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Der Romulanische Krieg

Unter den Schwingen des Raubvogels I

Michael A. Martin

Based on
Star Trek
created by Gene Roddenberry
and Star Trek: Enterprise
created by Rick Berman & Brannon Braga

Ins Deutsche übertragen von
Bernd Perplies

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Titel der Originalausgabe: STAR TREK – ENTERPRISE: THE ROMULAN WAR – BENEATH THE RAPTOR’S WING

German translation copyright © 2014 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © 2009 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

™ & © 2014 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc., pursuant to an exclusive license from CBS Studios Inc.

Print ISBN 978-3-86425-300-3 (August 2014) · E-Book ISBN 978-3-86425-335-5 (August 2014)

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Für Majel Barrett Roddenberry (1932–2008), eine großartige Frau, die uns viel zu früh verlassen hat.

Für Tim Dechristopher, den »Auktionshelden«, dessen außergewöhnlicher Mut den skrupellosen Versuch der (glücklicherweise nicht mehr existierenden) Bush-Regierung abwehrte, auf den letzten Drücker noch weite Landstriche in Utah auszubeuten.

Und für Sergeant Matthis Chiroux, einen Krieger aus Gewissensgründen, der aus den Schrecken des Krieges die Entschlossenheit und den Anstand zog, für die Ideale des Friedens einzutreten.

Die Krone abstehn und der armen Seelen,
Für welche dieser gierge Krieg den Rachen
Schon öffnet, schonen; und auf Euer Haupt
Wälzt er der Waisen Schrei, der Witwen Tränen,
Der Toten Blut, verlaßner Mädchen Ächzen
Um Gatten, Väter und um Anverlobte,
Die diese Zwistigkeit verschlingen wird.

Heinrich V., William Shakespeare

»Die beste Waffe gegen einen Feind ist ein anderer Feind.«

– Friedrich Nietzsche

HISTORISCHE ANMERKUNG

Die Hauptereignisse dieses Romans finden in der zweiten Hälfte des Jahres 2155 statt. Die Zerstörung des zivilen Frachters namens Kobayashi Maru (STAR TREK – ENTERPRISE 3: »Kobayashi Maru«) hat eine Reihe von Ereignissen ins Rollen gebracht, die auf ewig Teil der Geschichte der Sternenflotte, der Vereinigten Erde und ihrer Verbündeten sein werden (STAR TREK – ENTERPRISE).

INHALT

MORGEN 2156

PROLOG

HEUTE 2155

EINS

ZWEI

DREI

VIER

FÜNF

SECHS

SIEBEN

ACHT

NEUN

ZEHN

ELF

ZWÖLF

DREIZEHN

VIERZEHN

FÜNFZEHN

SECHZEHN

SIEBZEHN

ACHTZEHN

NEUNZEHN

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG

ZWEIUNDZWANZIG

DREIUNDZWANZIG

VIERUNDZWANZIG

FÜNFUNDZWANZIG

SECHSUNDZWANZIG

SIEBENUNDZWANZIG

ACHTUNDZWANZIG

NEUNUNDZWANZIG

DREISSIG

EINUNDDREISSIG

ZWEIUNDDREISSIG

DREIUNDDREISSIG

VIERUNDDREISSIG

FÜNFUNDDREISSIG

MORGEN
2156

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PROLOG

Donnerstag, 22. Juli 2156
Gegen Ende des Monats
Soo’jen im Jahr des Kahless 782
Qam-Chee, die Erste Stadt, Qo’noS

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Flankiert von ein paar finster dreinblickenden Wachen marschierte Jonathan Archer in die Mitte der schwach beleuchteten Gewölbekammer. Eine Vielzahl eigentümlich unterschiedlicher Gerüche drang in seine Nase – ein Anflug von altem Schweiß, gepaart mit Leder, Räucherwerk und dem metallischen Geruch von Blut, dazu schwache Noten von frisch umgegrabener Erde und Flieder. Die Schultern gestrafft, kam er vor den leeren Reihen der Bänke des Hohen Rats zum Stehen, die den ebenfalls leeren Stuhl des Kanzlers einrahmten.

Er unterdrückte die Sorge, dass die dringende Mission, auf die ihn die Sternenflotte, die UESPA und die Regierung der Vereinigten Erde als Botschafter geschickt hatten, bereits fehlgeschlagen war. Sind wir zu spät eingetroffen? Oder zu früh? Wortlos betete er, dass Letzteres der Fall sein möge, während er einen weiteren tiefen Atemzug der leicht feuchten, zu warmen Luft nahm.

Er drehte sich halb nach rechts und musterte die Frau, die, genau wie er in die blaue Dienstuniform der Sternenflotte gekleidet, stoisch an seiner Seite stand. Ihre gewohnt würdevolle Haltung ließ kein Anzeichen von Besorgnis oder sonst irgendeiner Emotion erkennen. Auch dass sie unter dem vorherrschenden Geruch litt, wie Archer wusste, sah man ihr nicht an. Commander T’Pol hatte zwei Jahre an Bord der Enterprise benötigt, bevor ihre sensible vulkanische Nase halbwegs an die Gerüche gewöhnt war, an die sie sich gezwungenermaßen hatte anpassen müssen, um auf dem Schiff leben zu können.

Manchmal zog er sie in gutmütigem Spott damit auf, wenn sich ihre Nase in Anwesenheit seines Beagles leicht kräuselte. Heute allerdings war ihm nicht nach Scherzen zumute. Ich weiß noch, wie sehr ich mir bei meinem letzten Besuch hier gewünscht habe, es möge tatsächlich der letzte sein. Der Captain hielt inne, um im Geist abzuzählen, wie oft er diese uralte, unbehagliche Halle bereits besucht hatte, und kam auf drei Mal. Wollen wir hoffen, dass aller guten Dinge vier sind, dachte er und nahm einen weiteren tiefen Atemzug durch den Mund.

Doch seine Abneigung gegen diesen Ort war deutlich weniger dem Gestank in dieser Kammer geschuldet als vielmehr den Prellungen und Verletzungen, die er durch einen äußerst unleidigen klingonischen General hier erlitten hatte. Und abgesehen davon würde Archer nach den hässlichen Wendungen, die der Kampf der Erde gegen die vorrückende romulanische Flotte in letzter Zeit genommen hatte, jeden potenziellen Verbündeten in die Arme schließen, und mochte er Methan trinken und Schwefel furzen.

Das beruhigende Trommeln schwerer Schritte wurde am fernen Ende des Raums laut. Es näherte sich von jenseits der Ratsbänke und dem thronartigen Sitz des Kanzlers. Innerhalb weniger Augenblicke traten etwa ein Dutzend Mitglieder des Hohen Rats ein und nahmen auf den Bänken Platz, von denen aus sie die politischen und militärischen Geschicke des Klingonischen Reichs lenkten. Der Raum füllte sich mit gedämpftem Gemurmel, während sich die verschiedenen Repräsentanten der großen Häuser des Klingonischen Reichs austauschten.

