischen leitenden Politikern der Spitzenmächte hatten stattgefunden. Aber es war keine Einigung zu erzielen und keine Allianz gegen die Vierte Macht zustande zu bringen. Die Russen erklärten die Vierte Macht in ihren Geheimkommuniqués als Tarnorganisation des kapitalistischen Imperialismus.

Sie drohten Maßnahmen an, wenn ihre Interessen angetastet wurden. Die Chinesen ignorierten Hinweise auf die Vierte Macht nach einigen Informationskontakten völlig. In Europa und Afrika war man zu sehr mit eigenen Problemen beschäftigt und hatte auch nicht den Horizont, um eine globale Gefahr richtig einzuschätzen und zu erkennen.

Doc Alpha konnte triumphieren. Seine Computerberechnungen über die Entwicklung der Weltpolitik in den achtziger Jahren erschienen richtig.

Mike Borran drückte seine Zigarette aus. Gerade sprach der Senator von Nebraska, ein einflussreiches Mitglied des Verteidigungsausschusses, langatmig und umständlich. Er redete, wie hätte es anders sein können, übers Budget des Verteidigungsministeriums.

»So, wie ich ihn verstehe, können wir den Laden dichtmachen und die US Flagge streichen«, meinte Mike Borran halblaut zu General Benson. »Aus Kapitalgründen.«

»Senator Wainwright. übertreibt immer stark«, antwortete der General. »Er ist selber krankhaft geizig. Bevor er einen Dollar ausgibt, quetscht er ihn derart, dass der Adler auf der Rückseite zu schreien anfängt.«

Mike grinste unter seiner Maske. Seine Identität war zwar Eingeweihten bekannt, aber aus Sicherheitsgründen durfte er sich bei Gelegenheiten wie dieser nicht mehr ungetarnt zeigen. Der Kreis der Leute, die ihn persönlich kannten und identifizieren konnten, sollte klein gehalten und nach Möglichkeit noch eingeschränkt werden.

Über seine spezielle Fähigkeit, dass er sich unsichtbar machen konnte, wusste ohnehin nur eine Handvoll Personen Bescheid.

Mike Borran hatte bei der Sondersitzung Fragen über die Vierte Macht und besonders die Raumstation beantwortet. Er fragte sich, ob er seine Zeit nicht verschwendet hatte, wie allgemein in den letzten Wochen.

Es hatte sich nämlich nichts geändert.

Eins der drei Telefone auf dem Konferenztisch summte. Einer der beiden Army-Generäle, ein stiernackiger Mann, der vom Äußeren her an einen Panzer erinnerte, nahm ab und knurrte Rang und Namen.

Nur sehr wichtige Gespräche wurden in den Konferenzraum durchgestellt.

»Für Sie, Sir«, sagte der General und übergab den Hörer an den CIA-Direktor.

Der hochgewachsene, grauhaarige Mann lauschte. Sein ohnehin schon konzentriertes Gesicht wurde noch ernster. Er antwortete ein paarmal knapp mit Ja oder Nein. Als er aufgelegt hatte, fing er gleich an, seine Unterlagen zusammenzupacken.

»Gentlemen«, entschuldigte er sich, »wir sind dringend abberufen worden. Wichtige Ereignisse erfordern unsere Anwesenheit in der CIA-Zentrale in Langley.«

Der Seitenblick, den er Mike Borran zuwarf, sagte diesem genug. Ein neuer Einsatz stand ihm bevor. Fragen der Anwesenden schnitt der CIA-Direktor kurzerhand ab.

Beim Verlassen des Saales wurden der CIA-Direktor, General Benson und Mike Borran, der immer noch seine Maske trug, von einem Geheimdienstmitglied empfangen und bis zum Hubschrauberlandeplatz auf dem Gebäudedach begleitet. Der Lift brachte sie rasch nach oben.

Der CIA-Mann - er gehörte zur Sicherheitstruppe des Pentagons - sorgte dafür, dass seine drei Begleiter alle Sperren passieren konnten. Bald saßen sie in einem Armeehubschrauber und dröhnten in Richtung Langley.

Das Kleinstädtchen in der Nähe von Washington, D. C., hatte einen besonderen Ruf erlangt, da sich dort die Zentrale des Central Intelligence Service befand, des Geheimdienstes der USA.

»Ich bin froh, dass wir diesen Schwätzern entkommen sind«, sagte der CIA-Direktor in der luxuriös eingerichteten, schalldichten Hubschrauberkabine. »Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Politiker und einem Fernseher? Den Fernseher kann man abstellen.«

Mike Borran nahm die Kunststoffmaske ab und massierte seine Gesichtszüge. Er war um die dreißig Jahre alt, groß, schlank und sportlich durchtrainiert. Niemand hätte den gutaussehenden Mann mit dem jungenhaften Gesicht für einen Professor gehalten.

Mike Borrans Haar war dunkelbraun, seine Augen dunkelblau. Er hatte ein markantes Kinn. Sein schmales Gesicht wirkte sehr männlich. Wenn er lächelte, blitzten gesunde weiße Zähne, und wenn er lachte, hätte man ihn auf etwas Distanz noch für einen Collegeboy halten können.

Von seinem Einsatz in Südostasien und einem kurzen Skiurlaubstrip nach der Rückkehr von der Raumbasis Alpha hatte Mike eine gesunde Bräune zurückbehalten.

