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SEKTION 31 – DER MYSTERIÖSE GEHEIMBUND

 

Der Planet Chiaros IV ist die einzige bewohnbare Welt in der Geminus-Kluft. Die Regierung der Chiarosaner strebt eine Mitgliedschaft in der Föderation an. Doch proromulanische Guerilla-Gruppen versuchen, diese Pläne zu sabotieren.

 

Über die tatsächlichen Interessen der Romulaner in diesem strategisch wie ökonomisch bedeutungslosen Raumgebiet kann Starfleet Command nur rätseln. Als das Föderationsraumschiff Slayton in der Geminus-Kluft spurlos verschwindet, schickt Starfleet die Enterprise nach Chiaros IV. Mit Unterstützung des Botschafters Aubin Tabor soll Captain Jean-Luc Picard den dort drohenden Bürgerkrieg abwenden.

 

Bei dem ersten Verhandlungsversuch zwischen Regierungsvertretern und Rebellen wird Botschafter Tabor ermordet. Commander Riker und Counselor Troi werden von den Aufständischen entführt, aber einer der Überlebenden der Slayton, Commander Zweller, kann eine Rettungsaktion einleiten. Captain Picard ist zunächst hoch erfreut, seinen alten Freund Zweller wieder zu sehen. Doch dann muss er entdecken, dass sein Akademie-Gefährte offenbar für die Romulaner arbeitet …

 

Über das Buch

Widmung

Zitat

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Epilog

 

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ANDY MANGELS & MICHAEL A. MARTIN

 

 

 

DIE VERSCHWÖRUNG

 

Star Trek

The Next Generation

 

Sektion 31 – Band 02

 

 

 

 

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

 

 

 

 

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www.diezukunft.de

 

 

 

Für die verstorbene Kimberly Yale. In einer Zeit, als wenige Lektoren in der Welt der Comics mit jemandem zusammenarbeiten wollten, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt, gab sie mir meinen ersten Star Trek-Auftrag. Ich vermisse sie.

A. M.

 

 

Für Jessie M. Martin (1924–1999). Sie freute sich darauf, dieses Buch zu lesen, aber sie verließ uns zu früh.

M. A. M.

 

 

 

Von allem, das täuscht,

könnte es heißen,

dass es bezaubert.

 

PLATON, Der Staat

Prolog

 

Sternzeit 50907.2

 

Bevölkerung etwa neun Milliarden … und alle gehören zu den Borg.

Picards Atem kondensierte am großen Fenster in seinem Quartier und schuf einen Feuchtigkeitsfilm, der seine Heimatwelt verschleierte, ihr die Farben nahm. Vor fünf Tagen hatte Data jene Worte ausgesprochen, aber sie hallten noch einmal durch sein Selbst, als er sich an den schrecklichen Augenblick auf der Brücke erinnerte. Der große Wandschirm hatte eine unglaublich veränderte Erde gezeigt: jeder Kontinent ein düsterer Industrie-Moloch, die Ozeane dunkel, die Atmosphäre dünn und grau. Im temporalen Sog einer Borg-Kugel hatten Picard und seine Crew entsetzt beobachtet, was den Borg durch einen Zeitsprung in die irdische Vergangenheit gelungen war.

Die Enterprise war den Borg gefolgt und hatte sie daran gehindert, die Erde zu assimilieren. Außerdem wurde durch ihre Intervention der historische erste Warpflug der Menschheit möglich.

Picard schloss die Augen und straffte die Schultern. Der Feuchtigkeitsfilm am Fenster verdunstete und die Erde zeigte ruhiges Blau und Weiß.

Jetzt sind wir wieder in der Gegenwart, dachte Picard. Die Erde ist so, wie sie sein sollte, jedenfalls soweit wir das wissen. Aber so vorsichtig wir auch gewesen sind: Wer kann sagen, welche Auswirkungen sich durch unseren Aufenthalt in der Vergangenheit auf diese Zeitlinie ergaben? Er hatte der Crew mitgeteilt, dass sie in die Vergangenheit reisten, um die von den Borg angerichteten Schäden zu reparieren, aber welche Veränderungen folgten aus diesen Aktionen für die Gegenwart?

Picard dachte nicht gern über die komplexen Konsequenzen von Zeitmanipulationen nach, obgleich sich der analytische Teil seines Bewusstseins während der vergangenen Tage oft damit beschäftigt hatte. Wenn die Besatzungsmitglieder der Enterprise Zefram Cochrane dabei halfen, zu seinem historischen Warpflug aufzubrechen – hatten sie sich dann nicht immer im Dunst der Geschichte aufgehalten, auch wenn entsprechende Aufzeichnungen fehlten? Und wenn es den Borg wirklich gelungen war, im einundzwanzigsten Jahrhundert die Erde zu erobern, um anschließend zurückgeschlagen zu werden – hatten diese Ereignisse nicht immer stattgefunden? Picard erinnerte sich an Datas Bemerkungen zu diesem Thema und an seine eigene Bitte, dass der Androide seine diesbezüglichen Überlegungen für sich behielt. Er hatte es satt, darüber nachzudenken.

Das ist immer noch besser, als sich die Alternative vor Augen zu führen, flüsterte eine Stimme irgendwo in seinem Hinterkopf. Picard und seine Crew bekamen es bereits mit den direkten Folgen ihrer Zeitreise zu tun. Zwar hatten sie die Zukunft der Menschheit gerettet, aber der Preis dafür war recht hoch gewesen. LaForge und seine Techniker hatten einige Tage gebraucht, um einen Ersatz für die verloren gegangenen Navigationskontrollen zu improvisieren und damit jenen Effekt zu wiederholen, der eine Reise durch die Zeit gestattete. Will Riker und Worf waren unterdessen damit beschäftigt gewesen, die Rettungskapseln zu bergen, die die Enterprise nach der Einleitung der Selbstzerstörungssequenz verlassen hatten.

Nach der Neutralisierung der Borg-Gefahr erwies sich die Aufgabe, fast zweihundert Rettungskapseln zu lokalisieren, als überraschend schwierig. Die meisten hatten es bis auf die Erde geschafft, aber einige waren in einen Orbit geschwenkt. Etwa drei Viertel aller Kapseln erreichten tatsächlich Gravett Island im Südpazifik, wie vereinbart, aber von Borg-Technik verursachte Fehlfunktionen sorgten dafür, dass manche Rettungskapseln an anderen Orten niedergingen. Die entsprechenden Besatzungsmitglieder der Enterprise flohen in die Wildnis, um Borg-Verfolgern zu entgehen, oder schlossen sich Gruppen von Einheimischen an, die nach dem atomaren Chaos auf der Erde zu überleben versuchten.

Viele Reparaturen an der Enterprise mussten warten, bis das Schiff die McKinley-Werft erreicht hatte, wo es jetzt angedockt war. Die meisten Crewmitglieder befanden sich noch immer im großen Medo-Komplex der Raumstation. Sie mussten gründlich untersucht und dekontaminiert werden, wobei es nicht nur um mögliche Borg-Infektionen ging, sondern auch um virale und bakterielle Krankheitserreger aus der Vergangenheit. Wenn ein Virus aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert, ob natürlich oder genetisch manipuliert, im vierundzwanzigsten Jahrhundert freigesetzt wurde, so drohten erhebliche Gefahren.