Einen Moment später erschien auch Kanzler M’Rek, sein Bart länger und grauer, als Archer ihn in Erinnerung hatte, und ließ sich auf dem Stuhl nieder. An seiner Seite stand der grimmig dreinblickende Fleet Admiral Krell, der Archer mit einem finsteren Blick bedachte. Dem Captain fiel auf, wie sehr dieser Blick dem der Wachen ähnelte, die T’Pol und ihn hierher eskortiert hatten. Krells Stirnpartie, wie auch die der beiden mürrischen klingonischen Soldaten, war so glatt wie Archers. Die ausgeprägte Topografie an Schädelkämmen, die M’Rek und alle anderen Mitglieder des Rats so stolz zur Schau stellten, fehlte ihm völlig.

Ebenso deutlich war, dass Krell die Rolle, die Archer und sein Chefarzt in Bezug auf diesen unerfreulichen Zustand gespielt hatten, weder vergessen noch vergeben hatte – ungeachtet der zahllosen klingonischen Leben, die ihr Handeln überall im Reich gerettet haben mochte.

Vermutlich ist Krell auch immer noch stinkig darüber, dass Phlox seinen Arm wieder annähen musste, nachdem er und ich das letzte Mal aneinandergeraten sind, dachte Archer. Ein kurzer Phantomschmerz fuhr ihm bei dieser Erinnerung durch die längst verheilten Rippen, die Krell ihm damals gebrochen hatte. Hoffen wir, dass dieses Aufeinandertreffen in zivilem Rahmen bleibt.

Der Kanzler, der die schwere Rüstung eines Kriegers und den Zeremonienmantel seines Amts trug, hob eine gepanzerte Faust über den Kopf. Sofort kehrte Ruhe unter den Mitgliedern des Rats ein.

M’Rek richtete den Blick auf Archer. Unter den zerklüfteten Stirnkämmen und schneeweißen Augenbrauen wirkten die Augen wie dunkle Höhlen, in denen ein unheilvolles Feuer brannte. »Nennen Sie den Grund Ihres Besuchs, Captain«, rief er dröhnend, und seine Stimme hallte durch die ganze Halle.

»Zunächst einmal möchte ich Ihnen dafür danken, dass Sie uns heute empfangen, Kanzler«, sagte Archer, wobei er sein Bestes gab, sich an all das zu erinnern, was man ihm hinsichtlich notwendiger diplomatischer Höflichkeiten eingetrichtert hatte.

M’Rek nahm Archers Dank mit einem einzelnen, knappen Nicken zur Kenntnis, schien ihn damit aber ebenso von sich zu weisen. »Ich bin ein viel beschäftigter Mann, Archer. Sprechen Sie.«

Doch bevor Archer den Mund öffnen konnte, ging Krell dazwischen. »Dieser Erdling und sein logikspaltender vulkanischer Schoß-targ sind nur aus einem Grund heute vor Sie getreten, Kanzler: Die RomuluSngan haben ihre taj geschliffen und deren Klingen an die Kehle seines Planeten gelegt. Er kommt zu uns, weil er verzweifelt ist.«

»Mevyap!«, bellte M’Rek und brachte damit sowohl Krell als auch die lauter werdenden Stimmen auf den Ratsbänken zum Schweigen. Die Unruhe erstarb rasch, und es wurde wieder still. Die ganze Zeit über wandte M’Rek den eisigen Blick keinen Millimeter von Archer ab.

Dieser ließ ein paar Herzschläge verstreichen, um sich zu sammeln. »Ich leugne nicht, dass der Krieg in letzter Zeit nicht gut für uns lief, Kanzler«, sagte er dann.

»Das ist gut.« M’Rek nickte, während er sich bedächtig durch den Bart strich. »Eine Lüge wäre ein schlechter Anfang für dieses Gespräch gewesen, vor allem angesichts der Vergangenheit, die wir teilen. Schon seit einiger Zeit beobachten wir von Qo’noS aus, dass Ihre Welten ihre Bemühungen, neue Schiffe zu bauen, verstärkt haben. Ebenso haben wir die Flotte der RomuluSngan beobachtet, die von ihrer Festung im Calder-System und den anderen vorgeschobenen Operationsbasen aus immer tiefer in Ihr Territorium vordringt. Sie haben viele Ihrer neuen Schiffe – ich glaube, Sie nennen sie di’DeluS-Klasse – in Schrott verwandelt, Captain.«

»Daedalus«, verbesserte Archer ihn ruhig. Der Name rief Bilder von Feuer und Hybris hervor, von glück- und hilflosem Zuschauen, während Träume in Flammen aufgingen, abstürzten und zu Asche verbrannten.

»Und ich habe beobachtet, dass es Ihren wertvollen Raumschiffen der NX-Klasse kaum besser ergangen ist, Captain«, sagte Krell mit einem höhnischen Grinsen auf den Lippen.

Archer zwang sich, den Köder nicht zu schlucken. Krells Worte bohrten in einer Wunde, die seit mehreren Wochen offen lag – seit die Columbia NX-02 ohne jede Spur im Onias-Sektor verloren gegangen war. Die ganze Besatzung samt seiner Exgeliebten, Captain Erika Hernandez, waren mit ihr verschwunden. Entsprechend fiel es ihm wirklich schwer, Krell nicht beiläufig zu fragen, wie es seinem chirurgisch angesetzten Arm so ging.

»Ich finde es eigenartig, Captain«, sagte M’Rek, »dass Ihre Sternenflotte entschieden hat, so wenig neue Schiffe wie Ihre Enterprise zu bauen. Sie gehört offensichtlich zu einem neueren, besseren Schiffstyp als Ihre sogenannten Daedalus-Schiffe oder selbst Ihre Intrepid-Klasse. Ganz zu schweigen davon, dass Sie deutlich schneller ist und merklich besser bewaffnet als alles, was es in Ihrer Sternenflotte sonst so gibt.«

Leider sind NX-Schiffe auch verflucht viel teurer und arbeitsintensiver zu bauen als die alte Daedalus-Klasse, dachte Archer. Auch er hätte einiges dafür gegeben, die gegenwärtigen Einheiten an hastig zusammengeschraubten – und noch hastiger überholten – Schiffen der Daedalus-Klasse gegen eine gleichgroße Anzahl an NX-Klasse-Raumschiffen einzutauschen. Nur waren diese Aussichten in etwa so realistisch, wie eine Lampe zu finden, in der ein Geist saß, der ihm drei Wünsche erfüllte. Unter den derzeitigen, verzweifelten Umständen konnte es sich die Sternenflotte einfach nicht leisten, perfektionistisch zu sein. Ungeachtet all der Rückschläge, die der an Daedalus-Schiffen reiche Flottenverband der Sternenflotte in letzter Zeit hatte erleiden müssen, wusste Archer besser als die meisten, wie lange es von der Kiellegung bis zur Champagnerzeremonie dauerte, um ein einziges neues NX-Klasse-Schiff aus dem Raumdock zu bringen und in Dienst zu stellen. In der gleichen Zeit konnten drei oder mehr neue Daedalus-Schiffe gestartet werden.