Der Hubschrauber überflog die kleine Stadt Langley. Das CIA-Hauptquartier lag außerhalb des Ortes.

Der große Komplex war hermetisch abgeriegelt, denn hier befand sich das Gehirn des größten westlichen Geheimdienstes. Die Hauptgebäude waren oberirdisch zu einem Karree angeordnet.

Das Magazin, eine Kaserne und der Tower des CIA-Flugplatzes befanden sich nebenan. Die Hauptanlagen aber waren unterirdisch errichtet. Ein Bunkersystem, dessen tiefere Regionen atombombensicher waren, stellte eine Festung dar.

Im Katastrophenfall konnte man hier monatelang überleben. Die zentrale Computerbank war eine der größten und vielleicht die modernste der Welt. Sie stand mit vielen anderen elektronischen Datenverarbeitungsanlagen in den USA und auch in anderen Ländern der Erde in direkter Verbindung.

Noch bevor der Army-Helikopter den Dachlandeplatz eines CIA-Verwaltungsgebäudes erreichte, fragte Mike Borran den CIA-Direktor über den Grund ihres plötzlichen Aufbruchs.

»Die nördliche Polareiskappe schmilzt ab«, antwortete dieser lakonisch. »Im US-Luftwaffenstützpunkt Thule verschwinden Geheimunterlagen und tauchen plötzlich wieder auf. Dort geschieht auch sonst noch allerlei. Und heute Nacht wurde der Sicherheitsoffizier Major Murray Cole ermordet. Von unbekannten Tätern. Man fand seinen Leichnam im Zentralarchiv. Sicher hat er dort Spione beim Abfotografieren oder Entwenden von Unterlagen überrascht. Es konnte noch nicht festgestellt werden, ob Aktenstücke fehlen oder nicht.«

Mike Borran pfiff durch die Zähne. Als Wissenschaftler und allgemein sehr gebildeter Mensch wusste er, welche Rolle die Polareiszonen für das Klima der Erde und auch für die Stabilität der Erdachse spielten.

An den Polen entstanden die Kaltluftzonen. Die Luftzirkulation, das Wetter allgemein und auch die Meeresströmungen wurden von den Polargebieten beeinflusst. Das Abschmelzen polaren Eises in großem Maßstab veränderte alles und musste außerordentliche Folgen haben.

»Weshalb schmilzt das Polareis?«, fragte Mike Borran den CIA-Direktor. »Hat es klimatische Veränderungen gegeben? Vulkanische Tätigkeiten im Erdinnern, die das hervorrufen könnten?«

»Wir beobachten die Entwicklung schon seit einem knappen Vierteljahr«, meinte der CIA-Direktor. »Die Eierköpfe haben alle möglichen Theorien ausgearbeitet und aufgetischt. Aber keine davon ist stichhaltig.«

»Mir scheint, um es ganz krass zu sagen, dass da jemand mit künstlichen Mitteln nachhilft«, sagte General Benson. »Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit laut Computeranalyse, dass das Abschmelzen der Polareiskappe und die Vorkommnisse in der Luftwaffenbasis Thule in einem Zusammenhang stehen?«

Er hatte den CIA-Direktor gefragt.

»Über achtzig Prozent«, antwortete der.

Der Helikopter landete. Die Männer stiegen aus. Sturm und Rotorenwind beutelten sie durch. Sie passierten die Kontrollen. Gleich darauf brachte sie ein Schnelllift nach unten ins Innere des CIA-Zentrums, das man schon als eine Stadt für sich bezeichnen konnte.

Mike Borran war zuerst die Luft weggeblieben. Dass jemand versuchen sollte, mit technischen oder sonstigen Mitteln das Eis des Nordpols zum Großteil abzuschmelzen und damit weltweite Wirkungen zu erzielen, überstieg fast seine Vorstellungskraft.

Er dachte sofort an eines: Doc Alpha und die Alpha-Organisation. Ein solches Projekt konnte nur dem Gehirn des Leiters der Vierten Macht entsprungen sein und von ihr in Angriff genommen werden.

Der CIA-Direktor und General Benson verabschiedeten sich für eine Weile von Mike Borran, der im Aufenthaltsraum des unterirdischen CIA-Casinos »auf Eis gelegt« wurde. Die beiden Top-Funktionäre brachten in der nächsten Zeit allerhand in Gang.

Mike saß inzwischen an der Casino Bar, trank Fruchtsaft und verfolgte ziemlich uninteressiert eines der Washingtoner Fernsehprogramme. Eine der beiden hübschen Hostessen hinter der Bar - alle zwei Mädchen waren Angestellte des CIA - musterten den schlanken, braungebrannten Mann interessiert.

Mike wartete, unterhielt sich beiläufig mit einem anderen Agenten und ließ die Zeit verstreichen. Durch die Drehtür traten fast ständig neue Leute ein oder gingen wieder hinaus. Man sah CIA-Angehörige aus aller Herren Länder.

Im Hauptquartier war der Dienst der festangestellten Mitarbeiter streng reglementiert. Doch bei den ein- und auspendelnden Agenten war eine minutengenaue Zeitplanung ohne jeden Leerlauf nicht möglich. Und auch die höheren Ränge der Stabsoffiziere und Zivilangestellten lockerten ihren Dienst gelegentlich gern durch einen Abstecher ins Casino auf.

