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STAR TREK

THE NEXT GENERATION®

DEN FRIEDEN
VERLIEREN

WILLIAM LEISNER

Based on
Star Trek: The Next Generation
created by Gene Roddenberry

Ins Deutsche übertragen von
Bernd Perplies

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Die deutsche Ausgabe von STAR TREK – THE NEXT GENERATION: DEN FRIEDEN VERLIEREN wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg. Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern, Übersetzung: Bernd Perplies; verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; Lektorat: Anika Klüver und Gisela Schell; Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik; Cover Artwork: Martin Frei.

Titel der Originalausgabe: STAR TREK – THE NEXT GENERATION: LOSING THE PEACE

German translation copyright © 2011 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © 2009 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

™, ® & © 2011 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc.,

Print ISBN 978-3-941248-66-3 (April 2011) · E-Book ISBN 978-3-942649-85-8 (November 2011)

WWW.CROSS-CULT.DE · WWW.STARTREKROMANE.DE

Für jene, die überleben
und durchhalten

HISTORISCHE ANMERKUNG

Die Hauptereignisse dieses Buchs finden im späten Februar und frühen März 2381 statt, direkt nach dem Einfall der Borg sowie der Beendigung der Krise durch die Rasse der Caeliar (STAR TREK – DESTINY Band 3: »Verlorene Seelen«) und vor der Entdeckung der Föderation, dass eine neue Macht in der Galaxis am Werk ist (STAR TREK »Einzelschicksale«).

Ich bin aber der Überzeugung, dass die Menschen in unserem Land unbedingt verstehen müssen, wie komplex die Situation ist, anstatt sich von Vorurteilen, Wut oder starken Gefühlen leiten zu lassen. Wie ich eben schon ein wenig formeller gesagt habe, sind wir sehr weit von dem Krisengebiet entfernt. Es ist unmöglich, sich auf diese Entfernung und nur anhand von Zeitungs- und Rundfunkberichten, Fotos oder Filmaufnahmen ein annähernd realistisches Bild von der Lage dort zu machen. Trotzdem hängt die Zukunft der ganzen Welt davon ab, dass wir die Situation richtig einschätzen.

- George C. Marshall,
Außenminister der Vereinigten Staaten
5. Juni 1947

PROLOG

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»Auf die Borg: Mögen sie alle in der Hölle verrotten und verbrennen!«

Eine Welle des Applauses rollte durch die Latinum Lounge des Transportschiffes. Mehrere Gläser mit alkoholischen Getränken – echtem Stoff, denn replizierte oder syntheholische Getränke waren bei einem solchen Anlass einfach nicht angemessen – wurden erhoben, während die Anwesenden die größte Tat in der Geschichte der Föderation seit dem Sieg über das Dominion feierten, vielleicht sogar die größte seit Gründung der Föderation überhaupt.

Arandis hob ebenfalls ihr Glas, auch wenn es nur Chininwasser enthielt. Es war das erste Mal, dass sie Risa verließ – wie die meisten Risaner hatte sie niemals das Bedürfnis verspürt, ihrem Heimatplaneten den Rücken zu kehren –, und seit sie aus dem Orbit heraus waren, kämpfte sie gegen die Raumkrankheit an. Natürlich ließ sie niemanden sonst ihr Unwohlsein sehen, denn schließlich waren einer guten Gastgeberin die Bedürfnisse ihrer Gäste stets wichtiger als die eigenen. Obwohl sie sich mittlerweile Lichtjahre von Risa entfernt befanden, stellten all diese Leute genau genommen nach wie vor Gäste der Hotelanlage der Temtibi-Lagune dar, und entsprechend oblag es Arandis, für ihre Zufriedenheit zu sorgen.

Diese Zufriedenheit zu gewährleisten, war nicht eben leicht – weder zu Beginn noch zuletzt. In den frühen Morgenstunden war der Befehl zur Evakuierung hereingekommen. »Eine reine Vorsichtsmaßnahme« hatte der Sicherheitsminister das Ganze in seiner Verlautbarung genannt. Arandis wusste, dass es in den letzten Wochen zu einer Reihe von Nadelstichangriffen auf andere Föderationswelten gekommen war und dass die Sternenflotte daraufhin eine aus sechs Raumschiffen bestehende Flotte abkommandiert hatte, um ihre Heimatwelt zu verteidigen. Doch dann waren heute, gerade als sie das wöchentliche Strand-Hoverball-Turnier in Angriff nehmen wollte, auf einmal Berichte von einer gewaltigen Armada aus Borg-Kuben eingetroffen. Diese hatte im Azur-Nebel eine Blockade aus kombinierten Streitkräften der Sternenflotte, Klingonen und Romulaner durchbrochen und schwärmte daraufhin überall im Alpha- und Beta-Quadranten aus. Alle geplanten Aktivitäten waren abgesagt worden, und man hatte die Gäste so rasch und geordnet wie möglich aus der Hotelanlage und zum benachbarten Raumhafen gebracht.

Den Spendern sei Dank war es kaum zu Panik gekommen. Die schlichte Erwähnung der Borg genügte, um die Herzen der meisten Bürger der Föderation vor Schreck erstarren zu lassen. Das galt besonders für Arandis’ menschliche Gäste, schließlich hatten sich all die Borg-Einfälle in den Alpha-Quadranten gegen deren Heimatwelt, die Erde, gerichtet, und der letzte war kaum ein Jahr her. Arandis war besonders darauf bedacht gewesen, solch verängstigte Seelen beiseitezunehmen, ihnen eine tröstende Hand auf die Schulter zu legen und sie daran zu erinnern, dass all jene Vorfälle in der Vergangenheit letztendlich stets mit einem Sieg der Sternenflotte über die kybernetischen Invasoren endeten. Es war ihr gelungen, sie davon zu überzeugen, dass die Sternenflotte sie letzten Endes auch diesmal alle retten würde.

Tatsächlich wurde ihr Glaube belohnt. Die Borg waren besiegt worden – nicht nur diese Invasionsflotte, sondern die gesamte Rasse. Sie waren auf eine Weise in einer neuen Daseinsform aufgegangen, die Arandis nicht verstand. Als die Piloten des Transportschiffes die Nachrichten, die über die offiziellen Kanäle reinkamen, weiterleiteten, war der ganze Passagierbereich – der bis dato kollektiv den Atem angehalten hatte – in ohrenbetäubenden Jubel ausgebrochen. Später erfuhr Arandis, dass eines der drei Schiffe, die maßgeblich zum Triumph der Sternenflotte beigetragen hatten, unter dem Befehl von Captain Ezri Dax stand, dem gegenwärtigen Wirt des Trill-Symbionten ihres geliebten, alten Freundes Curzon. Daraufhin war ein besonderes Gefühl des Stolzes auf den Erfolg der Sternenflotte in ihrer Brust aufgewallt.

