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Vollständige E-Book-Ausgabe der im Rosenheimer Verlagshaus erschienenen Originalausgabe 2013

© 2013 Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG, Rosenheim
www.rosenheimer.com

Titelfoto: © Klaus G. Förg, Rosenheim
Lektorat: Gisela Faller, Stuttgart
Satz: Satzpunkt Ursula Ewert GmbH, Bayreuth
Datenkonvertierung: GGP Media GmbH, Pößneck

E-Book ISBN 978-3-475-54231-2 (epub)

Inhalt

Vorwort

Vor einigen Jahren, als ich noch in einer kleinen hessischen Gemeinde wohnte, organisierte diese eine Busfahrt nach Berlin, an der ich teilnahm. Unterwegs schon fiel mir eine Dame auf, weil sie so elegant gekleidet war, während ich und die anderen Reiseteilnehmer eher sportlich-saloppe Sachen trugen. Am Eingang zum Reichstag kam ich dann mit dieser Dame ins Gespräch. Sie stammte aus Bayern, und ich stand gerade im Begriff, dorthin umzusiedeln. So hatten wir gleich genügend Anknüpfungspunkte und unterhielten uns noch sehr oft auf dieser Reise. Aber auch nach der Rückkehr trafen wir uns immer mal wieder, und jedes Mal erzählte sie mir aus ihrem Leben.

Als ich dann nach Bayern zog, riss der Kontakt zu Liesl nicht ab. Immer, wenn ich im Rhein-Main-Gebiet weile, besuche ich sie, und wenn sie in Bayern Verwandtenbesuche macht, schaut sie bei mir herein. Bei jeder unserer Begegnungen erfuhr ich ein bisschen mehr über sie. Und von Mal zu Mal wurde sie interessanter für mich als Schriftstellerin.

Das Leben hatte erstaunlich viele Höhen und Tiefen für sie bereit gehalten; ihr war keine Demütigung und kein finanzieller Verlust erspart geblieben. Doch sie hat sich nie unterkriegen lassen. Wenn sie ganz unten war, ist sie weder dem Staat noch sonst jemandem zur Last gefallen, sie selbst war es, die immer wieder die Ärmel aufgekrempelt und einen Neuanfang geschafft hat. Daher gilt ihr meine volle Bewunderung.

So unglaubwürdig einiges in ihrer Biografie auch klingen mag, es ist tatsächlich alles so passiert. Liesl hat mir erlaubt, über ihr bewegtes Leben ein Buch zu schreiben, welches ich Ihnen hiermit vorlege.

 

Roswitha Gruber

Überraschung im Kreißsaal

Bei meiner Geburt hatte ich es sehr eilig. Es war am 7. Januar 1937 in der Münchener Frauenklinik, da drängelte ich mich vor und kam als erster Zwilling um 10.15 Uhr mit einem kräftigen Schrei ans Tageslicht. Mein einziger Fehler dabei war, dass ich nicht als Junge auf die Welt gekommen bin. Nachdem die Hebamme mich abgenabelt hatte, wickelte sie mich in eine Sanitaswindel und reichte mich dem renommierten Professor Gutewohl, der auf ausdrücklichen Wunsch meiner Mutter anwesend war. Während er mich eingehend untersuchte, bemühte sich die Hebamme weiterhin um die Gebärende. Sie vermutete nämlich, es könne noch ein zweites Kind folgen.

Unterdessen forderte meine Mutter ungeduldig: »Herr Professor, nun reichen Sie mir endlich meinen Sohn!«

Er unterließ es, sie darauf hinzuweisen, dass ich eine Tochter war. »Sofort, gnädige Frau«, sagte er. »Es ist alles in Ordnung. Ein kerngesundes Kind. Meinen Glückwunsch!« Damit übergab er ihr das nackte Menschlein, das er wieder mit der schützenden Windel umhüllt hatte.

Triumphierend schlug meine Mutter die Windel auseinander und stieß einen spitzen Schrei aus: »Nein, das ist nicht mein Kind! Ich habe einen Sohn geboren!«

Mit ausgestreckten Armen hielt sie mich von sich, als ob ich eine glitschige Kröte wäre, und ich begann vor Schreck zu schreien. Der Professor, der befürchtete, sie könne mich fallen lassen, griff rasch zu und barg mich in seinen Armen. »Aber gnädige Frau, so fassen Sie sich doch! Natürlich ist das Ihr Kind. Da Sie zur Zeit die einzige Gebärende in diesem Kreißsaal sind, ist eine Verwechslung ausgeschlossen.«

»Aber … ein Mädchen!«, schrie meine Mutter hysterisch auf. »O Gott! Das überleb ich nicht. Ich bring mich um!«

»Aber, aber, Frau Wagner, wie können Sie so etwas sagen!«, mischte sich nun die Hebamme ein. »So etwas darf man ja noch nicht mal denken! Außerdem, wie wir vermutet haben, kommt noch ein zweites Kind. Das kann doch der erhoffte Bub sein.«

»Wenn das erste Kind ein Mädchen ist, wird auch das zweite eines sein!« Meine Mutter klang völlig verzweifelt.

Jetzt wandte sich der Professor wieder an die Kreißende: »Das ist keineswegs gesagt, gnädige Frau. Bis jetzt spricht nichts dafür, dass es sich um eineiige Zwillinge handelt. Bei zweieiigen Zwillingen kann das zweite Kind auch ein Junge sein.«

Die Unterhaltung brach ab, weil meine Mutter erneut mit Presswehen zu kämpfen hatte. Genau fünf Minuten nach dem ersten Kind war das zweite da, völlig problemlos, denn es hatte ein zierlicheres Köpfchen als das erste. Auch dieses Kind ließ spontan – wenn auch in gemäßigterer Lautstärke – seine Stimme ertönen, sehr zur Beruhigung der beiden Geburtshelfer. Professor Gutewohl untersuchte dieses Kind ebenfalls gründlich, bevor er es der Wöchnerin reichte. »Sie haben recht gehabt, gnädige Frau. Das zweite Kind ist ebenfalls ein Mädchen, obwohl zweifelsfrei zu erkennen ist, dass es sich um zweieiige Zwillinge handelt.«

Wir waren nämlich schon bei der Geburt so unterschiedlich, wie Zwillinge unterschiedlicher nicht sein können: Ich blond und blauäugig und von kräftiger Statur, meine Schwester zierlicher mit brünettem Haar und braunen Augen.

»Dieses Mädchen ist Ihnen wie aus dem Gesicht geschnitten, gnädige Frau«, sagte der Professor, als er ihr das zweite Kind reichte. »Dann kommt das andere wohl mehr nach Ihrem Herrn Gemahl? Beide jedoch sind allerliebste kleine Wesen. Zu Ihren hübschen Töchtern kann ich Ihnen nur gratulieren.«

Er beobachtete seine Patientin aufmerksam, um gleich rettend eingreifen zu können, falls sie etwas Unüberlegtes tat. Erstaunlicherweise aber nahm sie dieses Kind an. Sie hob die Windel ein wenig hoch, wohl um sich vom Wahrheitsgehalt der Worte des Mediziners zu überzeugen. Dann drückte sie das hilflose Wesen kurz an sich, nicht besonders herzlich, aber immerhin.