Mike Borrans Dienstnummer leuchtete an der Schautafel auf und blinkte. Das war das Zeichen für ihn, dass er abberufen wurde. Er verabschiedete sich leger von dem Agenten, der ihm gerade über die Verhältnisse und internen Schwierigkeiten des CIA in Mittelafrika berichtet hatte.

Über den Hörer der Sprechanlage an der Wand hörte Mike die Aufforderung der Vermittlungszentrale, sich zwei Stockwerke höher in einem Vorführraum einzufinden. Er marschierte durch die Drehtür.

Im Vorführraum angelangt, sah Mike sich einem Gremium von CIA-Wissenschaftlern gegenüber. Sie steckten die Köpfe zusammen und debattierten heftig. Die lange Gestalt des Professors Loneman, des Leiters der technischen Labors des CIA, ragte aus der Menge empor.

Professor Loneman fuchtelte beim Reden heftig mit den Händen. Fast hätte er einen seiner Kollegen geschlagen.

Ferner waren General Benson, wie zuvor in Uniform, Maureen »Plenty« Parker und Ben Copley dabei. Dann noch ein technischer Angestellter, der im Hintergrund blieb und die Filmvorführungen und weiteres zu besorgen hatte.

Die rothaarige Irin Plenty hatte Mike kennengelernt, als er noch versucht hatte, sich dem CIA zu entziehen. Plenty sprühte vor Energie und Leben. Sie war längst Mikes Geliebte, und sie hielt ihn, wenn sie zusammen waren, mit ihren Launen und Einfällen in Atem.

Ben Copley, ein schlaksiger, cooler Farbiger mit legeren Jeans und Skipullover im Norwegermuster, war bei dem Südostasieneinsatz zu Mike Borran gestoßen. Die beiden hatten sich schnell angefreundet, und jetzt waren der Ex-Professor Mike Borran und der schwarze ehemalige Air-Force-Offizier und NASA-Testpilot Ben Copley ein Team.

»Hallo, Mike«, sagte Plenty, stellte sich auf die Zehenspitzen und hauchte dem großen Mann einen flüchtigen Kuss auf die Lippen. »Wie wir hören, hast du bis eben an der Bar herumgesumpft. Wie viele Promille bringst du mit?«

»Nur einen Orangensaftrausch«, grinste Mike und klopfte Ben Copley freundschaftlich auf die Schulter.

Er hatte sich von den beiden am Morgen des Vortags verabschiedet, als er das gemeinsame Hotel in Langley verließ. Seither war er in Washington gewesen.

Professor Loneman stürzte sich sofort auf Mike. Er redete diesem zu, dass ihm noch verschiedene Verbesserungen für den CIA-Chronometer eingefallen seien. Diese Spezialuhr hatte ein Mini-Funkgerät, einen Kleinstcomputer und verschiedene andere Finessen eingebaut.

Mike trug einen der drei bisher vorhandenen Prototypen. Er hatte ihm schon sehr gute Dienste geleistet und die Durchführung seiner letzten Aufträge erst ermöglicht. Mike wehrte den übereifrigen Wissenschaftler ab.

»Wir wollen über die Polareiskappe sprechen, Professor Loneman.«

»Selbstverständlich.«

General Benson bat die Anwesenden, auf den Stuhlreihen Platz zu nehmen. Er selber blieb stehen und hielt einen prägnanten Vortrag über die Sachlage. Auf sein Zeichen verdunkelte der Vorführer das Licht.

Bei den Dias und Filmmetern handelte es sich teils um wissenschaftliches Dokumentarmaterial, teils um von Satelliten und Aufklärungsflugzeugen fotografierte Aufnahmen. Ein Wissenschaftler trat an General Bensons Stelle und sprach die notwendigen Erläuterungen.

Er wusste mit genauen Daten aufzuwarten.

»Noch ist die derzeitige Entwicklung nicht von großem Belang«, sagte er. »Obwohl bereits etwa eine Milliarde Hektoliter Wasser durch den Schmelzprozess freigesetzt worden sein dürfte. Der Wasserspiegel der Weltmeere ist dadurch jedenfalls nicht messbar gestiegen.«

Der Wissenschaftler erläuterte rechnerisch, dass die Ozeane damit um noch nicht einmal einen Millimeter zugenommen haben konnten.

»Aber Sorge bereitet mir der Prozess an sich«, fuhr er fort. »Der Grund ist unerklärlich und nicht in geothermischen oder meteorologischen Ursachen zu finden. Das Polareis schmilzt immer schneller, wie wir festgestellt haben. Wenn es so weitergeht, steigert sich der Effekt mehr und mehr. Bis zum Jahresende dürften wir schon die ersten klimatischen Veränderungen spüren, und eine Änderung der Erdneigung stünde bevor und würde die Verhältnisse völlig umkehren.«

Mike Borran brach fast der Schweiß aus, als er daran dachte. Bisher fruchtbare Gebiete würden sich in Dürrezonen verwandeln. Die Ernten würden völlig anders ausfallen. Die USA konnten zum Beispiel völlig versteppen, während die Sahara kräftige Niederschläge erhielt.

Dass die klimatischen Veränderungen Springfluten, Taifune und Hurrikane hervorrufen würde, wie es sie in diesem Maße noch nicht gegeben hatte, stand fest. Es war eine Entwicklung, die genau in Doc Alphas Pläne passte.