Arandis ging durch die belebte Lounge auf die Bar zu, wobei sie darauf achtete, dass alle Gläser gefüllt waren und es keinem ihrer Gäste an etwas fehlte. Gerade als sie einem ihrer Assistenten ein Zeichen gab, ein Tablett mit Getränken in die hintere Ecke des Raumes zu bringen, trat der Mann an ihre Seite, der den letzten Toast ausgesprochen hatte. Es war ein junger Mensch mit strubbeligem sandblondem Haar, der farbenfrohe Strandbekleidung trug und um dessen Hals noch immer ein gestreiftes Hotelstrandtuch lag. »Hey, Süße!«, rief er und schenkte ihr ein breites, betrunkenes Grinsen. »Iss’n großer Tag heute, nich?« Er hob sein Weinglas und prostete ihr zu.

Der übermächtige Alkoholgestank seines Atems ließ erneut Übelkeit in ihr aufsteigen, aber sie unterdrückte das Gefühl. Ihr junger Gast – Donald Wheeler war sein Name, wie sie sich erinnerte – hatte während des Nachrichtenblackouts in den ersten Stunden nach der Evakuierung bereits ziemlich viel getrunken. Und auch im Anschluss an die Verkündigung ihres Sieges hatte sich daran nichts geändert. »Ja, Sie haben recht, Donald«, erwiderte Arandis mit einem Lächeln und strich ihm über den Arm, während sie sich zugleich abwandte, um weiterzugehen.

Doch Wheeler packte ihr Handgelenk, nicht fest, aber mit genug Bestimmtheit, dass sie sich veranlasst sah, sich wieder zu ihm umzudrehen. »Ich dacht’ mir also, wir sollt’n diesen wichi... wichti... wichtig’n Moment inner Geschichte feiern.« Er hatte sichtlich damit zu kämpfen, seine Lippen und seine Zunge dazu zu bringen, das zu tun, was er von ihnen wollte. »Ich hab meinen Horga’hn auf Risa vergess’n. Isses okay, wenn ich einfach grad’heraus sage, dass ich Lust auf ’ne Runde Jamaharon mit dir hätte, Schätzch’n?«

Arandis schenkte ihm ein perfekt einstudiertes Lächeln. »Natürlich. Alles, was unser ist, ist euer«, erwiderte sie. »Aber bei all den anderen Leuten und so einem kleinen Schiff fürchte ich, dass es einfach unmöglich ist, eine angemessene Atmosphäre zu erzeugen.«

»Hey, ich bin im Urlaub!« Wheeler bedachte sie mit einem, wie er zweifellos glaubte charmanten, Zwinkern, lockerte seinen Griff an ihrem Handgelenk und ließ seine Finger ihren Arm emporwandern. »Ich muss nicht angemess’n sein.«

Ohne ihrem Lächeln zu gestatten, auch nur um einen Millimeter zu verrutschen, nahm Arandis die Hand des Mannes von ihrem Arm und umfasste sie sanft. »Sie mögen Jamaharon suchen«, sagte sie und blickte ihm direkt in die braunen, trübe dreinschauenden Augen. »Aber Sie werden es mit dieser Einstellung nicht finden. Es ist nicht allein eine körperliche Erfahrung, sondern auch eine emotionale und spirituelle.« Arandis arbeitete schon lange in der Gästebetreuungsbranche. Dennoch erschreckte es sie immer wieder, wie viele Besucher nach Risa kamen und behaupteten, Jamaharon zu suchen, in der Annahme, dass es sich dabei um nichts anderes als eine exotische Form des Beischlafs handelte – als würde ihr Volk keiner edleren Weltanschauung als dem puren Hedonismus anhängen. »Aber ich verspreche Ihnen, dass ich Ihnen, sobald wir nach Risa zurückgekehrt sind, zeigen werde, wie all diese Aspekte, in angemessener Form vereint, zu etwas Größerem und Außergewöhnlichem werden können.«

Einen Augenblick lang starrte Wheeler ihr in die Augen, so als hätte er in ihnen etwas gesehen, das jenseits der Oberfläche lag. Dann war der Moment vorüber. »Ich brauch einen Horga’hn«, brüllte er, während er sich von ihr abwandte und dabei sein Glas Rotwein beinahe über den Rücken eines Bolianers hinter ihm verschüttete. »Kommt schon, Leute! Wer hat’n Horga’hn, den ich mir leihen kann?«, rief er, wobei er sich langsam entfernte und die Lounge nach jemandem absuchte, der ihn nicht angestrengt zu ignorieren versuchte.

So erleichtert sie auch war, dass sie ihn hatte abwimmeln können, bedauerte Arandis doch zugleich, dass sie nicht inder Lage gewesen war, seine Wünsche zu erfüllen. Dieses Bedürfnis lag schließlich in der Natur der Risaner. Sie entschied, dass sie ihn, sobald sie nach Risa zurückgekehrt waren (und Wheeler sich hoffentlich ein wenig gefangen hatte), aufsuchen und ihm anbieten würde, diesen Missstand zu beheben. Arandis warf einen Blick auf die verzierte, alte Uhr, die hinter der Bar der Lounge an der Wand hing, und bemerkte, dass zu Hause bald die erste Sonne unterging. Es wurde Zeit für das Abendessen. Für diesen Abend war ein großes Meeresfrüchtebankett geplant gewesen, zu dem über zwei Dutzend verschiedene Gerichte frisch aus Risas kristallblauem Ozean hätten aufgetischt werden sollen, gefolgt von einer Auswahl ...

Arandis blickte ein zweites Mal auf die mit Edelsteinen besetzte Uhr, und ihr wurde bewusst, dass sie sich nun schon seit fast acht Stunden auf diesem Schiff befand. Die Nachrichten, die vom Sieg über die Borg kündeten, waren bereits dreieinhalb Stunden nach ihrem Abflug von Risa eingetroffen. Sollten sie nicht mittlerweile umgedreht haben? Und wenn sie dies getan hatten, sollten sie Risa dann nicht schon vor einer Stunde wieder erreicht haben? Wenn sie so darüber nachdachte, vermochte sich Arandis nicht daran zu erinnern, dass das Schiff seine rasende Flucht vor den Borg irgendwann verlangsamt oder aber irgendwelche Kurskorrekturen vorgenommen hätte. Natürlich war das kaum zu erwarten, so unerfahren wie sie in Raumreisen war. Und vielleicht gab es gute technische Gründe dafür, weshalb die zweite Hälfte ihres Fluges länger dauerte als die erste – Subraumwirbel und -anomalien, all diese Dinge, von denen ihre Freunde bei der Sternenflotte immer sprachen.

Nach einer weiteren Stunde war sich Arandis sicher, dass es keine Subraumanomalien sein konnten, die ihre Rückkehr verzögerten, und sie bemerkte, dass immer mehr Gäste, genau wie sie selbst, mit verwirrten Gesichtern regelmäßig auf den antiken Zeitmesser blickten. Arandis wies die anderen Mitarbeiter der Temtibi-Lagune an, zusätzlich zu den Getränken Horsd’œuvres anzubieten. Danach verließ sie unbemerkt die Lounge und begab sich durch die zugangsbeschränkten Bereiche des Schiffes nach vorne zum Cockpit.