Das nächste Kapitel dieses »Dramas« spielte sich in einem Zimmer der ersten Klasse auf der Wochenstation ab. Am Nachmittag desselben Tages stürmte mein Vater, der Obersturmbannführer Ludwig Wagner, mit einem Arm voll roter Rosen in das Wochenbettzimmer meiner Mutter. Er strahlte über das ganze Gesicht. »Herzlichen Glückwunsch, Traudl! Da hast du dich aber beeilt. Ich war völlig überrascht, als ich den Anruf aus dem Krankenhaus erhielt. Mit dem freudigen Ereignis hatte ich frühestens in einer Woche gerechnet.«

»Ludwig, du sollst mich doch nicht mehr Traudl nennen«, rügte die junge Mutter ihren Gatten. »Du weißt doch, seit wir wer sind, ist das nicht mehr angebracht.«

»A geh, Traudl, hier hört uns doch eh keiner«, verteidigte er sich lachend.

»Du sollst dich an ›Gertraud‹ gewöhnen«, beharrte sie, »sonst rutscht dir die ›Traudl‹ auch raus, wenn Leute dabei sind.«

Dann erst nahm sie huldvoll die Rosen entgegen, zwölf langstielige, dunkelrote Rosen. Zu dieser Jahreszeit mussten sie ein Vermögen gekostet haben.

Mutters Augen füllten sich mit Tränen. »Sie sind wunderschön! Danke, Ludwig!«, brachte sie mühsam heraus. »Leider war die Ausgabe völlig umsonst.« Sie begann zu schluchzen.

»Wie? Was?«, fragte er erschrocken. »Ist das Kind tot?«

»Nein, nein«, sie wischte sich über die Augen. »Aber es ist nicht der Sohn, auf den wir gehofft hatten.«

»Also wieder eine Tochter«, stellte er resignierend fest.

Sie schüttelte heftig den Kopf. Erneut quollen Tränen aus ihren Augen.

»Kein Sohn und keine Tochter? Willst du mich zum Narren halten?« Seine Stimme nahm eine gewisse Schärfe an.

»Zwei Töchter sind es«, schluchzte sie auf.

»Zwei Töchter? Sind sie gesund?«

Gertraud nickte.

»Dann gibt es doch gar keinen Grund zum Weinen.« Er zog sein großes, weißes Taschentuch hervor und trocknete ihr liebevoll die Tränen ab.

Nachdem er sich auf der Säuglingsstation seine beiden Töchter angeschaut hatte, kehrte er in das Zimmer seiner Frau zurück. »Das sind ja zwei ganz süße Dirndln. Dafür hast du die Rosen allemal verdient.« Mit diesen Worten überspielte er seine eigene Enttäuschung, denn ein Sohn wäre auch sein sehnlichster Wunsch gewesen. »Nun ja, mein Herz, diesmal hat es mit dem Buben nicht geklappt, bestimmt aber klappt es beim nächsten Mal.«

Sie nickte dazu nur schwach. Gleichzeitig aber dachte sie: Oh nein, ein nächstes Mal wird es nicht geben.

»Jetzt stehen wir vor dem Problem mit den Namen«, sagte sie laut zu ihrem Mann. »Mit einem Ludwig ist es ja nun nichts. Oder sollen wir eines der Dirndln Ludowika nennen?«

»Aber nein, diesen Namen möchte ich aufsparen für den Stammhalter, der gewiss noch kommt.«

Sie lächelte säuerlich. »Hast recht«, gab sie zu. »Außerdem hätten wir dann noch immer keinen Namen für das andere Kind.«

Nachdem beide eine Weile nachgedacht und verschiedene Vorschläge vorgebracht und wieder verworfen hatten, hellte sich sein Gesicht auf: »Ich hab’s!«, rief er aus. »Weißt du noch, wie wir den Namen von Gudrun ausgesucht haben? Wir haben erst diskutiert, ob wir den Namen deiner oder meiner Mutter nehmen sollten und dann doch einen ganz anderen gewählt, damit keine von beiden beleidigt sein kann. Aber diesmal ist es doch ideal: Wir nennen sie nach unseren Müttern: Elisabeth und Margarete.«

Gertraud gefiel dieser Vorschlag auf Anhieb. »Ja, Liesl und Gretl, das passt auch gut für Zwillinge.«

Als Ludwig wieder gegangen war, wanderten die Gedanken der jungen Mutter zurück in die Zeit vor fünf Jahren, denn an ihre erste Entbindung erinnerte sie sich nur mit Schrecken. Unter ungeheuren Schmerzen und Lebensgefahr hatte sie ihre Tochter Gudrun zu Hause zur Welt gebracht. Danach hatte sie sich geschworen, diese Prozedur nie wieder über sich ergehen zu lassen. Zwei Jahre geduldigen Werbens hatte ihr Mann benötigt, bis sie ihn endlich wieder ins eheliche Bett gelassen hatte.

Alleine hätte er diese Überzeugungsarbeit aber bestimmt nicht geschafft. Es war die nach 1933 aufgekommene Ideologie von der Mutterschaft, die seine heimliche Verbündete wurde, denn ihr gelang es schließlich, meine Mutter davon zu überzeugen, dass ein Frauenleben nur durch die Geburt eines Sohnes wirklich Erfüllung findet. Daneben fühlte sie aber auch eine Verpflichtung, mit einem Sohn eine gewisse Dankesschuld gegenüber ihrem Ehemann, aber auch gegenüber dem Regime abzutragen. Das Regime hatte immerhin ihrem Mann den beruflichen Aufstieg ermöglicht und ihnen damit zu Wohlstand und Ansehen verholfen und zu dem angenehmen Leben, das sie jetzt führten.

Gertraud stammte aus einfachen Verhältnissen. Ihr Vater, Friedrich Klein, war Ofensetzer in Kulmbach, und sein Verdienst war nicht gerade üppig, zumal er davon sechs Kinder zu ernähren hatte. Zum Glück brauchte er keine Miete zu zahlen. Sie lebten nämlich in dem kleinen Haus, das Friedrich samt der Werkstatt von seinem Vater geerbt hatte. Wenn andere arbeitslos wurden, hatte er dennoch immer sein Auskommen gehabt, trotz des Weltkrieges, trotz der Inflationszeit, trotz der anschließenden allgemeinen Arbeitslosigkeit.

