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Earl Warren

Skandal in San Antonio: Spannungsroman

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Alfred Bekker

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© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Skandal in San Antonio: Spannungsroman

Earl Warren

Skandal in San Antonio
»Lerby hat's also erwischt«, sagte T.O. »Diesmal ist er zu weit gegangen. Nell Corrigan ist zwar ein Luder gewesen, doch ein solches Ende hatte sie nicht verdient. Da sieht man mal wieder, wohin es führt, wenn einer seine Grenzen nicht kennt.«
Die RTC-Werkstatt war mitten in der Nacht hell erleuchtet. Pat O'Neill hievte lusammen mit einem Mechaniker den neuen Motor für den »Bison« mit der Laufkatze heran. Natürlich wollten Jim und T.O. dabei nicht fehlen.
Während der Vorarbeiten unterhielten sie sich über den Skandal, der zur Zeit ganz Texas erschütterte und sich über die Landesgrenzen hinaus auswirkte. Das Thema, das alle beschäftigte: Derek Lerby, Sharkey genannt, war unter Mordanklage verhaftet worden.
Er sollte seine Chefin, die Inhaberin der Alamo Trucking, kaltblütig und aus niederen Motiven umgebracht haben.

Pat O’Neill hatte das ,Bison’-Team sofort mit der Sensation konfrontiert, als er den mit Motorschaden liegengebliebenen Kenworth der beiden abholte. Zwei Tage lag das zurück.