Sie lief einen ihr unbekannten Korridor bis zu der verschlossenen Frontluke entlang, und nach kurzem Zögern drückte sie dort auf den Signalgeber. Nachdem sie sich als Managerin der Hotelanlage, aus der die Passagiere stammten, ausgewiesen hatte, öffnete sich die Tür, und ein großer, muskulöser und makellos gebräunter Risaner, der die Uniform des Risanischen Sicherheitsministeriums trug, trat hindurch. »Stimmt etwas nicht?«, fragte er sie, und seine Stirn runzelte sich um sein goldfarbenes Ja’risia herum. »Wie ist die Stimmung unter unseren Gästen?«

»Sie sind größtenteils zufrieden«, erwiderte Arandis leicht verwirrt. »Was ist los? Warum sind wir noch nicht nach Risa zurückgekehrt?«

Der Mann schaute über Arandis’ Schulter nach irgendwelchen unerwünschten Mithörern und sah sie dann mit traurigem Blick an. Seine strahlend blauen Augen füllten sich unvermittelt mit Tränen. »Weil es ... weil es kein Risa mehr gibt.«

Arandis starrte ihn einen Moment lang einfach nur an. Dann entrang sich ihrer zugeschnürten Kehle ein humorloses Auflachen. »Was meinen Sie mit ‚kein Risa mehr‘?«

»Ich meine damit, dass die Borg den Planeten ausgelöscht haben«, antwortete der Mann mit rauer Stimme. »Sie haben jedes Leben vernichtet. Es gibt nichts mehr ...« Seine Stimme brach, und er bedeckte sich mit einer Hand den Mund.

»Nein«, hauchte Arandis ungläubig. »Die Borg wurden geschlagen. Die Sternenflotte ... die Berichte besagten doch ...«

»Die Borg erreichten Risa, bevor sie besiegt werden konnten«, verkündete der Offizier. »Wir haben diese Berichte vor den Passagieren zurückgehalten. Es hätte sie nur beunruhigt ... die Bilder, die uns geschickt wurden ...«

Arandis hörte ihm gar nicht mehr zu. Jeder bewusste Gedanke wurde aus ihrem Geist verdrängt, wie von der Flut fortgespült, während allein ein tosendes Rauschen, wie das Geräusch der Meereswellen, ihren Kopf füllte.

Kein Risa mehr.

Es war zu grauenvoll, zu unvorstellbar. Wie konnte die Sternenflotte sie nur im Stich gelassen haben? Es hatte sechs Schiffe gegeben, mit Hunderten von Besatzungsmitgliedern auf jedem von ihnen. Waren auch sie alle getötet worden? Und Risa selbst ... Die Catona-Steilküste war verschwunden. Der Tolari-Turm existierte von nun an nur noch in ihren Erinnerungen. Dinge wie einen Risanischen Grand Delight gab es einfach nicht mehr. Arandis spürte, dass ihre Knie unter ihr nachzugeben begannen ...

»Wir können es den Gästen nicht sagen, noch nicht«, meinte der Offizier und holte Arandis damit von der Schwelle zum Wahnsinn zurück. »Wir tragen die Verantwortung für sie.«

»Ja, natürlich«, zwang sie sich, ihm mit kaum hörbarer Stimme beizupflichten. Alles, was unser ist, ist euer, intonierte sie in Gedanken.

Alles was unser war, ist fort.

»Aber es wird nicht lange dauern, bis sie bemerken, dass irgendetwas nicht stimmt«, fügte sie laut hinzu.

Der Offizier schenkte ihr ein, wie er wohl hoffte aufmunterndes, Lächeln. »Dieser Augenblick ist wie jeder andere: nur vorübergehend. Wir ertragen ihn und vergessen ihn dann in den schöneren, die folgen werden.«

Arandis erwiderte sein Lächeln und nahm das alte Sprichwort mit einem Nicken zur Kenntnis. Doch als er sich ins Cockpit zurückgezogen und die Luke geschlossen hatte, entglitt ihr das Lächeln sofort wieder. Dies ist mehr als nur ein Augenblick, dachte sie, während sie dem kurzen geschlossenen Korridor zurück zur Hauptpassagierkabine folgte. Risa ist fort. Meine ganze Welt ... mein ganzes Volk ... Wie kann so etwas einfach vergessen werden?

Sie erreichte die Luke zur Kabine und wollte sich zusammenreißen, bevor sie hineinging. Doch dann hielt sie unvermittelt inne, beugte sich vor und erbrach den Inhalt ihres Magens – aus Gründen, die nichts mit Raumkrankheit zu tun hatten.

KAPITEL 1

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Der Junge lag auf dem mit Gras bewachsenen Hügel, seinen Hinterkopf auf die Wurzeln einer alten Pappel gebettet, und blickte hinauf in die Unendlichkeit des nächtlichen Himmels. Zu seinen Füßen schien das ganze Tal zu schlafen. Nur ein paar vereinzelte Lichter brannten dort hinter den Fenstern der Gehöfte und Dörfer. Die annähernd vollständige Dunkelheit ließ selbst die schwächsten Sterne der Milchstraße wie die Signalfeuer eines Leuchtturms aufstrahlen, die den Kommandanten der Schiffe auf ihren langen Reisen durch den Ozean des Weltraums den Weg wiesen.

»Jean-Luc!«

Zunächst hörte der Junge die Stimme, die aus Richtung des Hauses kam, nicht – oder vielmehr wollte er sie nicht hören. Er wollte diesen Ort, diesen perfekten Augenblick noch nicht aufgeben. Er hielt seine Augen und seine Fantasie auf die Sterne hoch über sich gerichtet.

»Jean-Luc!«, erklang eine zweite, jüngere Stimme deutlich näher, begleitet von dem Rascheln des Grases und dem Knacken von Zweigen. Die Gedanken des Jungen lösten sich vom Himmel und fielen zurück auf die Erde. Er wünschte, der Boden unter ihm möge sich auftun und ihn verschlucken, ihn vor dem Paar verbergen, das nach ihm suchte.

Aber es klappte nicht. »Hier bist du!«, frohlockte der andere Junge triumphierend, sprang scheinbar aus dem Nichts herbei und landete mit seinen schweren Arbeitsschuhen links und rechts von Jean-Lucs Hüften. »Du träumst schon wieder, nicht wahr, mon petit frère?« Robert grinste auf ihn herunter, und das lange Haar fiel ihm in die Augen. Er war immer der größere der beiden Brüder gewesen, und im Sommer seines zwölften Lebensjahrs hatte er ganze zehn Zentimeter zugelegt. »Weiß du nicht, dass in der Dunkelheit Ungeheuer lauern?«

Robert stieß ein Brüllen aus und warf sich auf seinen jüngeren Bruder. Der Junge hob die Arme, um den Angriff abzuwehren, traf den anderen an der Brust und lenkte ihn mit Leichtigkeit ab. Dann rollte er sich in die gleiche Richtung, setzte sich auf den Bauch des größeren Jungen und drückte dessen Schultern mit beiden Händen auf den Boden – wenn auch nur für einen kurzen Moment, dann vertauschten die beiden ihre Positionen wieder. Arme und Beine wirbelten, während sie wild miteinander rangen, und sein Bruder lachte, als er seine Handgelenke packte und sie auf den Boden drückte. Der Junge stellte überrascht fest, dass er ebenfalls lachte. Das raue Spiel hatte etwas seltsam Befreiendes, und er lachte noch lauter.