Gertrauds Eltern hatten – und dafür galt ihnen die volle Bewunderung ihrer Tochter – das Kunststück fertiggebracht, alle Kinder, selbst die Mädchen, etwas lernen zu lassen, obwohl man damals noch Lehrgeld zahlen musste. Ihr ältester Bruder hatte selbstverständlich vom Vater das Ofensetzerhandwerk gelernt und lebte davon, dass er offene Kamine und Kachelöfen in herrschaftliche Häuser einbaute. Gerburg, ihre ältere Schwester, hatte die Gastronomie von der Pike auf gelernt und dann das unverschämte Glück gehabt, in ein Hotel am Tegernsee einheiraten zu können. Dort war sie nun die geachtete, tonangebende Chefin. Sie selbst, Gertraud, hatte aber ebenfalls Glück gehabt. Ihrer Neigung entsprechend hatte sie das Handwerk einer Damenschneiderin erlernen dürfen. Da sie auf diesem Gebiet ein überdurchschnittliches Talent besaß, gepaart mit Ehrgeiz und Zielstrebigkeit, legte sie bereits mit vierundzwanzig Jahren die Meisterprüfung ab. Als frischgebackene Schneidermeisterin war sie 1927 auf Anraten ihrer Lehrherrin in die NSDAP eingetreten. Ihre Meisterin hatte gemeint, dann habe sie bessere berufliche Aufstiegsmöglichkeiten. Die Parteizugehörigkeit hatte ihr in der Tat nicht nur dabei geholfen, sich selbstständig zu machen, sondern sie auch mit einem gutaussehenden Mann zusammengeführt. Ludwig Wagner war ebenfalls ein neues Parteimitglied. Da er sich in der Partei sehr engagierte, brachte er alle Voraussetzungen mit, um Karriere zu machen.

Bei ihrer Hochzeit im Jahre 1930 – Ludwig war noch ein kleiner Beamter beim Finanzamt in Kulmbach – waren sie froh gewesen, Unterschlupf in zwei Zimmern in Ludwigs Elternhaus zu finden. Sein Vater, Braumeister, wie es sie viele gab in Kulmbach, war ein rechtschaffener Mann und hatte es schon frühzeitig aus eigener Kraft zu einem Einfamilienhaus gebracht. Dennoch atmete das junge Ehepaar Wagner auf, als es dieser Enge entrinnen konnte. Nach wenigen Jahren hatte man den strebsamen Ludwig nach München berufen, wo er eine gut bezahlte Stelle in der SS-Kleiderkasse bekam. Nun konnte sich die junge Familie in München eine stattliche Fünfzimmerwohnung mit Küche und Bad leisten.

Da Ludwig es in so kurzer Zeit schon so weit gebracht hatte, war davon auszugehen, dass er noch weitere Sprossen auf der Karriereleiter erklimmen werde. Dazu konnte es nur dienlich sein, wenn er einen Sohn vorzuweisen hatte. So hatte sich das seine Frau überlegt, und deshalb überwand sie ihre Angst vor einer weiteren Entbindung. Aber zunächst tat sich nichts. Es dauerte über ein Jahr, bis sie endlich erste Schwangerschaftsanzeichen entdeckte. Aufmerksam hatte sie seitdem jede Veränderung an ihrem Körper beobachtet, aber ihrem Ehemann das süße Geheimnis erst anvertraut, als sie ihrer Sache ganz sicher war. Sein strahlendes Gesicht in diesem Augenblick würde sie nie wieder vergessen.

Ihre zweite Schwangerschaft verlief ganz anders als die erste: Die Kindsbewegungen waren heftiger, sie nahm schneller und mehr an Leibesumfang zu. Deshalb war sie felsenfest davon überzeugt, diesmal den Stammhalter in sich zu tragen. Dieses Kind sollte aber nicht in solcher Bescheidenheit zur Welt kommen wie ihre Tochter. Zum einen würde sie auf die bestmögliche medizinische Betreuung bestehen, und das konnten sie sich ja auch leisten. Man war ja inzwischen wer und verfügte auch über die nötigen finanziellen Mittel. Eine billige, bescheidene Hausgeburt hatten sie nicht mehr nötig. Man war es seinem Stand im Gegenteil sogar schuldig, zur Entbindung die beste Klinik aufzusuchen, die verfügbar war. Und kein Geringerer als Professor Gutewohl sollte die Entbindung leiten.

Mit dem Sohn war es ja nun leider nichts geworden. Aber mit drei Töchtern hatte sie, überlegte sie, bereits einen ausreichenden Beitrag zur Bevölkerungspolitik geleistet.

Als Ludwig am Tag nach der Geburt seiner Zwillinge auf seiner Dienststelle erschien, blickte er in lauter erwartungsvolle Gesichter. »Was ist los, Leute? Ran an die Arbeit!«, versuchte er sie anzufeuern.

Der Dienstälteste trat mutig vor: »Wie, Sie haben keinen Sekt mitgebracht? Wir wollen doch mit Ihnen auf Ihren Stammhalter anstoßen.«

»Da gibt es nichts anzustoßen. Statt des erwarteten Sohnes habe ich zwei Töchter bekommen.«

»Gleich zwei auf einmal? Da wird sich der Führer aber freuen. Das ist allemal ein Grund, anzustoßen«, mischte sich sein Vorgesetzter ein, der in diesem Moment den Raum betreten und den letzten Satz noch mitbekommen hatte. »Zum Glück habe ich für diesen Fall vorgesorgt.«

Hinter ihm drängte sich seine Sekretärin in den Raum, die den kaltgestellten Sekt und Gläser brachte.

»Auf Ihr Wohl, mein lieber Wagner, auf das Wohl Ihrer verehrten Frau Gemahlin und selbstverständlich auf das Ihrer beiden Töchter, zu denen wir alle herzlich gratulieren.«

Die ganze Belegschaft stimmte in das Prosit mit ein, und jeder bemühte sich, mit seinem Glas an das des jungen Vaters und das des Vorgesetzten anzustoßen.

»Das Deutsche Reich kann nicht existieren, wenn nur männliche Kinder geboren werden«, dozierte der Chef. »Wenn das Deutsche Reich blühen und gedeihen soll, braucht es ebenso viele Töchter, die zu gesunden Frauen heranwachsen und zu vorbildlichen Müttern werden. Sie können mit Recht stolz sein auf Ihre tapfere Gattin und Ihre drei prächtigen Mädels!« Alle stellten ihre Gläser ab und applaudierten.

Mein Vater war somit mit seinem Schicksal wieder ausgesöhnt. Aber einen Sohn hätte er trotzdem gerne gehabt. Er nahm sich vor, so lange weiterzumachen, bis er einen Sohn haben würde. Dass ihn das einiges an Überzeugungsarbeit kosten würde, konnte er sich natürlich ausmalen.

Zunächst aber hatte er auf Drängen seiner Frau eine andere Mission zu erledigen. Noch während sie auf der Wochenstation von Professor Gutewohl lag, schickte Frau Gertraud ihren Mann los, damit er ihr ein Dienstmädchen besorge. Das war schwieriger, als er sich das vorgestellt hatte. Anders, als er geglaubt hatte, brauchte er nicht einfach nur seine parteiinternen Beziehungen spielen zu lassen. Es gäbe dringendere Fälle als den seinen, wies man ihn ab. Außerdem, auf eine kostenlose Hilfskraft dürfe er nicht rechnen. Insgeheim hatte er zwar schon darauf spekuliert, aber das gab er nicht zu. »Ich rede ja nicht von kostenlos«, versicherte er. »Mir geht es darum, überhaupt ein Dienstmädchen zu bekommen, und ich will es selbstverständlich regulär entlohnen. Meine Frau wird mit den Zwillingen total überlastet sein, zumal auch noch unsere Fünfjährige zu versorgen ist.«

»Da müssen Sie sich schon an das Arbeitsamt wenden«, ließ man ihn wissen, »wie jeder andere auch.«

Das tat er sogleich, wobei er auf seine niedrige Parteinummer hinwies. Diese nützte ihm in diesem Falle auch nicht viel. Wie jeder andere Bürger des Staates käme er auf eine Warteliste und müsse sich gedulden, bis er an der Reihe wäre, hieß es dort.