***


Und Pat, der alte Kumpel, sorgte nicht nur dafür, daß der ,Bison’ von ihm persönlich in der RTC-Werkstatt ein neues Triebwerk erhielt. Er hatte dafür auch ein ganz besonderes Bonbon ausgesucht. Dazu noch zu einem Freundschaftspreis.
Weil in der RTC-Werkstatt Hochbetrieb herrschte, sollte der Einbau außerhalb der normalen Arbeitszeit stattfinden. Der weißhaarige RTC-Werkstattchef hielt sich sowieso selten an den Acht-Stunden-Tag, obwohl er in einem Alter war, in dem andere längst kürzertraten und sich auf ihre Pensionierung vorbereiteten.
Für Pat, den Wühler und verbissenen Bastler, das Truck-Genie, gab es so etwas nicht.
Jim, im Monteuranzug, hatte Bedenken, was Lerbys Schuld an dem Mord betraf.
»Ich weiß nicht, T.O. Das liegt nicht auf seiner Linie. Klar, ich mag Lerby so gern wie Kaffee mit Schmierseife. Aber ein Mörder, dafür habe ich ihn noch nie gehalten. Er ist skrupellos und gerissen. Fachlich äußerst tüchtig, doch ohne menschliche Qualitäten. Ein Karrierist, der über Leichen geht.«
»Sage ich doch. Diesmal wollte er über die von Nell Corrigan steigen. Doch da ist er gestolpert.«
»Hm. Es stimmt, daß Lerby ein paar Leichen im Keller hat. Das ist sogar ganz gewiß. Aber er ist nicht der Typ, der sich selber die Hände schmutzig macht. Das hat er nicht nötig. Er fand immer jemand, der ihm die Dreckarbeit abnahm. Lerby ist der typische Schreibtischtäter, kein Gangster. Er arbeitet gern in einer Grauzone hart an der Grenze der Legalität.«
»Von welcher Seite her hart an der Grenze?« fragte der Shotgun des Bison’ gallig. »Wo andere ein Gewissen haben, ist bei Lerby ein schwarzes Loch, das alle Skrupel aufsaugt.«
»Hart an der Grenze der Legalität«, wiederholte Jim seine Aussage. »Und zwar so, daß er, wenn er sie überschreitet, jederzeit rasch einen Rückzieher machen und sich aus der Affäre ziehen kann. Das ist ein Talent. In der Politik hätte Lerby es weit bringen können. - Leider und zu unser aller Schaden hat es ihn in die Speditionsbranche verschlagen.«
T.O. brummte nur: »Hoffentlich grillen sie ihn auf dem Elektrischen Stuhl, diesen Bastard. Dann sind wir das Aas endlich los.«
»Rauhe Worte aus berufenem Mund«, meldete sich eine Stimme, die alle kannten. Henry B. Ryland, der Highway King, stand in der zu der nächtlichen Zeit ruhigen Werkstatt. Unbemerkt war der Highway King vorgefahren und eingetreten. Er nahm Jims Aussage auf: »Auch wenn’s uns nicht paßt, in der Tansportbranche kann Lerby gottlob weniger Unheil anrichten als in der Politik. Stellt ihn euch bloß mal an den Schalthebeln der Macht vor.«
Pat O’Neill griff ein.
»Jetzt hört endlich auf, von Sharkey Lerby zu quatschen!« rief er. »Packt lieber mit an, damit der Motor richtig geführt wird. - Das ist ein Schmuckstückchen, was? Eigentlich viel zu schade für euren alten Roller. - Am liebsten würde ich das Motörchen an der Uhrkette tragen.«
Pat deutete auf das Über dem geöffneten Motorraum des roten Kenworth W 900 schwebende Triebwerk.
Wie eine Liebeserklärung flüsterte er: »Ein Caterpillar mit Vier-Takt-Dieseltriebwerk, acht Zylindern, wassergekühlt und mit Direkteinspritzung. Mit Abgasturbolader holt er aus seinen 18,6 Liter Hubraum satte 450 PS bei einer Höchstdrehzahl von 1900 Umdrehungen die Minute, ohne sich anzustrengen. Mit diesem Baby seid ihr topfit für den harten Job auf dem Highway. Na, was sagt ihr dazu?«
»Du kannst leben bleiben«, bemerkte T.O.
»Wie?« fragte Pat erstaunt.
Grinsend senkte der schwarze Ex-Schwergewichtschampion den Schraubenschlüssel.
»Eigentlich wollte ich dich erschlagen, weil du unseren Bison einen alten Roller genannt hast. In Anbetracht dieser tollen Maschine verzichte ich aber darauf. - Jedenfalls, bis der Motor eingebaut ist.«
Der untersetzte Mann im speckigen Monteuranzug spuckte in die Hände. Auch Ryland schlüpfte in eine Arbeitskluft. Der Highway King war sich noch nie zu schade gewesen, sich die Finger schmutzig zu machen. Er packte mit an.
Die Arbeit ging zügig vonstatten. Die fünf Männer waren alle Trucker mit Leib und Seele. Der Einbau eines neuen Triebwerks in einen der mächtigen Highway-Giganten war für sie mehr als eine mechanische Arbeit. Denn damit verliehen sie dem Truck neues Leben.
Die Qualität ihrer Arbeit wie die des Motors entschied in den folgenden vielen Jahren über das Wohl und Wehe der Fahrzeugbesitzer. Davon hing ihre Existenz maßgeblich mit ab.
Während der Arbeit sprachen die Männer wenig. Präzise Anweisungen wurden gegeben und wie bei einem Operationsteam befolgt. Der Morgen graute, als es soweit war, daß die Kühlerhaube zugeklappt werden konnte.
Jim Sherman und sein früherer Schwiegervater Ryland stiegen ins Führerhaus. Wieder, wie zuvor schon beim Probelauf im Stand, röhrte das Triebwerk auf und weckte donnernden Widerhall in der Werkstatt.
Jim fuhr los. Er stellte fest, daß die Spicer Zwei-Scheiben-Kupplung noch um eine Idee nachgestellt werden mußte. Das sollte nachher geschehen, wenn die Probe- und Jungfernfahrt auf dem 410er Highway beendet war. Der Sound des nagelneuen, chromglänzenden Motors, der die ersten fünfhundert Meilen eingefahren werden mußte, verriet beiden Insassen, was sie wissen wollten.
Es hörte sich anders als das klägliche Rumpeln des alten Triebwerks an, mit dem sich der ,Bison’ noch mühsam wie ein waidwundes Tier San Antonio entgegengeschleppt hatte. Bis dann die Kurbelwelle brach, der Motor sich selbst zerfetzte und damit das endgültige Aus erfolgte.
Pat O’Neill hatte den ,Bison’ abgeschleppt.
Jim strahlte. Er schlug dem Highway King die Hand auf die Schulter.