»Genug gekämpft«, mischte sich die erste Stimme über ihnen ein. »Hört sofort auf zu kämpfen.«

Robert ließ von seinem Bruder ab und erhob sich, um sich neben ihren Vater zu stellen. »Was treibst du hier draußen in der Finsternis, mon garçon?«, fragte Maurice Picard mit dunkler, respektgebietender Stimme. Obwohl er keine Haare mehr auf dem Kopf hatte und tiefe Falten sein Gesicht durchzogen, das durch ein Leben auf den Weinbergen frühzeitig gealtert war, verliehen ihm seine scharfen Augen und die Habichtsnase das Aussehen eines Mannes, mit dem man sich besser nicht anlegte. »Hast du wieder geträumt?«

»Nein, Papa«, schwindelte der Junge. »Ich habe nur ... Ich konnte nicht schlafen, und ich ...« Er zögerte, denn er wusste, dass es keinen Sinn hatte, es mit einer Lüge zu versuchen. Sein Vater wusste sehr gut, dass sein jüngerer Sohn seine eigenen Gefühle, was die Verpflichtung den Traditionen gegenüber anging, nicht teilte und dass er nicht vorhatte, sein Leben lang dem Ort verbunden zu bleiben, an dem er zufällig geboren worden war. Und Jean-Luc wusste, dass es keine Möglichkeit gab, das Missfallen seines Vaters diesbezüglich zu mildern.

Doch seltsamerweise verschwanden die Falten von der Stirn seines Vaters, und ein breites Lächeln trat auf sein wettergegerbtes Gesicht. Er ließ sich auf ein Knie herunter und legte dem kleinen Jungen eine große, schwielige Hand auf die Schulter. »Du musst dir selbst gegenüber treu bleiben, Jean-Luc«, sagte der alte Mann zu ihm. »All das, was ich dir gegeben habe – unseren Namen, unser Land, unsere Traditionen –, war nur ein Fundament; es sollte keine Einschränkung sein. Und ganz gleich, wohin du gehen und was du tun wirst, es bleibt dir immer erhalten.«

Der Junge lächelte, und dann schlang er seine Arme um den Nacken seines Vaters und drückte ihn mit der Innigkeit eines ganzen Lebens voller unausgesprochener Gefühle. Papa erwiderte die Umarmung. Nach einer geraumen Zeitspanne ließen sie voneinander ab und fielen gemeinsam mit Robert rücklings ins Gras. Die Sterne schienen auf einmal nah genug, dass Jean-Luc dachte, er müsse nur hinausgreifen, um sie zu berühren.

»All das, was wir hier sehen, ist altes Licht«, sagte Maurice. »Die Sterne, die wir sehen, zeigen sich uns so, wie sie vor vielen, vielen Jahren waren.«

»Was vergangen ist, ist vergangen«, fügte Robert hinzu. »Um zu wissen, wie sie heute aussehen, muss man wohl hinauffliegen und es selbst herausfinden, was?«

Das klang nach einer großartigen Idee, dachte Jean-Luc, als er die Augen schloss und seinen Traum fortsetzte. Eine großartige Idee, in der Tat ...

»Jean-Luc?«

Picard öffnete erneut die Augen und stellte überrascht fest, dass sich das von Sternen übersäte Firmament über dem Château Picard in einen strahlend blauen Himmel verwandelt hatte. Er war nicht minder überrascht, dass die Gestalt vor ihm, die seinen Namen rief, weder sein Vater noch sein Bruder, sondern vielmehr seine Frau war. Beverly Crusher lächelte auf ihn herab. Sie hatte sich so hingestellt, dass ihr Schatten auf ihn fiel und seine Augen vor dem grellen Mittagslicht schützte. Mit der Sonne im Rücken erschien sie ihm wie ein Engel, umgeben von flüchtigem Licht, und ihre langen roten Locken züngelten wie Flammen, während sie in einer leichten Brise wehten. Natürlich besaß sie keine Flügel, und ihr rundlicher, schwangerer Bauch stand ebenfalls im Widerspruch zu der traditionellen Vorstellung der geschlechtslosen göttlichen Boten, aber soweit es Jean-Luc Picard betraf, war sie zweifellos ein himmlisches Wesen. »Was machst du hier draußen?«, fragte sie in amüsiertem Tonfall.

»Jedenfalls kein Nickerchen«, sagte Picard und schenkte ihr ein Grinsen, als er sich in eine sitzende Position erhob. »Nur alte Männer nicken mitten am Tag ein.«

»Alte Männer und erschöpfte Schiffcaptains«, gab Crusher zurück, während sie sein Grinsen mit einem süßen Lächeln erwiderte. »Du hast Erholungsurlaub, und du brauchst wirklich jedes bisschen Erholung, das du bekommen kannst.«

Picard sah keinen Grund, der Ärztin zu widersprechen. Sie befanden sich auf dem Landgut seiner Vorfahren in La Barre, während die Enterprise in der McKinley-Station im Trockendock lag und die umfangreichen Schäden repariert wurden, die ihnen im Verlauf des jüngsten Konflikts mit den Borg zugefügt worden waren. Er hatte in den Tagen der Krise natürlich nur wenig Schlaf gefunden, und seinen Organismus schließlich fast nur noch durch Adrenalin und schiere Willenskraft am Laufen gehalten.

Dessen ungeachtet fühlte sich Picard nicht erschöpft. Was er am Ende des Krieges erleben durfte, hatte ihm all seine Erschöpfung genommen und ihn stattdessen mit purer Freude erfüllt. Er war Zeuge der Auflösung des Borg-Kollektivs durch die Caeliar geworden und hatte gewissermaßen das Aufgehen von Milliarden ehemaliger Drohnen in die Gestalt der Caeliar gespürt. Und auch er selbst war endlich von der fünfzehn Jahre andauernden Verbindung zu den Borg befreit worden.

Beverly ließ sich neben ihrem Mann ins Gras sinken. Laut Kalender war der Frühling noch einige Wochen entfernt, aber die Welt um sie herum begann bereits mit Macht, zu grünen und zu erblühen. »Wenn du allerdings das Bedürfnis nach einem Nickerchen hast«, sagte sie, als sie sich mit ihrem Rücken gegen seine Brust lehnte und es sich dort bequem machte, »solltest du dir vielleicht einen gemütlicheren Platz dafür aussuchen.«

Picard lachte leise, während er seine Arme um sie schlang und seine Wange an ihren Kopf legt. »Dies hier war immer mein Lieblingsplatz auf dem ganzen Anwesen«, sagte er. »Stundenlang habe ich hier gesessen oder gelegen und bei Tag die Shuttles auf ihrem Weg nach Paris oder bei Nacht die Sterne beobachtet. Natürlich mochte ich diese Stelle auch deswegen, weil ich vom Haus aus nicht gesehen werden konnte, wenn ich in der richtigen Position lag.« Er warf einen Blick über die Schulter auf das jetzige Haus – oder vielmehr das Haus, das seine Schwägerin Marie auf dem ursprünglichen Fundament neu errichtet hatte, nachdem Robert und sein Sohn René bei einem tragischen Brand ums Leben gekommen waren. Es war eine annähernd perfekte Nachbildung. Wären nicht die hohen, schattenspendenden Bäume verschwunden, wäre es ihm ein Leichtes gewesen, sich über ein halbes Jahrhundert in der Zeit zurückzuversetzen. »Ich hatte einen höchst ungewöhnlichen Traum«, gestand er, während ein Gefühl der Nostalgie von ihm Besitz ergriff.