Die gesunden Besatzungsmitglieder durften einen Urlaub genießen. Wie lange er dauerte, stand noch nicht fest – es hing davon ab, wie viel Zeit die Instandsetzung der Enterprise in Anspruch nahm. Überall an Bord des Schiffes waren in Bio-Schutzanzüge gekleidete Techniker damit beschäftigt, sich selbst replizierende Borg-Technik aus Korridoren, Schaltkreistafeln und Jefferies-Röhren zu entfernen. Auch viele Hauptsysteme der Enterprise mussten repariert werden. Verkleidungsplatten waren aus den Wänden gelöst worden; Schaltkreismodule lagen auf dem Boden. Erst vor einem Jahr ist die Enterprise-E in Dienst gestellt worden, aber schon muss sie gründlich überholt werden, dachte Picard, dessen Stimmung auch weiterhin gedrückt blieb.

Sein Quartier war von der Invasion der Borg-Technik weitgehend verschont worden. Abgesehen von gelegentlichen Fehlfunktionen in den ambientalen Kontrollen bot es dem Captain Gelegenheit, Ruhe zu finden und allein zu sein. Er wusste, dass die Reparaturgruppen noch nicht im Bereitschaftsraum gewesen waren – vermutlich hatte Riker ihnen eine entsprechende Anweisung erteilt. Auch jener Bereich war von der Borg-Technik unberührt geblieben, trotzdem gab es dort einen Schaden, der die Vitrine betraf. Picard erinnerte sich ganz deutlich an seinen Wutanfall, daran, mit dem Phasergewehr zugeschlagen und das Glas zertrümmert zu haben, hinter dem die Darstellungen früherer Raumschiffe mit dem Namen Enterprise ruhten. Die Modelle sind zerbrochen, hatte die Frau aus der Vergangenheit gesagt. Lily Sloane hatte gewusst, dass der Kampf gegen die Borg für ihn zu persönlicher Natur war. Picard begriff das erst, als er die zerbrochenen Raumschiffmodelle sah.

Er hörte ein Klopfen und die Tür seines Quartiers glitt halb beiseite, bevor sie mit einem dumpfen Knirschen verharrte. »Captain?«, fragte jemand. Zwei starke Hände schoben die Tür ganz zur Seite, und als Picard sich umdrehte, sah er ein vertrautes Gesicht. Wie er selbst hatte Riker während der vergangenen Tage kaum geschlafen; die Ringe unter den Augen wiesen deutlich darauf hin.

»Ein ziemliches Durcheinander dort draußen, nicht wahr, Nummer Eins?«, fragte Picard und deutete durch die Tür. Im Korridor waren einige Reparaturtechniker damit beschäftigt, Borg-Leitungen aus der Decke zu lösen.

»Ja, Sir«, sagte Riker. »Nach den bisherigen Berichten müssen wir davon ausgehen, dass die Borg-Technik tiefer in unsere Systeme eindrang, als wir bisher annahmen. Wir können von Glück sagen, dass wir in einem Stück heimgekehrt sind.« Bei diesen Worten wirkte er sehr ernst.

Picard setzte sich auf die Couch und bedeutete dem Ersten Offizier, ihm gegenüber Platz zu nehmen. Es war spät und er bekam nur selten die Chance, ein wenig auszuruhen, aber bis zum endgültigen Abschluss der Borg-Angelegenheit musste er damit rechnen, auch in seiner Unterkunft gestört zu werden. Riker hielt einen elektronischen Datenblock in der Hand, der Picards Aufmerksamkeit nicht entgangen war und eine Pflicht repräsentierte, der sich der Captain stellen musste, ob es ihm gefiel oder nicht.

Aber warten wir noch ein wenig damit.

»Was ist mit der Crew?«, fragte Picard.

»In medizinischer Hinsicht scheinen die meisten Besatzungsmitglieder in Ordnung zu sein. Dr. Crusher und Schwester Ogawa hat man gleich zu Anfang untersucht und für gesund befunden; seitdem helfen sie in den Krankenstationen der McKinley-Werft. Bisher wurde bei niemandem eine Kontamination festgestellt. Man versucht, die notwendigen Untersuchungen so schnell wie möglich durchzuführen, setzt zu diesem Zweck sogar einige Medizinische Holo-Notprogramme ein. Ich bin froh, das wir an Bord unseres Schiffes nur selten gezwungen sind, ein MHN zu verwenden. Die Holo-Ärzte können nicht annähernd so gut mit Patienten umgehen wie Beverly.«

Picard stand von der Couch auf, durchquerte den Raum und nahm hinter seinem Schreibtisch Platz. »Worf muss so bald wie möglich nach Deep Space Nine aufbrechen, vielleicht schon morgen früh«, fuhr Riker fort. »Man braucht ihn dort, weil sich die Lage in Hinsicht auf das Dominion immer mehr zuspitzt. Chief O'Brien hat alle Hände voll damit zu tun, die von den McKinley-Technikern begonnene Reparatur der Defiant zu Ende zu bringen. Datas Auge und die Haut sind wieder in Ordnung. Deanna ist seit unserer Rückkehr verständlicherweise sehr beschäftigt. Sie kommt gut mit der großen Arbeitsbelastung zurecht, hat aber geschworen, nie wieder einen Tropfen Tequila anzurühren.«

»Wie bitte?«

Riker lächelte, vielleicht zum ersten Mal seit Tagen. »Sie hat auf der Erde mit Cochrane getrunken, Sir. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es dafür dienstliche Gründe gab.«

»Wie war es?«, fragte Picard plötzlich und beugte sich vor. Riker richtete einen verwirrten Blick auf ihn. »Die Phoenix. Wie war es? Ich … ich habe sie berührt, aber Sie sind mit ihr geflogen! Sie und Geordi sind Teil von ihr gewesen. Der erste Warpflug der Menschheit!«

Riker entspannte sich ein wenig und sah aus dem Fenster in den Weltraum. »Ich weiß nicht, ob ich es beschreiben kann. Seit dem Flugtraining an der Akademie habe ich nichts so Beunruhigendes mehr gespürt. Ich habe befürchtet, das Schiff könnte auseinander brechen und meine Einzelteile dreihundert Jahre vor meiner Geburt im All verteilen. Die ganze Zeit über erklang ohrenbetäubende Musik und meine Zähne vibrierten. Als wir aus dem Fenster blickten, sahen wir die Enterprise, und …«

Riker zögerte und schien seine Gedanken zu sammeln. »Wir halten alles für selbstverständlich, Jean-Luc.« Er sprach den Captain nur selten mit dem Vornamen an, aber diesmal geschah es ganz spontan. »Jeden Tag fliegen wir mit hoher Warpgeschwindigkeit durchs All, umgeben vom Komfort eines Luxushotels. Aber in dem kleinen Cockpit zusammengepfercht zu sein, mit klappernden Zähnen und dröhnender Musik, als wir gerade mal mit Warp eins flogen … Ich bin nie in meinem Leben schneller gewesen.«

Die beiden Offiziere schwiegen. Riker blickte in die Dunkelheit des Alls und Picard schloss die Augen, faltete dabei die Hände.