»Danke, Dad«, sagte er ganz gerührt. Er wußte, daß Ryland diese Anrede von seinem Ex-Schwiegersohn mochte. Daran hatte die Scheidung von Cora Mae nichts geändert.
Jim war klar, wem er die großzügige Gabe verdankte. Ryland hatte ihm diesen Supermotor zugeschanzt. Für ein neues Getriebe - Füller RTO mit 15 Fahrstufen, davon zwei Kriechgängen und Overdrive - war auch gesorgt worden. Das alles hatte der .Bison’ in Rekordzeit erhalten, in der besten Werkstatt, die es gab, vom exzellentesten Fachmann zum RTC-Selbstkostenpreis.
Dabei gab Pat seine Arbeitszeit sogar noch gratis. Er behauptete, die Ehre, dem ,Bison’ einen neuen Motor zu verpassen, würde ihm reichen. Er riet keinem, sein großzügiges Angebot abzulehnen.
»Sonst macht ihr damit Bekanntschaft«, hatte er gedroht und seine knorrige Faust gehoben.
Der ,Bison’ war motormäßig damit nicht nur wie neu, sondern noch besser als vorher. Das Fahrerteam Rockson & Washburn konnte sich gratulieren.
Jim machte das V-Zeichen, als er wieder aufs RTC-Gelände an der Seguin Street fuhr. Pat und T.O. wechselten mit Jim und Ryland. Der Highway King schickte den Mechaniker nach Hause.
»Du brauchst erst morgen um die übliche Zeit wiederzukommen, Charlie.«
Glücklich stiefelte der Mechaniker davon. Er würde für die Nachtarbeit eine schöne Prämie erhalten und hatte für den heutigen Tag zudem keinen Verdienstausfall. Dafür schlug man sich schon mal eine Nacht um die Ohren.
Ryland ging mit Jim zur Kantine. Er schloß dort auf und stellte sich höchstselbst an den Kaffeeautomaten. Jim gab die Doughnuts in den Mikrowellenherd. Die leeren Tische in der Kantine glänzten. Die Stühle standen in Reih und Glied.
Bis Pat und T.O. mit dem .Bison’ zurückkehrten, würde es noch eine Weile dauern.
»Ich will mit dir über den Tod von Nell von Dorn und die Alamo Trucking sprechen, Jim«, sagte der Highway King. »Wie du weißt, hat sie an den Hinomaru-Konzern verkauft.«
»Ich habe davon munkeln gehört«, erwiderte Jim.
»Es stimmt«, klärte Ryland ihn auf. »Nachdem er die RTC nicht schlucken konnte, will Kiomoto das zweitgrößte Unternehmen in der Transportbranche übernehmen. Das wird, wenn es gelingt, eine Riesenkonkurrenz für mich. Da sehe ich schwarz für die RTC.«
So pessimistische Worte hörte Jim von seinem Ex-Schwiegervater selten. Doch Ryland hatte allen Grund zur Sorge.
»Kiomoto hat nichts als Schlappen erlitten, seitdem Douglas’ Doppelgängerrolle aufflog«, fuhr der Highway King fort. »In den juristischen Auseinandersetzungen um die von meinem Doppelgänger unterschriebenen Kaufverträge bin ich bisher auf der ganzen Linie Sieger geblieben. Der Hinomaru-Konzern hat dabei draufgezahlt. Das vergessen die Japaner mir nie. Wenn sie die Gelegenheit dazu erhalten, ruinieren sie mich mit Dumping-Preisen, gezielter Kundenabwerbung und allen Mitteln. Natürlich verfüge ich über Reserven. Die RTC hat eine gesunde Substanz. Doch mit dem Hinomaru-Konzern kann ich nicht mithalten. Die Japaner haben den längeren Atem.«
»Was willst du dagegen unternehmen, Dad?« fragte Jim.
»Ich wüßte zu gern, ob Lerby Nell Corrigan wirklich ermordet hat, wie der Staatsanwalt Stockwell, ein ganz scharfer Hund, ihm vorwirft«, sagte Ryland. »Lerby könnte, wenn er frei wäre, Kiomoto die Übernahme der Alamo Trucking zumindest erschweren. Solange das nicht der Fall ist, muß ich mich an die Kartellbehörde halten und versuchen, dort ein Verbot für Hinomaru durchzusetzen, sich die Alamo Trucking einzuverleiben. Doch da sehe ich schwarz. Solange die Lage derart kritisch ist, wollte ich dich und T.O. bitten, in der Nähe zu bleiben. Ich brauche jede Hilfe, die ich kriegen kann, vor allem von zuverlässigen und tüchtigen Freunden.«
Jim sagte dem Highway King zu, in der nächsten Zeit keine Ferntransporte zu übernehmen. Ryland hatte noch keinen genauen Plan, wie gegen die Hinomaru-Pläne vorgegangen werden konnte. Er war wachsam.
»Ich beschwöre ungern die gelbe Gefahr herauf«, sagte er. »Doch wenn die Hinomaru Ltd. die Alamo Trucking einkauft, gibt es zwischen dem neuen Superkonzern und der RTC einen Konkurrenzkampf bis aufs Messer. Dann werden die freien Trucker beim Wettbewerb der Giganten wie zwischen zwei Mühlsteinen verrieben.«
In seiner Phantasie sah Jim das gesamte Transportgewerbe in den USA unter dem Zeichen der aufgehenden roten Sonne, dem Firmenzeichen von Hinomaru. Schlitzäugige Manager würden den Ton angeben, Japaner und deren Vasallen die US-Trucker verdrängen.
»Das darf nicht sein«, sagte Jim. Jäh war ihm die Freude an dem schönen neuen Motor für den ,Bison’ verleidet. In einer Speditionsbranche unter japanischer Vorherrschaft nutzte ihm der auch nichts mehr.
***
Bei der Alamo Trucking herrschte eine Stimmung wie kurz vorm Weltuntergang. Dazu bestand auch aller, Grund. Die Chefin war tot. Lerby, der Geschäftsführer, saß in Untersuchungshaft. Gleich nach seiner Verhaftung war Takayashi Kiomoto, der US-Generalmanager des Hinomaru-Konzerns, mit seinem Ersten Assistenten und zwei Anwälten angerückt.
Er hatte Harvey B. Gatsby, dem Syndikus der Alamo Trucking, den von Nell Corrigan unterschriebenen Vorvertrag über den Verkauf ihrer Firma gezeigt. Gatsby, ein langer, dünner Mensch mit dem Rückgrat einer Amöbe, hatte sich wieder mal gewunden wie der Wurm am Angelhaken.
Einerseits wollte er die Japaner nicht hereinlassen. Andererseits fürchtete er sich entsetzlich, einen Fehler zu begehen, wenn er sich allzu entschieden gegen sie stellte und sie später die Alamo Trucking doch übernahmen.
Schließlich fand er eine wie er meinte salomonische Lösung.