»Tatsächlich?«

Picard nickte. »Ich war wieder ein Junge, lag hier und starrte hinauf zu den Sternen. Mein Vater und mein Bruder kamen, um nach mir zu suchen, und als sie mich gefunden hatten ...« Picard schwieg einen Moment lang, bevor er fortfuhr. »Vater gab mir seinen Segen, das Elternhaus zu verlassen, um meine Träume zu verwirklichen.« Er lächelte, während er darüber nachdachte. »Robert und ich hatten Gelegenheit, uns auszusöhnen, bevor er starb. Aber Vater ...« Seine Stimme brach für einen Moment. Beverly drehte sich ein wenig, um ihn anzuschauen. Schließlich fühlte er sich imstande, fortzufahren. »Ich war mit der Stargazer unterwegs, als er starb, und ich habe immer angenommen, dass er sich seine lebenslange Sturheit bis zum Ende bewahrte.« Diese Überzeugung saß so fest, dass es ihm nicht schwergefallen war, den verbitterten, enttäuschten alten Mann als eine glaubwürdige Darstellung zu akzeptieren, als Q ihm während Picards eigener Nahtoderfahrung eine Vision seines Vaters gesandt hatte.

Dieses negative Bild fiel auf einmal von ihm ab. »Nun allerdings habe ich das Gefühl, als hätte er mir endlich seine Absolution erteilt«, sagte Picard zu Beverly und lächelte erneut. »Als wären die alten Wunden nach all der Zeit endlich verheilt.«

»Das ist wundervoll, Jean-Luc«, sagte Beverly, während sie sein Lächeln erwiderte. »Ich weiß, dass eure Beziehung lange Zeit getrübt war, und es freut mich, zu hören, dass du endlich deinen Frieden mit der Erinnerung an deinen Vater gemacht hast.« Sie nahm eine von Picards Händen und legte sie auf ihren gewölbten Bauch. »Und ich weiß, dass diese Erfahrung dich nur zu einem noch besseren Vater für unseren Sohn machen wird.«

Zur Antwort beugte er sich vor und küsste sie auf den Mund. Jean-Luc Picard konnte sich an keinen anderen Zeitpunkt in seinem Leben erinnern, an dem er sich so erfüllt und im Frieden mit sich selbst gefühlt hatte.

»Weißt du was?«, sagte Beverly, als sich ihre Lippen wieder voneinander gelöst hatten. »Als du mir gerade eben erzählt hast, du hättest einen seltsamen Traum gehabt, befürchtete ich einen Moment lang, du würdest mir sagen ...«

»Was?«, fragte Picard.

Zögernd, als fürchtete sie, einen Fluch heraufzubeschwören, fuhr sie fort. »... dass du erneut von den Borg geträumt hättest.«

Picard blinzelte überrascht. »Warum ...?«, fing er an, bevor er innehielt. »Nein, Beverly«, versicherte er ihr. »Die Borg sind vergangen, für immer. Das gilt sowohl für diesen Ort als auch für den Rest der Galaxis.«

Crusher nickte, auch wenn sie Picards Zuversicht offensichtlich nicht teilte. »Ja, aber ... Wir dachten schon früher, dass sie fort seien.«

Picard seufzte. Er wünschte, er könnte ihr diese absolute Sicherheit deutlich machen, die ihm die Caeliar hatten zuteilwerden lassen – oder ihr das vermitteln, was aus ihnen und ihren jüngst befreiten Brüdern und Schwestern nun geworden war. Alles, was er tun konnte, war, seiner Liebsten tief in die Augen zu schauen und ihr im Brustton der Überzeugung zu verkünden: »Beverly, glaube mir, wenn ich dir versichere: Es gibt keine Borg mehr. Sie werden niemals wiederkommen. Wir sind alle frei.«

Beverly erwiderte seinen Blick und gestattete sich dann ein kleines, erleichtertes Lächeln. »Natürlich glaube ich dir, Jean-Luc. Immer.«

Geordi La Forge wandte sein Gesicht der hoch über seinem Kopf stehenden Äquatorsonne zu und badete in ihrer Wärme. Bis die Regenzeit in diesem Teil der Afrikanischen Konföderation einsetzte, gingen noch einige Wochen ins Land, und es war spürbar wärmer, als er es von seinem Aufenthalt auf der Enterprise kannte. Andererseits konnte er sich wirklich nicht darüber beschweren.

Denn schließlich ... war er zu Hause.

Von seinem Aussichtspunkt auf der metallenen Tribüne am Rand des Sportfelds der Zefram Cochrane High School aus konnte er die Skyline von Mogadischu im Südosten und – dank seiner kybernetischen Augenimplantate – den Indischen Ozean dahinter erkennen. Altmodische Segelboote trieben träge auf den blauen Wellen, die gegen die makellosen weißen Strände entlang der somalischen Küste schlugen. Man konnte sich schwer vorstellen, dass die Stadt in den Jahren zwischen dem Zweiten und dem Dritten Weltkrieg weitgehend zerstört und rivalisierenden Milizen überlassen worden war. Im späten zweiundzwanzigsten Jahrhundert hatte die uralte Hafenstadt eine neue Blütezeit erlebt und war unter Aufbietung modernster architektonischer Errungenschaften auf eine Weise wiederaufgebaut worden, die ihrer langen Geschichte als Handelszentrum Rechnung trug. Sie mochte kein zweites Paris oder San Francisco sein, aber ansonsten stand sie in ihrer Reinheit und Schönheit keiner anderen Stadt auf dieser paradiesischen Welt namens Erde nach.

Auf dem Spielfeld standen die Cochrane Flyers ihren Rivalen vom anderen Ende der Stadt, den Mogadischu Central High Scorpions, gegenüber. Die Schulkapelle spielte, und überall um Geordi herum feuerten die anderen Zuschauer die Spieler an oder unterhielten sich untereinander über Alltägliches. Auf einmal sprang die ganze Menge auf und brach in lautstarken Jubel aus. Geordi erhob sich eine Sekunde später und sah, dass die Flyers etwas feierten, das ein eindrucksvolles Tor gewesen sein musste.

»Wenn das meine Tochter war, die da ein Tor erzielt hat, und du dafür gesorgt hast, dass ich es verpasse, Geordi, dann bist du wirklich dran ...«

La Forge drehte sich um und sah seine Schwester Ariana, die die Stufen der Tribüne hinaufstieg und ihm entgegenkam, in jeder Hand einen Getränkebecher und auf dem Gesicht ein kritisches Stirnrunzeln. Sein Blick huschte zum Spielfeld, und er bemerkte, dass seine Nichte Nadifa im Mittelpunkt des Jubels zu stehen schien. Sie strahlte und winkte, als sie ihre Mutter und ihren Onkel in den Reihen ausmachte.