Nach einigen Sekunden schniefte Riker und rieb sich die Nase. Picard öffnete die Augen wieder und der Erste Offizier räusperte sich. »Geordi arbeitet mit den McKinley-Leuten zusammen, um die Borg-Technik aus der Enterprise zu entfernen, aber ich schätze, ich muss ihm bald befehlen, eine Pause einzulegen. Barclay ist … Nun, vielleicht bittet er um eine Versetzung von diesem Schiff. Die jüngsten Ereignisse haben ihn sehr verunsichert und Sie wissen ja, wie er auf die Nähe von anderen Personen reagiert. Möglicherweise möchte er etwas Zeit in einer weniger aufregenden Umgebung verbringen.«

Picards Lippen formten ein grimmiges Lächeln. »Manchmal glaube ich, das sei auch für mich besser.«

Riker zögerte erneut, bevor er den elektronischen Datenblock dem Captain reichte. Er schien die im Gerät gespeicherten Informationen ebenso wenig zur Kenntnis nehmen zu wollen wie Picard. »Dies ist der abschließende Verlustbericht. Siebzehn Besatzungsmitglieder kamen bei den Landungen der Rettungskapseln auf der Erde ums Leben. Hundertachtundvierzig wurden von den Borg assimiliert und sind inzwischen alle tot. Wer nicht im Kampf getötet wurde oder dem Plasmakühlmittel zum Opfer fiel, das den Maschinenraum überflutete, konnte offenbar den Tod der Königin nicht überleben.«

Picard nickte wortlos, erinnerte sich an Drohnen mit zunehmenden Fehlfunktionen und den grässlichen Anblick der Frau mit der fleckigen Haut, die sich vor ihm auflöste.

»Glauben Sie, dass das Borg-Problem mit dem Tod der Königin gelöst ist, Captain?«

Picard seufzte schwer. »Wir können immer hoffen. Aber ich bezweifle es, Nummer Eins.«

Riker setzte den Bericht fort. »Die Leichen der Assimilierten sind in der Abteilung für Borg-Wissenschaft unter Quarantäne gestellt und werden dort untersucht. Fünfundzwanzig Personen kamen beim Kampf gegen Borg-Drohnen ums Leben. Insgesamt starben hundertneunzig Besatzungsmitglieder.«

Picard blickte auf den elektronischen Datenblock in seiner Hand und runzelte die Stirn. Namen scrollten ungeordnet durchs Display. Carter, Lynch, Batson, Nelson, Eiger, M'Rvyn, Tret, Kewlan, Rixa, Porter … alle tot. Und nicht einfach nur tot. Sie waren erst assimiliert worden und dann gestorben. Sie konnten nicht einmal bestattet werden, bevor Starfleet-Wissenschaftler sie untersucht – demontiert – hatten. Angesichts der Geheimniskrämerei, zu der manche Unterabteilungen von Starfleet neigten, war Picard nicht einmal sicher, ob die Familien der betreffenden Besatzungsmitglieder jemals die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen bekommen würden.

Das Gerät in Picards Hand schien die Bedeutung dieses Gedankens unterstreichen zu wollen, indem es einen ganz bestimmten Namen anzeigte: Hawk, Sean Liam (Lieutenant). Auch er kannte einige der dunklen Geheimnisse Starfleets. Besser gesagt: Er hatte sie gekannt.

»Konnte Lieutenant Hawks Leiche geborgen werden?«, fragte Picard so leise, dass Riker ihn fast nicht gehört hätte.

»Nein, Sir. Wir nehmen an, dass sie in einem niedrigen Orbit über der Erde zurückblieb, als wir das Jahr 2063 verließen. Data glaubt, dass sie schließlich in die Atmosphäre geriet und dort verglühte.«

Picard schloss die Augen und erinnerte sich an die Szene. Mit Schutzanzügen und Magnetstiefeln waren Worf, Hawk und er auf der Außenhülle der Enterprise unterwegs gewesen. Sie hatten gerade die Magnetklammern des Partikelsenders gelöst – um die Borg daran zu hindern, sie als Interplexbake zu verwenden und Borg-Würfel herbeizurufen –, als Hawk einer Drohne erlag. Nanosonden breiteten sich in seinem Blutkreislauf aus, verwandelten ihn innerhalb kurzer Zeit in einen Borg, der Picard daran zu hindern versuchte, die Kommandosequenz der letzten Magnetklammer zu vervollständigen. Worf hatte mit seinem Phasergewehr auf Hawk geschossen, daraufhin war der junge Lieutenant durchs All fortgetrieben.

Picard erinnerte sich an Hawks Gesichtsausdruck, als die letzten Reste seines menschlichen Wesens gegen den kontrollierenden Einfluss der Borg-Nanosonden ankämpften.

Selbst wenn Hawk in der Atmosphäre verglüht war – Picard glaubte nicht, dass jener Zeitpunkt den Tod des Lieutenants markierte. Wenn Worfs Phaserstrahl ihn nicht getötet hatte, so war er vermutlich in seinem Schutzanzug erstickt, allein und voller Furcht, während ihm sein menschliches Selbst geraubt wurde. Picard schauderte. Er wusste aus eigener Erfahrung, was es bedeutete, vom Kollektiv unterjocht zu werden. Und nach dem Tod der Borg-Königin? Woran hatte Hawk während der letzten Stunden seines Lebens gedacht, sowohl von seiner menschlichen Natur als auch vom Kollektiv getrennt?

»Verdammt«, sagte Picard leise und legte den Datenblock auf den Schreibtisch. Riker erhob sich und seine Hand ruhte kurz auf der Schulter des Captains, bevor er ohne ein weiteres Wort ging.

Das Display zeigte noch immer Hawks Namen: Hawk, Sean Liam (Lieutenant).

Welch ein Verlust. Ein junger Mann, voller Enthusiasmus und Eifer. So viel versprechend …

Erst seit einem knappen Jahr hatte er sich an Bord befunden; zusammen mit einigen anderen war er zur neu in Dienst gestellten Enterprise-E versetzt worden. Es dauerte nicht lange, bis er sich einen Platz in der Alpha-Wache verdient hatte. Er war intelligent, kompetent und sympathisch. Ganz deutlich hatte er darauf hingewiesen, wie sehr er sich darüber freute, zur Crew des Flaggschiffs zu gehören. Das war eine besondere Ehre für ihn gewesen, denn seine Ausbildung an der Starfleet-Akademie lag erst einige wenige Jahre zurück. Zeit genug für ihn, um eine Beziehung zu einem Mann zu entwickeln, den er liebte. Zeit genug, um befördert zu werden und seinen ganz persönlichen Scheideweg zu erreichen. Wer lange genug lebt, gelangt irgendwann an einen Scheideweg. Hawk hatte seinen vor sechs Monaten erreicht.

Kapitel 1

 

Sternzeit 50368.0

 

Die Kaffeetasse wärmte Captain Karen Blaylocks Hände, als sie auf die Brücke ihres Schiffes trat, das den Namen Slayton trug und zur Excelsior-Klasse gehörte. Zwar begann der Dienst der Alpha-Wache erst in zehn Minuten, aber es überraschte sie nicht zu sehen, dass einige der wichtigsten Brückenoffiziere bereits an ihren leise summenden und piepsenden Konsolen arbeiteten.