Unter den Wissenschaftlern war ein Disput ausgebrochen. Sie warfen sich gegenseitig alle möglichen Fachausdrücke und ihre Berechnungen und Theorien an den Kopf. General Benson musste sie mehrmals und ernsthaft zur Ruhe ermahnen.

»Was geschehen kann, wenn wir nicht Einhalt gebieten, wissen wir jetzt«, sagte der General. »Aber wie lange dauert es ungefähr, bis drastische Klimaveränderungen und Naturkatastrophen auf treten?«

Die einfach gestellte Frage hatte eine längere Diskussion zur Folge. Die einzelnen Fachwissenschaftler mussten die Entwicklung schätzen. Die kürzeste Prognose war knapp anderthalb Jahre, die längste zehn bis zwölf Jahre, bis ein drastischer Umschwung erfolgt war.

Der General stellte die nächste entscheidende Frage.

»Wie ist es technisch möglich, das Polareis in so großen Mengen zu schmelzen, meine Herren?«

Die neun Wissenschaftler hatten elf verschiedene Theorien anzubieten. Der Vorführer hatte das Licht wieder voll angedreht. Manchmal musste er ein Dia oder einen Filmstreifen zeigen, wenn ein Experte seine Ansichten bildlich erläuterte.

Ben Copley grinste süffisant, eine Zigarette im Mund.

»Wenn die Diskussion noch eine Weile andauert, gehe ich lieber in Deckung«, sagte er zu Mike Borran und Plenty, als die Experten sich mehr und mehr in Hitze redeten. »Ich befürchte nämlich ein allgemeines Getümmel.«

Aber die Wissenschaftler setzten sich lediglich auf geistiger Basis auseinander. Mike Borran meldete sich schließlich zu Wort.

»Ich habe jetzt alles gehört«, sagte er, als Ruhe eingekehrt war. »Von einem Sonnenkraftwerk, dessen Nutzeffekt mir am Nordpol schlicht gesagt minimal erscheint, über die Nutzung der Hitze des Magma im Erdinnern und atomare Verbrennungsanlagen. Das alles ist unrealistisch. Es wären in jedem Fall, auch bei den anderen Theorien, Anlagen erforderlich, die unseren Aufklärungssatelliten und -flugzeugen nicht hätten entgehen können. Es gibt nach meiner Ansicht nur eine Möglichkeit.«

»Und die wäre?«, fragte Professor Loneman gespannt und reckte den langen Hals mit dem knorpligen Adamsapfel.

»Laserstrahlen«, antwortete ihm Mike Borran schlicht. »Wie Sie alle wissen, bin ich Kernphysiker und Fachmann für Strahlenenergietechnik. Mit Laserenergie wäre eine Abschmelzung des Polareises in der geschilderten Form möglich.«

General Benson horchte auf.

»Und von wo, bitte, sollten die Laserstrahlen ausgesendet werden, Professor Borran?«

»Von einer Basis im Weltall natürlich«, antwortete Mike überlegen. »Von der Weltraumstation der Vierten Macht aus, wie ich persönlich annehme.«

Die Eröffnung hatte unter den Wissenschaftlern einen erneuten Sturm der Gemüter zur Folge. Auch General Benson, Ben Copley und Plenty Parker blieben nicht unberührt.

Ein Problem blieb zu klären. Laserstrahlen waren normalerweise scharf gebündelt. Um das Polareis abzuschmelzen, musste aber Wärmeenergie auf riesige Flächen abgegeben werden.

»Wie erklären Sie das, Professor Borran?«, fragte der lange Loneman streitlustig.

»Durch ein Umschaltwerk, vielleicht mit Wandertransformatoren, Transformatorenkaskaden oder Stoßspannungsgeneratoren«, antwortete Mike Borran trocken. Plenty schaute ihn bewundernd an. Der Mann, den sie liebte, war wirklich außergewöhnlich und überragend. »Eine solche Anlage oder solche Anlagen ließen sich tarnen. Die nötige Energie würde mit Laserstrahlen heruntergeschickt. Ihre Erzeugung an Ort und Stelle halte ich für ausgeschlossen.«

Eine Tafel war vorhanden. Mike fertigte eine Skizze an mit der Erdhalbkugel, dem Pol und der Raumstation: Wie die Laserstrahlen dazu nutzbar gemacht werden sollten, auf großen Flächen Wärmeeffekte zu erzeugen, darüber gingen die Meinungen auseinander.

Eine direkte Bestrahlung war technisch nicht möglich, die Umwandlung musste stattfinden. Darüber wurden sich die Wissenschaftler einig.

Mike hatte auch jetzt die kühnste Theorie.

»Ich rechne mit mehreren Umschaltwerken und Wärmeerzeugungsanlagen tief im ewigen Eis«, sagte er. »Oder sogar unterhalb des Poleises. Sie können die Anlagen im Prinzip mit riesigen Tauchsiedern vergleichen, die den Nordpol quasi aufheizen.«

Mehreren Wissenschaftlern blieb der Mund offen stehen. Aber Mikes Gedanken waren zwar revolutionär, doch von den technischen Möglichkeiten her durchaus realistisch.

»Solche Anlagen zu errichten, erfordert einigen Aufwand an Arbeitsmaterial, Arbeitskräften und Kosten«, wendete General Benson noch ein.