»Und was ist mit meiner Frau? Die dreht mir in der Zeit durch«, wagte er einen letzten Einwand.

»Also gut, ich werde dazu schreiben, dass es dringend ist. Mehr kann ich für Sie nicht tun.« Damit entließ ihn das Schreibfräulein.

Aber dieser Zusatz nützte auch nichts. Als Gertraud aus dem Krankenhaus nach Hause kam, musste sie zusehen, wie sie alleine zurechtkam. Obwohl sie ihre Fünfjährige vorerst bei ihren Schwiegereltern ließ, war sie nach drei Wochen mit den Nerven völlig am Ende. Da tauchte, wie ein rettender Engel, eine Nachbarin bei ihr auf. Sie komme von der Frauenschaft, erklärte sie. Man habe erfahren, dass sie Zwillinge bekommen habe, deshalb werde man ihr so lange, bis sie ein Dienstmädchen gefunden habe, im Rahmen der Nachbarschaftshilfe stundenweise beistehen. Diese Hilfe nahm meine Mutter nur zu gern an.

Jetzt konnte sie auch endlich ihren Gynäkologen aufsuchen.

»Alles in Ordnung, gnädige Frau«, konstatierte Professor Gutewohl nach der sorgfältigen Untersuchung. »Alles bildet sich vorbildlich zurück, sodass Sie nach der nötigen Schonfrist mit weiterem Kindersegen und mit dem ersehnten Stammhalter rechnen können.«

Da er das so optimistisch vorbrachte, schluckte sie nervös. »Aus diesem Grund bin ich hauptsächlich hier. Ich möchte Sie bitten, weiteren Kindersegen bei mir zu verhindern.«

»Und was erwarten Sie da von mir?«, fragte er ruhig, aber doch ein wenig kühler.

»Das müssten Sie doch besser wissen als ich. Sie sind doch der Fachmann, Herr Professor. Ich möchte, dass Sie mich sterilisieren.«

Der Mediziner zuckte sichtlich zusammen. »Das ist etwas Ungeheuerliches, was Sie da von mir verlangen.«

»Wieso?«, fragte die Patientin mit naivem Augenaufschlag. »Man hört doch jetzt allenthalben davon, dass Menschen sterilisiert werden.«

»Ja, schon«, gab der Professor gedehnt zur Antwort, um Zeit zu gewinnen. »Ja, Frau Wagner, es werden manchmal Sterilisierungen vorgenommen. Dabei handelt es sich aber um Menschen mit Geisteskrankheiten, bei denen es besser ist, wenn sie sich nicht fortpflanzen. Auch sterilisiert man Menschen, die an Erbkrankheiten leiden, weil man es ihren Nachkommen ersparen will, schon mit diesen Krankheiten geboren zu werden und dann an ihnen dahinzusiechen. Bei Ihnen jedoch, gnädige Frau, und Ihrem Herrn Gemahl, wo erbgesunder und hochwertiger Nachwuchs zu erwarten ist, kann ich diesen Schritt nicht verantworten. Er könnte mich auch in ernste Schwierigkeiten bringen.«

»Wieso denn?«, fragte sie mit unschuldig-koketter Miene. »Das braucht doch niemand zu erfahren. Was hier in Ihrer Sprechstunde, ganz unter uns, geschieht, geht doch niemanden etwas an.«

Der Arzt seufzte. »Ganz so einfach, wie Sie sich das vorstellen, Frau Wagner, liegen die Dinge nicht. Zu einem solchen Eingriff bedarf es eines Klinikaufenthaltes und der Assistenz von mindestens einer Schwester und eines Anästhesisten. Damit gäbe es schon zwei Mitwisser.«

»Und wenn ich denen ein Schweigegeld zahle?«

Der Gynäkologe schüttelte verärgert den Kopf. »Wissen Sie überhaupt, was Sie da von mir erwarten? Schweigegeld! Damit sind Sie und ich in ständiger Gefahr, erpresst zu werden. Sie verlangen von mir doch nicht, dass ich meine Existenz, wenn nicht gar mein Leben aufs Spiel setze?«

»Nein, keineswegs«, beteuerte sie.

»Angenommen aber, es gelänge uns, ganz im Geheimen, ohne jeden Mitwisser, diesen Eingriff vorzunehmen, so bräuchten Sie dazu – weil es ein endgültiger Schritt ist – die Genehmigung Ihres Gatten. Glauben Sie im Ernst, dass er Ihnen diese geben würde?«

»Um Gottes willen, nein! Er wünscht sich doch so sehr einen Sohn! Aber ich bin es doch, die unter den Schwangerschaften und unter den Geburten unsäglich leidet.« Bittend sah sie ihn an.

Der Professor erinnerte sich daran, was für große Angst sie vor ihrer Entbindung gehabt hatte, weil ihre erste Geburt so dramatisch verlaufen war. »Nun, Ihre letzte Entbindung ist doch längst nicht so schlimm gewesen, wie Sie befürchtet hatten, oder? Sie haben doch nicht mehr gelitten als andere Mütter auch«, versuchte er mit einem verbindlichen Lächeln, seine Patientin wieder in die Realität zurückzuholen.

Damit kam er bei Frau Gertraud aber schlecht an. »Wie wollen Sie das denn beurteilen, Herr Professor? Können Sie denn meine Schmerzen spüren? Und die schlaflosen Nächte in der letzten Zeit mit den Zwillingen, ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch, bis sich eine hilfreiche Nachbarin meiner erbarmte.«

Der Professor widersprach nicht. Diese Privatpatientin, deren Ehemann eine angesehene Stellung bekleidete, wollte er auf keinen Fall vergraulen. Er sah ein, dass er sie nicht ganz ungetröstet wegschicken durfte. »Sie haben recht, gnädige Frau«, gab er zu. »Die Schmerzen meiner Patientinnen kann ich natürlich nicht spüren. Aber so, wie Sie mir das jetzt schildern, muss ich davon ausgehen, dass Sie unter einer Wochenbettdepression leiden. Damit scheint es mir ratsam, Ihnen für eine gewisse Zeit ein Diaphragma zu verschreiben, damit Sie nicht zu schnell wieder schwanger werden. Die Belastung wäre sonst zu viel für Sie.«

»Ein Diaphragma?« Meine Mutter hatte dieses Wort noch nie gehört. »Und was ist das, bitte?«

»Man nennt es auch ›Pessar‹ «, erklärte der Mediziner. »Das ist eine Art Kappe, die so über den Muttermund gestülpt wird, dass keine Spermien eindringen können. Damit lässt sich eine Schwangerschaft verhindern.«

Diese Lösung schien ihr vernünftig. »Aha! Dann werde ich mir sogleich ein solches Ding besorgen.«

Der Arzt erklärte ihr, dass das so einfach nicht gehe. Pessare gebe es in verschiedenen Größen, und sie müssten individuell angepasst werden. »Dazu muss ich Sie wieder in meine Sprechstunde bitten, wenn der Wochenfluss beendet ist. Dann kann ich Ihnen die richtige Portio-Kappe anpassen. Diese müssen Sie vor jedem Verkehr einsetzen und frühestens nach acht Stunden wieder entfernen.«