Der Erste Offizier Commander Ernst Roget drehte den Kommandosessel und lächelte zurückhaltend. »Captain auf der Brücke«, sagte er und überließ ihr dann den Sessel.

Die anwesenden Männer und Frauen sahen kurz zu Blaylock. Es waren gute Offiziere, alles wissenschaftliche und technische Spezialisten, und die Kommandantin bedauerte, dass das Kommandoprotokoll sie bei der Arbeit unterbrach, wenn auch nur für wenige Sekunden. Oft beneidete sie diese Leute darum, dass sie sich ganz auf Forschung und Entdeckung konzentrieren konnten. Es kam einer Ironie des Schicksals gleich, dass sie vor allem ihren Kommandopflichten Aufmerksamkeit schenken musste und sich nicht mehr der Sache widmen konnte, die sie an den Rand der Föderation gebracht hatte: dem Streben nach reinem Wissen.

Blaylock nickte den Brückenoffizieren ein stummes Weitermachen zu, woraufhin sie sich wieder ihren Konsolen zuwandten. Dann nahm sie im Kommandosessel Platz und trank einen Schluck Kaffee.

Commander Cortin Zweller näherte sich Blaylock von der wissenschaftlichen Station auf der Steuerbordseite der Brücke. Das dichte weiße Haar bildete einen seltsamen Kontrast zu dem jungenhaften Glanz in seinen Augen. Seit fast vier Monaten war er als wissenschaftlicher Offizier tätig und hatte sich als tüchtiges Mitglied des Slayton-Teams erwiesen. Zwar konnte man ihn nicht als brillanten Forscher bezeichnen, aber die anderen wissenschaftlichen Spezialisten schätzten ihn als einen Verwalter, der vernünftig genug war, seinen besser ausgebildeten Untergebenen nur dann auf die Füße zu treten, wenn es sich absolut nicht vermeiden ließ.

»Offenbar verbirgt sich die Anomalie noch immer vor uns«, sagte Zweller. »Bisher hat sich nichts geändert.«

Blaylock seufzte enttäuscht. Vor acht Tagen hatten die Fernbereichsensoren der Slayton die Anomalie zum letzten Mal geortet und seitdem blieb sie verschwunden. Einige Wochen zuvor hatte das Subraum-Observatorium der Argus-Phalanx intermittierende und sehr starke Subraum-Verzerrungswellen entdeckt, die offenbar aus dem Raumbereich kamen, zu dem die Slayton jetzt unterwegs war. Leider dauerte das Phänomen nicht lange genug an und wiederholte sich auch nicht oft genug, als dass man weitere Daten darüber hätte gewinnen können.

Blaylock hätte sich sehr darüber gefreut, ein ganz neues physikalisches Phänomen zu entdecken, während sie zu einem langweiligen diplomatischen Treffen auf dem abgelegenen Planeten Chiaros IV flog. Aber sie wäre kaum überrascht gewesen, wenn die Anomalie nur einmal kurz zurückkehrte und dann für immer verschwand, während sie und ihre Crew sich um galaktische Politik kümmern mussten.

Die Kommandantin wandte sich Lieutenant Glebuk zu, der antedianischen Pilotin. Seit einem Jahr befand sie sich an Bord und während dieser Zeit hatte es Blaylock vermieden, bei den Replikatoren im Speiseraum Sushi zu ordern, eine ihrer Lieblingsspeisen. Glebuk – ein zwei Meter großer humanoider Fisch – reagierte recht empfindlich auf solche Dinge.

Wie die meisten Antedianer hätte Glebuk die Anstrengungen interstellarer Reisen unerträglich gefunden, wenn nicht der kortikale Stimulator an ihrem Hals gewesen wäre. Von ihm gingen neurale Impulse aus, die das Schwindelgefühl neutralisierten und verhinderten, dass Glebuk aus einem schützenden Reflex heraus in einen katatonischen Zustand fiel. Trotz dieses Handicaps – oder vielleicht gerade deswegen – war sie einer der besten Piloten, mit denen Blaylock je zusammengearbeitet hatte.

»Wann erreichen wir das Chiaros-System?«, fragte sie die Antedianerin.

Glebuk sah die Kommandantin mit ihrem einen Auge an und flüsterte etwas in den automatischen Translator am Kragen des Hydratationsanzugs. »Die Slayton erreicht das genaue Zentrum der Kluft in dreiundfünfzig Minuten. Sechs Minuten später gelangen wir zum Rand des Chiaros-Systems.«

Blaylock nickte. Unser Ziel befindet sich fast genau in der Mitte der Geminus-Kluft, dachte sie mit einem Hauch Ehrfurcht. Drei breite, fast leere Raumsektoren. Sechzig Lichtjahre Durchmesser. Ein Flug von fast zwei Wochen mit maximaler Warpgeschwindigkeit. Selbst nach zehn Jahren als Raumschiff-Kommandantin fiel es ihr noch immer schwer, sich so gewaltige Entfernungen vorzustellen.

Während der langen Reise zur Kluft hatte Blaylock genug Zeit gefunden, um sich mit dieser stellaren Region vertraut zu machen. Eigentlich war nur wenig darüber bekannt, kaum mehr als Größe, Lage und strategische Bedeutung – beziehungsweise deren Fehlen. Im Gegensatz zu anderen Raumbereichen gehörten die wenigen Sterne in der Kluft nicht zu den Spektraltypen, die für gewöhnlich mit bewohnbaren Welten in Verbindung standen. In der Geminus-Kluft dominierten Superriesen vom O-Typ – ihre gewaltige Masse sorgte dafür, dass sie schon nach einigen hundert Millionen Jahren explodierten –, im Gegensatz zu kühleren und wesentlich stabileren Sonnen vom G-Typ wie zum Beispiel Sol.

Doch die Geminus-Kluft war in zumindest einer Hinsicht wichtig: Sie erstreckte sich unmittelbar am Rande der stellaren Territorien der Föderation und des Romulanischen Reiches. Die Entscheidung, zu welcher Einflusssphäre sie schließlich gehören sollte, stand noch aus. Fast in der Mitte der gewaltigen, unerforschten Leere gab es eine bewohnte Welt: der vierte Planet des bündnisfreien Chiaros-Systems. Nach den in jüngster Zeit ausgehandelten Vereinbarungen war weder der Föderation noch den Romulanern eine ständige Präsenz in der Kluft gestattet – es sei denn, sie konnten die Einladung eines in der Geminus-Kluft beheimateten raumfahrenden Volkes vorweisen. Blaylock wusste, dass ihre Aufgabe darin bestand, den ganzen Handlungsspielraum der Ersten Direktive zu nutzen, um eine solche Einladung von den Chiarosanern zu bekommen. Sie waren weit und breit das einzige Volk, das über Warptechnik verfügte, und damit der Schlüssel zur ganzen Region und zu den Dingen, die in ihr auf Entdeckung warteten.

Blaylock lehnte sich im Kommandosessel zurück und lächelte. Sie wusste von dem Antrag, mit dem sich die chiarosanische Regierung um eine Mitgliedschaft in der Föderation bewarb. In weniger als zwei Wochen sollte die Bevölkerung des Planeten darüber abstimmen, ob sie zum Romulanischen Reich oder zur Föderation gehören wollte. Glücklicherweise trat die überaus beliebte Regierung von Chiaros IV für einen Beitritt zur Föderation ein und Blaylock ging davon aus, dass einem Erfolg ihrer Mission nichts im Wege stand – er war praktisch garantiert.

