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— STAR TREK —

ENTERPRISE®

Der Romulanische Krieg

Die dem Sturm trotzen

Michael A. Martin

Based on
Star Trek
created by Gene Roddenberry
and Star Trek: Enterprise
created by Rick Berman & Brannon Braga

Ins Deutsche übertragen von
Bernd Perplies

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Titel der Originalausgabe: STAR TREK – ENTERPRISE: THE ROMULAN WAR – TO BRAVE THE STORM

German translation copyright © 2015 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © 2012 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

™ & © 2015 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc., pursuant to an exclusive license from CBS Studios Inc.

Print ISBN 978-3-86425-295-2 (Februar 2015) • E-Book ISBN 978-3-86425-339-3 (Februar 2015)

WWW.CROSS-CULT.DEWWW.STARTREKROMANE.DEWWW.STARTREK.COM

Für meine Frau Jenny
und meine beiden Söhne James und William.

INHALT

HISTORISCHE ANMERKUNG

TEIL I 2156

PROLOG

EINS

ZWEI

DREI

VIER

FÜNF

SECHS

SIEBEN

ACHT

NEUN

TEIL II 2157–2159

ZEHN

ELF

ZWÖLF

DREIZEHN

VIERZEHN

FÜNFZEHN

SECHZEHN

SIEBZEHN

ACHTZEHN

NEUNZEHN

TEIL III 2160

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG

ZWEIUNDZWANZIG

DREIUNDZWANZIG

VIERUNDZWANZIG

FÜNFUNDZWANZIG

SECHSUNDZWANZIG

SIEBENUNDZWANZIG

ACHTUNDZWANZIG

NEUNUNDZWANZIG

DREISSIG

EINUNDDREISSIG

ZWEIUNDDREISSIG

DREIUNDDREISSIG

TEIL IV 2161

VIERUNDDREISSIG

TEIL V 2186

EPILOG

DANKSAGUNGEN

ROMANE BEI CROSS CULT

Wir sind im Begriff, dem Sturm zu trotzen, und sitzen bloß in einer Barke aus Papier.

– John Hancock (1737–1793)

Krieg ist nicht die beste Art und Weise, um Differenzen beizulegen; er ist die einzige, die verhindert, dass sie jemand anders für dich beilegt.

– G. K. Chesterton (1874–1936)

HISTORISCHE ANMERKUNG

Die Hauptereignisse dieses Romans finden statt zwischen dem 22. Juni 2156, dem Tag nach dem Terroranschlag auf Vulkan (STAR TREK – ENTERPRISE 5 »Der Romulanische Krieg: Unter den Schwingen des Raubvogels II«), und dem 12. August 2161, dem Tag, an dem die Charta der Vereinigten Föderation der Planeten unterzeichnet wird.

TEIL I

2156

PROLOG

Zu Beginn des Monats ta’Krat, JS 8765

Dienstag, 22. Juni 2156

Regierungsbezirk, ShiKahr, Vulkan

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Es war der Morgen nach dem schrecklichsten Verbrechen der vulkanischen Geschichtsschreibung. T’Pau, die Administratorin der Konföderation von Vulkan, stand auf einem der höchsten Türme der Stadt und blickte über die Landschaft aus Stein und Glas, die sich vor ihr erstreckte.

Der Verlust, den sie spürte, war so gewaltig, dass er ihre emotionale Kontrolle zu untergraben drohte. Sie spürte, dass ganz Vulkan genauso empfand wie sie. Ihr ganzes Wesen schien im Einklang mit der Stimmung ihres Volkes zu erbeben. Ihr Geist, ihr Herz, ihre Katra sangen ihr stummes Klagelied.

Ich trauere mit euch, erinnerte sie sich an Suraks teilnahmsvolle, doch zutiefst logische Worte des Trosts. Worte, die über die Zeitalter hinweg ausgesprochen worden waren.

Ich trauere mit euch allen, dachte sie. Die einzelne Träne, die ihr die Wange hinunterrollte, beachtete sie gar nicht. Und ich trauere um euch.

Die Worte fühlten sich leer an. Ihre Trauer hatte bereits begonnen, sich in etwas Hässlicheres zu verwandeln: Schuldzuweisung.

T’Pau wusste, dass Schuldzuweisungen zwecklos und unlogisch waren. Sie war Vulkanierin, sie beherrschte ihre Gefühle. Warum also verlangte es sie so sehr danach, jemandem die Schuld zu geben für das, was passiert war? Die Hintermänner des feigen Mordes, der gestern stattgefunden hatte, blieben ungreifbar. Niemand außer den Schuldigen selbst wusste, wer die Bombe am Schrein auf dem Berg Seleya gezündet und damit den Bewahrer von Suraks Katra umgebracht hatte. Wer auch immer diese grausame Tat vollbracht hatte, konnte längst vom Planeten geflohen sein. Oder er versteckte sich in einer der großen Städte oder kleineren Siedlungen Vulkans. Am liebsten hätte T’Pau sofort eine Überprüfung der Wüstenbasare von Han-shir eingeleitet oder jeden Winkel des alten ShiKahrs durchsuchen lassen.

Kontrolle.

Sie nahm sich einen Moment Zeit, um sich zu sammeln und ruhig zu werden.

Habe ich die richtigen Entscheidungen getroffen?, fragte sie sich. Indem ich Vulkan aus dem Krieg mit den Romulanern herausgehalten habe, wollte ich nur das Erbe bewahren, das Surak uns geschenkt hat. Doch wie verhält es sich mit meinen anderen Entscheidungen? War es richtig, Andor und Tellar davon zu überzeugen, sich aus dem Konflikt zurückzuziehen? Jetzt steht die Erde allein da.

Allein. Der Kummer drohte sie zu überwältigen.

Haben wir Surak, den Vater von Allem, Was Wir Wurden und Noch Werden, einmal mehr verloren – und diesmal für immer? Nein! Seine Kinder mögen seine Katra nicht mehr berühren können. Aber sie sollen sein Erbe kennen.

»Administratorin.«

T’Pau musste sich beherrschen, um nicht erschrocken zusammenzuzucken. »T’Rama«, sagte sie, ohne sich vom kalten Panorama der Stadt abzuwenden. »Mein Stab sollte doch eigentlich den Rest des Tages freinehmen. Warum sind Sie noch hier?«

»Als Sie mir heute Morgen die Anweisung erteilten, das Personal nach Hause zu schicken, war mir nicht bewusst, dass sich diese Anordnung auch auf Ihre Sicherheitschefin bezieht«, erwiderte T’Rama ruhig.

»Meine persönliche Sicherheit ist im Augenblick wirklich die geringste meiner Sorgen.« Mit dem Handrücken wischte sich T’Pau den Rest von Feuchtigkeit von den Wangen, bevor sie sich umdrehte und ihre oberste Leibwächterin anblickte.

