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Nikolaus Nützel

Dein letzter
Gottesdienst?

Das etwas andere Buch
zu Konfirmation und Firmung

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1. Auflage 2016

© 2016 cbj Kinder- und Jugendbuch Verlag, München

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Uwe-Michael Gutzschhahn

Bildredaktion: Tanja Zielezniak

Einbandgestaltung: init|Kommunikationsdesign,
Bad Oeynhausen

aw · Herstellung: aj

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

978-3-641-18280-9
V002

www.cbj-verlag.de

Warnhinweis:

Dieses Buch enthält Überlegungen, die Menschen, die sich selbst als sehr gläubig sehen, möglicherweise nicht gefallen. Manche könnte dieses Buch vielleicht sogar verärgern.

Aber der Autor möchte dazu anregen, sich Gedanken zu machen über das, was hinter dem Wort »Kirche« steckt. Ohne von vorneherein strikte Denkverbote zu verhängen.

Ein zweiter Hinweis: Der Autor hat sich Gedanken gemacht, als er kurz nach seinem 18. Geburtstag aus der Kirche austrat, also rund fünf Jahre nach seiner Konfirmation. Vielleicht noch mehr Gedanken hat er sich gemacht, als er weitere 34 Jahre später in die evangelische Kirche wieder eintrat.

Seit seinem Wiedereintritt ist der Autor kein Erweckter. Er hört keine Stimmen. Auch nicht die Stimme Gottes. Doch er ist einer, der nicht nur möchte, dass es Kirchengebäude gibt. Er möchte auch, dass es Kirche gibt.

Und der Autor ist überzeugt: Die kann es nur geben, wenn Christen ebenso wie Nichtchristen sich mit der Frage beschäftigen: »Was ist Kirche?« Auch die jungen Leute unter den Christen und den Nichtchristen.

Inhalt

1

Kennste den?

2

Kann ich der Kirche entkommen?

3

Endlich konfirmiert! (Oder: Endlich gefirmt!) Aber warum eigentlich?

4

Das soll ich glauben?

5

Kirchen, Christen, Gläubige – warum gibt’s die eigentlich?

6

Ist Gott ein Diktator?

7

Was würde Jesus tun?

8

Gemeinschaft der Heiligen – oder kriminelle Vereinigung?

9

Ist Deutschland ein Gottesstaat?

10

Christenmenschen – Was sind das eigentlich für Leute?

11

Das nennen die feiern?

12

Sind Katholiken cooler?

13

Heißt >evangelisch< in Wirklichkeit >alles egal<?

14

Gibt’s anderswo was Besseres?

15

Welt ohne Kirche?

16

Und jetzt?

1

Kennste den?

Treffen sich zwei Pfarrer. Sagt der eine: »O Mann, im Turm meiner Kirche haben sich Fledermäuse eingenistet. Es ist eine Katastrophe, die kacken alles voll! Ich habe alles probiert, sogar Gift. Doch ich kriege die Biester einfach nicht weg!«

Sagt der andere ganz gelassen: »Das Problem hatte ich auch. Aber ich habe es ziemlich schnell gelöst.«

Fragt der erste Pfarrer verblüfft: »Ja, wie denn?«

Antwortet der zweite: »Ganz einfach. Ich hab die Tiere konfirmiert. Da waren sie sofort weg. Hab sie nie wiedergesehen.«

Das Wort »konfirmiert« kannst du auch durch »gefirmt« ersetzen. Trotzdem gar nicht schlecht, der Witz, oder?

Halt! Das Buch noch nicht weglegen!

Dass du hier mit »Du« angesprochen wirst, bedeutet nicht, dass du eines von diesen Büchern in der Hand hältst, in denen es in seifig-süßen Worten heißt: »Hey, Jesus hat dich lieb! Weil Jesus die ganze Welt lieb hat! Deswegen ist alles ganz klasse und toll! Und wenn du konfirmiert/gefirmt bist, ist alles noch viel toller!«

Nein, wenn du ehrlich bist, findest du: Toll an einer Konfirmation oder Firmung ist vor allem, dass man da ordentlich Geld geschenkt bekommt. Das Fest ist auch nett. Aber dass man jetzt ein vollwertiger Christ ist, eine vollwertige Christin? Ist das wichtig? Mal ehrlich …

Und wie kann man eigentlich auf die Idee kommen, dass alles ganz toll ist, weil Jesus einen liebt? Sind die Leute, die so etwas sagen, nie auf Nachrichtenseiten im Netz? Hören die kein Radio? Schauen die nicht fern?