»Die Vierte Macht hat schon viel mehr zustande gebracht«, erwiderte Mike Borran. »Und Doc Alpha hat seinen Plan Nordpol bestimmt von sehr langer Hand vorbereitet.«

Über Doc Alpha und die Vierte Macht waren die meisten anwesenden Wissenschaftler nur ungenügend informiert. Doch Fragen in dieser Richtung wurden abgeblockt, die Erläuterungen wären zu langwierig gewesen.

»Aber was kann man dagegen unternehmen?«, fragte Professor Loneman hilflos. »Ein solches Projekt ist nicht nur in der Größenordnung unvorstellbar.«

»Von den Russen haben wir jedenfalls keine Unterstützung zu erwarten«, gab General Benson zu bedenken. »Da ist an eine Kooperation nicht zu denken. - Ich will mit Ihnen, Ben Copley und Miss Parker allein sprechen, Professor Borran.«

Er schickte die anderen hinaus, auch den protestierenden Professor Loneman. Dann fragte der General zunächst Mike Borran nach seiner Meinung.

»Für das Umspannwerk oder die Umspannwerke ist Kontrollpersonal erforderlich«, sagte Mike. »Zwischen diesen Leuten und Agenten im Luftwaffenstützpunkt Thule besteht eine Verbindung. Das beweisen die Geschehnisse auf der Air Base Thule in der letzten Zeit und besonders der Mord an dem Sicherheitsoffizier Murray Cole einwandfrei.«

»Klar«, sagte der General. »Weiter!«

»Wir müssen in Thule ansetzen«, fuhr Mike fort. »Ich schlage vor, dass ich und Ben dort ermitteln. Ich gehe offiziell als CIA-Agent nach Thule, Ben müsste man einschleusen. Als Flieger am besten, er ist schließlich ein Top-Pilot.«

Der General nickte zustimmend. Plenty wollte etwas sagen, schwieg aber.

»Gleichzeitig müssten Flugzeuge und vielleicht sogar Expeditionen am Pol intensiv nach den Anlagen suchen, mit denen die Polkappe geschmolzen wird«, fuhr Mike fort.

Wieder nickte der General.

»Genau das hatte ich mir auch bereits überlegt, Professor Borran. So wird der Einsatz durchgeführt. Und noch etwas. Es wird außer Ihnen beiden noch eine dritte Person eingesetzt. Eine Luftwaffenhelferin namens Maureen Parker. Die junge Dame verlangte von mir unbedingt, bei Ihrem nächsten Einsatz dabei sein zu dürfen.«

Der General räusperte sich fast verlegen.

»Einer schönen Frau habe ich selten einen Wunsch abschlagen können.«

3

Das umzäunte große Grundstück in den Vorbergen der Savoyer Alpen, oberhalb des Genfer Sees, galt offiziell als das Zweigwerk eines Schweizer Pharmakonzerns. Fabrikationshallen und Labors befanden sich dort, Bungalows und blockartige Wohngebäude für Mitarbeiter sowie ein paar Lagergebäude.

Ein Landeplatz für Hubschrauber und Sportflugzeuge gehörte dazu. Abseits von den anderen Gebäuden, durch einen Starkstromzaun und eine bewachte Sperre abgetrennt, lag ein luxuriöses Chalet am Berghang.

Im Berg befanden sich, was kein Außenstehender wusste, umfangreiche Bunkeranlagen. Denn das angebliche Pharmazweigwerk war in Wirklichkeit eine Kommandozentrale und einer der Hauptstützpunkte Doc Alphas, des Leiters der Vierten Macht.

Die Schweizer Behörden kannten den gefährlichsten und machthungrigsten Mann der Welt unter anderem Namen. Er galt bei ihnen als ein international bekannter Großindustrieller und Finanzmagnat.

Doc Alpha saß im Schalensessel an dem Leichtmetall-Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer. Der Schreibtisch mit den darüber montierten Monitoren und den zahlreichen Schaltanlagen glich eher dem Kommandopult eines Raumschiffs.

Der Leiter der Vierten Macht war groß und athletisch gebaut. Sein markantes Gesicht wirkte streng und verschlossen. Das graue Haar war zu einer kurzen Bürste gestutzt. Die Goldrandbrille passte gut zu dem einfachen Einreiher, der nicht mehr der neueste war.

Doc Alpha legte keinen Wert auf Äußerlichkeiten.

Er betrachtete die Fotografie eines Mannes mittleren Alters mit sorgfältig gestutztem Schnurrbart und militärisch straffer Haltung. Der Mann auf dem Foto trug Zivil, aber es handelte sich um General Benson, einen der führenden Geheimdienstleute der USA.

Auf Doc Alphas Stirn traten feine Schweißperlen, als er seinen sechsten Sinn anwendete. Er war ein Telepath, seit ein verbrecherischer KZ-Arzt ihn als ganz jungen Mann einer Gehirnoperation unterzogen hatte.

Gefühle hatte Doc Alpha kaum, Skrupel oder ein Gewissen überhaupt nicht. Sein eiskalter Intellekt war auf ein einziges Ziel ausgerichtet: Macht.

Er wollte die Welt beherrschen. Und wenn sie dazu zu zwei Dritteln zerstört werden musste.