»Exzellenz«, sagte T’Rama. Das Gesicht der jungen Frau wirkte angeschwollen, ihre Augen waren feucht. »Nach dem gestrigen Vorfall sorge ich mich um nichts mehr als Ihre persönliche Sicherheit.«

T’Pau nickte. »Ich bin dankbar für Ihre Wachsamkeit, T’Rama, auch wenn sie unnötig ist.«

»Unnötig?«

»Gehen Sie nach Hause, T’Rama. Morgen werden wir uns um das Wohl vieler kümmern.«

EINS

Gegen Ende des Monats Soo’jen im Jahr des Kahless 782

Donnerstag, 22. Juli 2156

Qam-Chee, die Erste Stadt, Qo’noS

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Captain Jonathan Archer war zu sehr in dunkle Gedanken versunken, um sich zu unterhalten. Daher stand er schweigend im leeren Gang direkt außerhalb der Kammer des Hohen Rats. Sein Blick fiel auf seinen Ersten Offizier. T’Pol hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Obwohl die Vulkanierin äußerlich ruhig wirkte, wusste Archer, dass ihre Nerven angespannt wie eine Bogensehne waren.

»Glauben Sie, dass die Klingonen sich dazu entscheiden, in den Konflikt einzugreifen?«, fragte T’Pol ihn. Sie sprach mit gesenkter Stimme, trotzdem hallten ihre Worte von den glatten Steinwänden wider.

Archer ließ seinen Blick durch den breiten Eingangsbereich schweifen. Vergeblich suchte er nach einer Sitzgelegenheit, während er über diese Frage aller Fragen nachdachte. Er wandte sich wieder seinem Ersten Offizier zu und zuckte mit den Schultern.

Schließlich sagte er: »Ganz egal, was Shran oder Krell Ihnen erzählen mögen: Ich bin kein Krieger. Als ich das Kommando über die Enterprise übernommen habe, war ich ein Forscher. Was zum Teufel ist nur aus diesen Tagen geworden?«

T’Pols anhaltendes Schweigen ließ ihn sich fragen, ob er die letzten paar Jahre seines Lebens wohl vergeudet hatte, weil er der vergeblichen Hoffnung nachgejagt war, diesem überwiegend tödlichen Dschungel von einer Galaxis Frieden und Sicherheit bringen zu können.

Und jetzt läuft alles auf die Frage hinaus, ob die Klingonen sich bereit erklären, uns dabei zu helfen, die Romulaner zurückzudrängen, dachte Archer, bevor diese noch mehr vorgeschobene Operationsbasen auf unseren Koloniewelten einrichten, so wie sie es auf Calder II getan haben.

Bevor sie die Erde selbst überrennen.

Der Augenblick zog sich hin, bis T’Pol ihn dadurch überraschte, dass sie seine im Grunde rhetorisch gemeinte Frage tatsächlich zu beantworten versuchte. »Ein bekannter Philosoph hat einmal gesagt: ›Das Leben ist das, was zufällig geschieht, während man mit alternativen Dingen beschäftigt ist.‹«

Die Worte kamen Archer vage bekannt vor, aber er vermochte sie nicht einzuordnen. »Surak?«

»Nein, Captain«, erwiderte sie mit der Andeutung eines Kopfschüttelns. »Ein terranischer Musiker, mit dessen Werk mich Trip – Commander Tucker – vertraut gemacht hat.«

»Sie meinen also, dass ich ein Soldat bin, ob ich will oder nicht.«

»Wir können uns nicht immer den Luxus leisten, unser Schicksal selbst zu bestimmen, Captain. Manchmal bestimmt es uns.«

Trotz seiner gedrückten Stimmung spürte Archer, wie ein sarkastisches Grinsen seine Mundwinkel umspielte. »Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, T’Pol, aber das klingt für mich eher emotional als logisch.«

»Es entspricht der Logik meiner Erfahrung, Jonathan«, sagte sie leise. Seit Trip Tucker die Besatzung der Enterprise verlassen hatte, war T’Pol die einzige seiner Untergebenen, die kein Problem damit zu haben schien, Archer bei seinem Vornamen zu nennen.

»Ich schätze, es wäre sinnlos, vulkanische Empirie infrage zu stellen«, sagte er.

Sie nickte. »In der Tat.«

»Das heißt nicht, dass es mir gefallen muss.«

»Das Universum ist nicht dazu verpflichtet, Rücksicht darauf zu nehmen, was uns gefällt oder nicht.« Sie verfiel erneut in Schweigen, aber in dem Blick, den sie weiter auf ihn gerichtet hielt, lag eine deutliche Erwartungshaltung und Sorge.

»Ist sonst noch etwas?«, fragte er.

»Sie haben meine Frage nicht beantwortet. Denken Sie, dass die Klingonen uns gegen die Romulaner beistehen werden?«

Ihm kam der Gedanke, dass ihr Interesse an dieser Angelegenheit ein zutiefst persönliches sein musste – vielleicht so persönlich wie das seine. Obwohl Romulus im Augenblick eine weitaus größere Gefahr für die Erde als für Vulkan darstellte, fühlte sich T’Pol offensichtlich verantwortlich für die Entscheidung ihrer Heimatwelt, diesen Konflikt auszusitzen – womöglich sogar auf Kosten der Existenz der Erde.

Werden uns die Klingonen helfen, die Romulaner zurückzudrängen?, fragte sich Archer einmal mehr. Auf den ersten Blick klang der Gedanke nicht so absurd. Schließlich lag das Klingonische Reich schon so lange mit dem Romulanischen Sternenimperium im Zwist – oder schlimmerem –, wie auch nur irgendjemand, der mit einer der beiden Kulturen vertraut war, zurückdenken konnte. Diese gegenseitige Antipathie mochte bis auf den Tag des ersten Kontakts zwischen Klingonen und Romulanern zurückreichen. Andererseits könnte M’Rek zu dem Schluss kommen, dass das Reich besser beraten wäre, die Erde und Romulus die nächsten Jahre lang ihren blutigen Krieg ausfechten zu lassen. Denn danach wären beide leichte Beute …

Mit einer Plötzlichkeit, die Archer überraschte und seinen Gedankengang unterbrach, öffneten sich die massiven hölzernen Türflügel zur Ratskammer. Eine Wolke aus Schweiß und Fliederduft wehte daraus hervor und ließ die Flammen der Zeremonienleuchter an den kalten Steinwänden flackern. Der Captain vernahm das tiefe, grollende Rufen des klingonischen Äquivalents eines Versammlungsleiters, gepaart mit dem fernen Geräusch schwerer Stiefel auf dem über Jahrhunderte glatt polierten Steinboden. Die Mitglieder des Hohen Rats kehrten weit früher in die Hauptkammer zurück, als Archer es erwartet hatte.

Nicht gut, dachte er. »T’Pol, ich schätze, die Klingonen werden Ihre Frage nun ein für alle Mal beantworten.« Er ging ihr voran auf die offene Tür zu.

Gleich darauf standen Archer und sein Erster Offizier erneut im Besucherbereich der Kammer des Hohen Rats, einem breiten, flachen Steinstreifen, der von einem erhöht liegenden, abgestuften Podest überblickt wurde, auf dem mehrere Dutzend Anführer der wichtigsten Häuser des Klingonischen Reichs soeben ihre Plätze einnahmen und zur Ruhe kamen.