Deshalb glaubte sie, es sich leisten zu können, an die seltsamen Subraum-Verzerrungen und ihre möglichen Ursachen zu denken. Ihre Neugier war geweckt und sie verabscheute die Vorstellung, die Brücke zu verlassen und an einer diplomatischen Konferenz teilzunehmen, deren Ergebnis bereits feststand.

»Wie wichtig ist die Präsenz des Captains bei der Konferenz?«, fragte Blaylock und sah Roget an.

Der Erste Offizier saß neben ihr und beugte sich vor. Verwirrungsfalten bildeten sich in seiner mahagonibraunen Stirn. »Sie ist von entscheidender Bedeutung, Captain. Die Bewohner von Chiaros IV sind ein kriegerisches Volk. Sie sähen vermutlich einen Affront darin, wenn Sie nicht an der Konferenz teilnehmen.«

Rogets Sorge veranlasste Blaylock zu einem schiefen Lächeln. »Keine Panik, Ernie. Ich habe nicht vor, einfach so zu verschwinden. Lassen Sie mich meine Frage anders formulieren: Wie wichtig ist es, dass der Captain die erste Landegruppe begleitet?«

Roget entspannte sich ein wenig. »Ich schätze, es ist nicht unbedingt erforderlich. Aber Sie sollten daran denken, dass die Chiarosaner großen Wert aufs Protokoll legen.«

»Das ist mir bereits aufgefallen«, erwiderte Blaylock. »Sie haben jede Minute unseres bevorstehenden Aufenthaltes auf dem Planeten verplant. Ein Treffen mit dem Ersten Protektor Ruardh soll erst am dritten Tag stattfinden. Bis dahin bekommen wir es nur mit einfachen Funktionären zu tun.«

»Andere Länder, andere Sitten, Captain«, sagte Roget.

»Ja, ich weiß. Darum habe ich beschlossen, an Bord der Slayton zu bleiben, bis Sie und die erste Gruppe mit den Präliminarien fertig sind. Dadurch kann ich mindestens einen weiteren Tag hier auf der Brücke verbringen, bevor ich mich Ihnen auf dem Planeten anschließen muss.«

Roget lächelte wissend. »Sie möchten die Suche nach den Subraum-Verzerrungen fortsetzen.«

Blaylock erwiderte das Lächeln nicht. Roget sollte wissen, dass sie es sehr ernst meinte. »Es geht hier um mehr als nur meine wissenschaftliche Neugier. Wir wissen bereits, dass die Romulaner mit einer Delegation auf Chiaros vertreten sein werden.«

»Nach der derzeit geltenden Vereinbarung ist das leider unvermeidlich«, sagte Roget und sein Lächeln verblasste.

»Wo sich romulanische Diplomaten aufhalten, dürfte ein getarntes romulanisches Schiff nicht weit sein. Und daraus könnten sich erhebliche Probleme ergeben.«

Roget musterte sie und seine Miene verfinsterte sich ein wenig. Er warf ihr wieder den Blick zu, und Blaylock ahnte, was ihm durch den Kopf ging. Ein getarntes romulanisches Schiff, das intermittierende Subraum-Verzerrungen erzeugt, die man fünf Raumsektoren entfernt orten kann? Zum Glück verzichtete Roget darauf, ihre Befehle in Anwesenheit der anderen Offiziere infrage zu stellen.

Solange ich keine Antwort finde, werde ich dieses Schiff nicht eine Sekunde früher verlassen als absolut notwendig, dachte Blaylock.

Zweller stand auf, wandte sich von seiner Konsole ab und sah die Kommandantin voller Eifer an. Er war gut sechzig, aber sein ungezügelter Enthusiasmus ließ ihn viel jünger erscheinen.

»Captain?«

»Ja, Mr. Zweller?«

»Wenn Sie und Commander Roget nichts dagegen haben … Ich würde gern mit der ersten Gruppe aufbrechen. Was ich bisher über Chiaros IV gelesen habe, lässt vermuten, dass dort Dutzende von wissenschaftlichen Offizieren über Jahre hinaus beschäftigt wären.«

Blaylock blickte zum Ersten Offizier, der zustimmend nickte. Sie überlegte einige Sekunden lang, erhob sich dann und musterte Zweller anerkennend. Sie mochte Offiziere, die sich nicht scheuten, Eigeninitiative zu zeigen.

»Na schön, Mr. Zweller. Sorgen Sie dafür, dass sich morgen früh um acht Uhr Bordzeit einige Abteilungsleiter im Shuttlehangar einfinden. Sie und Commander Roget kümmern sich um die einleitenden diplomatischen Zeremonien.«

Zweller dankte Blaylock, kehrte zur Konsole zurück und setzte sich von dort aus mit einigen Angehörigen seiner Sektion in Verbindung. Die Kommandantin war sicher, dass Chiaros IV seine wissenschaftliche Neugier rechtfertigte, und ein oder zwei Sekunden lang bereute sie ihre Entscheidung, nicht die Leitung der ersten Gruppe zu übernehmen.

Aber sie musste ein Rätsel lösen und es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn ihr das nicht gelang.

Mit dem Teufel oder mit den Romulanern.

 

Zweller saß neben Roget im Cockpit des Shuttles Archimedes und ging seinen Teil der Checkliste in weniger als fünf Minuten durch. Das kleine Raumschiff konnte acht Personen aufnehmen und war startbereit, als die Leiter der Abteilungen Biomedizin, planetare Studien, Xenoanthropologie und der technischen Sektionen Platz nahmen.

Auf Rogets Befehl hin öffnete sich das aus drei Schichten Duranium bestehende Hangarschott; nun war das blaue Glühen des Atmosphärenschilds besser zu erkennen. Ein Antigravfeld ließ den Shuttle aufsteigen und trug ihn nach draußen ins All, wo das Triebwerk zündete.

Über der Archimedes wölbte sich die immer der Sonne zugewandte Tagseite von Chiaros IV und präsentierte ein beeindruckendes Muster aus braunen und ockerfarbenen Tönen. Graue, ein wenig bedrohlich wirkende Wolken glitten über die Berge am Äquator. Hoch über dem Terminator, der die ewige Nacht vom immerwährenden Tag trennte, bemerkte Zweller das Glitzern von Metall im Sonnenschein: das orbitale Kommunikationsnetz von Chiaros IV, durch unglaublich dünn anmutende Kabel mit der schmalen bewohnbaren Zone des Planeten verbunden. Wo die Leitungen in der wogenden Atmosphäre verschwanden, flackerte immer wieder Licht.

Blitze?, fragte sich Zweller und sah genauer hin. Nein, es sind feuernde Düsen. Wenn die Chiarosaner keinen Ausgleich für die starken Bewegungen in der turbulenten Atmosphäre schaffen würden, bestünde vermutlich die Gefahr, dass die Orbitalkabel innerhalb weniger Minuten reißen.

Eine unbezähmbare Welt und die hartnäckigen Bemühungen der Chiarosaner, sie unter Kontrolle zu bringen – Zweller bewunderte sie.