»Wäre es da nicht einfacher, wenn ich sie ständig trage?«, warf meine Mutter ein, aber der Professor schüttelte den Kopf. »Auf keinen Fall, gnädige Frau! Das Diaphragma darf nicht länger als vierundzwanzig Stunden in der Scheide verbleiben, weil es die empfindliche Schleimhaut zu sehr reizt. Außerdem muss ja das Monatsblut abfließen können.« Dann zählte er auf, was sonst noch zu beachten war: »Größte Sauberkeit ist unerlässlich. Also nach jeder Benutzung gründlich ausspülen. Außerdem müssen Sie alle sechs bis zwölf Monate zur Kontrolle kommen, weil es sein kann, dass im Lauf der Zeit eine andere Größe notwendig wird. Zusätzlich muss man beobachten, ob dieser Fremdkörper in der Vagina nicht zu Entzündungen und Ausfluss führt. Stellen Sie sich die Handhabung nur nicht gar zu einfach vor.«

Gertraud hörte nur mit halben Ohr hin, denn ihr war eine ganz andere, sehr wichtige Frage eingefallen. »Und mein Mann, wird er von dem Pessar nichts merken?«

»Wenn Sie das Einsetzen und das Entfernen nicht gerade vor seinen Augen machen, wird er davon absolut nichts mitkriegen.«

Damit war sie beruhigt und wollte sich schon verabschieden, aber der Professor hatte noch weitere Instruktionen für sie.

»Noch eines muss ich Ihnen mit auf den Weg geben, gnädige Frau. Auch wenn die Größe des Pessars sich nicht ändern sollte, muss es aus Sicherheitsgründen und aus hygienischen Gründen nach zwei Jahren durch ein neues ersetzt werden. Ab diesem Zeitpunkt werden Sie aber gewiss von sich aus auf eine Weiterverwendung verzichten wollen.« Er lächelte verbindlich: »Dann sind Sie auch bereits siebenunddreißig, da wird es ohnehin höchste Zeit, damit Sie noch zu Ihrem Stammhalter kommen.«

Frau Gertraud lächelte verbindlich zurück und dachte: ›Red du nur, ich mache, was ich will.‹ Ihr Wunsch nach einem Sohn war mit der Geburt der Zwillinge endgültig gestorben. Zwei Jahre hatte sie nun erst einmal gewonnen. ›Und danach werden wir sehen, was sich machen lässt‹, dachte sie weiter.

Ludwig, mein Vater, war erstaunt und erfreut zugleich, dass er bereits wenige Monate nach der Geburt seiner beiden Töchter das eheliche Bett wieder teilen durfte. Er konnte ja nicht ahnen, dass hinter seinem Rücken ein Komplott geschmiedet worden war. Ein Stammhalter wurde ihm deshalb nicht mehr geboren, aber er hat nie erfahren, warum.

Das alles weiß ich natürlich nicht aus eigener Anschauung. Die Vorgänge um meine Geburt sind mir aber wiederholt erzählt worden, und zwar sowohl von meiner Mutter als auch von meinem Vater. Die delikaten Dinge allerdings weiß ich von meiner Tante Gerburg. Sie war diejenige von den Schwestern meiner Mutter, mit der sie den vertrautesten Umgang pflegte, und ihr hatte sie die Sache mit dem Pessar anvertraut.

Das pflichtvergessene Kindermädchen

Den Fehler, nicht als Junge auf die Welt gekommen zu sein, hat mir meine Mutter nicht verziehen, so lange sie lebte. Ich dagegen habe, so weit ich zurückdenken kann, immer um ihre Liebe gebuhlt – und immer vergeblich. In meinem Leben ist das eine Art roter Faden gewesen, bis sie dann gestorben ist.

Meine am weitesten zurückreichende Erinnerung ist diese hier: Meine Schwester Gretl und ich sitzen in dunkelblaue Mäntelchen mit weißem Krägelchen gehüllt, weiße Strickmützen auf dem Kopf, weiße Fäustlinge an den Händen und weiße Lacklederstiefelchen an den Füßen auf einem Rodelschlitten, der quer auf einer Anhöhe steht. Ringsumher glitzert alles von Schnee, und es ist grimmig kalt.

Für die Geschichte zu diesem Erinnerungsbild muss ich ein bisschen weiter ausholen:

Der Winter 1939/40 war früh hereingebrochen, mit Glatteis, Schnee und empfindlicher Kälte, die noch bis weit in den Februar hinein anhielt. Die Kohlenhändler rieben sich die Hände, während so mancher Familienvater klagte, weil er Geld für zusätzliche Kohlen hinlegen musste. In der luxuriösen Wohnung der Familie Wagner dagegen wurde nicht geklagt. Seit mein Vater auf der Karriereleiter noch weiter aufgestiegen war, befand er sich ohnehin nur noch selten daheim. Sein Dienst hielt ihn für Tage oder gar Wochen von zu Hause fern. Meine Mutter dagegen genoss den Luxus, den er ihr bieten konnte, in vollen Zügen.

Da sich mein Vater in München bestens bewährt hatte, war er im Mai 1939 von höchster Stelle nach Berlin in die Hauptabteilung des »Hauptamtes Haushalt und Bauten« berufen worden. Seine Dienstbezeichnung war fortan »Leiter der Kleiderkasse«. Als solcher hatte er sämtliche Militärkleidung – beziehungsweise die dafür benötigten Rohstoffe – zu beschaffen. Da das Beste für das Deutsche Militär gerade gut genug war, führten ihn viele Reisen ins Ausland. Von dort besorgte er vor allem Winterbekleidungsstücke für die Waffen-SS und auch andere Waren, wie zum Beispiel Pelze, Papierwaren, Leder, Schuhe.

Meine Mutter störte es nicht, dass ihr Mann nur selten zu Hause war, wichtig war ihr nur, dass er genügend Geld heimbrachte und dass sie durch seine Position gesellschaftliches Ansehen genoss. Seit er das neue Amt bekleidete, konnten sie sich nicht nur diese Sieben-Zimmer-Wohnung in der Beletage in Friedenau leisten, einem der besten Stadtteile Berlins, sondern auch genügend Personal. Meinem Vater, der selbst nie einen Führerschein besaß, stand ständig ein Dienstwagen mit Chauffeur zur Verfügung. Leider durften wir Kinder nie in diesem Auto mitfahren, was wir sehr bedauerten. Frau Gertraud beschäftigte in ihrem Haushalt ganztägig ein Kindermädchen und eine Zugehfrau. Da mittlerweile das Pflichtjahr für alle deutschen Mädchen eingeführt war, gab es keine personellen Engpässe mehr.