Als das leise Hintergrundgrollen der Gespräche verebbte und Stille eintrat, schritt Kanzler M’Rek, der Oberste des Rats, auf das mittlere Podest zu, wo er anhielt und Archer anblickte. Unmittelbar hinter M’Rek folgte Fleet Admiral Krell. Er schickte die Wachen fort, die ihn flankierten, und bezog zur Rechten des grauhaarigen Anführers Aufstellung. Trotz der seltsam glatt wirkenden Stirn strahlte Krell pure Kraft und kaum gezügelte klingonische Wut aus – die er direkt auf Archer richtete wie eine Batterie aus Phasenkanonen. Die Zöpfe an Krells langem und schmalem weißem Bart schienen vor Anspannung zu zittern.

Vor einem Jahr hatte der Captain dem Admiral in eben diesem Raum im Kampf gegenübergestanden. Dabei hatte Archer dem Klingonen mit einem bat’leth den rechten Arm abgeschlagen. Dass die Gliedmaße erfolgreich wieder angesetzt worden war, schien wenig dazu beigetragen zu haben, die Abneigung des Admirals ihm gegenüber zu mildern.

Will er wirklich seine Wut an der ganzen menschlichen Rasse auslassen?, fragte Archer sich, nur um sich die Antwort gleich darauf selbst zu geben. Wenn er M’Rek geraten hat, sich aus dem Kampf herauszuhalten, hat er bereits genau das getan.

»Jonathan Archer.« Kanzler M’Rek betonte jede Silbe auf eine sonore, zeremonielle Art und Weise, hinter der offensichtlich die Absicht stand, bis in die letzte Ecke der großen Kammer gehört zu werden. »Der Hohe Rat ist, was die offizielle Anfrage Ihrer Regierung betrifft, zu einer Entscheidung gekommen.«

Archer verspürte ein ganz seltsames Gefühl in seinem Inneren, als versuchten seine Eingeweide, sich aneinander vorbeizudrängen, um einen Ort zu finden, an dem es sicherer war als hier. »Danke, Kanzler«, sagte er, vor allem deshalb, um die enervierende Stille zu füllen.

»Sie haben keinen Grund, mir zu danken, Archer«, entgegnete M’Rek. »Der Hohe Rat lehnt hiermit formell ab, Ihrer Welt im Krieg gegen die RomuluSngan zu helfen.«

Archer hatte gedacht, er sei darauf vorbereitet, eine derartige Weigerung zu hören. Er hatte gedacht, er könne die schlechten Neuigkeiten mit einer gewissen Ruhe und Haltung entgegennehmen. Doch als er spürte, wie Hitze in ihm aufstieg, wurde ihm klar, dass er da völlig falschgelegen hatte. »Das war’s dann also?« Er hob die Stimme, um selbst auf den billigsten Plätzen der Galerie noch gehört zu werden. »Ihr Hoher Rat ›lehnt hiermit formell ab‹, sich einem gemeinsamen Feind zu stellen?«

Krell bedachte Archer mit einem bösartigen Grinsen. »Ich glaube, Ihr Übersetzungsgerät muss dringend gewartet werden. Bis dahin gestatten Sie mir, alle möglichen Unklarheiten zu beseitigen: Suchen Sie woanders nach Hilfe! Vom klingonischen Hohen Rat werden Sie keine erhalten, und der Kanzler schuldet Ihnen keine Erklärung deswegen. Habe ich mich deutlich genug ausgedrückt?«

Archer ignorierte Krell und blickte stattdessen unverwandt den Kanzler an. »Was müssen wir geringen Erdenmenschen tun, um uns Ihrer Hilfe als würdig zu erweisen, Kanzler?«

»Captain«, sagte T’Pol und legte ihm eine sanfte, aber bestimmende Hand auf die Schulter.

Er schüttelte sie ab und deutete auf den Fleet Admiral. »Würde es helfen, wenn ich dem Kerl dort auch den anderen Arm abschlage?«

»Captain!«, ging T’Pol, diesmal schärfer, dazwischen.

Krell knurrte und wollte auf Archer zugehen, doch M’Rek stoppte ihn, indem er eine gepanzerte Faust hob. »Mevyap!«

Angespannte Stille trat ein. »Vergessen Sie sich nicht, Captain«, warnte M’Rek. »Sie sind nur ein Gast hier. Fordern Sie die Geduld des Hohen Rats nicht mit Ihren Prahlereien heraus.«

Es kostete Archer enorme Willenskraft, seine Gefühle zurückzuhalten. Er versuchte, sich an die Ruhe und den Frieden zu erinnern, die er zwei Jahre zuvor erfahren hatte, als sein Gehirn eine Weile als Aufbewahrungsort für den lebenden Geist des vulkanischen Philosophen Surak gedient hatte. Obwohl Suraks Einfluss mittlerweile kaum mehr als ein fernes Wispern war, genügte er, um ihn daran zu hindern, weitere Protokollbrüche zu begehen.

Dennoch begeisterte es ihn nach wie vor wenig, dass die Klingonen entschieden hatten, die Erde den Wölfen – oder den Raubvögeln – vorzuwerfen, genau wie es bereits die Vulkanier getan hatten.

Ohne Krell eines Blickes zu würdigen, wandte er sich noch einmal an den Kanzler. »Bitte vergeben Sie mir, Kanzler. Ich habe zugelassen, dass meine Gefühle mit mir durchgehen.«

»Vielleicht hätten Sie stattdessen lieber Ihre vulkanische SoS für Sie sprechen lassen sollen, Archer«, meinte Krell mit einem Glucksen.

Archer, der sich schon lange mit den gelegentlichen Aussetzern seines Universalübersetzers abgefunden hatte, konnte nur raten, was eine SoS sein sollte. Er nahm die mit Sicherheit als Beleidigung gedachten Worte gelassen hin, sah aber schließlich doch den Admiral an. »Sie sollten sich glücklich schätzen, dass ich es nicht getan habe, Krell. Ansonsten wären Sie jetzt vielleicht beide Arme los.«

Der Kanzler lachte leise, aber nicht so leise, dass ihn die hohen Ratsmitglieder, die ihn umgaben, nicht gehört hätten. Das Lachen breitete sich in der Kammer aus und verscheuchte für einen kurzen Augenblick das grimmige Schweigen, das für gewöhnlich im Raum herrschte. Fleet Admiral Krell kochte wortlos vor sich hin.

Kanzler M’Rek vollführte eine nicht sehr subtile Handbewegung, und vier bewaffnete Wachen näherten sich Archer und T’Pol. Die Audienz war offensichtlich zu Ende – und die zurückgewiesenen Bittsteller machten sich besser sofort auf den Weg, solange noch ein Anschein von gemeinschaftlicher Heiterkeit im Raum lag.

Ich schätze, ich überlasse die ›Prahlereien‹ besser denechten Experten, dachte Archer, während er den finster dreinschauenden Kriegern gestattete, ihn und seinen Ersten Offizier zurück in den Gang und durch den äußeren Eingangsbereich zum Landefeld zu geleiten, wo sie Raumfähre eins geparkt hatten.

Archer ging auf das kleine Raumschiff zu, doch bevor er die Backbordluke erreicht hatte, trat eine hagere, weißhaarige Gestalt hinzu und verstellte ihm den Weg. »Captain Archer.« In der sonoren Stimme des Mannes lag hörbare Autorität.

