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Based on

Star Trek: The Next Generation

created by Gene Roddenberry

Ins Deutsche übertragen von

Bernd Perplies

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Die deutsche Ausgabe von STAR TREK – THE NEXT GENERATION: WIDERSTAND

wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg.

Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern, Übersetzung: Bernd Perplies;

verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; Lektorat: Anika Klüver und Gisela Schell;

redaktionelle Mitarbeit: Julian Wangler; Satz: Amigo Grafik; Cover Artwork: Tom Hallman.

Titel der Originalausgabe: STAR TREK – THE NEXT GENERATION: RESISTANCE

German translation copyright © 2009 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © 2007 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

© 2009 Paramount Pictures Corporation. All Rights Reserved.

™®© 2009 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc., pursuant to an exclusive license from CBS Studios Inc.

ISBN 978-3-942649-74-2 Mai 2011

www.cross-cult.de · www.startrekromane.de

Für Sara

Auf die Hoffnung

PROLOG

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Es begann, wie es schon damals begonnen hatte: klaustrophobische Träume, ein Gefühl drohenden Unheils und dann, mit einem verzweifelten, keuchenden Luftholen, das erlösende Erwachen.

In der Dunkelheit kämpfte sich Jean-Luc Picard aus dem Bettlaken frei und stand auf. Es kam ihm so vor, als habe er dergleichen schon unzählige Male getan: sich aus dem Griff eines fernen Schreckens gelöst und sich dann blind aber mit traumwandlerischer Sicherheit seinen Weg durch den unbeleuchteten Schlafraum gebahnt.

Er betrat den Waschraum und hielt vor dem Spiegel inne. »Licht«, befahl er mit rauer Stimme, und das Licht ging an.

Er zuckte zusammen, als er im Schein des Leuchtstofffeldes sein Spiegelbild erblickte. Einerseits sah er aus wie immer: glattrasiert, mit markanten, hageren Zügen und schimmerndem, kahlem Schädel. Und doch war etwas auf subtile Weise anders, auf subtile Weise falsch. Sein Blick fuhr suchend über sein gespiegeltes Ich, forschte nach Gründen für das unbestimmte Gefühl, dass er, nein, vielmehr seine ganze Welt, aus den Fugen geraten war.

Unterhalb seines linken Wangenknochens zuckte ein Stück Haut. Die Bewegung war kaum wahrzunehmen. Picard packte die Ränder des kalten Waschtisches und beugte sich vor. Hatte er sich die Bewegung nur eingebildet? War sie ein Erzeugnis seiner Paranoia gewesen, ausgelöst von einem flüchtigen, halb vergessenen Traum?

Nein. Der Muskel in seiner Wange zog sich erneut kurz zusammen, dann kräuselte er sich. Beunruhigt legte Picard eine Hand auf die Stelle und ertastete einen harten Gegenstand unter dem Fleisch, einen Gegenstand, der weder Zahn noch Knochen war, sondern sich irgendwie nicht menschlich anfühlte.

Seine Finger zitterten, als er sie zurückzog, und er versuchte erfolglos, sie zu beruhigen. Der Gegenstand fing an, sich auszudehnen, drückte hart gegen die Innenseite seiner Wange, gleich der Faust eines Kindes, die sich ihren Weg durch seine Haut erzwingen wollte.

Das Druckgefühl wurde immer stärker, bis es kaum noch zu ertragen war. Voller Grauen beobachtete Picard, wie sich seine Wange über jedes mögliche Maß hinaus dehnte, bis der harte, immer weiter wachsende Zylinder durch das Fleisch brach und sich aus seinem Körper hervorschob.

Erstaunlicherweise floss kein Blut. Nur ein einzelnes, heißes Aufblitzen von Schmerz durchzuckte Picard. Ein schlanker, silbrig glänzender Arm trat hervor und reckte sich eine Handbreit in die Höhe, nur um wenige Zentimeter vor dem Spiegel inne zu halten. Es gab ein surrendes Geräusch, als ein winziger Servo das Ende des Arms öffnete und skelettartige Finger sichtbar wurden, rasiermesserscharfe, tödliche Finger, die dem einzigen Zweck dienten, zu greifen, zu töten, zu verwandeln …

»Die Borg«, flüsterte Picard. Fragmente seines Traums kehrten schlaglichtartig zu ihm zurück: endlose Reihen metallischer, bienenwabenartiger Alkoven, in denen Assimilierte in geistloser Starre auf Befehle warteten; eine Operationskammer, von modernster Effizienz und doch grotesk mittelalterlich anmutend, an den Wänden künstliche Gliedmaßen, Augen, scharfe Sägen und brennende Laser aufgereiht; und das Allerschlimmste: die Königin selbst, nicht mehr als ein körperloser Kopf samt Schultern, ihre dunklen Lippen zu der boshaftesten Andeutung eines selbstgefälligen Lächelns leicht nach oben verzogen, ihre flüssigen schwarzbronzenen Augen voller Verheißung und Gefahr …

Wir waren uns so nah, du und ich. Du kannst noch immer unser Lied hören.

Nein! Nicht noch einmal. Nicht noch einmal!

