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Sophie Andresky

 

Feuchte Träume

 

Erotische Geschichten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

heynehardcore

                                                                                                

Inhaltsverzeichnis

Copyright
Widmung
Pay-TV
Marga goes Shopping
Liebste Bele
Voll Megaherz
Die Süße des Bernsteins
Zwei schwarze Kiesel
Gänseblümchen
Das kurze Glück des Katers
Die Geschichte deines ungestillten Verlangens
Warum das Fenster zum Hof geöffnet war
Lena im Schwarz
Jungfräulich
Träume, Schäume, weite Räume
Das Geheimnis von Madame
Leseprobe "Brautbett"

Pay-TV

»Nichtraucherzimmer oder Raucherzimmer?« Selektion an der Hotelrezeption.

»Nichtraucherin«, sagt Pauline und überlegt kurz, ob sie der Hotelangestellten den Unterschied – weniger biologisch als linguistisch – erklären soll, läßt es dann aber lieber. Die zweite Angestellte, deren Namensschild sie als ›Marga‹ ausweist, grinst ihr sowieso schon verschwörerisch zu. Statt eines Schlüssels erhält sie eine Magnetkarte, von der man im vorhinein weiß, daß sie gelegentlich nicht funktionieren wird. Das heißt, man wüßte es, würde man öfter in solch gediegenen Hotels absteigen. So aber ist es neu und aufregend für sie, und sie würde ihren Chef am liebsten anstrahlen, aber das wäre zu unprofessionell. Cocktailhostess auf einer Fruchtsaftmesse, das ist einer dieser Jobs, von denen man glaubt, daß es sie in Wirklichkeit gar nicht gibt, aber es gibt sie natürlich doch, wie jedes Klischee irgendwo wirklich wahr ist. Und so lächelt sie nur und freut sich auf drei Tage Messeluft, das Hotel, und denkt bereits jetzt an den Kontoauszug, der ungefähr eine Woche nach dem Ende des Hostesslebens sehr erfreulich sein wird. »Hoffentlich«, denkt sie, »vergifte ich mit dem Gebräu niemanden, wäre das peinlich.« Sie sieht schon die Schlagzeilen des Lokalblattes vor sich: ›Saftvertreter stirbt im eigenen Saft‹ oder: ›Freches Früchtchen mixt Todescocktail‹. Na, besser nicht. Der dritte Mitarbeiter im Bunde ist ein kleiner Gedrungener, und spontan schießt ihr bei seiner leicht einfältigen und duldsam geschwungenen Stirn durch den Kopf: ›Ich sei, gewährt mir die Bitte, in Eurem Obstkorb der Dritte‹, frei nach Schiller oder so ähnlich, und sie versucht, ihr gehässiges Lächeln charmant wirken zu lassen. ›So sieht man wahrscheinlich aus‹, denkt sie, ›wenn man dreißig Jahre lang Multivitaminsaft abschmeckt, wie eine Mischung aus Banane, (Gesichtsform), Erdbeere (Hautfarbe) und Guave (Oberkörper).‹

Sie beschließen, erst einmal auszupacken, und verabreden sich zum Abendessen. Dann gehen Pauline, der Chef und die Guave, nach Gesinnung getrennt, Raucher zweiter Stock, Nichtraucher siebter, zum Auspacken auf die Zimmer. Daß ihr Zimmer direkt neben dem Chefzimmer liegt, amüsiert sie höchstens, sie würde sich bei aller Sympathie niemals mit einem Vorgesetzten einlassen, jahrelang mega-emanzipiert und dann eine klassische Affaire zwischen Aktenordner, Kollegenklatsch und ehelichen Unterbrechungstelefonaten, Karrierus interruptus, nein danke. Sie betritt das Zimmer und wuchtet den Koffer auf vier Quadratmeter bunt bezogene Spielwiese, öffnet die Schnallen und sieht sich erst einmal um. Ein Schöner-Wohnen-Bad aus weißem Marmor, Minibar, Kleiderschrank, das Sündenbett und ein Fernseher. Der wäre sicherlich das absolut Uninteressanteste gewesen, aber an diesem ist etwas anders als sonst.