»Stellen Sie eine Verbindung mit den Chiarosanern her, Mr. Zweller«, sagte Roget und unterbrach damit die Überlegungen des wissenschaftlichen Offiziers. Sofort konzentrierte sich Zweller wieder auf seine Pflichten. Wenige Sekunden später erklang eine Stimme so tief wie ein Canyon aus dem Kom-Lautsprecher und wies den Shuttle an, mit dem Landeanflug durch die brodelnde Atmosphäre zu beginnen. Der Computer empfing die Landekoordinaten und projizierte einen elliptischen Kurs ins Navigationsdisplay.

»Schade, dass wir uns nicht einfach in die Hauptstadt beamen können«, sagte Roget, als die Slayton hinter dem Shuttle zurückblieb.

Der direkt hinter Zweller sitzende Chefingenieur der Slayton, Andreas Hearn, räusperte sich. »Die starke Strahlung der chiarosanischen Sonne, die ausgeprägte Magnetosphäre des Planeten sowie das Aufeinandertreffen der heißen und kalten Luftmassen dort unten … Dieses energetische Durcheinander hindert uns sogar daran, Subraum-Signale bis zur Oberfläche zu schicken. Ohne das orbitale Kom-Netz ließe sich kein Kontakt herstellen. Ich würde nicht empfehlen zu versuchen, jemanden durch das atmosphärische Chaos zu beamen.«

»Schluss mit dem technischen Gerede«, sagte Gomp, der ganz hinten sitzende tellaritische Bordarzt. »Ich möchte wissen, wie die Chiarosaner wirklich sind. Bisher kenne ich sie nur aus ihren Berichten an die Föderation. In medizinischer Hinsicht beschränkt sich mein Wissen darauf, dass sie dreigelenkig und schneller als regulanische Aaalvögel sind.«

»Dann rate ich nicht dazu, sie zu einem Hoverballspiel herauszufordern«, meinte Hearn und lachte leise.

Die Archimedes erreichte die obersten Schichten der Atmosphäre. Zweller sah auf den Bildschirm des Cockpits und beobachtete, wie die bunten, phosphoreszierenden Finger von Polarlichtern über den Südpol tasteten. In höheren Breiten gleißten Blitze in dunklen Wolken. Die atmosphärische Reibung nahm zu und ionisiertes Plasma leuchtete am Rumpf des Shuttles.

»Gomps Worte treffen durchaus den Kern der Sache«, sagte die Xenoanthropologin Liz Kurlan so, als geschähe das nicht sehr oft. »Wir wissen nur das über die Chiarosaner, das sie uns mitteilen wollten.«

»Heute fangen wir damit an, die Lücken in unserem Wissen zu füllen«, sagte Roget und zuckte mit den Schultern. »Deshalb sind wir hier, nicht wahr?«

Stille folgte diesen Worten und Rogets Finger huschten über die Kontrollen. Der Shuttle wurde schneller und näherte sich dem Terminator, der Demarkationslinie zwischen der endlosen kalten Nacht des Planeten und seiner heißen, immer der Sonne zugewandten Tagseite.

 

Auf der Brücke der Slayton hörte Blaylock untypische Aufregung in Glebuks Stimme. »Captain! Die Anomalie ist zurückgekehrt!«

Mit einem Satz war Blaylock auf den Beinen. »Lokalisieren!«

»Scan läuft«, sagte Glebuk.

Fähnrich Burdick, der junge Mann an der vorderen wissenschaftlichen Station, kam der Antedianerin zuvor. »Eine massive Subraum-Verzerrungswelle ist erschienen … vier Komma acht astronomische Einheiten südlich der Bahnebene des Planeten.«

»Geschwindigkeit?«

»Die Wellenfront breitet sich mit konstant einem Zehntel der Lichtgeschwindigkeit in alle Richtungen aus.«

»Übermitteln Sie die Koordinaten der Navigation«, sagte Blaylock.

»Koordinaten empfangen«, meldete Glebuk.

»Das ist unser Kurs. Transit mit Warpfaktor zwei. Bringen Sie uns bis auf eine halbe AE an die Wellenfront heran und gehen Sie dann auf Relativgeschwindigkeit null. Nahe, aber nicht zu nahe. Auf meine Anweisung hin Fluchtmanöver mit maximalem Warpfaktor.«

»Aye«, bestätigte Glebuk. Die Pilotin änderte Flugrichtung und Geschwindigkeit des Schiffes. Eine subtile Vibration des Decks wies Blaylock darauf hin.

»Fähnrich Burdick, zeichnen Sie so viel wie möglich von den Subraum-Verzerrungen auf«, sagte Blaylock und drehte sich dann zu der großen, dunkelhaarigen Frau um, die an der rückwärtigen Kommunikationsstation arbeitete. »Lieutenant Harding, versuchen Sie, eine Verbindung mit der Archimedes herzustellen.«

Genau sechzehn Sekunden später ging die Slayton in sicherer Distanz vor der sich langsam ausbreitenden Wellenfront auf Relativgeschwindigkeit null. Bei den Sternen auf dem Wandschirm ließ sich eine sonderbare Bewegung beobachten. Sie schienen an einem Vorhang befestigt zu sein, der von einer plötzlich Windbö erfasst wurde.

»Kein Kontakt mit der Archimedes, Captain«, sagte Harding. »Offenbar befindet sich der Shuttle bereits in der Atmosphäre von Chiaros IV.«

»Captain!«, rief Burdick von der wissenschaftlichen Station und hatte sofort die volle Aufmerksamkeit der Kommandantin. »Die Geschwindigkeit der Wellenfront hat sich gerade um fast das Hundertfache erhöht!«

Wie ist das möglich?, dachte Blaylock in einem Sekundenbruchteil. Es sei denn, das Phänomen springt zwischen Normal- und Subraum hin und her, wodurch es immer schneller wird …

Sie verlor keine Zeit. »Schilde hoch!«, ordnete sie an. »Glebuk, bringen Sie uns fort von …«

Genau in diesem Augenblick erreichte die Wellenfront das Schiff und mit einer solchen Belastung konnten die Trägheitsabsorber der Slayton nicht fertig werden. Es wurde dunkel auf der Brücke und das Deck neigte sich abrupt zur Seite, wodurch Blaylock das Gleichgewicht verlor. Sie prallte an ein Geländer, hielt sich mit beiden Händen daran fest und spürte, wie mindestens eine Rippe nachgab. Funken sprühten aus einer Konsole auf der Backbordseite und hinterließen Nachbilder in Blaylocks Netzhaut. Ein Schrei übertönte kurz das Heulen der Alarmsirenen und verklang dann abrupt.

Die Notbeleuchtung wurde aktiv und warf einen düsteren, blutroten Schein auf die Brücke. Das Deck kehrte in die Waagerechte zurück. Rauch stieg von einer halb verbrannten Konsole auf, hier und dort lagen Brückenoffiziere. Manche von ihnen bewegten sich, andere nicht. Der Wandschirm zeigte nichts mehr an. Blaylock stellte fest, dass Glebuk nach vorn geschleudert worden war, über die Navigationskonsole hinweg. Sie lag auf dem Deck und rührte sich nicht. Wasser tropfte aus einem Riss im Hydratationsanzug und der Hals war auf groteske Weise verdreht. Blaylock versuchte, einen Anflug von Entsetzen zu verdrängen, als sie an der Navigationsstation Platz nahm.