Kleinlaut winkte Geordi zurück, dann nahm er seiner Schwester einen der Becher ab. Wo zur Hölle war er während des Tors mit seinen Gedanken gewesen? »Es tut mir leid, Riana«, sagte er.

Ariana schenkte ihm einen Blick, der auf unheimliche Weise dem ihrer Mutter glich, den sie immer dann aufgesetzt hatte, wenn ihre Geduld wieder einmal allzu arg von einem der Kinder strapaziert worden war. Mit ihrer nun freien Hand gab sie ihrem Bruder einen Klaps auf den Hinterkopf – spielerisch, aber doch ein wenig stärker als nötig. »Das nächste Mal holst du die Getränke.«

»Hey, ich habe es angeboten«, verteidigte sich Geordi, als er sich setzte und einen Schluck nahm. »Igitt ... Ich hätte darauf bestehen sollen«, stellte er fest, während sich seine Miene angesichts des sauren Gebräus verzog.

»Was? Ich dachte, du liebst Isbarmuunto«, sagte sie.

»Das soll Isbarmuunto sein? Schmeckt eher wie purer Zitronensaft auf Eis.«

»Die Sternenflotte hat dich wirklich verweichlicht. Hat dich ...«

Unvermittelt fuhr Geordis Kopf herum, die Kiefer zusammengepresst. Ariana hielt inne und ihr schelmisches Lächeln verschwand. Einige Sekunden lang starrten sie sich einfach nur an, während das Spiel auf dem Feld weiterging.

»Ich sollte das anders formulieren«, meinte Ariana schließlich.

Ohne auf ihre Worte einzugehen, sagte Geordi: »Ich werde mir mal ein bisschen die Beine vertreten.«

»Ich begleite dich.«

»Nein, bleib.« Er stand auf und schickte sich an, die Treppen der Zuschauertribüne hinunterzusteigen. »Du könntest ein weiteres wichtiges Tor oder irgendetwas anderes von ähnlicher Bedeutung verpassen.« Ziellos begann er, sich von dem Sportfeld zu entfernen.

»Geordi!«

Ohne auf seine Schwester zu achten, bewegte sich Geordi in die ungefähre Richtung des Schulgebäudes und nahm dabei einen weiteren Schluck zu sich. Eine Gruppe Jugendlicher hatte sich auf den Stufen der Bibliothek versammelt, schwatzte, kicherte und benahm sich genau so, wie Geordi es vor einem halben Leben selbst getan hatte.

»Geordi!«

Er wusste, dass er mehr Drama aus einem zweifellos gedankenlosen Kommentar machte, als er es eigentlich sollte. Auf der anderen Seite reichte Arianas uneinsichtige Verachtung der Sternenflotte bereits bis in die Zeit zurück, als sie in Nadifas Alter gewesen war. Sie hasste es, dass ihre Eltern, während Geordi und sie aufgewachsen waren, so wenig Zeit für ein gemeinsames Familienleben gehabt hatten. Ihre ganze Kindheit über war immer einer der beiden Elternteile auf irgendeiner Mission gewesen. Sie hasste es, dass sich ihre Mutter kurz nachdem Ariana achtzehn geworden und zum College gegangen war, entschieden hatte, erneut eine Laufbahn als Führungsoffizier einzuschlagen und das Kommando über ein eigenes Raumschiff anzustreben – eine Entscheidung, die letzten Endes vor über zehn Jahren zu ihrem Verschwinden geführt hatte. Sie hasste es, dass ihr Vater dreihundert Lichtjahre jenseits des Föderationsraums an Bord der U.S.S. Amalthea, einem der neun Forschungsraumschiffe der Luna-Klasse, unterwegs war (auch wenn sie zugeben musste, dankbar dafür gewesen zu sein, dass sich sein Schiff zu weit weg befunden hatte, um es im Rahmen der jüngsten Krise zurückzurufen).

Geordi dagegen hasste es, wie sie auf das Leben, das er gewählt hatte, herabschaute. Für gewöhnlich behielt er diesen Zorn für sich. Allerdings waren die Zeiten gerade alles andere als gewöhnlich.

»Geordi!«, rief Ariana erneut, als sie ihren großen Bruder einholte, während sie mit der einen Hand den Kopfschmuck auf ihrem Haar festhielt. »Hey, es tut mir leid. Du weißt, dass ich es nicht so gemeint habe.«

Geordi hielt an, aber er schaute nicht zu ihr hinüber. Stattdessen drehte er sich langsam halb im Kreis und ließ seinen Blick über das ganze Schulgelände schweifen. »Es sieht alles aus wie immer, nicht wahr?«, fragte er und deutete auf den Sportplatz, die Schüler, die Bäume und den Himmel. »So normal, als wäre nichts geschehen. Wenn man das hier sieht, hat man keine Vorstellung davon, wie nah wir daran waren, alles zu verlieren.«

»Das ist nicht fair«, gab Ariana zurück. »Du warst nicht hier, als die Dinge wirklich schlimm aussahen. Da gab es nicht gerade viel Normalität.«

Geordi war sich sicher, dass das stimmte, und dennoch ... »Aber es hat nicht lange gedauert, bis ihr zu Picknicks im Grünen und Fußballspielen zurückgekehrt seid.«

»Was sollten wir deiner Meinung nach tun?«, fragte Ariana. »Uns in Sack und Asche kleiden und das Universum um Gnade anflehen? Das Leben geht weiter, Geordi.«

»Für euch!«, schnauzte Geordi. »Denkt nur nicht an die Milliarden von Lebewesen, die nicht solches Glück hatten.«

Auf einmal schien es, als sei die Zeit stehen geblieben. Mit regloser Miene starrte Ariana ihn an, geschockt von seiner Verbitterung. Und Geordi war nicht weniger geschockt und beschämt, dass dermaßen gemeine Worte über seine Lippen gekommen waren. »Oh, mein Gott«, murmelte er mit erstickter Stimme. »Riana, es tut mir leid. Ich weiß nicht, was ...«

Seine Schwester schüttelte den Kopf. »Ist schon gut, Geordi.«

»Ich habe es nicht so gemeint«, beharrte er. »Ich weiß ... Ich weiß einfach nicht ...«

»Ich weiß, dass du es nicht so gemeint hast. Hör auf, dir Vorwürfe zu machen, Geordi.«

»Aber so etwas Furchtbares hätte ich nicht sagen dürfen!« Geordi schrie beinahe. »Ich habe kein Recht dazu, dir vorzuwerfen, was geschehen ist.«

Ariana streckte ihre Hand aus und legte sie sanft auf den Arm ihres Bruders. »Und du hast genauso wenig das Recht, es dir selbst vorzuwerfen.«

Geordi war, als würde sich sein gesamtes Inneres zusammenziehen. »W ... Was?«

»Du hast überlebt, Geordi.« Seine Schwester schaute ihm direkt in die kybernetischen Augen. »Du darfst dich dafür nicht schuldig fühlen.«

Sein Mund öffnete und schloss sich für einige Sekunden, bevor er imstande war, erneut einen Ton hervorzubringen. »Ich ... was? Das ... Das ist lächerlich. Ich fühle mich nicht schuldig ...«