 

 

Sie hat sich schon gewundert, wieso über dem Bett an der Wand noch eine Verlängerung hochgezogen ist, zum Fernsehen, klar, damit die Vertreter, die sich nachts Schmuddelfilme ansehen, nicht mit feuchterregtem Hinterkopf die Tapete ruinieren. Über dem Fernseher hat die Hotelleitung ein Schild angebracht: ›Pay-TV‹, und eine Beschreibung des Programms: ein Actionfilm, ein Horrorstreifen und zwei Pornos, natürlich nicht alles jugendfrei. Darunter steht noch als Alibi das Angebot an eventuell absteigende Eltern, diese Kanäle im Zimmer ihrer Kinder sperren zu lassen.

›Meine Eltern würden mir das Programm mit Sicherheit sperren lassen, wenn sie hier wären‹, grinst Pauline. Denken in so einer Situation wäre fatal. Sie lächelt kurz über den merkwürdigen Service des Hotels, Pay-TV für seine Gäste anzubieten, aber es ist ja schließlich eine Nobelherberge, die neben den obligatorischen Duschgel- und Seifenproben auch einen Anzugbügler und büttengeschöpftes Briefpapier zur Verfügung stellt. Pauline ist Komparatistikstudentin im siebten Semester, dreiundzwanzig, selbstverständlich ein Genußmensch und hat noch nie einen Porno gesehen, einen richtigen, nicht diese Hasch-mich-Filmchen im Fernsehen. Und sie schaltet den Fernseher ein, überlegt noch, was da jetzt wohl kommen wird, und packt weiter aus.

Köpfe und Füße über Füße, das ist das erste, das Pauline sieht, als sie die Jobvermittlung der Studentinnenvertretung betritt, schlurfende Füße, die schwerfällig über den gekachelten Boden gezogen werden, ohne jeden Rhythmus, dazu pendelnde Hände in Hüfthöhe, und ein schwammiges Gemurmel kittet die Kette der schwankenden Körper zusammen. ›Sieht eher nach Galeerendienst aus als nach Semesterferien‹, denkt sie und reiht sich ein. Eine stickige Endlosigkeit später steht sie nur noch eine Bewerberin von dem Schalter entfernt. »Kellnern, Nachhilfe, singende Glückwunschtelegramme«, rasselt ein gelangweilter Maschinenbaustudent mit Dutzendgesicht das dürftige Jobangebot herunter. Das Mädchen vor ihr notiert sich die Adresse einer Sprachschule, und Pauline ist an der Reihe. Das Dutzendgesicht sieht auf, stutzt, strafft sich ein bißchen und glaubt, besonders charmant und anerkennend zu lächeln.

Pauline denkt: ›Gebt ihm eine Keule, und er würde in der Steinzeit nicht auffallen.‹, und lächelt kurz und gequält und wippt ungeduldig auf den Zehenspitzen vor und zurück, das Dutzendgesicht rächt sich sofort: »Einen Job für den Kopf oder einen für die Beine?« – »Einen fürs Konto, Herzchen!« Pauline gratuliert sich im stillen, wenigstens halbwegs schlagfertig gewesen zu sein, und rattert ihre Studienkombinationen herunter. »Komparatistik, Psychologie, siebtes Semester, kein Kellnern, keine Nachhilfe, keine singenden, bauchtanzenden oder kopfstehenden Glückwunschtelegramme.«

Das Dutzendgesicht kramt in einer unübersehbaren Menge von zerknitterten Notizzetteln und grinst dann: »Cocktailhostess. Ein Wochenende lang auf einer Fruchtsaftmesse. In einer Giftküche bist du doch in deinem Element!«

Spitzfingrig nimmt sie ihm den Zettel aus der Hand und lächelt noch einmal zuckersüß: »Schade, daß dich noch niemand eingekocht hat, Kröten sollen ja angeblich besonders potenzsteigernd sein.« Und macht sich davon, bevor er kontern kann. Cocktailhostess, was ist das für ein Job?!