»Die Sternenflotte musste gewisse … Einschränkungen vornehmen«, sagte Archer. »Die Gegebenheiten des Krieges machten das erforderlich.«

»Eines Krieges, den Sie verlieren«, sagte Krell. »Was zu weiten Teilen den Skrupeln Ihrer vulkanischen ›Freunde‹ geschuldet ist.«

Diesen Moment wählte T’Pol, um sich zu Wort zu melden. »Ich habe mehr als fünf Jahre unter den Menschen gelebt, Admiral. Während dieser Zeit habe ich aus eigener Erfahrung gelernt, dass es unklug wäre, sie zu unterschätzen. Vor allem, wenn sie so entschlossen sind wie in diesen Tagen.«

Krells linke Schulter zuckte unwillkürlich, nicht weit von dem bat’leth-Schnitt entfernt, der ihn zeitweilig den linken Arm gekostet hatte. Archer nahm das als Zeichen, dass der Admiral deutlich weniger Zeit gebraucht hatte, um einzusehen, dass auch nur ein einzelner entschlossener Mensch nicht zu unterschätzen war.

Doch an dessen noch finsterer werdendem Blick sah er auch, dass der Stolz des klingonischen Fleet Admirals deutlich langsamer heilte als die körperlichen Wunden, wenn überhaupt.

»T’Pol hat recht«, sagte Archer bewusst ausschließlich an den vernünftigeren M’Rek gewandt. »Wir werden nicht aufgeben, ganz gleich, wie schlimm die Dinge stehen. Aber wir sind nicht zu stolz, um Hilfe zu erbitten. Aus diesem Grund sind wir hier – wir möchten das Klingonische Reich in aller Form darum bitten, an der Seite der Erde in den Krieg einzutreten.«

Krells Antwort bestand aus einem höhnischen Auflachen, während die Mitglieder des Hohen Rats in aufgeregtes Gemurmel verfielen. »Sie und Ihr denobulanischer Lakai haben Tausende von uns hiermit gezeichnet«, sagte der Admiral und klopfte sich mit einer behandschuhten Faust gegen die glatte Stirn. »Dann haben Sie geheime Informationen aus eben dieser Halle gestohlen. Und jetzt erwarten Sie, dass wir Sie vor den RomuluSngan retten?«

Sofort erhob sich unter den Ratsmitgliedern ein Durcheinander aus Schreien und Buhrufen, der das britische House of Commons auf der Erde im Vergleich wie einen Häkelkreis in einer Gemeindehalle wirken ließ. Erneut gab M’Rek ein Zeichen, um Ruhe einkehren zu lassen. Es wurde ruhiger, aber nicht so rasch wie beim letzten Mal.

Archer wusste, dass es wenig Sinn hatte, die grundsätzliche Wahrheit, die – zumindest aus Krells Perspektive – in den Anschuldigungen des Admirals lag, zu leugnen. Diese Leute schätzen Ehrlichkeit, dachte er und entschied, dass es wohl nun an der Zeit war, alle Karten auf den Tisch zu legen. »Sie haben recht, Admiral. Ja. Trotz all dem bitte ich Sie, uns zu helfen, die Romulaner zu besiegen. Ich flehe Sie an.«

Archers Worte hingen wie Rauch in dem ansonsten totenstillen Raum, während die Ratsmitglieder auf die Antwort des steinern dreinblickenden Kanzlers warteten.

Krell grinste erneut höhnisch. »Und Ihre Sternenflotte hat entschieden, dafür einen Captain als Botenjungen zu schicken, der so feige ist, dass er den Schwanz einzieht und lieber die Besatzung eines hilflosen Schiffs sterben lässt, als sein eigenes Schiff zu riskieren.«

Genau das habe ich auch zu Admiral Gardner gesagt, Krell, dachte Archer, als der Raum erneut in Chaos ausbrach. Hoffen wir, dass er recht damit hatte, meine Einwände abzuschmettern.

»Diese Anschuldigung ist ungerechtfertigt, Admiral Krell«, sagte T’Pol, als langsam wieder Ordnung und Würde in den Raum zurückkehrte. »Den Frachter zu retten, war schlichtweg keine realistische Option.«

»Nein, T’Pol«, widersprach Archer ruhig. »Die Anschuldigung ist absolut gerechtfertigt. Ich muss einfach lernen, damit zu leben.« Mehr denn je war er überzeugt davon, dass es ihm für den Rest seines Lebens nachhängen würde, die Kobayashi Maru nicht gerettet zu haben.

Archer wandte sich erneut an M’Rek und blickte ihm unverwandt in die Augen, wobei er erfolglos versuchte, aus der zerfurchten, ungerührt wirkenden Miene des Mannes schlau zu werden.

»Die Sitzung wird vertagt.« M’Rek verengte die Augen zu Schlitzen. »Der Rat wird über Ihre Bitte gründlich nachdenken. Doch obwohl ich Ihren Mut begrüße, trotz all Dinge, die wir über Sie wissen, hierher zu kommen, frage ich mich, ob es weise von Ihren Anführern war, ausgerechnet Sie zu schicken. Gehen Sie nun, Captain, und erwarten Sie unsere Entscheidung. Aber erhoffen Sie sich nicht allzu viel.«

Bei diesen Worten traten die Wachen vor, und Archer ließ sich von ihnen zurück durch die schweren Holztürflügel führen, durch die sie eingetreten waren, T’Pol an seiner Seite.

Sie erreichten wieder den Vorraum der Großen Halle. Archer wusste, dass Ihnen nun nicht viel übrig blieb, als zu warten. Und zu hoffen, trotz der zweifellos gut gemeinten Warnung des Kanzlers. Hoffnung ist so ungefähr das Einzige, was der Erde noch geblieben ist.

»Glauben Sie, dass die Klingonen sich dazu entscheiden, in den Konflikt einzugreifen?«, fragte T’Pol, die mit vor der Brust verschränkten Armen dastand, während Archer in dem weiten, leeren Korridor erfolglos nach einer Sitzgelegenheit Ausschau hielt.

Er zuckte mit den Schultern. Schließlich sagte er: »Ganz egal, was Shran oder Krell Ihnen erzählen mögen: Ich bin kein Krieger. Als ich das Kommando über die Enterprise übernommen habe, war ich ein Forscher. Was zum Teufel ist nur aus diesen Tagen geworden?«

T’Pols anhaltendes Schweigen ließ ihn sich fragen, ob er die letzten paar Jahre seines Lebens wohl vergeudet hatte, weil er der vergeblichen Hoffnung nachgejagt war, diesem überwiegend tödlichen Dschungel von einer Galaxis Frieden und Sicherheit bringen zu können.

HEUTE
2155

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EINS

Tag 37 des Monats K’ri’Brax
Dienstag, 22. Juli 2155
I.K.S. Mup’chIch,
nahe Alpha Centauri

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»Wir haben die Kontrolle über beide Thhaei-Kriegsschiffe erlangt, Commander«, rief Centurion T’Vak aufgeregt, während er sich über eine der fremdartigen Brückenkonsolen des eroberten klingonischen Raumschiffs beugte. »Das Arrenhe’hwiua-Telekontrollsystem funktioniert weiterhin tadellos.«

Commander T’Voras ließ sich auf seinem Sessel nieder – einem Sessel, der nach romulanischen Vorgaben gebaut worden war. Dies war das einzige Zugeständnis an persönlichen Komfort, das er sich gegönnt hatte, seit er diesen Rosteimer von einem Kampfkreuzer von seiner verlausten Besatzung übernommen hatte. Ein Schiff zu übernehmen, das von diesen stirnwülstigen Wilden betrieben wurde, war eine deutlich größere Herausforderung gewesen, als die Mission heute zu werden versprach. Die Schiffe, die von den vulkanischen Verwandten des Romulanischen Sternenimperiums konstruiert worden waren, ließen sich im Vergleich offensichtlich mit wunderbarer Leichtigkeit per Fernsteuerung übernehmen.