Aber da ist noch etwas. Diese ganze Sache mit Kirche, Konfirmation, Firmung ist immer wieder wahnsinnig peinlich. So peinlich, dass man es – pssst! – am besten ganz privat behandeln sollte. Und da passt es besser, dich mit »Du« anzusprechen.

Listen wir mal auf, was da alles peinlich ist:

Vor allem die vielen alten Leute, die falsch singen. Oder wenn der Pfarrer bei den Stellen, wo er alleine singt, die Töne nicht trifft. Fremdschämen ist gar kein Wort dafür. Auch peinlich: Wenn man feststellt, dass kaum einer wirklich mitsingt. Oder wenn man selbst doch mitsingt und merkt, dass die anderen einen hören können.

Da hat man jahrelang Religionsunterricht in der Schule, Konfirmandenunterricht/Firmunterricht. Gut, das Vaterunser kannst du inzwischen halbwegs. Aber diese Sachen im Gottesdienst, bei denen die ganzen Rentner wissen, was jetzt gesagt und gemacht werden muss, davon hast du weiterhin nicht die geringste Ahnung. Wie ist das mit den Herzen, die in die Höhe sollen? Und wer erbarmt sich wann und warum? Was ist überhaupt »erbarmen«? Also am besten gar nichts sagen. Ist aber auch irgendwie komisch, wo doch von den alten Leuten viele irgendwas sagen. Die haben’s also raus. Nur du nicht.

Da erzählen sie dir die ganze Zeit, man soll ehrlich sein. Man soll nur Sachen machen, zu denen man steht. Man soll nicht sagen, dass man gerne Taylor Swift hört, obwohl die einem eigentlich egal ist. Man soll nicht sagen, dass man Bayern-München-Fan ist, bloß weil die anderen es sind. Aber bei der Konfirmation oder der Firmung, da stehen all die Verwandten, von denen du ziemlich sicher weißt, dass sie mit Kirche rein gar nichts am Hut haben, brav zum Beten auf. Ziehen sich extra fein an. Für wen eigentlich? Für Gott, an den sie nicht glauben? Für den Pfarrer, den Pastor? Für dich? Ist das nicht irgendwie verlogen?

Wusstest du, dass bei den Kirchen mehr Leute arbeiten als bei jeder privaten Firma? BMW, VW, Siemens – ist nichts im Vergleich zu evangelischer und katholischer Kirche mitsamt diesen eigenartigen Anhängseln: Diakonie und Caritas. Was für merkwürdige Namen die schon tragen: Wohlfahrtsverbände. Vielleicht bist du in einem Krankenhaus der Caritas auf die Welt gekommen? Oder bist in einen Kindergarten der Diakonie gegangen? Aha. Warum haben die Kirchen Kindergärten, warum macht das nicht der Staat? Und diese Parteien mit dem »C«, die so viel über dein Leben entscheiden können – was ist an denen eigentlich christlich, an der CDU und der CSU?

»Das Einzige, was ich mir nicht vorstellen kann, ist der Tod.« In diese Worte fasst der 13-jährige Leonhard kurz nach seiner Konfirmation einen Gedanken, der so ziemlich alle Menschen beschäftigt. Seit jeher. Und seit jeher sagen Religionen: »Kein Problem, auf das mit dem Tod haben wir eine Antwort.« Doch diese Antworten sagen dir nicht wirklich etwas, oder? Jesus ist leibhaftig in den Himmel aufgefahren? Und jetzt kreist er um den Mond, oder was?

Immerhin gibt es zur Feier der Himmelfahrt Christi einen Tag schulfrei. Aber im Ernst: Gibt es nun einen Himmel, in den man »auffahren« kann? Auf die Sache mit dem Tod hättest du ja schon gern eine Antwort. Sollst du die nun bei der Kirche suchen? Oder woanders? Oder kann das nicht noch 70 Jahre warten? Uff.

Dazu muss man jetzt nichts weiter sagen, oder?

So. Und wie wäre es mit ein paar Gedanken zu all diesen Sachen?

Wie? Jetzt lieber nicht?

Gut. Vielleicht ja nächstes Jahr. Oder in drei Jahren. Oder in 50 Jahren.

Aber eines sollte dir klar sein: Du kommst aus der Nummer nicht so einfach raus. Du hängst drin in der Christen-Sache. In der Glaubens-Sache. Also: Du kommst um ein paar Fragen zum Thema Kirche nicht herum. Auf den nächsten Seiten findest du ein paar Antwort-Vorschläge.