In der großzügig geschnittenen Wohnung gab es für die Zugehfrau, Frau Kranz, außer Putzen noch eine Menge anderer Dinge zu tun. Denn wenn die gnädige Frau nicht gerade Einladungen gab oder solche besuchte, saß sie in ihrem »Boudoir« an der Nähmaschine. Nicht, dass sie das nötig gehabt hätte. Ihr Mann verdiente genug, um ihr die elegantesten Kleider – notfalls aus Paris – kaufen zu können. Aber meine Mutter hatte das Nähen von klein auf geliebt. Mit dem Stoff umzugehen, Entwürfe zu machen und sie umzusetzen, das war geradezu eine Leidenschaft von ihr. Der zusätzliche Effekt war, dass all ihre selbstgenähten Kleidungsstücke Modellcharakter besaßen. Für diese Kreationen erntete sie von ihren Mitbürgerinnen neidvolle Blicke oder unverhohlene Komplimente. Spitzbübisch konnte sie sich darüber freuen, wenn die eine oder andere sich erkundigte: »Frau Wagner, wo lassen Sie arbeiten?«

Mit keinem Wort verriet sie, dass sie ihre eigene Schneiderin war. Wie hätte sie denn vor den Damen der feinen Gesellschaft dagestanden, wenn sie zugegeben hätte, dass sie sich einer solchen handwerklichen Tätigkeit hingab? Außerdem brauchte niemand zu wissen, dass sie, die honorige Frau des Chefs der Kleiderkasse, einst ihren Lebensunterhalt durch Nähen verdient hatte.

Ausweichend, mit schelmischem Lächeln, pflegte sie zu antworten: »Staatsgeheimnis.«

Manchmal aber wollte es eine ganz genau wissen. »Aber Frau Wagner, mir als Ihrer Freundin können Sie die Adresse doch verraten.«

Wenn sie dann der Schalk ritt, pflegte sie ihr geheimnisvoll zuzuflüstern: »Aber bitte nicht weitersagen! Meine Schneiderin ist in Kulmbach zu Hause.« Damit hatte sie noch nicht mal die Unwahrheit gesagt, denn sie stammte ja aus Kulmbach. Dass sich eine der Damen von Berlin aus auf die Reise nach Kulmbach machen würde, nur um dort nähen zu lassen, war nicht zu befürchten, aber dass sie selbst in diesem kleinen bayerischen Ort nähen ließ, war durchaus glaubhaft. Sie fuhr ja oft genug hin, um ihre Eltern und Schwiegereltern und natürlich auch ihre älteste Tochter zu besuchen, die nun schon seit mehr als drei Jahren im Hause unserer Großeltern väterlicherseits lebte.

Vier Wochen vor der zweiten Niederkunft seiner Frau hatte mein Vater Gudrun dorthin gebracht, und seitdem war sie dort geblieben, denn meine Mutter fühlte sich trotz Kindermädchen und Putzfrau außerstande, drei Kleinkinder zu betreuen. So hatte sie ihre Älteste einfach in Kulmbach gelassen, und Gudrun war dort auch eingeschult worden. Das Kind war es zufrieden und die Großeltern ebenfalls. Die Ferien durfte sie allerdings regelmäßig im Elternhaus verbringen, damit sich Eltern und Kind nicht völlig entfremdeten.

Meine Mutter pflegte nicht nur ihre eigene Garderobe zu nähen, sondern schneiderte sogar die Kleidung für ihre drei Töchter nach selbstgemachten Entwürfen. Wenn sie schon keinen Sohn hatte, mit dem sie Staat machen konnte, wollte sie wenigstens um ihrer Töchter willen bewundert werden. Promenierte sie am Sonntagnachmittag mit ihren herausgeputzten Mädchen – alle im gleichen Look, wie man heute sagen würde – durch den Grunewald, folgten ihnen viele bewundernde Blicke. Manche Mutter blieb sogar stehen mit dem Ausruf: »Ach, wie entzückend! Wo haben Sie nur diese hübschen Kinderkleider her?«

In solchen Momenten schien es, dass sich meine Mutter nicht nur mit ihren drei Töchtern abgefunden hatte, sondern dass sie geradezu stolz auf sie war.

Im Sommer 1939 folgte der Höhepunkt des Jahres: Von Berlin aus fuhr die ganze Familie per Bahn für vier Wochen an die See. Natürlich mit Personal. Außer dem Kindermädchen Helma war auch Frau Kranz mit von der Partie. Ein ganzes Bahnabteil erster Klasse nahm Familie Wagner für sich in Anspruch. Mein Vater wollte seine Frau nicht ohne Unterstützung lassen, für den Fall, dass er aus beruflichen Gründen plötzlich abberufen werde. Dass dies passieren konnte, war ihm klar, denn im Deutschen Reich braute sich gerade etwas zusammen.

Rügen war das Ziel. Wenn Mutter Gertraud dort mit ihren drei Töchtern die Strandpromenade auf- und abging, vergaß sie vor lauter Stolz, dass sie keinen Sohn besaß. Die Komplimente der jungen Offiziere genoss sie sichtlich, die sie ob ihrer niedlichen Töchter bekam, die entweder alle in schneeweißen oder in rosaroten oder in himmelblauen wippenden Kleidchen steckten. Sie sahen wirklich entzückend aus, die eine blond, die andere braun und die dritte mit rötlichem Haar. Für Gertrauds Seele war es Balsam, wenn der eine oder andere schneidige Offizier stehen blieb und seufzte: »Hoffentlich werden Ihre wunderbaren Töchter bald groß, damit ich mich als Schwiegersohn bewerben kann.«

Wieder zu Hause, wusste die Mutter mit ihren drei Töchtern aber nicht viel anzufangen. Sie war immer recht erleichtert, wenn Gudrun wieder abgereist war und sich das Kindermädchen mit den Zwillingen außerhalb des Hauses beschäftigte. Das einzige, was sie an Zuwendung für ihre Mädchen übrig hatte, war, dass sie die zartere, sanftere der beiden, diejenige also, die ihr ähnlich sah, auf den Schoß nahm und mit verlorenem Blick an sich drückte.

Dieses Kind war leider nicht ich. Mit traurigen Augen zog ich mich in solchen Momenten nach kurzer Zeit still in den Spielwinkel zurück. Wenn aber der Papa nach Hause kam, stürzte ich jubelnd auf ihn zu und drängte mich in seine Arme. Er verstand sein Mädchen, das mit seinen blonden Haaren und den blauen Augen sein Ebenbild war. Von ihm erhielt die kleine Liesl die Zärtlichkeit, die ihr die Mutter vorenthielt.

Jetzt aber zurück zum Winter 1940 und meinem Erinnerungsbild. Nicht nur die Kohlenhändler freuten sich über die lang andauernde Kälte, sondern auch die Kinder. Ende Februar hatte es noch einmal ausgiebig geschneit, sodass man nach Herzenslust im Schnee toben konnte, selbst in einer Großstadt wie Berlin. Mit Sicherheit haben wir Kleinen die Winterfreuden schon vorher genutzt, etwa unter der Aufsicht des Kindermädchens im nahegelegenen Park Schneemänner gebaut, uns im Schnee gewälzt und uns damit beworfen. An diesem kalten Nachmittag Ende Februar jedoch, an den ich mich so lebhaft erinnere, hatte meine Mutter, die ihr Damenkränzchen zum Tee erwartete, Helma, unser Kindermädchen, beauftragt, mit uns in den Grunewald zu fahren. Dort sollten wir endlich unseren Rodelschlitten ausprobieren können.