Archer nickte dem älteren, doch nach wie vor rüstig wirkenden Klingonen zu und streckte die rechte Hand aus. »Kolos. Es ist schön, Sie zu treffen. Sie sehen gut aus.«

Kolos’ Lippen verzogen sich, und sein schneeweißer Schnurrbart umrahmte ein ironisches, von schiefen Zähnen erfülltes Grinsen. Mit beinahe schmerzhafter Kraft packte er Archers Arm. »Sie sind ein schlechter Lügner, mein Freund.«

»Und Sie ein noch schlechterer Anwalt.« Archer trat einen Schritt zurück, nachdem Kolos seinen Arm freigegeben hatte. Dieser Mann, ein verdienter Gerichtsverteidiger, hatte ihn vor einem Todesurteil durch ein klingonisches Tribunal bewahrt – und war dafür selbst mit einem Jahr Zwangsarbeit auf einer Gefängniswelt belohnt worden.

»Fleet Admiral Krell hat Ihre sofortige Abreise befohlen, Erdling«, knurrte eine raue Stimme hinter Archer, der sich gerade rechtzeitig umdrehte, um zu sehen, wie einer der bewaffneten Soldaten T’Pol nach vorne schubste. Einmal mehr brodelte Zorn in Archer hoch, als er seinen Ersten Offizier festhielt, damit dieser sie nicht stürzte.

Bevor Archer allerdings protestieren konnte, bellte Kolos etwas auf Klingonisch, das der Universalübersetzer anscheinend nicht verständlich übertragen konnte. Die Wachen blickten sich kurz unsicher an. Dann nickte einer von ihnen, wohl der Anführer des kleinen Trupps, Kolos ehrerbietig zu. Die vier Soldaten machten auf dem Absatz kehrt und marschierten davon.

Beeindruckt wandte Archer sich dem Anwalt wieder zu. »Was haben Sie ihnen gesagt?«

»Ich habe ihnen mitgeteilt, dass ich mich persönlich um Ihre Abreise kümmern werde. Und ihnen vorgeschlagen, sich eine sinnvollere Tätigkeit zu suchen, als eine hilflose Frau zu bedrängen.«

»Sehr freundlich«, bemerkte T’Pol säuerlich. Kolos schien sich nicht bewusst zu sein, dass er sie beleidigt hatte, aber sein Lächeln verblasste und er wurde ernst.

»Schlechte Neuigkeiten verbreiten sich hier offenbar schnell«, stellte Archer fest, wobei er darauf achtete, seine Frustration über den Hohen Rat nicht an Kolos auszulassen.

»Ich bin schon seit einer Weile über die Entscheidung des Hohen Rats unterrichtet, Captain«, antwortete der klingonische Anwalt. »Wie es aussieht, war sie eine ausgemachte Sache. Ich fühle mit Ihnen, was auch immer das wert sein mag.«

Dass M’Reks Entscheidung ein fait accompli gewesen war, überraschte Archer nicht im Geringsten. »Ich wünschte, meine Leute hätten Sie geschickt, um gegenüber M’Rek für die Erde zu sprechen«, seufzte er. »Sie wären zweifellos überzeugender gewesen als ich.«

Kolos wischte die Worte mit einer Bewegung seiner großen Hand beiseite. »Targ-Mist, Captain. M’Rek und seine Unterstützer hatten ihre Entscheidung bereits getroffen, bevor Ihre Welt überhaupt darum gebeten hat, vor dem Hohen Rat auftreten zu dürfen. Sie war so unvermeidlich wie unabänderlich.«

»Wenn das wahr ist«, warf T’Pol ein, »warum hat M’Rek sich dann überhaupt die Mühe gemacht, vorzugeben, dass unser Fall debattiert werden müsse?«

Der Klingone gluckste leise. Er klang wie ein geduldiger Vater, der einem frühreifen, aber naiven Kind eine Frage beantwortete. »Um den unerfreulichen Umstand zu verschleiern, dass das Klingonische Reich mit gewissen eigenen, hartnäckigen Problemen zu kämpfen hat.«

»Und zwar?«, fragte Archer ehrlich interessiert.

Kolos legte die Hände hinter den Rücken und begann langsam, neben der Raumfähre hin und her zu gehen. Sein Tonfall war der eines ausschweifend dozierenden Professors. »Wie jedes Reich, das nur blüht, wenn es seine Grenzen ausweitet, hat der klingonische Staat mit vielen chronischen Problemen zu kämpfen. Diese Probleme müssen zur Zufriedenstellung des Hohen Rats angegangen werden, bevor M’Rek die Freiheit hat, sich um Angelegenheiten zu kümmern, die jenseits unserer gegenwärtigen Grenzen liegen.«

»Sie scheinen damit sagen zu wollen, dass das Klingonische Reich, statt sich weiter auf Eroberung zu konzentrieren, in eine Phase der Konsolidierung eingetreten ist«, sagte T’Pol. »Der Wechsel zwischen Phasen der Eroberung und der Konsolidierung ist ein verbreitetes historisches Muster, vor allem unter langlebigen Reichen.«

Kolos hob eine seiner buschigen weißen Augenbrauen und sah T’Pol kritisch an. Er wirkte verärgert, behielt aber seinen ruhigen Tonfall bei. »Äußern Sie so etwas bloß niemals in Anwesenheit des Hohen Rats. M’Rek reißt Ihnen die Eingeweide raus, wenn Sie auch nur andeuten, dass Eroberung jemals etwas anderes als die höchste Priorität im Reich haben könnte.«

Archer hob eine Hand in dem Versuch, das Gespräch zurück zum Thema zu lenken. »Also schön«, sagte er. »Demnach ist M’Rek ein Politiker, der versucht, an seiner Macht festzuhalten.« Paradoxerweise beruhigte ihn die Erkenntnis, dass der Anführer einer derart entschieden nichtmenschlichen Spezies durch eine so elementare menschliche Schwäche angetrieben wurde. »Aber wir wollen die klingonische Innenpolitik für einen Moment beiseitelassen.«

»Mit Vergnügen«, knurrte Kolos mit einem Ausdruck des Widerwillens.

»Ich kann verstehen, dass M’Rek sich um seine hausgemachten Herausforderungen kümmern muss, doch welche Art von ›eigenen hartnäckigen Problemen‹ könnte für das Klingonische Reich ein größeres Gefahrenpotenzial bieten als die Romulaner? Soweit mir bekannt ist, sind sie kein bisschen weniger expansionsbegeistert als ihr Klingonen. M’Rek muss doch wissen, dass ihm die romulanische Flotte in nicht allzu ferner Zukunft direkt auf den Füßen parken wird.«

»In der Tat«, bekräftigte T’Pol Archers Worte. »Und wenn M’Rek sich zurücklehnt und die Erde untergehen lässt, wird dieser Tag eher früher als später eintreten.«

Kolos nickte. »Das weiß M’Rek alles. Aber er ringt immer noch mit den Nachwirkungen dieses Mutantenvirus, der vor zwei Jahren die Qu’Vat-Kolonie befallen hat. Die Plage hat sich seitdem nach N’Vak und darüber hinaus verbreitet und beginnt das ganze Reich zu befallen.«

»Sie sprechen von der modifizierten levodianischen Grippe«, sagte T’Pol.