»Ich kenne dich besser, Geordi La Forge. Du hast die Borg überlebt, während Milliarden gestorben sind. Und dies, nachdem du sie bereits ein halbes Dutzend Mal überlebt hast, noch dazu das Dominion sowie die Tezwaner und die Remaner. Du hast Mom überlebt. Du hast Data überlebt ...«

Er hatte das Gefühl, als müsste er gleich zusammenbrechen. »Das ist verrückt«, murmelte er, während Tränen an den Rändern seiner Implantate hervorquollen. Ja, es waren harte Jahre gewesen, und ja, all diese Tode hatten ihn schwer getroffen, insbesondere Datas, der jahrelang sein bester Freund gewesen war und der die Jahrhunderte hätte überdauern sollen, aber ... »Ich sollte mich nicht schuldig fühlen, weil ich lebe ...«

»Nein«, sagte Ariana zu ihm. »Das solltest du nicht.«

La Forge kniff die Augenlider zusammen, konnte aber dadurch nicht verhindern, dass ihm die Tränen die Wangen hinunterflossen. Er spürte, wie Ariana ihn an sich in eine feste Umarmung zog. Nach kurzem Zögern erwiderte er diese, schlang seine Arme eng um sie und vergrub sein Gesicht an ihrer Schulter. Er fühlte sich wie ein Idiot, weil er zuließ, dass seine kleine Schwester ihn so sah. »Ich bin sehr stolz auf dich, großer Bruder«, flüsterte Ariana ihm sanft zu. »Dafür, dass du diese Uniform trägst und dort hinausfliegst, damit wir alle hier sicher leben, Picknicks im Grünen machen und Fußball spielen können. Aber ich bin auch sehr, sehr dankbar dafür, dass du immer mal wieder zu uns zurückkommst, um diese Dinge mit uns zu teilen.«

So standen Bruder und Schwester eine ganze Weile lang da, während um sie herum das Spiel und das Leben weitergingen.

Bereits Minuten nachdem es Paris verlassen hatte, holte das Suborbitalshuttle die Sonne ein und zog an ihr vorüber, um weiter nach San Francisco zu fliegen. Picard beobachtete die Wolken unter sich, während er vor seinem inneren Auge das letzte Gespräch mit Beverly noch einmal ablaufen ließ. Wenn das bevorstehende Treffen auch nur annähernd so wie all jene vonstattenging, an denen er im Verlauf der letzten Woche teilgenommen hatte – und es gab keinen Grund, etwas anderes anzunehmen –, würde er diese Gewissheit, dass es zumindest eine Person im Universum gab, die ihm vorbehaltlos vertraute, dringend nötig haben.

Seit seiner Rückkehr zur Erde waren mittlerweile acht Tage vergangen. Die Hälfte dieser Tage hatte er in stickigen Konferenzräumen damit verbracht, zunächst dem Sternenflottenkommando, Präsidentin Bacco und dem Sicherheitsrat der Föderation sowie anschließend Repräsentanten der Regierungen der Erde, des Mondes, des Mars und anderer Kolonien des Sol-Systems Bericht zu erstatten. Wieder und wieder hatte er seine Darstellung vom Ende des Borg-Kollektivs zum Besten geben müssen. Und bei jedem dieser Treffen war wieder und wieder unweigerlich eine bestimmte Frage aufgekommen. Sie war zwar durchaus auf unterschiedliche Weise formuliert worden – etwa als hypothetisches Gedankenspiel oder als vage ausgedrückter Zweifel –, ließ sich im Kern jedoch stets auf die einfache Sorge reduzieren: Wie können Sie so absolut sicher sein, dass die Borg wirklich für alle Zeiten fort sind?

Picard gab darauf immer nur die eine Antwort: »Ich weiß es einfach.«

Er hatte die verheißungsvolle Umwandlung gefühlt, als sie sich vollzog. Er hatte gespürt, wie jede einzelne Drohne vom Kollektiv getrennt worden war, und dann die Umarmung der Gestalt der Caeliar vernommen, die all diese verlorenen Seelen in sich aufnahm und zu einem Teil von sich machte. Es war die unglaublichste Erfahrung, die er in seinem ganzen Leben gemacht hatte ... und es gab niemanden im ganzen Universum, der das wirklich verstehen konnte.

Das Shuttle landete auf dem Gelände des Sternenflottenhauptquartiers. Am Rand der Landezone wurde Picard von einer jungen menschlichen Frau in einer goldenen Uniform der Sternenflottensicherheit empfangen. »Captain Picard?«

»Ja.«

»Ich bin hier, um Sie zu Ihrem Termin zu eskortieren«, sagte sie, das Kreuz perfekt durchgedrückt, ein sicheres Zeichen dafür, dass sie die Abzeichen an ihrem Kragen erst seit sehr kurzer Zeit trug. Picard hatte gehört, dass ein Großteil der diesjährigen Akademieabgänger vorzeitig in Dienst gestellt worden war, um kurzfristig einsatzbereit zu sein, sollte es nötig werden. Angesichts der geschätzten Personalverluste bei der Sternenflotte von über vierzig Prozent während des Borg-Angriffs, bedurfte es trotzdem noch enormer Rekrutierungsanstrengungen, um die Streitkräfte auch nur annähernd auf eine Stärke zurückzubringen, die als sicher eingestuft werden konnte.

Schweigend fuhren sie mit dem Aufzug ins oberste Stockwerk des Hauptquartiergebäudes – das Allerheiligste der Admiralität –, und dann führte ihn der Ensign durch den schwach beleuchteten Korridor, an dessen Wänden die Porträts der früheren Oberkommandierenden der Sternenflotte in keiner erkennbaren Ordnung hingen: Ein weißhaariger Mensch in der dunklen Jacke und der Krawatte aus Vorföderationszeiten hing neben einem Andorianer im goldgrünen Seidenuniformrock des folgenden Jahrhunderts.

Gleich darauf erreichten sie eine schwere Doppeltür, und der Ensign signalisierte Picard, seine Hand auf ein Sicherheitsfeld direkt daneben zu legen. Der Captain kam der Aufforderung nach, woraufhin sich die Türen mit einem leisen mechanischen Zischen öffneten und den Blick auf etwas freigaben, das einer überdimensionalen Holosuite glich.