Mit der Elektrischen, in der es von Schlitten und Kindern mit ihren Kindermädchen nur so wimmelte, gelangten wir an besagten Ort. Auf dem Schneehügel im Grunewald tummelten sich aber nicht nur unzählige Kinder mit Müttern oder Kindermädchen, sondern auch viele junge Soldaten, die gerade nicht im Fronteinsatz waren. Kaum hatten diese unsere Helma erblickt, begannen sie ihr den Hof zu machen. Augenblicklich hatte sie ihre eigentliche Aufgabe vergessen. Statt mit uns zu rodeln, ermahnte sie uns eindringlich: »Setzt euch schön brav auf den Schlitten und rührt euch nicht vom Fleck. Bald bin ich wieder da.«

Dann sah ich nur noch, wie sie sich zu einem Soldaten auf den Schlitten schwang und wie sie alle miteinander kichernd und jauchzend den Hang hinabsausten. Sehnsüchtig folgten ihnen unsere Blicke, bis sie keuchend wieder den Berg hinaufkamen. »So ist es brav!«, lobte uns Helma, um gleich darauf wieder mit einem Soldaten den Hang hinabzusausen. So geschah das ein ums andere Mal.

Meine Schwester Gretl, die ruhigere und bravere von uns Zwillingsschwestern, gehorchte. Unbeweglich blieb sie auf dem eisigen Gefährt sitzen. Mir aber, der lebhafteren und unternehmungslustigeren, wurde das bald zu dumm. Ich fand es nicht nur stinklangweilig, auf dem Schlitten zu sitzen, mir wurde es auch zu kalt. Deshalb sprang ich, sobald uns Helma den Rücken kehrte, auf und hopste um den Schlitten herum. Flugs setzte ich mich aber wieder darauf, sobald das Mädchen, mit ihren Verehrern lachend und scherzend, in Sichtweite kam.

Wie oft Helma den Berg hinabgesaust ist und wie lange wir dort gesessen haben, könnte ich nicht sagen, wenn ich nicht später erfahren hätte, dass es zwischen drei und vier Stunden gewesen sein müssen. Eine halbe Ewigkeit für ein Kind in meinem damaligen Alter! Als Helma endlich wieder bereit war, sich mit uns zu beschäftigen, fuhr sie aber nicht mit uns, wie ich erwartet hatte, den Hügel hinab, sondern sie sagte: »Jetzt wird es höchste Zeit, zurückzufahren, damit wir noch heimkommen, bevor es dunkel wird.«

Ich war maßlos enttäuscht. Aber dennoch sprang ich vom Schlitten und wollte losmarschieren in Richtung Straßenbahnhaltestelle.

»Halt! Hiergeblieben!« Helma hielt mich fest, während sie zu Gretl sagte, die sich nicht vom Fleck rührte: »Los, Gretl! Aufstehen! Es geht jetzt heim zur Mama.«

Aber meine Schwester bewegte sich nicht. Das Kindermädchen stupste sie an … und da fiel Gretl vom Schlitten und blieb wie eine Puppe liegen, in genau derselben Haltung, wie sie auch gesessen hatte. Da fiel selbst mir auf, dass etwas nicht stimmte. Noch heute sehe ich aber vor allem das entsetzte Gesicht von Helma vor mir.

An das, was anschließend geschah, erinnere ich mich nur teilweise aus eigener Anschauung. Das meiste davon ist mir später von verschiedenen Personen erzählt worden: Das Kindermädchen trug meine erstarrte Schwester auf den Armen zur Straßenbahn, und ich trippelte, mich an ihrem Rocksaum festhaltend, neben ihr her. Einer von Helmas Rodelbekanntschaften, der ihr wie ein Schatten bis zu unserem Schlitten gefolgt war, trug ihr diesen nach bis in die Elektrische und von dort zu unserem Wohnhaus. Bevor Helma die Türklingel betätigte, tuschelten die beiden noch etwas miteinander. Dann verschwand er in der hereinbrechenden Dämmerung.

Unter den Damen von Mutters Teekränzchen, die gerade im Aufbrechen begriffen waren, befand sich auch die Gattin unseres Hausarztes. Mit einem Blick erfasste sie die Situation, als meine Mutter die halb erfrorene Gretl in Empfang nahm. »Mein Gott, Frau Wagner, das Kind braucht dringend ärztliche Hilfe. Ich werde umgehend meinen Mann herüberschicken. Als erste Maßnahme aber sollten Sie die Kleine sofort in heißes Badewasser stecken.«

Meine Mutter dankte höflich, meinte aber, das warme Wasser und ein vorgewärmtes Bett würden schon helfen, ein Arzt wäre sicher nicht nötig. In diesem Punkt irrte sie jedoch gewaltig. Als sie Gretl nach dem heißen Bad, in das auch ich vorsichtshalber gesteckt worden war, zu Bett gebracht hatte, bekam das Kind Schüttelfrost und hohes Fieber. Also telefonierte sie mit Dr. Krämer, der von seiner Frau bereits die Vorgeschichte gehört und damit gerechnet hatte, alarmiert zu werden. In kürzester Zeit war er da, schaute sich das völlig apathische Kind an, untersuchte es gewissenhaft und zuckte die Schultern. »Nach Lage der Dinge ist es für mich schwierig, eine genaue Diagnose zu stellen. Eines steht fest: Das Kind hat einen Kälteschock erlitten. Der hat entweder eine Meningitis oder einen Diabetes mellitus ausgelöst.«

»Herr Doktor«, bat meine Mutter, obwohl ihr ihre Unwissenheit peinlich war, »könnten Sie das bitte auch auf Deutsch sagen, damit ich es verstehe?«

Nun erfuhr sie, dass Gretl entweder eine Hirnhautentzündung davongetragen hatte oder zuckerkrank geworden war. »Auf jeden Fall muss sie umgehend ins Krankenhaus«, betonte der Arzt. »Hier kann ich nichts für sie tun.«

Da er mit seinem Wagen gekommen war, bot er sich an, Mutter und Kind eigenhändig in die Klinik zu fahren, und so packte meine Mutter hastig das Nötigste für einen Krankenhausaufenthalt ihres Kindes zusammen, und dann waren sie fort.

Währenddessen blieb ich unter der Obhut des Kindermädchens zurück. Frau Kranz, die zunächst die Teetafel abgeräumt und das Geschirr gespült hatte, richtete für mich und Helma das Abendessen. Dann verließ sie das Haus.

Nun, da ich mit dem Mädchen allein war und sie mich ins Bett bringen musste, hatte sie die Gelegenheit, mir einzuschärfen, was ich meiner Mutter auf keinen Fall sagen durfte. »Erzähl der Mama bloß nicht, dass ihr die ganze Zeit allein auf dem Schlitten gesessen habt und dass ich mit den Soldaten gerodelt habe«, warnte sie mich mehrere Male. Damit tat sie wohl des Verkehrteste, was sie in ihrer Situation tun konnte, denn eine Dreijährige wäre vermutlich gar nicht auf die Idee gekommen, dies einen Tag später noch irgendjemandem gegenüber zu erwähnen. Wahrscheinlich hätte ich mich nicht einmal mehr daran erinnert. Aber so ist das Bild, wie ich mit meiner Schwester zusammen auf dem Schlitten saß, bis heute in mir geblieben.