Mit Ferntelepathie versuchte Doc Alpha, General Bensons Gedanken zu erfassen. Der Summer störte ihn. Er stieß einen ärgerlichen Laut aus und schaltete den Monitor ein, der mit den Fernsehkameras über der Tür und draußen im Flur gekoppelt war.

Eine große, sehr schlanke Eurasierin stand draußen, bekleidet mit einem enganliegenden, tief ausgeschnittenen schwarzen Lederdress. Ein großes A im roten Kreis, das Abzeichen der Alpha Organisation, prangte auf der Brust ihrer Kombination.

Das seidige schwarze Haar fiel ihr bis über die Hüften nieder. Sie war bewaffnet, und die großen, mandelförmigen Augen blickten kalt und erbarmungslos.

Doc Alpha drückte den Knopf, der die Panzertür öffnete.

»Zum Teufel, Lucretia«, fuhr er seine Sektionsleiterin Südostasien an. »Was störst du mich jetzt?«

»Ich hatte ein paar Einfälle in Bezug auf die derzeit von uns durchgeführten oder geplanten Projekte, Doc Alpha« sagte Lucretia Lee unterwürfig. »Aber ich kann auch später wiederkommen.«

»Nein, bleib! Aber verhalte dich still!«

Lucretia blieb ruhig an der Wand stehen. Doc Alpha holte eine wertvolle, mit Rubinen besetzte Schnupftabakdose aus der Tasche und entnahm ihr eine Prise weißen Pulvers. Er schnupfte sorgfältig.

Das mit einem Aufputschmittel versehene Tabakpulver regte seinen Geist an und verlieh ihm neue Spannkraft. Während Lucretia sich völlig ruhig verhielt und ihren Herrn und Meister mit hündischer Ergebenheit betrachtete, konzentrierte Doc Alpha sich wieder auf die Fotografie von General Benson.

Endlich konnte sein Geist den telepathischen Kontakt herstellen. Er las wie in einem offenen Buch, was der General im Moment gerade dachte, womit er sich beschäftigte.

In der Schweiz war es kurz nach 21 Uhr, an der Ostküste der USA sechs Stunden früher. Der General hielt sich gerade in der CIA-Zentrale in Langley auf. Doc Alpha riss es fast aus dem Abeitssessel, als er erfuhr, womit Benson sich gerade befasste. Es handelte sich um das Projekt Nordpol der Vierten Macht und um einen neuen Einsatz Mike Borrans.

Doc Alpha erkannte eine Menge. Er versuchte, mehr über Mike Borran herauszufinden, der sich inzwischen zu seinem gefährlichsten Gegner entwickelt hatte. Aber General Benson dachte nicht über Mike Borrans Person und seine besonderen Fähigkeiten nach. Doc Alpha erkannte nur, dass es da etwas gab, was Mike Borran von sämtlichen anderen Menschen unterschied.

Dann riss der telepathische Kontakt ab. Doc Alpha hatte keinen besonders guten Tag. Um seine Ferntelepathie anzuwenden, brauchte er jeweils eine Originalaufnahme von der betreffenden Person.

Sie konnte nur einmal verwendet werden. Doc Alpha riss die Fotografie, die zu besorgen nicht einfach gewesen war, mittendurch und warf sie in den Papierkorb. Er tippte einen Kurzcode, den er im Kopf hatte, ins in den Schreibtisch integrierte Programmiergerät.

Die Wandtäfelung glitt vor Lucretia Lee auseinander. In der gesamten Wandbreite erschien eine Reliefkarte des Nordpolgebiets. Doc Alpha trat hinzu und studierte sie sorgfältig.

Vom Computer gesteuerte Anzeigen zeigten deutlich sämtliche Stützpunkte und verschiedene Basen verschiedener Nationen im Polargebiet. Doc Alpha hätte jederzeit alle über das Arktisgebiet derzeit bekannten Informationen abrufen können.

Er begnügte sich damit, skeptisch die Codesymbole für sein Projekt Nordpol zu betrachten. Mike Borran hatte mit seiner Vermutung völlig richtig gelegen. Doc Alpha wollte den Prozess so lange steuern, bis klimatische und andere Veränderungen eintraten, die ihm zupass kamen.

Jetzt sah er den Plan gefährdet. Er sprach Lucretia Lee darauf an. Die eurasische Schönheit war konsterniert.

»Vielleicht sollten wir das Projekt Nordpol für eine Weile stoppen, Doc Alpha.«

»Das würde jetzt nichts mehr nützen. Mike Borran muss weg, und dieser Ben Copley stört mich auch gewaltig.«

»Lass mich das erledigen, Doc Alpha! Mike Borran ist mein besonderer Feind. Ich würde ihn mit Wonne umbringen, denn seinetwegen ging unsere Raketenbasis auf Borneo verloren und ist noch viel mehr passiert.«

»Ausgeschlossen, Lucretia. Dich brauche ich für andere Zwecke. Denk an das Projekt Washington, das in Kürze durchgeführt werden soll. Außerdem kennt Mike Borran dich persönlich. Sein Tod ist schon so gut wie besiegelt, jetzt, da ich weiß, wo ich ihn zu erwarten habe. Und Ben Copley wird auch nicht länger leben. Die Frau ist uninteressant.«

Lucretia Lee wartete. Doc Alpha war über das Scheitern des Putsches in Malaysia, den Verlust seiner Raketenstation auf Borneo, sämtliche damit verbundenen Schwierigkeiten und von dem missglückten Intermezzo mit Mike Borran auf der Raumstation nicht gerade glücklich.