Die heutige Lagebesprechung richtete sich an die Admirals der Sternenflotte, die außerhalb der Erde stationiert waren und der Zusammenkunft via Holokom beiwohnen würden. Am einen Ende des Raums stand ein langer Tisch. Er war dem offenen Raum zugewandt, der sich bald mit den holografischen Abbildern jener Flaggoffiziere füllen würde, die aus der Ferne zugeschaltet wurden. Eine Handvoll hier im Hauptquartier sitzender Admirals war ebenfalls zugegen: Leonard James Akaar und Marta Batanides standen am nahen Ende des Tisches und unterhielten sich, während die Admirals Masc, Batiste und Montgomery in einer fernen Ecke die Köpfe zusammensteckten und ganz offensichtlich in eine lebhafte Diskussion vertieft waren. Der sechste anwesende Admiral, Alynna Nechayev, näherte sich Picard. »Guten Morgen, Captain Picard.«

»Guten Morgen, Admiral«, erwiderte er automatisch, auch wenn ihm sein Körper mitteilte, dass es bereits früher Abend war. »Ich nehme an, wir warten nur noch auf Admiral Jellico?«

Nechayev runzelte leicht die Stirn. »Nein, ich fürchte nicht«, sagte sie. »Der Admiral hat gestern Nacht bei Präsidentin Bacco seinen Rücktritt eingereicht.«

Bei diesen Worten zuckte Picards Kopf ein wenig zurück. »Er hat was getan? Warum?«

»Seien Sie nicht so begriffsstutzig, Picard«, schalt Nechayev ihn und blickte ihn finster an. »Der Mann war der Oberkommandierende der Sternenflotte während der größten Katastrophe seit Beginn der Geschichtsschreibung. Was auch immer Sie sonst über Edward Jellico denken mögen, er ist ein Ehrenmann, der stets die Verantwortung für seine Taten und Entscheidungen übernommen hat. Und genau das hat er jetzt auch getan.«

»Ich habe Admiral Jellicos Ehrenhaftigkeit nie angezweifelt«, versicherte Picard rasch. Im Laufe der Jahre hatte er zahlreiche Entscheidungen seines Vorgesetzten infrage gestellt und sich ebenso über dessen Neigung geärgert, anderen Standpunkten gegenüber taub zu sein, sobald er sich zu einer bestimmten Angelegenheit eine Meinung gebildet hatte. »Aber dennoch hätte er nicht die Verpflichtung verspüren müssen, sich deswegen in sein Schwert zu stürzen«, fuhr Picard fort. »Was geschehen ist, hätte von keinem gewöhnlichen Sterblichen kontrolliert werden können.«

Nechayev seufzte und nickte. »Im Grunde habe ich ihm das Gleiche gesagt. Ich nehme an, es war dieser Mangel an Kontrolle, der ihn letztendlich zu diesem Schritt getrieben hat.«

Picard wusste nicht, was er noch sagen sollte. Er war mehr als einmal mit Jellico aneinandergeraten, und die Entscheidung, Jellico zum Oberkommandierenden der Flotte zu befördern, nachdem sich Admiral William Ross im letzten Herbst in den wohlverdienten Ruhestand zurückgezogen hatte, war bei ihm auf wenig Begeisterung gestoßen. Unter gewöhnlichen Umständen, so musste er sich eingestehen, hätte es ihm kaum leidgetan, Jellico gehen zu sehen.

Aber die Umstände waren alles andere als gewöhnlich. Die Sternenflotte hatte verheerende Verluste erlitten, und das Abdanken des Mannes an der Spitze der Kommandokette würde es nur noch schwerer machen, der Organisation wieder auf die Beine zu helfen.

Seine Gedanken wurden von dem Geräusch der sich erneut öffnenden Tür unterbrochen. Picard drehte sich um, und einen Augenblick lang erkannte er die große blonde Frau, die soeben eintrat, nicht wieder. Das lag zum Teil natürlich daran, dass sich ihr Gesicht verändert hatte. Die metallenen Borg-Implantate, die ihr linkes Auge umgeben und auf ihrer Wange direkt vor ihrem rechten Ohr gesessen hatten, waren verschwunden. Auffälliger hingegen war der Unterschied in ihrem Auftreten. Seven of Nine, die ehemalige Borg-Drohne, die vor sieben Jahren von der Besatzung der U.S.S. Voyager befreit worden war, hatte stets zu den selbstbewusstesten Personen gehört, die Picard je getroffen hatte – eine Eigenschaft, die durch den Umstand, dass sie bereits im Alter von acht Jahren ihrer Individualität beraubt worden war, noch beeindruckender wurde.

Dieses Selbstbewusstsein war auf einmal fort. Auch wenn sie einen grimmigen Ausdruck der Furchtlosigkeit aufgesetzt hatte, wünschte sich diese Frau, die in den Konferenzraum hereinkam, eindeutig, irgendwo anders sein zu können.

»Captain?« Picard wandte sich erneut um und blickte dann auf, um Admiral Akaar in die Augen schauen zu können. »Wenn Sie Ihren Platz einnehmen möchten; wir sind so gut wie bereit, zu beginnen«, sagte der hünenhafte Capellaner.

Picard begab sich hinter den Tisch und ließ sich auf dem ihm zugewiesenen Platz nieder, der sich, wie es der Zufall wollte, direkt neben dem der zuletzt Eingetroffenen befand. Sie setzte sich, faltete die Hände im Schoß und kämpfte sichtlich darum, die perfekte Haltung zu bewahren, die ihr früher geradezu selbstverständlich gewesen war. »Hallo, Annika«, sagte Picard zu ihr und warf ihr ein kurzes, freundlichen Lächeln zu.

Die Frau zuckte zusammen, und ihr Kopf bewegte sich ruckartig nach links. »Captain Picard«, sagte sie, und wandte sich dann rasch ab, um wieder nach vorne zu blicken.

Picard bemerkte, dass ihm ein Fauxpas unterlaufen war. »Es tut mir leid, Professor ... Ich nahm an, dass Sie Ihre Borg-Bezeichnung nicht länger bevorzugen.« Während früherer Begegnungen hatte sich die Frau stets gegen die Verwendung ihres menschlichen Namens, Annika Hansen, gewehrt, und aus welch persönlichen Gründen auch immer darauf bestanden, ihre Borg-Bezeichnung weiterhin zu tragen. Angesichts der jüngsten Ereignisse hatte der Captain gedacht, dass sie nun verständlicherweise anders darüber denken würde.

»Es ist irrelevant«, sagte sie, ohne ihn erneut anzuschauen.

Fragend blickte Picard sie noch einen Moment länger an, wobei ihm auffiel, wie verkrampft ihr Kiefer und ihr Nacken wirkten. Seine Erfahrung während der Verschmelzung der Caeliar mit den Borg – das, was er gemeinsam mit dem gesamten Kollektiv empfunden hatte – war so wundervoll, so erhebend gewesen, dass es ihm schwerfiel, zu glauben, diese ehemalige Drohne könne aus dem gleichen Erlebnis dermaßen gezeichnet hervorgehen.

Doch bevor er weiter nachbohren konnte, verschwand das Gitternetz der Holo-Emitter um sie herum und wurde durch einen hell erleuchteten Konferenzraum ersetzt. Der Tisch, an dem er und Seven saßen, wurde Teil eines langen, hölzernen Ovals, um das herum fünfzig oder sechzig Admirals aus dem ganzen Föderationsraum Platz genommen hatten. Picard erkannte sofort Admiral Elizabeth Shelby, die Kommandantin der Bravo-Station, die sich früher in ihrer Karriere einen Ruf als eine der ersten Borg-Expertinnen der Sternenflotte erworben hatte. Einige weitere vertraute Gesichter waren versammelt. Manche von ihnen hatte er jahrelang nicht gesehen, und er war nun überrascht, zu erfahren, dass sie ihn auf der Karriereleiter überholt hatten. Als sie erkannten, dass die Holo-Verbindung nun stand, richteten sich die erwartungsvollen Blicke aller Besprechungsteilnehmer zum Kopf des Tisches.

U.S.S. Enterprise