Er vermochte sich kaum auszumalen, wie sehr das Militär des Imperiums davon profitieren würde, die hochmodernen vulkanischen Schiffe zu zerlegen und zu studieren. Dafür war ihm absolut bewusst, wie spürbar diese Neuerwerbung seine eigene Karriere und den Reichtum und Status seiner Familie befördern würden.

»Sehr gut, Centurion«, sagte T’Voras und legte die Finger zusammen, um sich zu konzentrieren und jede übertriebene Selbstsicherheit zu verdrängen. Schließlich durfte er den Vulkaniern nicht erlauben, die Kontrolle über ihre Kommunikationsausrüstung zurückzuerlangen. Wenn sie das schafften, würden sie hier, tief im Koalitionsraum, rasche Hilfe anfordern und auch erhalten. »Sichern sie unsere Beute für einen Schleppflug zurück nach Romulus. Und sorgen Sie dafür, dass die Besatzungen beider Schiffe tot sind, bevor wir uns auf den Weg machen. Wir können keine bösen Überraschungen auf dem Heimweg gebrauchen.«

»Ich werde mich darum kümmern, Commander«, antwortete T’Vak.

Als er dies hörte, entschied T’Voras, sich – neben seinem gepolsterten Sessel – einen weiteren Luxus zu gönnen: den eines kleinen triumphierenden Lächelns.

Früh im Monat re’T’Khutai, im Jahr von ShiKahr 8764
Dienstag, 22. Juli 2155
Vulkanisches Schiff des Verteidigungsdirektorats T’Jal, nahe Alpha Centauri

Von einer Sekunde zur nächsten zeigte der Hauptbildschirm der Brücke nichts als statisches Rauschen. Gleichzeitig versagte die Brückenbeleuchtung. Ungeachtet des auf einmal nur noch schwachen Lichts konnte Captain Vanik sehen, wie sich die Augen der jungen Subaltern einen Moment lang in einer ungewohnten Zurschaustellung von Emotionen weiteten.

Natürlich konnte er das der jungen Offizierin nicht übel nehmen. Schließlich hatten die Umstände – und auch Vulkans Verpflichtung, seine Koalitionsverbündeten vor Angriffen von außen zu schützen – sie soeben dazu gezwungen, auf andere vulkanische Schiffe zu feuern, die von einem außergewöhnlich bösartigen und tödlichen Feind übernommen worden waren.

»Unsere Lebenserhaltung hat sich gerade abgeschaltet, Captain«, warnte Subaltern T’Pelek und gewann ihre Gelassenheit zurück, indem sie sich offenbar auf ihr Training besann. »Zusammen mit der Flugsteuerung, dem Antrieb und den taktischen Systemen. Ich kann weder auf die Sicherungssysteme noch auf die tertiären Notfallsysteme zugreifen.«

Das war ein höchst verzwicktes und jeder Logik spottendes Problem. Vanik hatte vorgehabt, es aus sicherer Entfernung zu lösen, nachdem das Schwesterschiff der T’Jal, die Toth, nur wenige Lirt’k zuvor anscheinend ein identisches schiffsweites Systemversagen erlitten hatte. Unglücklicherweise schien der Effekt, der soeben beide Schiffe lahmgelegt hatte, größere Auswirkungen zu haben, als Vanik gedacht hätte.

»Rufen Sie den Rest des Einsatzgeschwaders«, befahl er, während er seinen Sessel der Komm-Station zudrehte. Ein Großteil ihres Flottenverbandes war bereits auf Warp gegangen, mit Kurs auf Vulkan, doch er konnte rasch zurückgerufen werden, um Hilfe zu leisten.

»Captain, das Kommunikationsnetz reagiert ebenfalls nicht«, antwortete Offizier Voris einen Moment später, nachdem er sein Kontrollpult überprüft hatte. »Die Subraumfrequenzen sind für uns gegenwärtig nicht verfügbar.«

»Soeben ist ein anderes Schiff auf den Sensoren aufgetaucht«, meldete Altern Stak von einer der vorderen Wissenschaftsstationen, die offenbar noch funktionierte. »Es entspricht vom Profil her einem klingonischen Schlachtkreuzer.«

Ein weiteres klingonisches Schiff, dachte Vanik. Es überraschte ihn kaum, dass die Gefahr, die auszuschalten die T’Jal und die Toth losgeschickt worden waren, noch immer in der Nähe lauerte wie ein hungriger Le-matya, der auf der Suche nach Beute durch die sonnenverbrannten Einöden von Vulkans Glühofen streifte. »Warum haben wir das Schiff nicht früher entdeckt?«, wollte Vanik in ruhigem Tonfall wissen.

»Das ist schwer zu sagen, Captain«, antwortete Stak, der noch immer in seinen beschirmten Scanner blickte. »In der Nähe des Schiffes kreuzen die Orbits einer Reihe dunkler Eiskometen. Es ist möglich, dass sich das Klingonenschiff hinter einem dieser Himmelskörper verborgen hatte.«

Und aus diesem Versteck heraus hat es seine Waffe gegen uns und die Toth zum Einsatz gebracht, dachte Vanik. Es war vernünftig, anzunehmen, dass es sich dabei um dieselbe Waffe handelte, die kurz zuvor zwei vulkanische Schiffe der D’Kyr-Klasse dazu gebracht hatte, unweit des Alpha-Centauri-Systems auf einen friedlichen menschlichen Konvoi zu schießen. Damals war den vulkanischen Verteidigungsstreitkräften keine andere Wahl geblieben, als zwei ihrer eigenen Schiffe samt Besatzung auszulöschen.

»Das klingonische Schiff ändert seine Position, Captain«, sagte Stak. »Es beschleunigt auf uns zu.«

»Flugsteuerung und Antrieb weiterhin außer Funktion«, fügte T’Pelek hinzu.

»Gibt es irgendeine Möglichkeit, die Toth zu kontaktieren?«, fragte Vanik an Voris gerichtet.

»Negativ, Captain.«

Erst in diesem Moment wurde Vanik klar, dass er sich noch nie in einer so verzweifelten Situation befunden hatte, weder zu seiner Zeit als Kommandant des Forschungsschiffs Ti’Mur noch während der sechs vorhergehenden Jahrzehnte im Dienst von Vulkans Forschungsprogramm zur Entdeckung des Weltraums.

»Versuchen Sie weiter, die Toth zu erreichen, Subaltern«, befahl er. »Ich muss mit Captain L’Vor sprechen, um zu erfahren, welche Gegenmaßnahmen sie unternimmt, um die Eroberung ihres Schiffs zu verhindern.«

In diesem Augenblick erhellte unvermittelt ein kurzer Blitz hellen Lichts die Seite der Brücke, auf der Altern Stak stand. Bevor Vanik sich auch nur dem jungen Wissenschaftsoffizier zuwenden konnte, war das Licht schon wieder verblasst. Auf Staks Zügen lag ein erstaunlich unvulkanischer Ausdruck von Bestürzung.