Er hatte es Lucretia Lee und Jon Steel deutlich spüren lassen, seit sie vor ein paar Tagen bei ihm in der Schweiz eingetroffen waren. Eine Space Shuttle hatte die rassige Eurasierin und Doc Alphas Leibwächter und Sonderagenten auf einem Landeplatz der Vierten Macht im Nahen Osten abgesetzt.

Von dort waren sie in die Schweiz geflogen. Lucretia erhielt ihre Strafe, indem Doc Alpha sie, die ihn leidenschaftlich verehrte, eiskalt behandelte und psychisch schikanierte. Jon Steel wurde anderen Maßnahmen ausgesetzt und lag jetzt noch gefesselt in einem Kellerverlies.

Commander Sukow, der Kommandant der Raumstation, war von Doc Alpha fürchterlich zusammengestaucht worden und erhielt im nächsten Quartal den Sold gesperrt.

Jon Steel und Lucretia Lee waren nach Mike Borrans und Ben Copleys Flucht mit einem Raumjäger noch eine Weile auf der Raumstation unabkömmlich gewesen. Lucretia Lee und Commander Sukow hatten Mike Borran und Ben Copley als Geiseln gedient und waren in Raumanzügen im All ausgesetzt worden.

Dank der Helmfunkgeräte hatte man sie leicht aufnehmen und zur Raumbasis zurückbringen können.

»Du führst das Projekt Washington durch, Lucretia«, sagte Doc Alpha. »Jon Steel schicke ich für einige Zeit an den Nordpol. Denn er hat gegen Mike Borran ganz klar versagt. Wenn ich nur wüsste, wie dieser Borran das alles geschafft hat. Er muss besondere, über das normale menschliche Maß hinausgehende Fähigkeiten haben.«

»Wie ein Supermann sah er eigentlich nicht aus«, bemerkte Lucretia Lee. »Aber er hat mächtig etwas auf dem Kasten, das stimmt.«

»Steel soll am Nordpol im Umspannwerk über seine Sünden nachdenken. Es wird ihm guttun. Doch vorher hat er für mich noch einen kleinen Sonderauftrag zu erledigen. Und jetzt gleich wollen wir ihm einen Besuch abstatten.«

Lucretia Lee folgte Doc Alpha gehorsam, als er aus dem Zimmer ging. Der Lift brachte sie hinunter in das unterirdische Anlagensystem. Der Kerker, in dem Jon Steel seit drei Tagen steckte, lag abseits.

Doc Alpha und seine Begleiterin mussten ein paar stumm stehende Wachen passieren, an Kontrollkameras vorbeischreiten und schließlich durch Einstellen einer bestimmten Zahlenkombination eine Panzertür öffnen.

Dann hatten sie Jon Steel vor sich. Der weißblonde Hüne mit der Modellathletenfigur lag mit Stahlbändern gefesselt auf einer mit Kunststoff bezogenen Pritsche. An seinen Schläfen und an den Handgelenken waren Elektroden befestigt, deren mit Steckern versehene Drähte zu einem Schaltkasten in der Wand führten.

Eine Zeituhr sorgte dafür, dass Jon Steel regelmäßig alle zwei Stunden einen genau dosierten Elektroschock erhielt. Ansonsten wurde er verpflegt und versorgt.

Doc Alpha betrachtete ihn nachdenklich. Jon Steel trug nur eine kurze Hose. Sein mit Muskelpaketen bedeckter Körper zeigte zahlreiche Narben. Doch die schwersten Verletzungen hatte er seinerzeit bei einem Autounfall auf der Rennbahn von Watkins Gien bei New York City erhalten.

Damals war Jon Steel, ein Stuntman und Rennfahrer, so schwer verunglückt, dass niemand mehr einen Cent für sein Leben gab. Er hatte einen doppelten Schädelbruch erlitten, fast alle Rippen, den Kiefer und das Rückgrat gebrochen und die linke Hüfte zersplittert.

Doc Alpha wurde durch einen Zufall auf den mittellosen und unversicherten Rennfahrer aufmerksam und nahm sich seiner an. Jon Steel, dessen Name damals noch anders lautete, wurde im Medical Center Doc Alphas in der Nähe von Salt Lake City zusammengeflickt.

Ihm wurden eine Schädelplatte und Knochen aus Titanstahl eingesetzt und stählerne Hände und Gelenke verpasst. Doc Alphas ebenso skrupellose wie fähige Mediziner ließen sich noch einige weitere Spezialitäten einfallen.

So wurden Jon Steels Herz und der größte Teil seines Brustinnenraums durch eine kugelsichere Stahlplatte geschützt. Auch von der Stirn oder dem Schädeldach prallte eine normale Pistolen oder Gewehrkugel glatt ab.

Die Operation hätte eine Weltsensation sein können. Aber Doc Alpha hatte sie streng geheim halten lassen. Jon Steel wurde sein williges Werkzeug. Man trainierte und schulte ihn zu einem Experten des Terrorismus und der Sabotage.