Die Kontrollen reagierten nicht. Was war geschehen? Was befand sich dort draußen im All?

Blaylock drehte den Kopf und sah zu Burdick – Harding half ihm gerade in den Sessel. Blut quoll aus einer Platzwunde in der Stirn des jungen Mannes.

»Statusbericht!«, sagte die Kommandantin scharf.

Harding war die erfahrenere Offizierin und blickte auf unbeschädigt gebliebene Instrumentenanzeigen. »Wir haben keine Schilde mehr. Es gibt überall Lecks in der Außenhülle und uns steht nur noch Batterieenergie zur Verfügung.«

»Ich möchte sehen, was sich dort draußen befindet. Können Sie dafür sorgen, dass der Wandschirm wieder funktioniert, Lieutenant?«

»Ich versuche es«, erwiderte Harding und betätigte die Schaltelemente einer nahen Konsole.

Das Licht auf der Brücke trübte sich. »Bitte achten Sie darauf, dass wir die stimmungsvolle Beleuchtung nicht verlieren, Zaena«, sagte Blaylock und Harding lächelte schief.

Statische Schlieren glitten über den Wandschirm, wichen dann Sternen, die gleichmäßig leuchteten und nicht mehr vom Subraum-Phänomen verzerrt wurden. Im Projektionsfeld zeichnete sich noch etwas ab. Ein Schatten …

»Können Sie die Darstellung vergrößern?«, fragte Blaylock.

Harding nickte. Das Licht trübte sich noch etwas mehr und der Schatten auf dem Wandschirm bekam Konturen aus Metall. Blaylock sah ein großes, toroidförmiges Raumschiff – oder vielleicht eine Raumstation? –, umgeben von Dutzenden, vielleicht sogar Hunderten von kleineren Objekten. Bojen? Wartungsmodule?

»Warum haben wir dieses Ding nicht geortet, als wir das Sonnensystem erreichten?«, fragte Blaylock, wandte sich dabei an Burdick und Harding.

Burdicks Blick klebte am Wandschirm fest und mit einem zitternden Zeigefinger deutete er darauf. »Vielleicht weil sie es nicht wollten?«

Blaylock war nicht überrascht, als sie beobachtete, wie ein romulanisches Schiff auf dem Bildschirm erschien, ein Warbird mit Doppelschwinge. Ich hasse es, immer Recht zu behalten, dachte sie humorlos.

Es bestand kein Zweifel daran, dass sich die Slayton in Gefechtsreichweite des romulanischen Kriegsschiffes befand. Es war doppelt so groß wie die Slayton und an den Disruptorkanonen zeigte sich das drohende Glühen von Bereitschaftsenergie.

Ohne die Schilde sind wir völlig schutzlos, dachte Blaylock. Aber bestimmt hegte der Captain des Warbird keine feindlichen Absichten. Es war kaum etwas über die Geminus-Kluft bekannt – warum sollten die Romulaner wegen ihr einen Krieg riskieren?

Der Warbird eröffnete das Feuer.

Die Slayton erbebte und erneut wurde es dunkel auf der Brücke. Blaylock fragte sich, wie lange es dauern würde, bis die Abschirmung der Antimaterie im Warpkern versagte. Und ob die Romulaner etwas über die Kluft wussten, das der Föderation bisher unbekannt war.

Wenige Sekunden später erfasste tiefblaues Gleißen die Brücke und es folgte absolute, ewige Schwärze.

 

Die Archimedes setzte ihren Landeanflug durch die von heftigen Stürmen heimgesuchte Atmosphäre auf der Tagseite von Chiaros IV fort. Zweller schenkte den leisen Gesprächen der Abteilungsleiter keine Beachtung und konzentrierte sich darauf, den Shuttle zu steuern. Zwar gelang es den Trägheitsabsorbern, die Auswirkungen der Turbulenzen weitgehend auszugleichen, aber trotzdem spürte der wissenschaftliche Offizier, wie das Deck unter ihm zitterte. Die strukturellen Integritätsfelder mussten mit größeren Belastungen als sonst fertig werden.

Zweller rejustierte den Bildschirm und filterte das weiße Glühen des Plasmas aus der Darstellung, das die Archimedes angesichts der enormen Reibungshitze umgab. Stumm bewunderte er die wilde Schönheit der Landschaft, die schnell unter dem kleinen Raumschiff dahinzog. Diese Welt bestand aus unvermischbaren Kontrasten, aus unwiderstehlichen Kräften, zwischen denen ein ewiges Patt herrschte. Es war eine Welt, die er verstehen konnte.

Als die Archimedes den Terminator in Richtung Nachtseite überflog, reduzierte Zweller die Geschwindigkeit, wodurch die Temperatur der Außenhülle sank und die Plasmafeuer erloschen. Er lenkte den Shuttle auf eine braune Bergkette zu und ging von dort aus auf nordöstlichen Kurs. Innerhalb weniger Sekunden ließ das kleine Raumschiff die hohen Gipfel hinter sich und die erbarmungslos heiße Tagseite wich einem von Nebel umhüllten Tal. Leuchterscheinungen flackerten am Himmel und sprangen über die Zone aus immerwährendem Zwielicht hinweg, um für einen Sekundenbruchteil Tag und Nacht miteinander zu verbinden. Die Dunstwolken verflüchtigten sich, als der Boden näher kam, und Zweller sah ein schachbrettartiges Muster aus nicht sehr fruchtbar wirkenden Anbauflächen und schmalen Straßen. Hier und dort gerieten kleine Siedlungen und einzelne Häuser in Sicht, um fast sofort wieder zu verschwinden. Am nördlichen Horizont zeichnete sich die Silhouette einer großen Stadt ab und ging in eine Landschaft über, die aus trockenen Hügeln und kahlen Hängen bestand und sich so weit in die Nachtseite erstreckte, wie Zwellers Blick reichte. Lichter funkelten in den dunklen Bereichen der Stadt.

»Offenbar haben wir gerade die einzigen interessanten Immobilien auf dem ganzen Planeten gefunden«, kommentierte Gomp und ließ diesen Worten ein grunzendes Kichern folgen.

Zweller beendete einen langen mentalen Countdown und dachte: Es ist soweit.

Ein Alarmlicht blinkte plötzlich auf der Konsole vor ihm und eine Sirene heulte. Das taktische Display auf der linken Seite erwachte zu elektronischem Leben.

»Was ist los?«, fragte Roget. In seiner Stimme erklang Vorsicht, aber keine übermäßige Besorgnis.

»Ich schätze, wir bekommen Gesellschaft«, erwiderte Zweller.

»Eine chiarosanische Ehreneskorte?«, vermutete Hearn.

Zweller spürte, wie er unwillkürlich die Zähne zusammenbiss. »Ich … ich glaube nicht.«

»Schilde hoch!«, rief Roget. »Alarmstufe Rot!«

Etwas traf den Shuttle und es donnerte ohrenbetäubend laut. Chefingenieur und Bordarzt wurden aus den Sitzen gerissen, fielen auf Liz Kurlan. Tim Tuohy, Leiter der Abteilung für planetare Studien, half Gomp wieder auf die Hufe. Alle kehrten zu ihren Plätzen zurück und aktivierten die Sicherheitsharnische.