»Ja«, erwiderte Kolos. »Eben jenem Krankheitserreger, den Ihr eigener Doktor Phlox auf genetischer Ebene manipuliert hat.«

»Das klingonische Militär hat ihn dazu gezwungen!«, rief Archer und seine Wut drohte wieder einmal überzukochen.

»Unter Ihrer Mitwirkung, Captain«, sagte Kolos.

Archer hatte den Eindruck, von einem cleveren Anwalt ins Kreuzverhör genommen zu werden – was, wie er feststellte, genau der Fall war. »Was Phlox und ich getan haben, hat letzten Endes Millionen Ihrer Leute vor einer ansonsten tödlichen Epidemie bewahrt.«

»Das stelle ich nicht infrage, Captain. Allerdings hat Ihr Heilmittel einen Großteil der infizierten Bevölkerung von HemQuch in QuchHa’ verwandelt, auch wenn es sie gerettet hat.«

Ich muss Hoshi wirklich dransetzen, diese verdammten Übersetzereinheiten zu verbessern, dachte Archer. Laut sagte er: »Verzeihung, aber ich verstehe kein Wort, Kolos.«

»HemQuch kann man in etwa mit ›stolze Stirn‹ übersetzen«, erklärte T’Pol.

Kolos grinste, als er auf die kräftig strukturierten Stirnwülste seines eigenen Schädels deutete. Irgendwie erinnerte er dabei an einen brünstigen Hirsch, der sein Geweih präsentierte. »Im Gegensatz dazu bedeutet ›QuchHa’‹ ›die Unglücklichen‹«, fügte er hinzu.

»Passt zu Krell«, meinte Archer. »Er wirkt für gewöhnlich extrem unglücklich.«

Kolos nickte. »Und genau wie zahllose andere, die auf diese Weise geheilt wurden, glaubt er mittlerweile, dass der Tod bei Weitem vorzuziehen gewesen wäre.«

Das konnte Archer kaum glauben. »Warum?«

»Verstehen Sie es nicht, Archer? Sie ähneln mittlerweile Ihrer Spezies viel mehr als jedem anderen Klingonen, der jemals lebte.«

»Klingonen sind ziemlich harte Burschen. Sie werden darüber hinwegkommen.«

»Irgendwann, ja. Aber in der Zwischenzeit sind die mit dieser … Veränderung einhergehenden sozialen Unruhen groß genug, um den Kanzler vollauf zu beschäftigen. Diese Sache wird den Hohen Rat ohne Zweifel noch mehrere Generationen lang beschäftigen. Was der Grund dafür ist, dass der Rat Ihnen nicht gegen die RomuluSngan beistehen kann.«

Archer trat auf die Raumfähre zu und legte eine Hand auf das äußere Kontrollfeld. Zischend öffnete sich die Backbordluke, und T’Pol bestieg wortlos das Transportmittel.

»Großartig«, sagte Archer, noch immer halb an Kolos gerichtet, während er auf die Schwelle der Luke trat. »Die Erde wird überrannt und niedergebrannt, bloß weil Phlox und ich den Fehler gemacht haben, den Klingonen etwas Gutes zu tun. Danke für alles, Kolos. Jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss zurück zur Enterprise, um die schlechten Neuigkeiten zu überbringen.«

Doch bevor Archer ganz über die Schwelle treten konnte, streckte Kolos den Arm aus und legte ihm eine Hand auf die Schulter. »Ich glaube, Sie missverstehen, was heute passiert ist.«

Archer ließ ein freudloses Lachen hören. »Was gab es da falsch zu verstehen? M’Rek hat soeben das Todesurteil für die Erde unterzeichnet. Und Sie waren so nett und sind etwas verfrüht aufgetaucht, um uns die letzte Ehre zu erweisen.«

»Mein Kommen hat nichts mit Freundlichkeit zu tun, Captain. In Wahrheit bin ich auf M’Reks Geheiß hier.«

»Um uns zu warnen, bloß keine klingonische Hilfe gegen die Romulaner zu erwarten?« Archer versuchte nicht einmal mehr, den ätzenden Sarkasmus aus seiner Stimme herauszuhalten. »Ich denke, M’Rek hat etwas in der Art bereits verkündet. Ich hab’s begriffen.«

Trotz der Intensität seines Blicks blieb Kolos’ Stimme ruhig, so als wolle er vermeiden, dass irgendjemand außer Archer sie hörte. »Nein, Captain. Ich kam hierher, um Ihnen mitzuteilen, dass Sie keine offizielle klingonische Hilfe erwarten dürfen.«

Der klingonische Anwalt ließ Archers Schulter los, dann drehte er sich abrupt um und schritt auf die Halle des Hohen Rats zu.

Innerlich ausgelaugt überließ Archer T’Pol den linken Platz im Cockpit und gab sich mit den einfacheren Aufgaben zufrieden, die mit der Rolle des Kopiloten einhergingen. Sie führten die Vorflugüberprüfung durch und starteten die Raumfähre. Schweigend legten Archer und T’Pol die kurze Flugstrecke zur Enterprise zurück.

Trotz Kolos’ unausgesprochener Enthüllung hatte Archer das Gefühl, mit leeren Händen von Qo’noS zurückzukehren. Er fragte sich, wie sich die Dinge bloß in so kurzer Zeit dermaßen zum Schlechten hatten wenden können.

Und ob diese Zukunft bereits vor beinahe einem Jahr ihren Lauf genommen hatte, als es ihm nicht gelungen war, den Treibstofftanker des Earth Cargo Service Kobayashi Maru vor der Zerstörung zu bewahren.

ZWEI

Gegen Ende des Monats et’Khior, JS 8765

Montag, 16. August 2156

Äußeres ShiKahr, Vulkan

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Charles Anthony »Trip« Tucker III träumte, und er wusste es.

Er wusste es deshalb so genau, weil er etwas sah, das nicht möglich sein konnte, als er über die Schwelle zu T’Pols Haus trat – dem Ort, den er im Augenblick mit seinen Geschäftspartnern und Spionagekollegen Tevik, Ych’a und Denak, Ych’as Ehemann, teilte. Obwohl sein Körper vollständig davon überzeugt war, dass es keinesfalls später als vielleicht eine Stunde nach Mitternacht sein konnte, sah Trip, als er über den Hof hinwegschaute, das rötliche, zunehmende Licht eines weiteren Spätsommermorgens auf der nördlichen Hemisphäre Vulkans.