Er konnte mit allen Waffen umgehen, sprach mehrere Sprachen und war für Doc Alpha unentbehrlich geworden. Seine ungeheuren Kräfte genügten zusammen mit seinen stählernen Gliedern, um ihn zu einem unbesiegbaren Kämpfer zu machen.

Er konnte einen Menschen normalerweise glatt in der Luft zerreißen. Aber Mike Borran hatte ihn auf der Raumstation trotzdem überwunden.

Der weißblonde Hüne hatte die Eintretenden wohl gehört, er hielt die Augen aber geschlossen.

»Jon Steel«, sagte Doc Alpha.

Steel schlug die Lider auf und schaute Doc Alpha mit seinen stumpfen hellblauen Augen an.

»Eine Lektion erhältst du noch«, sagte Doc Alpha grimmig. »Dann ist die Zeit deiner Strafe vorbei. Du musst in Genf einen Auftrag für mich erledigen, dann steht dir ein Einsatz am Nordpol bevor.«

Jon Steel nickte nur. Doc Alpha trat an den Schaltkasten und druckte auf den Stromknopf.

Plötzlich geschah etwas Unerwartetes. Jon Steels Qualen waren zu groß. Er bäumte sich mächtig auf, der Schmerz verdoppelte seine Bullenkräfte noch.

Ratschend rissen die Stahlbänder. Der Hüne federte mit dem Oberkörper hoch. Er war nur noch an den Beinen gefesselt. Er zog die Füße heraus, riss sich brüllend die Elektroden ab.

Doc Alpha hatte den Knopf losgelassen. Jon Steel stürmte auf ihn los. Obwohl der Elektroschock nicht mehr andauerte, löschte die Erinnerung an den erlittenen Schmerz noch jedes klare Denken bei Steel aus.

Lucretia Lee stieß einen unterdrückten Schrei aus und griff nach ihrer Pistole, obwohl sie wusste, dass sie Jon Steel mit dieser Waffe niemals schnell genug umbringen konnte, um Doc Alpha zu retten.

Der Leiter der Vierten Macht blieb eiskalt. Hoch aufgerichtet stand er da und schaute dem Tobenden in die Augen. Ein verächtliches Lächeln spielte um seine Mundwinkel.

Der hünenhafte Jon Steel hob die gewaltigen Fäuste. Steel maß eins neunzig. Er wog mit seinen Stahlteilen knappe drei Zentner und hätte Doc Alpha mit seinen Schlägen glatt zerschmettern können.

Im nächsten Augenblick musste es geschehen, denn Jon Steel war wie völlig von Sinnen.

»Stopp!«, rief Doc Alpha da.

Seine Stimme war wie ein Peitschenschlag. Jon Steel hielt abrupt inne. Er duckte sich wie ein geprügelter Hund, so war er Doc Alpha untertan, dessen Intellekt turmhoch über dem seinen stand. Denn Doc Alpha hatte, von seinen anderen Fähigkeiten abgesehen, eine böse Macht über seine Mitmenschen und wusste ihre Schwächen auszunutzen und sie zu beherrschen.

Jon Steel hatte sich beim Sprengen der Stahlbänder an ein paar Stellen die Haut aufgeschürft. Er blutete. Zitternd stand er vor Doc Alpha.

»Es ist gut«, sagte der Leiter der Vierten Macht. »Du erhältst weitere Anweisungen, Jon Steel. Morgen begibst du dich nach Genf, dann geht es an deinen neuen Einsatzort. Dort wirst du die Gelegenheit haben, deine Kräfte in meinem Sinn einzusetzen und über dein Versagen gegenüber Mike Borran nachzudenken.«

»Ich bringe diesen Borran eigenhändig um«, keuchte Steel. »Und den Nigger Copley auch!«

»Darum brauchst du dich nicht zu kümmern«, sagte Doc Alpha. »Das leite ich sofort in die Wege. Die beiden werden auf der Air Base Thule sterben, bevor sie noch wissen, wie ihnen geschieht.«

4

Eine blasse Sonne stand am Himmel, als die Transall der US Air Force auf der Piste des Luftstützpunkts Thule ausrollte. Mike Borran, Ben Copley und Plenty Parker saßen in der Kabine des großen Transportflugzeugs, zusammen mit dreißig anderen Männern und ein paar Frauen, die im regelmäßigen Turnus zum Einsatz auf die Basis geschickt wurden. Sie hatten dort eine längere oder kürzere Dienstzeit abzuleisten. Ben Copley saß getrennt von Mike und Plenty. Sie benahmen sich, als ob sie sich nicht kennen würden.

Mike trug Zivil. Am Handgelenk hatte er den CIA-Chronometer. Das Aktenköfferchen, das er als Handgepäck bei sich hatte, enthielt neben Geheimunterlagen für seinen Einsatz notwendige Mittel. Mini-Spione, eine Minox mit Spezialobjektiv und hochempfindlichem Filmmaterial, damit man auch bei den ungünstigsten Lichtverhältnissen fotografieren konnte. Betäubungsgasspray und -patronen, Magnesiumgranaten und Ähnliches.

Die Einsatzmittel von Mike Borrans CIA-Chronometer waren in den CIA-Labors von Langley wieder ergänzt worden. In seinem Gepäck, das im Frachtraum transportiert wurde, brachte Mike noch einiges mit. Weit wichtiger als alle technischen Mittel aber waren sein Intellekt, sein Können und sein besonderes Talent.