Am nächsten Morgen saßen meine Mutter und ich zu zweit am Frühstückstisch. Nachdem das Kindermädchen mich gewaschen und angezogen hatte, war es aufgebrochen, um die Berufsschule zu besuchen, und Frau Kranz war noch nicht eingetroffen.

Meine Mutter war sehr schweigsam.

»Wo ist Gretl?«, fragte ich.

»Gretl ist sehr krank. Sie muss ein paar Tage im Krankenhaus bleiben«, erklärte die Mutter.

Darunter konnte ich mir nicht viel vorstellen. Aber da ich offenbar heute mit meiner Mutter alleine bleiben würde, witterte ich meine Chance. Flugs rutschte ich von meinem Stuhl herunter, drängte mich an die Mutter heran und streckte ihr die Ärmchen entgegen. Der Platz auf ihrem Schoß, auf dem sonst die Gretl saß, war ja verwaist. Dann würde sie doch ganz sicher mich zu sich heraufnehmen. Sie machte jedoch keinerlei Anstalten dazu. Ja, sie schien mich noch nicht einmal wahrzunehmen. Offenbar war sie mit ihren Gedanken ganz weit weg. Ich bemühte mich, ihre Aufmerksamkeit zu erregen.

»Das Schlittenfahren war gar nicht schön. Das darf ich aber nicht erzählen, hat Helma gesagt.«

Meine Mutter wurde tatsächlich hellhörig. »Was darfst du nicht erzählen?«

Ich erzählte es ihr. »Wir sind ganz allein auf dem Schlitten gesessen, aber Helma ist immerzu Schlitten gefahren!«

»Wie? Wo habt ihr auf dem Schlitten gesessen?«

»Oben.«

»Wo oben?«

»Oben auf dem Berg.«

Jetzt legte sie tatsächlich die Arme um mich und zog mich hinauf auf ihren Schoß. »Das musst du mir jetzt alles ganz genau erzählen.«

Selig schmiegte ich mich an sie und plapperte munter drauflos: »Wir sollen ganz brav sein, hat Helma gesagt, und ruhig sitzen, bis sie wiederkommt. Dann ist sie immer den Berg runtergesaust.«

»Aber wie denn, wenn ihr doch auf dem Schlitten gesessen habt?«

»Mit den Soldaten. Aber das darf ich auch nicht sagen, hat die Helma gesagt. Viele Soldaten waren da.«

»Und die Helma ist mit den Soldaten Schlitten gefahren?«

»Ja, ganz lange. Mir war sooo langweilig und ganz kalt. Deswegen war ich auch nicht brav.«

Das verstand meine Mutter erst nicht, erst als ich davon sprach, dass ich nicht wie befohlen sitzen geblieben, sondern herumgehüpft war, fiel bei ihr der Groschen.

»War denn die Gretl brav?«

Ja, das konnte ich bestätigen.

Nun war meiner Mutter alles klar. Noch am selben Tag wurde das pflichtvergessene Kindermädchen gefeuert. Es dauert einige Tage, bis wir ein neues hatten. So lange betreute mich Frau Kranz, wenn die Mutter ihre täglichen Besuche im Krankenhaus machte.

»Ich will auch Gretl besuchen«, bettelte ich zuweilen, aber die Mutter speiste mich immer mit einem »Das geht nicht« ab.

Sehr bald schon hatte man Gewissheit: Der Kälteschock hatte bei meiner Schwester Diabetes ausgelöst. Es hieß, damit man sie richtig einstellen könne, müsse sie einige Wochen in der Charité bleiben. In dieser Zeit schnappte Gretl dort aber alle Kinderkrankheiten auf, die es gab. Von Masern über Keuchhusten zu Windpocken, Mumps, Röteln und Scharlach machte sie nacheinander alles durch. Dadurch verlängerte sich ihr Krankenhausaufenthalt Monat um Monat. Nicht, dass jede Krankheit einen Monat gedauert hätte, aber durch jede neue Erkrankung musste die Insulingabe neu eingependelt werden.

Dieser lange Aufenthalt in der Klinik war nicht nur für meine Zwillingsschwester eine schlimme Zeit, sondern auch für mich. Ich vermisste sie unsäglich. Genauso wie vordem in dem winzigen Raum im Mutterleib hatten wir auch danach immer eine Einheit gebildet. Unserer gegenseitigen Anhänglichkeit tat es auch keinen Abbruch, dass wir sowohl im äußeren Erscheinungsbild als auch vom Charakter und Verhalten her sehr unterschiedlich waren. Im Gegenteil, wir ergänzten uns in wunderbarer Weise: Sie hatte mit ihrer sanften, stillen Art einen beruhigenden Einfluss auf mich, ließ sich aber von mir, der Keckeren, Unternehmungslustigeren, gerne ein bisschen mitreißen. Obwohl ich schon als kleines Kind genau wusste, dass Gretl Mutters Liebling war, empfand ich damals keinerlei Eifersucht auf die Schwester. Ich glaube, es war eher so, dass sie die Liebe, die ihr von unserer Mutter entgegengebracht wurde, an mich weiterreichte. Außerdem hatte ich ja meinen Papa. Damals legte ich mir in meinem kleinen Köpfchen die Sache so zurecht, dass sie Mamas Kind sei und ich Papas Kind.

Bis dahin waren wir noch nie getrennt gewesen. Es war mir also, als ob ein Stück von mir selbst fehle. Aber auch die Vernachlässigung durch meine Mutter wurde für mich schmerzlicher, weil ich nun nicht mehr zum Ausgleich meine Zwillingsschwester hatte. Kehrte meine Mutter am Spätnachmittag nach Hause zurück, streckte ich meine Ärmchen Liebe heischend zu ihr empor. Doch sie speiste mich jedes Mal mit dem Satz ab: »Jetzt nicht, Liesl. Von dem Klinikbesuch bin ich fix und fertig.« Das neue Kindermädchen, Käthe, das wenige Tage nach dem Rauswurf von Helma bei uns Einzug hielt, wusste mich zwar zu beschäftigen, aber die fehlende Mutterliebe und die fehlende Nähe meiner Schwester konnte mir die Sechzehnjährige nicht ersetzen.

Ich wagte es nicht mehr, meine Mutter zu bitten, mich bei einem ihrer Besuche mitzunehmen, aber als mein Vater nach Hause kam und sich anschickte, nun auch ins Krankenhaus zu Gretl zu gehen, bat ich: »Mitgehen, Papa, auch Gretl besuchen.« Da erklärte er mir ganz lieb: »Liesl, das geht nicht. Gretl ist sehr krank. Sonst steckst du dich an und wirst auch noch krank. Das wäre sehr schlimm für mich, wenn mein Goldschatz auch noch krank würde.«

Wenn ich auch bei meiner Mutter nichts galt, für meinen Papa war ich ein Goldschatz! Das zu wissen half mir auch, wenn der Papa fern von zu Hause weilte. Die Lichtblicke, welche die Besuche meines Vaters für mich darstellten, wurden aber immer seltener und immer kürzer. Es war ja Krieg, und das Vaterland forderte immer mehr Einsatz von ihm. Dennoch reichten seine Besuche aus, um mir das Gefühl zu vermitteln, angenommen zu sein und geliebt zu werden.