Der Traumhimmel befand sich nach wie vor im Übergang vom tiefen Zinnoberrot der Dämmerung zu den lachsfarbenen Pastelltönen des Morgens, dem das feurige Rot und Orange des Mittags folgen würde. Dennoch war es bereits hell genug, um den Hinterhofgarten gut erkennen zu können, den Trip seit T’Pols Abreise mit Hingabe pflegte. Ungeachtet des allgegenwärtigen, sichelförmigen Schattens von T’Khut, der Nachbarwelt, mit der Vulkan einen Orbit teilte, tauchten die Strahlen des aufsteigenden Zwergsterns 40 Eridani A – von den Einheimischen auch Nevasa genannt – die Früchte seiner Arbeit in strahlendes Licht. Auf den schmalen Beeten mit Hla-meth-Kräutern waren kaum mehr als Stoppel zu sehen, die aus dem rötlichen Boden wuchsen und von Reihen schwerer, dicker Rillan-Kürbisse überschattet wurden, die ihrerseits beinahe erntereif schienen. Die Favinit- und Plomeek-Pflanzen dahinter waren aller Blüten beraubt, ebenso das Alem-vedik-Salzwüstengras, das daneben wuchs. Auch die I’su’ke- und G’teth-Beeren-Büsche waren abgeerntet. Nur die hoch aufragenden Gespar-Obstbäume, die Nar’ru-Ranken, die an ihnen emporkletterten, und die Ic’tan-Koniferen, die in der Mitte des Hofs zusammenstanden, wirkten der Kargheit der kommenden Jahreszeit entgegen.

Ich frage mich, ob T’Pol überhaupt bemerkt, was ich hier alles geleistet habe, wenn sie zurückkehrt, dachte er, als er den Hof überquerte. Er war sich ziemlich sicher, dass er sie erst einmal darauf würde hinweisen müssen, bevor sie ihm auf ihre gewöhnlich knappe Art danken würde. Natürlich musste er die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der echte Garten nicht ganz dem entsprach, den sein Traum ihm vorgaukelte.

Traum oder nicht, es fühlte sich gut an, draußen zu sein. Trip holte langsam Luft, inhalierte die trockene Wüstenluft regelrecht. Erfreulicherweise war es hier morgens niemals frisch. Genau genommen herrschte bereits eine angenehme Wärme, T-Shirt-Wetter sozusagen. Um die Mittagszeit würde es natürlich furchtbar heiß werden. An das Klima auf Romulus hatte er sich jedenfalls deutlich leichter gewöhnen können. Er spazierte weiter und versuchte, nicht zu viel Zeit an diesen unerfreulichen Gedanken zu verschwenden. Dort drüben, in den morgendlichen Schatten, stand … T’Pol.

BUMM. BUMM. BUMM.

Ein beharrliches Hämmern drang an seine Ohren, fern, doch drängend. Unvermittelt versank der Garten in wirbelnder Finsternis. Trip spürte, wie ihn ein Anfall von Schwindel überkam, und schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete und die wirkliche Nacht einmal mehr über ihn hereinbrach, war seine innere Ruhe bereits gänzlich dahin.

Es dauerte eine Weile, bis es ihm gelang, die Verwirrtheit abzuschütteln, die einen gelegentlich überkam, wenn man unvermittelt aus dem Schlaf gerissen wurde. Dann erkannte er, dass er auf dem Bett im Schlafzimmer lag – eben jenem Raum, den er sich mit T’Pol geteilt hatte, bevor sie zur Enterprise zurückgekehrt war.

BUMM. BUMM. BUMM.

Diesmal war das Hämmern deutlicher zu hören und mit mehr Nachdruck. Eine tiefe, befehlsgewohnt klingende Stimme verlangte Einlass. Das klare Vulkanisch des Mannes war vom in ShiKahr vorherrschenden Akzent gefärbt.

Die Eingangstür, erkannte Trip. Er schlug die Decke beiseite und setzte die Füße auf den noch immer kühlen Steinboden. Ohne Zeit darauf zu verschwenden, seine Phasenpistole zu suchen, eilte er barfuß durch den zentralen Wohnbereich und hinüber zum Eingangsbereich.

Er traf gerade rechtzeitig ein, um mitzuerleben, wie die Tür nach innen krachte, als habe sie ein kräftiger Schlag getroffen.

»Licht!«, befahl Trip dem Hauscomputer, der gehorsam die Innenbeleuchtung des Hauses auf Nachtstärke erhöhte. Der plötzliche Helligkeitswechsel blendete Trip eine Sekunde lang. Dennoch konnte er mehrere große, humanoide Gestalten ausmachen, die über die Schwelle ins Haus stürmten.

Bevor er auf irgendeine Weise reagieren konnte, befand sich bereits eine Person – oder vielleicht auch mehr als eine – in seinem Rücken, verdrehte ihm die Arme und nahm ihn in einen festen Haltegriff. »He, was soll das?«, schrie Trip die vielleicht sechs Personen umfassende Gruppe an, die soeben in das Haus eingedrungen war.

Die groben Hände ließen ihn los, und er fiel schmerzhaft auf dem Steinboden auf die Knie. Gleichzeitig bemerkte er, dass man ihm die Hände auf den Rücken gebunden hatte.

Vulkanische Sicherheitskräfte, dachte Trip niedergeschmettert. Cops. Hatten Administratorin T’Pau oder Minister Kuvak endlich herausgefunden, dass er in Wahrheit ein verkleideter menschlicher Spion war und nicht der vulkanische Geschäftsmann, als der er sich ausgab? Oder war ihm vielleicht Silok, der Direktor des V’Shar, des vulkanischen Geheimdienstes, auf die Schliche gekommen? Trip fragte sich, ob er sich unabsichtlich in die Karten hatte schauen lassen, als T’Pol ihn zum Miteigentümer dieses Hauses gemacht hatte.

Er hörte, dass links von ihm gekämpft wurde, und als er sich umdrehte, sah er, wie drei Sicherheitsoffiziere Denak zu Boden rangen. Neben ihm lag Ych’a flach auf dem Bauch, alle viere mit dünnen Kabeln zusammengebunden. Sie schien bewusstlos zu sein, ein Umstand, gegen den Denak offenbar nachdrücklich protestierte, bis ihn ein gut platzierter Nackengriff ebenfalls kraftlos niedersinken ließ.

Fassungslos wurde Trip Zeuge, wie Ych’a und Denak, halb getragen, halb geschleift, nach draußen gebracht wurden. »Was denkt ihr Leute euch eigentlich dabei?«, knurrte Trip den Beamten an, der ihm am nächsten stand. Es handelte sich um eine Frau, und Trip musste sich unangenehm den Hals verrenken, um ihr in die Augen schauen zu können. »Denak und Ych’a sind ehemalige Mitarbeiter des vulkanischen Geheimdienstes.«

»Das sind sie«, erwiderte die Frau, die das Überfallkommando anzuführen schien. »Und jetzt stehen sie offiziell unter Verdacht, Teil der Verschwörung zu sein, die zur Auslöschung von Suraks Katra geführt hat.«

Trip spürte, dass ihm die Kinnlade herunterklappte. Als ihm bewusst wurde, wie schrecklich unvulkanisch das aussehen musste, zwang er sich dazu, den Mund wieder zu schließen.

Ein hoch gewachsener, stämmiger Uniformierter gesellte sich zu der Frau. »Das ist der Letzte«, sagte der Vulkanier und deutete dabei auf Trip. »Abgesehen von ihm und den zwei Verdächtigen ist das Haus leer.«

»Sehr gut, Subalterner«, gab die Frau zurück. »Und jetzt lösen Sie bitte die Fesseln dieses Mannes.«

Einen Moment später kam Trip wieder auf die Beine und rieb sich die kribbelnden Handgelenke. »Ich stehe also nicht auf der Liste der Verdächtigen, was den Bombenanschlag am Berg Seleya angeht?«, erkundigte sich Trip.