Vanik wusste bereits genau, welche Gegenmaßnahme Captain L’Vor zum Einsatz gebracht hatte, bevor Stak auch nur ein Wort sagen konnte.

»Die Toth ist explodiert, Captain. Und das Klingonenschiff hat noch nicht einmal das Feuer eröffnet.«

Logisch, dachte Vanik. Vermutlich wollen sie uns nicht nur töten, sondern auch entern.

Es war ebenso logisch, anzunehmen, dass L’Vor nicht aus Panik heraus gehandelt hatte, sondern aus der gebotenen Notwendigkeit heraus, zu verhindern, dass ein Feind sensible vulkanische Technologie in die Finger bekam.

»Altern Stak«, sagte Vanik, als er zu einem Schluss kam, der ebenso unerfreulich wie logisch und unvermeidbar war. »Bereiten Sie die Logbuchboje zum Abschuss vor.«

»Sofort, Captain«, antwortete Stak.

Die Luft begann für Vanik, feucht und abgestanden zu riechen, obwohl er wusste, dass der Ausfall der Lebenserhaltung erst viel zu kurz zurücklag, als dass sich die Atmosphäre an Bord nennenswert verschlechtert haben könnte. Dennoch würde die T’Jal schon bald eine stilles, lebensfeindliches, fliegendes Grab sein, wenn es Stak nicht gelang, seinen nächsten Befehl auszuführen.

»Und stellen Sie fest, ob wir den Selbstzerstörungsmechanismus aktivieren können«, fuhr Vanik fort, während er stumm um jede Katra trauerte, die an diesem Tag verloren ging. »Genau wie es die Kommandantin der Toth soeben getan hat.«

ZWEI

Freitag, 25. Juli 2155
Enterprise NX-01,
Gamma-Hydra-Sektor

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Der Klang der Türglocke des Bereitschaftsraums hatte etwas furchtbar Anklagendes.

Jonathan Archer warf das Padd, in dem er gelesen hatte, auf den Schreibtisch. Es landete geradewegs auf dem absurd hohen Stapel an Papierausdrucken, der sich dort angesammelt hatte, zwischen seinem Computerterminal und einem Foto von Trip Tucker und ihm, das vor Jahren während eines Angelausflugs im Golf von Mexiko aufgenommen worden war. Obwohl er im Augenblick alles andere als erpicht darauf war, mit jemandem zu sprechen, war er dankbar für jede Gelegenheit, sich nicht mit dem Inhalt des Padds auseinandersetzen zu müssen – oder dem damit einhergehenden Papierkram.

»Herein«, rief er, nachdem er mit einem Daumen den Interkom-Knopf neben dem Stapel auf seinem Schreibtisch gedrückt hatte. Einen Augenblick später glitt die Tür mit einem schwachen pneumatischen Zischen auf.

Commander T’Pol trat über die erhöhte Türschwelle, die vulkanischen Züge so teilnahmslos wie immer, die Hände hinter dem Rücken gefaltet. Direkt hinter ihr kam Lieutenant Malcolm Reed herein, der deutlich angespannter wirkte als T’Pol. Sein Auftreten glich dem eines Mannes, der sich auf Zehenspitzen durch ein Minenfeld bewegt.

Hinter seinen Besuchern schloss sich die Tür, und Archer drehte ihnen den Schreibtischstuhl zu, ohne sich jedoch zu erheben. »T’Pol. Malcolm. Was haben Sie auf dem Herzen?«

»Wir sind nicht mit einem besonderen Wunsch zu Ihnen gekommen, Captain«, antwortete T’Pol, bevor sie Malcolm einen kurzen Seitenblick zuwarf.

Reed räusperte sich. »Genau genommen, Captain, sind wir hier, um zu fragen, ob wir irgendetwas für Sie tun können.« Er sah aus, als würde er lieber eine Inventur der im Schiffsarsenal liegenden Photoniktorpedos vornehmen oder seine taktische Konsole neu verkabeln, als dieses Gespräch zu führen.

Nicht schon wieder, dachte Archer. Dennoch gab er sich Mühe, seine allgegenwärtige Frustration nicht durchschimmern zu lassen, als er antwortete: »Na schön, Malcolm. Ich weiß die Geste zu schätzen. Ganz ehrlich. Aber ich denke, dass ich bereits genug Fürsorge von Phlox erhalten habe. Das Letzte, was ich im Moment brauche, ist ein Führungsstab, der mich … mit Samthandschuhen anfasst.«

Reed starrte ihn peinlich berührt an, während T’Pol verwirrt wirkte. Malcolms britische Reserviertheit hob sich dermaßen scharf gegenüber dem vulkanischen Stoizismus des Ersten Offiziers ab, dass Archer beinahe aufgelacht hätte.

Beinahe.

»Captain, seit dem Zwischenfall mit der Kobayashi Maru sind nun drei Tage vergangen«, sagte Malcolm, während er sichtlich darum rang, sein Unbehagen unter Kontrolle zu bringen. »In dieser Zeit haben wir Sie kaum zu Gesicht bekommen.«

Archer spürte, wie ein Ausdruck leichter Gereiztheit auf seiner Miene Einzug hielt, und versuchte, sich zu entspannen. »Ein Captain muss eine gewisse Distanz zwischen sich und seiner Besatzung wahren. Das wissen Sie beide.«

Reed und T’Pol wechselten einen weiteren raschen, aber vielsagenden Blick, bevor sie Archer erneut mit ihren Augen in ein Kreuzfeuer der Besorgnis nahmen.

»Captain, dürfen wir frei sprechen?«, fragte T’Pol.

»Natürlich«, sagte Archer und lehnte sich zurück.

T’Pol hob eine Augenbraue und schaute Malcolm an, der der Aufforderung, ab hier zu übernehmen, nachkam, wenn auch mit merklichem Widerwillen.

»Wir verstehen, dass ein Captain eine gewisse professionelle Distanz bewahren muss«, sagte der taktische Offizier. »Aber wir sind der Ansicht, dass er sich nicht vollständig abschotten sollte.«

Archer nickte. »In Ordnung. Ist vermerkt. Ich versuche, mich etwas öfter auf den Decks sehen zu lassen, bevor wir den Außenposten auf Tarod IX erreichen. Sobald wir dort sind, wird ohnehin jeder an Bord dieses Schiffes viel zu beschäftigt sein, um Energien darauf verschwenden zu können, sich über meine Gemütslage Gedanken zu machen.«

Malcolm wirkte erleichtert. »Danke, Captain.«

»Kein Problem. Sie beide machen sich zu viele Sorgen. Wann kommen wir eigentlich auf Tarod IX an?«

»Bei unserem gegenwärtigen Kurs werden wir in etwas weniger als vierundzwanzig Stunden Sektor dreißig des Koalitionsraums erreichen, Captain«, sagte T’Pol. »Das Tarod-System liegt ungefähr zwei Stunden innerhalb dieser Region.«

»Und wir sind bereits darauf vorbereitet, Flüchtlinge und Verwundete vom Tarod-Außenposten aufzunehmen«, fügte Reed hinzu.