Der Shuttle schüttelte sich, noch heftiger als zuvor, wie unter den Fausthieben eines Giganten. Der eigene Harnisch bewahrte Zweller davor, ebenfalls aus dem Sessel geschleudert zu werden. Trotz statischer Störungen waren auf dem taktischen Display drei kleine, aggressiv wirkende Flugkörper zu erkennen. Die Konfiguration war ungewöhnlich, aber es schien sich um chiarosanische Kampfeinheiten zu handeln.

»Status!«, rief Roget und versuchte, das Donnern und Krachen zu übertönen.

»Schilde und Waffen ausgefallen«, sagte Zweller. »Die Ionisierung durch die atmosphärische Reibung stört unsere Bordsysteme.«

Eine von lautem Knistern untermalte tiefe und scharfe Stimme ertönte aus dem Kom-Lautsprecher. »Föderationsshuttle: Sie werden dem Navigationsstrahl unserer ersten Einheit zur Nachtseite folgen. Sie sind unsere Gefangenen.«

Roget zischte einen fast unhörbaren Fluch, bevor er antwortete. »Wir sind in einer diplomatischen Mission unterwegs, auf Einladung des Ersten Protektors Ruardh, dem Oberhaupt der rechtmäßig gewählten Regierung dieser Welt. Wer hat Sie dazu befugt, uns anzugreifen?«

»Wenn wir Sie angegriffen hätten, wären Sie jetzt tot«, lautete die Antwort. »Sie befinden sich im Gewahrsam der Armee des Lichts. Wenn Sie versuchen, Widerstand zu leisten oder zu fliehen, werden wir nicht zögern, Ihren Shuttle zu zerstören.«

Roget bedeutete Zweller mit einer knappen Geste, die akustische Übertragung zu unterbrechen.

»Mit Höchstgeschwindigkeit zur Hauptstadt, Mr. Zweller«, sagte Roget. »Dort gibt es bestimmt offizielle Patrouillen, um diese Burschen zu vertreiben.«

Zweller schüttelte nachdrücklich den Kopf. »Die Angreifer sind in unmittelbarer Nähe, Sir. Wir hätten keine Chance.«

Einmal mehr erbebte der Shuttle und in der Außenhülle knackte es. Zweller beobachtete, wie die Anzeigen für die Belastung der strukturellen Integritätsfelder in den roten Bereich wanderten. Ein Schuss dicht an uns vorbei, dachte er. Ein Treffer hätte vermutlich ein großes Leck verursacht und den Tod für alle Personen an Bord bedeutet. Das Licht flackerte, als die von den Batterien gespeisten Reserve-Lebenserhaltungssysteme aktiv wurden.

Tiefe Falten hatten sich in Rogets Stirn gegraben. »Sie scheinen sich keine besonders große Mühe zu geben, Mister.«

Zweller wölbte eine Braue und schenkte dieser Bemerkung keine Beachtung. »Ich fürchte, unser Empfangskomitee wartet nicht gern, Sir.«

Roget warf Zweller einen durchdringenden Blick zu, bevor er Schaltflächen berührte und den Fremden die Kontrolle über den Navigationscomputer des Shuttles gab. Dann wandte er sich an die Gruppe hinter ihm.

»Offenbar steht uns ein nicht geplanter Umweg bevor.«

»Nie ist die Polizei in der Nähe, wenn man sie braucht«, brummte Gomp. Niemand lachte.

Die Archimedes neigte sich abrupt zur Seite und ging tiefer. In einer Höhe von nur wenigen Metern jagte sie über die Gipfel auf der Nachtseite der Stadt hinweg und setzte den Flug in die Dunkelheit fort, begleitet von der »Eskorte«.

 

Chiaros IV hatte keine natürlichen Satelliten und verfügte über eine dichte Wolkendecke, was dazu führte, dass es auf der Nachtseite des Planeten wirklich dunkel war. Das einzige Licht stammte von Blitzen oder Leuchterscheinungen. Der Kurs des Shuttles führte hauptsächlich durch die Wolken, die ein starker Wind von der Tag- zur Nachtseite wehte, und deshalb konnte man von den Fenstern aus weder die Leuchterscheinungen noch den Boden sehen. Die wenigen sichtbaren gleißenden Lichter verhinderten nur, dass sich die Augen der Crew an die Finsternis gewöhnten. Für die hilflosen Insassen der Archimedes war die Nachtseite so dunkel wie das Innere eines Grabs.

Nach der Überquerung des Terminators flog der Shuttle mehr als eine Stunde lang, änderte dabei mehrmals den Kurs, kippte von einer Seite zur anderen und drehte sich in langgestreckten Spiralen. Ob atmosphärische Besonderheiten oder durch den Angriff beschädigte Bordsysteme der Grund dafür waren, ließ sich nicht feststellen. Die Instrumente gaben keine Auskunft über die Position der Archimedes, zeigten nicht einmal ihre Höhe an. Zweller saß an nutzlos gewordenen Kontrollen und dachte daran, dass er ebenso gut eine Augenbinde hätte tragen können.

Roget und die Abteilungsleiter sprachen über die Situation und diskutierten auch die Frage, ob sie versuchen sollten, mit den Phasern aus dem Waffenschrank Widerstand zu leisten. Gomp setzte sich am lautesten für einen »tapferen Kampf« ein, aber Zweller vermutete, dass es sich dabei nur um Rhetorik handelte. Er kannte keinen Tellariten, der laute Beschimpfungen nicht einem tatsächlichen Kampf vorgezogen hätte. Nachdem alle ihre Meinungen dargelegt hatten, verkündete Roget, dass die Verwendung von Waffen völlig ausgeschlossen war. Er betonte noch einmal die diplomatische Natur ihrer Mission.

Sie empfingen Kom-Signale und es wurde still an Bord. »Bereiten Sie sich auf die Landung vor«, ertönte erneut die tiefe und scharfe Stimme, auch diesmal von Statik untermalt.

Ein Muster aus Lichtern erschien am Boden, etwa zweihundertfünfzig Meter unter dem Shuttle. Roget versuchte, die Landung dem Computer zu überlassen, der jedoch nicht reagierte. Zweller übernahm die manuelle Steuerung, lenkte den Shuttle nach unten und der Mitte des Landemusters entgegen.

Die Archimedes hatte gerade erst aufgesetzt, als der Boden unter ihr in Bewegung geriet und in die Tiefe sank, begleitet vom Ächzen einer gewaltigen Mechanik. Zweller sah auf den Bildschirm und beobachtete, wie sich etwa acht Meter über dem Shuttle rasch eine metallene Decke schloss und den Blick auf den obsidianschwarzen Himmel verwehrte.

»Ich schätze, von der Luft aus lässt sich dieser Ort überhaupt nicht entdecken«, sagte Gomp und klang beeindruckt. »Nicht übel.«

An der Decke erstrahlten plötzlich helle Lichter und ihr Schein machte die enorme Größe des Raums deutlich. Mehrere kleine Kampfflieger standen in der Nähe, vom gleichen Typ wie die Angreifer. Etwa zwanzig große, bewaffnete Humanoiden bezogen um den Shuttle herum Aufstellung.

Dies ist unsere letzte Chance,