»Im Augenblick nicht, Mister Sodok. Aber halten Sie sich bitte für eine Vernehmung bereit, sollte sich dies als notwendig erweisen.«

Trip nickte, wobei er sich größte Mühe gab, wie ein gleichmütiger Vulkanier zu wirken und nicht wie ein Mensch mit künstlich angespitzten Ohren, der einerseits wütend war und sich andererseits misshandelt fühlte.

Da er sich nun wieder frei bewegen konnte, trat Trip bedächtig über die herausgeschlagene Tür hinweg und durch den Rahmen, in dem sie zuvor gehangen hatte. Auf dem kargen vorderen Hof des Hauses waren mehrere Sicherheitsbeamte gerade damit beschäftigt, die bewusstlosen Körper von Ych’a und Denak in den Fond eines kleinen Antigravtransporters zu laden, auf dem das dreieckige Logo der Vulkanischen Sicherheitskräfte prangte.

Es ist unmöglich, dass die beiden irgendetwas mit dem Bombenanschlag am Berg Seleya zu tun haben, dachte Trip, als das vulkanische Sicherheitspersonal die hintere Klappe des Fahrzeugs schloss. Denak und Ych’a gehören zu den ältesten Freunden von T’Pol. Wahrscheinlich haben sie ihr Leben schon häufiger zum Wohle Vulkans aufs Spiel gesetzt, als sie zu zählen vermögen. Wie könnten sie jemals alles verraten, wofür Vulkan angeblich steht?

Während Trip noch in halb verschlafenem Zustand versuchte, sich etwas auszudenken, um T’Pols alte Freunde – seine Freunde – aus dieser misslichen Lage zu befreien, kam ihm plötzlich ein Gedanke: Dieser Cop behauptete, dass das Haus, von uns dreien abgesehen, leer sei.

Tatsächlich hatten ursprünglich vier Personen in diesem Haus gewohnt. Allerdings hatte sich dies vor einigen Wochen unvermittelt geändert. Wie es aussah, wusste nach wie vor niemand, wo sich Tevik herumtrieb. Hatte er die psionische Leine abgeschüttelt, mit der Ych’a ihn früher kontrolliert hatte? War die künstlich unterdrückte, wahre Identität des Mannes – Centurion Terix aus dem Romulanischen Sternenimperium – endlich doch wieder zum Vorschein gekommen und hatte die Kontrolle übernommen?

Eine morgendlich frische Böe wehte über den Vorgarten, und auf Trips Armen entstand Gänsehaut. Wenn irgendjemand, den ich kenne, für die Zerstörung von Suraks Katra verantwortlich ist, dachte er, dann ist es Tevik – oder vielmehr Terix.

Noch immer verspürte er den überwältigenden Drang, über den Hof und zu dem Transporter zu rennen, in den man Ych’a und Denak gesteckt hatte. Stattdessen blieb er reglos stehen, als die Antigravtriebwerke das Fahrzeug langsam in den nächtlichen Himmel hoben, nur erhellt von der schmalen Sichel des öden, pockennarbigen T’Rukh, dessen Name »der Wächter« bedeutete.

Terix ist der Schlüssel, um Ych’a und Denak zu befreien, überlegte Trip, während er dem Transporter nachblickte, der rasch kleiner wurde und schließlich verschwand. Wenn ich ihn finde, erschlage ich zwei Lanka-Gar mit einem einzelnen Stein.

Er ging zum Haus zurück und schüttelte dabei den Kopf, um einen heftigen Anfall von Heimweh loszuwerden. Verdammt noch mal. Jetzt fange ich schon an, auf Vulkanisch zu denken.

DREI

Montag, 16. August 2156

Das Presidio, San Francisco, Erde

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Nathan Samuels, der Premierminister der Vereinigten Erde, schlug so heftig mit der Faust auf sein Rednerpult, dass ihm ein stechender Schmerz durch den Unterarm fuhr. Er versuchte, keine Miene zu verziehen, während der Schlag wie ein schwaches Donnern durch den hohen Versammlungsraum der Koalition der Planeten hallte.

»Es gibt für die Regierung meines Planeten nur eine denkbare Gangart«, erklärte er mit lauter Stimme. Welchen Standpunkt auch immer sein kleines, aber alles andere als unbedeutendes Publikum in der Debatte des heutigen Nachmittags einnehmen mochte, zumindest hatte er nun die volle Aufmerksamkeit der Anwesenden, dessen war er sich sicher. Er ließ den Blick über die versammelten zivilen Entscheidungsträger und hohen Militärs schweifen, darunter die Flaggoffiziere der Militärischen Angriffskommandos und der Sternenflotte sowie die Chefdiplomaten von Alpha Centauri, Draylax, Vulkan, Andor und Tellar. »Beide Häuser des Parlaments der Vereinigten Erde«, fuhr Samuels fort, »haben sich in dieser Sache mit überwältigender Mehrheit hinter mich gestellt.«

Selbst wenn er persönlich sich die Angelegenheit, auf die er selbst gedrängt hatte, anders überlegt hätte, wäre es ihm nun nicht mehr möglich gewesen, die Entscheidung der planetaren Legislative anzufechten, das wusste Samuels. Es mangelte ihm sowohl an politischer Schlagkraft als auch an verfassungsrechtlicher Autorität, um sich gegen den kollektiven Willen zu stellen.

»Das Parlament der Vereinigten Erde hat entschieden, die Durchführungsverordnung, die ich im Juni ausgesprochen habe, zu unterstützen. Von diesem Augenblick an wird die Erde den Großteil ihrer militärischen Ressourcen – das betrifft sowohl die Sternenflotte als auch die Militärischen Angriffskommandos – mit der kritischen Aufgabe betrauen, das Sol-System zu schützen. Wir haben keine andere Wahl. Wir müssen darauf vorbereitet sein, alle verfügbaren Kräfte ohne Verzögerung einzusetzen, sollte es den Romulanern gelingen, das Warpfeld-Ortungsgitter unseres Heimatsystems zu durchbrechen. Weltraumpatrouillen jenseits unseres Heimatsystems können wir uns einfach nicht mehr leisten.«

MACO-General George Casey erhob sich von seinem Platz in der ersten Reihe. Seine Rüstung aus Medaillen und Einsatzabzeichen glänzte, während er dem Rednerpult einen finsteren Blick zuwarf. Samuels war sich im Klaren darüber, dass der Offizier mit dem eisengrauen Haar ihm kräftig die Meinung sagen würde, ganz gleich, ob er versuchte, Casey vorsorglich in seine Schranken zu weisen, oder nicht. Daher machte Samuels sich gar nicht die Mühe.

Stattdessen schenkte er dem General ein entwaffnendes Lächeln. »Ja, George. Sie haben eine Frage?« Er hoffte, dass diese Geste, ebenso wie der Umstand, dass er Casey ganz ungezwungen beim Vornamen nannte, das alte Schlachtross aus dem Konzept bringen würde – und wenn auch nur für einen Moment.