Schimmernde, metallische Finger klickten und bewegten sich nur Zentimeter von seinen Augen entfernt. Sie löschten sein Spiegelbild aus, dann seine Individualität. Picard sank auf die Knie, den Waschtisch noch immer fest umklammert. Diesmal war sein Schrei nicht lautlos …

Das Geräusch – kaum mehr als ein gequältes Aufstöhnen – brachte ihn endgültig zu Bewusstsein. In dem kurzen folgenden Augenblick der Orientierungslosigkeit presste er seine Handfläche gegen die Wange, und zu seiner großen Erleichterung fand er dort nur menschliches Fleisch vor. Sein Atem ging flach und stoßweise. Er zwang sich dazu, langsam und tief ein- und auszuatmen und der Wirklichkeit zu erlauben, wieder die Herrschaft über ihn zu gewinnen.

Er lag in seinem Bett, und es war Nacht an Bord der Enterprise. Diesmal war er wirklich erwacht.

»Jean-Luc?« Eine sanfte, verschlafene Stimme erklang neben ihm, dann das Geräusch langer, schlanker Gliedmaßen unter dem Bettlaken. »Jean-Luc, ist alles in Ordnung? Du hast geträumt.«

»Beverly.« Seine Stimme klang noch immer rau vom Schlaf, und er räusperte sich. »Ja, natürlich, es ist alles in Ordnung. Es war nur ein Traum.«

Sie rollte sich auf die Seite. Er konnte ihre Silhouette erkennen, nicht aber ihren Gesichtsausdruck. Sie stützte einen Ellbogen auf dem Kissen auf und legte den Kopf in die Handfläche. Ihr Haar fiel herab und strich über seine Schulter. »Wovon handelte dein Traum?«

Er versteifte sich leicht. Er kannte die Nuancen in ihrem Tonfall sehr gut. Jetzt war sie seine Ärztin, nicht die Geliebte oder Freundin. Und sie stellte eine Frage, deren Antwort sie bereits kannte.

»Ich habe also im Schlaf gesprochen«, bemerkte er trocken.

Sie nickte. »Möchtest du darüber reden?«

Ihre Beharrlichkeit entlockte ihm ein Seufzen. »Was soll ich sagen? Ich weiß nicht, weshalb ich von den Borg geträumt habe. Das ist alles schon so lange her.«

Noch bevor sie auch nur zu sprechen anfing, erkannte er bereits ihre Skepsis an der Art, wie sie den Kopf leicht zurückzog. »Eine Wunde, die so tief sitzt, Jean-Luc, wird niemals vollständig verheilen.«

»Dann hilf mir, zu vergessen.« Er ergriff den Arm, der ihren Kopf stützte, und zog behutsam daran. Sie wehrte sich nicht, sondern lachte leise, rollte ihm entgegen und halb auf ihn drauf. Er gab ihr einen raschen Kuss, und sie lächelten sich in der Dunkelheit an.

»Es tut mir leid, dass dich das noch immer belastet«, sagte sie sanft.

Er zuckte mit den Schultern. »Es belastet mich nicht. Es war nur ein … Schluckauf meines Unterbewusstseins, mehr nicht.« Er strich ihr durchs Haar. »Verzeih, dass ich dich geweckt habe. Schlaf noch ein bisschen.«

Sie gähnte und kuschelte sich an ihn, ihre Wange an seine Brust geschmiegt. Einen Moment später war sie eingeschlafen – die besondere Gabe eines Arztes, die sie vor langer Zeit während des Medizinstudiums erworben hatte. Gelegentlich zog er sie damit auf, aber im Grunde beneidete er sie um diese Fähigkeit, vor allem jetzt, da er hellwach im Bett lag, die nächtliche Decke anstarrte und das regelmäßige Heben und Senken ihrer Brust gegen seine Rippen spürte.

Der Traum beunruhigte ihn. Er hatte schon seit ziemlich langer Zeit keinen Gedanken mehr an die Borg verschwendet. Er konnte sich schon nicht mehr daran erinnern, wann er das letzte Mal bewusst die Schrecken seiner Existenz als der Mensch-Maschinen-Hybrid Locutus durchlebt hatte. Er verstand nicht, weshalb diese Erinnerungen gerade jetzt zu ihm zurückkehrten. Und noch weniger verstand er, wieso sie gerade diesmal solch eine verstörende Wirkung auf ihn hatten.

Die Ahnung eines Wisperns drang an sein Ohr.

»Was sagst du?« Er senkte das Kinn, um Beverly anzublicken. Doch sie schlief fest, und er kam zu dem Schluss, dass sie im Traum gemurmelt haben musste. Er hob den Blick erneut zur Decke und schloss die Augen, in der festen Absicht, all diese törichte Anspannung zu verdrängen und selbst noch ein wenig Schlaf zu finden. Er atmete tief ein, entließ die Luft mit einem Seufzen und entspannte seinen ganzen Körper.

Ein weiteres Wispern, zu leise, als dass er es hätte verstehen können.

Picard öffnete die Augen. Diesmal blickte er Beverly nicht an. Diesmal wusste er, dass sie nicht die Quelle des Geräuschs gewesen war. Denn der einzelnen wispernden Stimme gesellte sich rasch eine weitere hinzu, dann noch eine … bis sie sich zu einem schwachen, fernen Chor aus Tausenden vereint hatten.

Du kannst noch immer unser Lied hören.

Und auf einmal wusste Picard mit einer Sicherheit, von der er sich geradezu verzweifelt wünschte, sie nicht zu besitzen, dass er dem Flüstern des Kollektivs lauschte.

Es war die Stimme der Borg.