Erneut nickte Archer. Er spürte, wie sich seine Kiefermuskeln anspannten. Vorbereitet. Wenn ich wirklich vorbereitet gewesen wäre, hätten wir es nach Tarod IX geschafft, bevor diese gottverdammten Romulaner angegriffen haben. Und die Besatzung der Kobayashi Maru wäre jetzt nicht Teil einer Wolke treibenden Raumschrotts.

Es war der gleiche Gedanke, der ihm in den letzten drei Tagen durch den Kopf gegangen war, wann immer seine Blicke die von Travis Mayweather kreuzten. Der junge Steuermann der Enterprise war auf der Horizon aufgewachsen, einem Frachter des Earth Cargo Service, der der Kobayashi Maru sehr ähnlich gewesen war – und den womöglich vor gut einer Woche ein ähnlich unerfreuliches Schicksal ereilt hatte. Obwohl das Wrack der Horizon bislang nirgendwo entlang ihrer Flugroute aufgetaucht war, war das Familienschiff der Mayweathers dennoch unter so fragwürdigen Umständen verschwunden, dass Archer in Travis’ Blick einen Hauch von stiller, dumpfer Anklage zu erkennen meinte.

Natürlich las Archer nicht nur in den Augen des Ensigns eine umfassende Verurteilung seines Versagens, gleich, ob wahr oder eingebildet. Er kam nicht umhin, das Flüstern um sich herum zu bemerken, die ernsten, leisen Gespräche, die abrupt ein Ende fanden, wann immer er einen der Aufenthaltsbereiche des Schiffs betrat.

Orte, die er seitdem tunlichst gemieden hatte, vielleicht sogar, bevor es ihm überhaupt bewusst geworden war.

Unvermittelt realisierte Archer, dass Malcolm ihn mit einem Ausdruck ansah, in dem sich Mitgefühl und Neugierde widerspiegelten.

»Sir?«, fragte Reed.

»Ja, Malcolm?«

Der Waffenoffizier errötete sichtlich.

»Sie äußerten etwas darüber, dass Sie Ensign Mayweather nicht mehr in die Augen schauen könnten«, sagte T’Pol ruhig, und die Verwirrung auf ihren Zügen wich stillem Verstehen.

Grundgütiger, dachte Archer. Jetzt fange ich schon an, vor mich hinzumurmeln.

»Ich nehme an …«, setzte T’Pol an, unterbrach sich dann aber sofort, um erneut einen raschen Blick mit Reed zu wechseln. »Wir nehmen an«, fuhr sie fort, als sie sich Archer wieder zuwandte, »dass Sie sich noch immer die Schuld für das geben, was der S.S. Kobayashi Maru widerfahren ist.«

»Admiral Gardner persönlich hat den Nachrichtensendern in die Aufzeichnungsgeräte diktiert, dass Sie keine andere Wahl hatten, Sir«, sagte Malcolm. »Sie mussten die Enterprise retten. Sie mussten Ihre Besatzung retten. Jeder auf der Erde hat das mittlerweile begriffen.«

Aber ich hätte einen Weg finden müssen, die Maru auch zu retten, dachte Archer. Und ihr könnt mich nicht davon überzeugen, dass die Leute auf der Erde nicht unter der Hand genau das Gleiche sagen.

»Captain«, sagte T’Pol. »Wenn Sie geblieben wären, um die Feinde zu bekämpfen, die den Frachter angegriffen haben, hätten diese ihre neue Waffe zum Einsatz gebracht, um die Enterprise via Fernkontrolle zu übernehmen. Wir alle verstehen das.«

Malcolm nickte eifrig. »Und uns ist auch klar, was danach geschehen wäre.«

»Das ändert nichts für die Leute an Bord der Maru«, sagte Archer. Ihm war bewusst, dass eine per Fernkontrolle entführte Enterprise in den Händen derjenigen, die den Frachter zerstört hatten, mit Sicherheit eine tödliche Waffe geworden wäre. Diese Leuten hätten sein Schiff dazu einsetzen können, zahllose andere Erdenschiffe zu vernichten. Darüber hinaus hätten sie ohne jeden Zweifel die hochmodernen Antriebs- und Waffentechnologien der Erde genau studiert oder sogar nachgebaut. Aber das alles machte für Archer keinen Unterschied, zumindest nicht auf emotionaler Ebene.

So sehr er sich auch anstrengte, ihm ging die furchtbare Erinnerung an die letzten Worte des Captains der Kobayashi Maru, Kojiro Vance, einfach nicht aus dem Sinn. »Vance flehte mich an, sein Schiff und seine Mannschaft zu retten«, sagte Archer. »Und ich habe ihn im Stich gelassen.«

»Sie hatten keine Wahl, Sir«, antwortete Reed.

»Es war eine Situation, die Sie nicht gewinnen konnten, Jonathan«, sagte T’Pol. Dass sie ihn beim Vornamen nannte, war geradezu erstaunlich und zeigte, wie sehr sich sein Erster Offizier darum bemühte, ihn auf einer rein emotionalen Ebene zu erreichen, ungeachtet der vulkanischen Prinzipien, denen sie sich verschrieben hatte.

In einer sanft abwehrenden Geste hob Archer die Hände. »Schon gut. Die Botschaft ist angekommen. Danke. Wie gesagt, ich werde versuchen, die Mannschaftsmoral ein wenig zu heben, indem ich bei nächstbester Gelegenheit eine Runde über die Decks drehe.« Er hielt inne, um sich übers Kinn zu reiben und bemerkte zum ersten Mal, wie kratzig seine Haut in den letzten drei Tagen geworden war. Er rang sich zu einem Lächeln durch, von dem er hoffte, es würde die beiden davon überzeugen, dass ihre Arbeit hier getan war. »Ich werde mich sogar vorher rasieren«, fügte er hinzu. »Damit niemand vor mir erschrickt. Und jetzt zurück an die Arbeit, bevor ich Phlox erzähle, dass Sie versuchen, ihm die Patienten abspenstig zu machen.«

Reed erwiderte Archers Lächeln, wenn auch etwas verhalten, bevor er den Bereitschaftsraum verließ und Archer mit T’Pol allein ließ.

»Das gilt auch für Sie, T’Pol«, sagte Archer. »Ehrlich, es geht mir gut.«

Sie hob eine Augenbraue. »Ich denke, dass ich mittlerweile lange genug unter Menschen lebe, um zu bemerken, wenn sie … die Wahrheit etwas großzügig auslegen. Sie sind noch immer aufgewühlt.«

Ihm kam eine harsche Erwiderung in den Sinn, dass sie sich um ihren eigenen Kram scheren sollte, aber er sprach sie nicht aus. Sie war sein Erster Offizier, und sein Kram war auch ihr Kram – vor allem, wenn er so persönlicher Natur war und sie beide gleichermaßen betraf. »Trip«, sagte er schließlich.

Unvermittelt war ihre verwirrte Miene wieder da. »Ich bitte um Verzeihung, Captain?«

»Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich eine Möglichkeit gefunden hätte, sowohl die Enterprise als auch die Maru zu retten, wenn Trip noch bei uns gewesen wäre.«

Sie nickte und schien zu begreifen.