Die Taktik ging nicht auf. Ursprünglich hatte Casey die mittlerweile zwei Monate alte Durchführungsverordnung von Samuels unterstützt. Doch offensichtlich hatte er es sich inzwischen anders überlegt. »Die habe ich in der Tat, Herr Premierminister.« Obwohl der General eindeutig zornig war, verhielt er sich zumindest respektvoll. »Ihnen ist doch sicher klar, wie sehr diese Entscheidung die Möglichkeiten der Erde einschränken wird, effektive Angriffsoperationen gegen die Romulaner durchzuführen.«

Samuels nickte. Sein Lächeln war verblasst. »Was auch immer die Nachrichtennetze behaupten mögen, General, habe ich während keiner der militärischen Lagebesprechungen geschlafen.« Ein leises Lachen, eindeutig Galgenhumor, ging durch die Ränge. Allerdings stimmten die Nichtmenschen nicht darin ein. Samuels fragte sich, ob sie einfach nicht begriffen, welche Gefahr drohte, weil ihre Regierungen sich zu kollektiver Tatenlosigkeit entschieden hatten.

Möglicherweise verstanden sie es aber auch nur zu gut und schämten sich dafür.

Casey jedenfalls blieb ungerührt. »Herr Premierminister, das Handeln des Parlaments zwingt uns zu einer rein defensiven Haltung. Es hat diesen Konflikt in einen schleichenden Zermürbungskrieg verwandelt, der für uns letztendlich zur Todesfalle werden wird.«

Schleichende Zermürbung ist besser als eine rasche Niederlage, dachte Samuels, aber er musste zugeben, dass er langsam selbst Schwierigkeiten hatte, das zu glauben. Wenn das bittere Ende sowohl unvermeidlich war als auch unmittelbar bevorstand, warum das Ganze überflüssig in die Länge ziehen? »Ich habe Verständnis für Ihren Standpunkt«, räumte er ein.

Der General machte ein grimmiges Gesicht. »Sir, wenn die MACOs und die Sternenflotte auch nur den Hauch einer Chance haben wollen, der romulanischen Flotte die Stirn zu bieten – ganz zu schweigen davon, sie dorthin zurückzutreiben, wo sie hergekommen ist –, dann brauchen wir einiges mehr als bloß Ihr Verständnis.«

Obwohl die heutige Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit – und damit der Presse – stattfand, konnte sich Samuels bereits lebhaft vorstellen, wie ihn die planetaren Nachrichtennetze bis spätestens zum Mittagessen als Feigling hinstellen würden. Dass diese Entscheidung auf einen Mehrheitsbeschluss des Parlaments hin getroffen worden war, würde keine Rolle spielen. Wenn diese unerträgliche Keisha Naquase von Newstime eine Aufzeichnung dieser Sitzung in die Finger bekommt, wird mich wenigstens die Hälfte der Menschheit danach für einen politischen Eunuchen halten, dachte er.

»Sie haben recht, General«, sagte Samuels, »aber wir müssen realistisch bleiben. Solange wir praktisch allein stehen, können wir keinen Offensivkrieg gewinnen.« Er hielt inne und richtete den Blick auf den Teil der Galerie, wo sich die Delegationen von Vulkan, Andor, Tellar und Draylax niedergelassen hatten. Dann straffte er sich und drehte sich ein wenig, um deutlich zu machen, dass seine folgenden Worte an die Verbündeten der Erde gerichtet waren.

»Wir erhalten praktisch keinerlei Unterstützung von unseren nichtmenschlichen Partnern in der Koalition der Planeten«, fuhr er fort, und es bereitete ihm nicht geringe Genugtuung, zu sehen, dass der für gewöhnlich unerschütterliche vulkanische Außenminister Soval kaum merklich auf seinem Sessel hin und her rutschte. Seine tellaritischen und andorianischen Kollegen – Botschafter Gora bim Gral und Außenminister Anlenthoris ch’Vhendreni – nahmen die Anschuldigung dagegen ohne erkennbare Reaktion zur Kenntnis. Auch die Gedanken von Grethe Zhor von Draylax waren unmöglich zu erraten, da ihre Züge ruhig und unbewegt blieben.

Schweigend nahm General Casey wieder Platz. Er schien sich Samuels in diesem Punkt nicht länger entgegenstellen zu wollen.

Der Premierminister versuchte, die Stille, die sich über den Raum gesenkt hatte, bestmöglich zu nutzen. »Aus diesem Grund käme eine groß angelegte Offensive einem Himmelfahrtskommando gleich. Wir würden die militärischen Ressourcen der Vereinigten Erde und der Alpha-Centauri-Siedlungen unnötig opfern und gleichzeitig die Welten des Sol-Systems ihrer Fähigkeit berauben, die Romulaner abzuwehren.«

Er hielt kurz inne, um den Worten, die er nun an die nichtmenschlichen Delegierten richtete, zusätzliches Gewicht zu verleihen. »Wann werden Sie sich endlich dafür entscheiden, Seite an Seite gegen die Romulaner zu kämpfen? Nachdem diese uns besiegt haben? Nachdem es für uns zu spät ist, und für Ihre eigenen Planeten möglicherweise auch? Oder werden Ihre Regierungen weiterhin einfach dasitzen und wegschauen, während ein aggressives Imperium Ihre Heimatwelten eine nach der anderen annektiert und die Bewohner versklavt und ermordet?«

Ein leises, unwilliges Gemurmel setzte in den Rängen der außerirdischen Teilnehmer ein, doch Samuels beachtete es gar nicht. Er hob die Stimme noch ein wenig: »Es gab einmal einen Menschen, Martin Niemöller, der genauso dachte wie Ihre Anführer. Vor mehr als zwei Jahrhunderten wurde er Zeuge, wie ein großes Übel sein Land heimsuchte. Doch er unternahm keinen ernsthaften Versuch, sich ihm entgegenzustellen oder die Stimme dagegen zu erheben – bis es viel zu spät war, es aufzuhalten. Er hat sein Zögern bitter bereut. Viele von Ihnen haben seine Worte womöglich schon mal gelesen, daher entschuldige ich mich im Vorfeld, dass ich die vertrauten, traurigen Zeilen noch einmal wiederhole:

Als sie die Kommunisten holten,

habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,

habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten,

habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten,

gab es keinen mehr, der protestieren konnte.«

Als das letzte Echo seiner Worte in der Stille verklungen war, die alles Gemurmel abgelöst hatte und nun schwer auf dem Versammlungsraum lastete, nickte Samuels zum Abschied. »Guten Tag.«

Geschlossen erhob sich die Gruppe der Nichtmenschen und begab sich mit steinernen Mienen zu den Ausgängen. Niemand sprach auch nur ein Wort; nur das hallende Geräusch ihrer Schritte war zu hören. Samuels fragte sich, ob er es heute übertrieben hatte – oder ob es immer noch nicht genug gewesen war, um die Romulaner davon abzuhalten, die Koalition zu zerschmettern.

Als die Vulkanier, Tellariten und Andorianer den Raum schon beinahe verlassen hatten, erhob sich General Casey ebenfalls.

Und fing ganz langsam an zu applaudieren.

Vielleicht wäre es doch keine so schlechte Idee gewesen, die Holo-Kameras heute zu gestatten, dachte Samuels.