»Wenn Sie keine Vulkanierin wären, hätte ich das vermutlich nicht zugegeben. Die letzte Person, die ich beleidigen möchte, ist mein Erster Offizier.«

»Aber ich bin Vulkanierin, Captain. Daher fühle ich mich nicht beleidigt. Aber ich verstehe, wie wichtig Ihnen diese Beziehung ist.«

Archer spürte, wie seine Augenbrauen in die Höhe stiegen. »Ist? Gegenwart, T’Pol? Ich schätze, die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass Trip tot ist. Und diesmal wirklich.«

T’Pol schüttelte den Kopf. »Ich bin mir sicher, dass ich es wüsste, wenn Commander Tucker tot wäre.«

»Vulkanischer Optimismus?«

»Eine empirische Tatsache. Genauso wie es eine Tatsache ist, dass Ihnen nicht bloß Trips Abwesenheit zu schaffen macht.« Sie nickte in Richtung des unordentlichen Stapels Papier auf dem Schreibtisch. Darauf lag noch immer das Padd, dessen Display das Dokument zeigte, das er gelesen hatte, als sie und Malcolm den Bereitschaftsraum betreten hatten.

Er griff über den Tisch, nahm das Padd und erhob sich von seinem Platz. »T’Pol, Sie und Malcolm haben sich viel Mühe gegeben, meine Entscheidung, die Maru zurückzulassen, zu rechtfertigen. Aber nicht jeder auf dem Schiff denkt wie Sie. Während der letzten drei Tage sind fünfzehn förmliche Bitten um Versetzung reingekommen. Bis jetzt.«

T’Pol nickte langsam. »Ich bin mir des Umstands bewusst, dass einige Mitglieder der Besatzung … nicht ganz glücklich mit dem Ausgang der Kobayashi-Maru-Affäre sind. Bedauerlicherweise haben einige dieser Individuen sich dazu entschieden, um einen anderen Posten zu ersuchen.«

Archer ließ das Dokument auf dem Padd durchlaufen, bis es die Namen derjenigen zeigte, die die zwei jüngsten Versetzungsgesuche eingereicht hatten, dann reichte er T’Pol das Gerät. Obwohl ihre vulkanische Gelassenheit für gewöhnlich so standhaft war wie die Hüllenpanzerung der Enterprise im polarisierten Zustand, weiteten sich T’Pols Augen vor Unglauben, als sie die Namen sah.

»Offenbar haben Sie nicht gewusst, dass Travis Mayweather und Hoshi Sato sich vor Kurzem den Rängen der Unzufriedenen angeschlossen haben.« Archer nickte ihr zu. »Sie können jetzt gehen, Commander.«

Das Padd in der Hand, verließ T’Pol schweigend den Bereitschaftsraum, und Archer blieb mit seinen Gedanken allein zurück. Schwer ließ er sich in seinen Sessel fallen und nahm das gerahmte Bild hoch, ohne auf den Papierstapel zu achten, der dabei umkippte und sich über den Schreibtisch ergoss. Trip Tucker hielt eine duraniumverstärkte Angel in einer Hand, den anderen Arm hatte er um Archers Schultern gelegt. Ein riesiger Speerfisch, Trips Fang des Tages, hing im Hintergrund über dem Pier in der Luft.

Es waren gute Zeiten gewesen. Einfachere Zeiten. Deutlich bessere als diese.

Ich habe meine Besatzung gerettet, dachte Archer. Aber zu welchem Preis?

DREI

Drei Tage zuvor
Gamma-Hydra-Sektor,
nahe Tezel-Oroko

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Charles Tucker hielt die Augen fest geschlossen und wappnete sich gegen den unvermeidlichen Aufprall. Der Annäherungsalarm der winzigen Rettungskapsel schrillte in seinen Ohren, während das Kometenfragment unausweichlich vor dem Frontfenster drohte, auch wenn er es mit geschlossenen Augen nicht sehen konnte. Er war sich absolut sicher, dass weder Glück noch Können ihm auch nur die geringste Chance boten, dem kilometerlangen Brocken aus Fels und Eis zu entgehen.

Trip versuchte, den Schmerz der Schläge und Schnitte und Prellungen zu verdrängen, die er sich während seiner Flucht von dem romulanischen Schiff zugezogen hatte – einem Schiff, das er sabotiert hatte, bevor er dessen bewusstlosen Kommandanten mit sich zur nächstbesten Fluchtkapsel gezerrt hatte –, doch es gelang ihm nicht. Er entschied, sich stattdessen auf das tröstende imaginäre Bild von T’Pol zu konzentrieren. Lange würden seine Schmerzen ohnehin nicht mehr andauern.

Warum zum Teufel dauert es auch so gottverdammt lange, bis ich tot bin?

Ein schwaches Kribbeln wie von unzähligen Ameisen, die über seine Haut huschten, schien zumindest eine Teilantwort auf diese Frage geben zu wollen. Er öffnete die Augen gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie die Rettungskapsel um ihn herum – und durch ihn durch – wie Papier zerknittert wurde; ein Vorhang aus tiefblauem Licht verschleierte alles und nahm den miteinander verbundenen Einflussgrößen Masse, Schwerkraft und Trägheit jede Wirkung. Trotzdem hoben sich ohne sein Zutun seine körperlosen Arme schützend vor das nicht minder geisterhafte Gesicht.

Transporterstrahl, erkannte Trip, als das indigofarbene Gleißen, das um ihn herum immer stärker wurde, kurzzeitig seinen blendend hellen Höhepunkt erreichte. Das lichtlose, gefrorene Innere des Kometenfragments, durch das er nun schwebte, verwandelte sich in ein vielfarbiges, kristallines Kaleidoskop, bevor es auf seiner Netzhaut, die zu wenig stofflich war, um noch irgendein Licht auffangen zu können, vollends verblasste.

Einen Moment später kehrte das bläuliche Licht zurück – ebenso wie Masse, Schwerkraft und Trägheit. Der Sitz der Rettungskapsel, auf dem er gerade noch gesessen hatte, materialisierte nicht unter ihm, sodass Trip unelegant auf einer harten, unnachgiebigen Oberfläche landete. Er erkannte sofort, dass es sich um die breite, runde Plattform eines Transporters handelte. Allerdings schien diese Einheit deutlich fortschrittlicher zu sein als die ähnliche, wenn auch deutlich kleinere, die er zu zahllosen Gelegenheiten während seiner Zeit als Chefingenieur an Bord der Enterprise verwendet hatte.

Benommen hob Trip den Kopf und atmete zögernd die Luft ein. Sie war atembar, aber dünner und heißer, als er es gewohnt war. Nun, da die Lichtshow des Transporters vorüber war, sah Trip auch die andere Gestalt, die bewusstlos neben ihm auf der Plattform lag. Der Mann sah aus wie ein Vulkanier – genau genommen wie ein Romulaner –, genau wie Trip selbst. Aus einer Wunde an seiner Schläfe sickerte dunkelgrünes Blut.

Sopek, dachte Trip, nur um den vulkanischen Namen gleich darauf in den zu verbessern, den der Mann während seiner Operationen innerhalb des romulanischen Raums verwendete: Ch’uihv.

Der Schmerz, von dem Trip geglaubt hatte, dass er schon bald vorüber wäre, kehrte mit voller Macht zurück und wurde durch die unangenehm heiße, dünne Luft noch verstärkt. Er ignorierte ihn, so gut er konnte, und versuchte aufzustehen. Es gelang ihm aber bloß, unsicher auf die Knie zu kommen.

»Keine Bewegung!«, erklang eine scharfe, befehlsgewohnte Stimme von irgendwoher. Trip konnte die Richtung, aus der sie kam, nicht sofort zuordnen.

Instinktiv hob er die Hände in der universellen Geste, die Ich bin keine Gefahr besagte. Dann gewahrte er einen uniformierten jungen Mann, der vor einer Konsole neben einem Schott stand und nun langsam näher kam. Eine zweite uniformierte Gestalt, eine Frau, stand hinter dem Kontrollpult. Trip nahm an, dass sie für die heikle und buchstäblich in letzter Sekunde durchgeführte Rettung verantwortlich war, die Ch’uihv und er soeben erlebt hatten. Am wichtigsten allerdings erschien Trip die hässlich aussehende Waffe in der Hand des jungen Mannes, der sich der Transporterplattform näherte.

Im gleichen Moment fiel Trip auf, dass sowohl der Mann als auch die Frau dunkle Haare hatten und einen nahezu identischen Topfschnitt aufwiesen. Außerdem hatten sie aufwärts geschwungene, vage diabolisch wirkende Augenbrauen und Ohren, die sich nach oben hin zu eleganten Spitzen verjüngten und dabei Erinnerungen an uralte Legenden über Dämonen und nächtliche Lynchmobs wachriefen.

Trip sank der Mut. Ich hätte damit rechnen sollen, dass Ch’uihv irgendwo in der Nähe ein zweites Schiff für den Notfall geparkt hat.

Irgendetwas an dem Gedanken stimmte nicht, doch Trip konnte sich nicht hinreichend konzentrieren, um zu bestimmen, was. Die unangenehmen Umweltbedingungen waren dabei auch nicht eben hilfreich; ebenso wenig wie die Schmerzen, die er überall verspürte. Es gelang ihm lediglich, seine Aufmerksamkeit auf die Uniformen zu richten, die ihre »Gastgeber« trugen – triste, zweckmäßige, paramilitärische Gewänder, die mit nichts Ähnlichkeit hatten, was er während seiner ganzen Zeit auf Romulus gesehen hatte.

Er fragte sich, ob diese Leute vielleicht in einer Art romulanischer Handelsmarine dienten, oder ob sie zu einer romulanischen Dissidentengruppe gehörten, ähnlich Ch’uihvs Ejhoi Ormiin, der Trip gerade erst mit knapper Not entkommen war.

Und dann war da diese Sache mit ihren Stirnpartien, die deutlich glatter waren als jede Stirn, die ihm auf Romulus begegnet war …

»Nennen Sie bitte Ihren Namen«, sagte der junge Mann mit der Pistole.

Trip legte den Kopf ein wenig schief, damit der einzelne verbliebene Universalübersetzer, der noch in seinem linken Ohr saß, die Worte möglichst gut empfangen konnte. Die leichte Verzögerung des Geräts weckte die Befürchtung in ihm, es könnte demnächst ausfallen und ihn linguistisch sozusagen im Regen stehen lassen.

Nachdem er einen Moment lang überlegt hatte, wie viel er über sich preisgeben sollte, sprach Trip schließlich, wobei sich seine Zunge dick und geschwollen in seinem Mund anfühlte. »Ich werde Cunaehr genannt. Ich … habe diesen Mann von seinem Schiff gerettet, bevor es zerstört wurde.« Die Hände noch immer gehoben, nickte er in Richtung der besinnungslosen Gestalt von Ch’uihv.

Der Mann mit der Waffe hob in offensichtlicher Neugierde eine Augenbraue, als er etwa zwei Meter von der Transporterplattform entfernt stehen blieb und Ch’uihv musterte. »Ich werde medizinische Hilfe für diesen Mann anfordern.« Gleich darauf schien die Frau hinter der Transporterkonsole genau das zu tun.

»Wo bin ich?«, fragte Trip, stets darauf bedacht, keinerlei bedrohlich wirkende Geste zu machen.

»Sie befinden sich an Bord des Frachters Kiri-kin-tha«, sagte der bewaffnete junge Mann, ohne dass der Lauf seiner Waffe auch nur eine Sekunde geschwankt hätte.

»Frachter«, wiederholte Trip, ohne den Namen des Schiffs sofort zuordnen zu können. »Romulanisch?«

Nun hob der Mann beide Augenbrauen. »Vulkanisch«, verbesserte er, offenkundig überrascht, wie irgendjemand ein vulkanisches Schiff mit einem romulanischen verwechseln konnte.

»Vulkanisch«, echote Trip wie betäubt. »Nicht romulanisch.« Nun, das erklärt zumindest die Luft hier drin, dachte er, als ihm der Schweiß auszubrechen begann.

Unwillkürlich drohte sich ein gewaltiges Grinsen auf seinem Gesicht breitzumachen, aber er gab sich große Mühe, es zu unterdrücken, ebenso das erleichterte Auflachen, das dahinter in seiner Kehle aufstieg. Ein vulkanisches Schiff! Wie viel Zeit mochte es diese Leute wohl kosten, ihn zu Hause auf der Erde abzusetzen?

Auf einmal ergab auch die Verwirrung des anderen Manns Sinn. Soweit Trip wusste, waren die Romulaner außerhalb ihres Reichs nach wie vor eine absolut mysteriöse und gesichtslose Rasse, selbst für den Großteil der vulkanischen Bevölkerung. Wahrscheinlich war das der Grund dafür, dass sein Gastgeber dem einzigen merklichen körperlichen Unterschied zwischen Trip und sich selbst kaum mehr als beiläufige Beachtung schenkte: der deutlichen, wenn auch künstlichen romulanischen Stirnwulst. Womöglich war diese Stirnwulst auch auf Vulkan, wo die Vorfahren der modernen Romulaner ihren Ursprung hatten, nicht völlig unbekannt.

Einen Moment lang rang Trip noch um Atem. Dann sagte er: »Bringen Sie mich zu Ihrem Vorgesetzten.«

Seine bewaffnete Eskorte führte ihn in einen spartanisch eingerichteten Konferenzraum. Der erste Eindruck, den Trip von Captain T’Vran bekam, war der, dass sie ungefähr doppelt so alt wie T’Pol sein musste. Allerdings wusste Trip natürlich, dass es Menschen schwerfiel, das Alter von Vulkaniern zu schätzen. Sie konnte genauso gut zweihundert Jahre oder sogar noch älter sein.

T’Vran hatte ihm gegenüber hinter einem niedrigen Metalltisch Platz genommen. Die wachsamen und unverhohlen misstrauischen Blicke zweier weiterer Personen lagen auf ihm – der des männlichen Wachmanns, der sich direkt neben dem Schott postiert hatte, und der einer zweiten Vulkanierin ebenso undefinierbaren Alters, die schweigend auf einer schmalen Bank am anderen Ende des Raums saß.

Diese Leute ähneln den Romulanern weit mehr, als sie ahnen mögen