Sie beschließt plötzlich, diesen Job anzunehmen, sei es aus Trotz, sei es, weil sie absurde Dinge und Situationen mag. Zwei Wochen später, als sie mit ihrem Chef, dem Marketingleiter einer mittelgroßen Fruchtsaftfirma im Wagen zur Messe fährt, ist sie mit ihrer Entscheidung sehr zufrieden. Er ist hochattraktiv auf eine kitschige Art, die Pauline eher an eine Botticelliputte als an eine Deodorantreklame denken läßt, hat aber traumhafte Hände, die eigentlich viel zu schade sind, um nur Verschlüsse von Fruchtsaftflaschen zu öffnen. Sie sollten Bustierhäkchen aufklamüsern oder Kondompäckchen. Er würde es nicht barbarisch an einer Ecke mit den Zähnen aufreißen, sondern das Kondom mit gepflegten Fingerkuppen auspellen. Zu Paulines ehrlicher Bewunderung beweist er bereits in den ersten zwanzig Minuten, daß er ihrer spitzen Zunge gewachsen ist. »Wenn Sie weiterhin so auf meine Hände starren, kann ich sie auch abschrauben und Ihnen hinüberreichen.« Sie verstehen sich sofort auf eine saloppe und tatsächlich immer wieder witzige Art, und sie freut sich darauf, ein Wochenende lang Wörterpingpong für Fortgeschrittene zu spielen – die bissige Variante natürlich.

 

 

Eine Frau steht an einem Pfeiler, den ohnehin durchsichtigen Morgenrock geöffnet, natürlich hat sie sonst nichts an, und beobachtet ein kniendes Pärchen am Schwimmbeckenrand. SCHNITT. Der Mann massiert die Brüste der Frau, faßt ihr dann zwischen die Beine, sie biegt den Oberkörper zurück, seine Hand gleitet tiefer zwischen ihre Schenkel, fährt vor und zurück, und dabei spricht er leise auf sie ein, sagt ihr, daß sie naß und geil ist und daß sie sich ficken lassen soll, und sie lacht dunkel und kehlig, eher ein Stöhnen als ein Lachen. SCHNITT. Die Frau am Pfeiler sieht zu ihnen, geht gleich in die Knie, öffnet die Beine und beginnt, mit einer Hand ihre Scheide zu streicheln. SCHNITT. Der Mann am Schwimmbecken legt sich mit dem Oberkörper zurück auf ein lederbezogenes Kissen, das jemand aus der letzten Räuberfilmkulisse vergessen hat, und schließt die Augen. Die Frau kriecht auf allen vieren auf ihn zu und nimmt seinen Penis in den Mund, hält den Schaft mit ihren Händen und lutscht ihn, und obwohl sie es ja bereits hingebungsvoll tut, sagt er etwas im Sinne von ›ja, lutsch mich‹. SCHNITT. Die Frau an der Säule reibt sich schneller, mal mit dem kleinen Finger ganz oben in ihrer Spalte, NAHAUFNAHME, dann wieder mit der ganzen Hand, TOTALE, tief zwischen ihre Schenkel, während sie mit Daumen und Zeigefinger ihrer anderen Hand den aufgerichteten Nippel der linken Brust reizt. SCHNITT. Am Schwimmbecken hat sich die Frau mit weitgeöffneten Beinen auf den Rücken gelegt, ihr Po liegt auf den Oberschenkeln ihres immer noch redenden Kollegen (ja, komm, laß mich, du bist so heiß), der zwischen ihren Beinen kniet und mit dem Penis in sie stößt, was ihn keinesfalls davon abhält, weiter zu reden (spürst du mich ganz tief? Macht dich das geil, ja?).

Zum Antworten kommt sie zwar nicht, dafür kommt’s ihr um so heftiger, und er bricht laut stöhnend über ihr zusammen. SCHNITT. Auch die Frau an der Säule lächelt glückselig, rafft den Morgenrock über dem Körper zusammen und eilt aus dem Bild. STOP.

 

 

Der Koffer ist fertig ausgepackt, zwei Kostüme, farblich abgestimmt auf den Fußboden des Messestandes, das obligatorische Paar Ersatzschuhe, Ersatzstrümpfe, Ersatzbrille. ›In ein paar Jahren brauche ich wahrscheinlich noch Perücke, Glasauge und Beinprothese‹, denkt sie, aber die richtige Lästerstimmung will nicht so richtig aufkommen. Sie sitzt schon eine ganze Weile völlig fasziniert vor dem Fernseher und wundert sich. Das war’s also? Um einen Film wie diesen toben seit Jahren erbitterte Debatten? Aber das ist doch eher unwahrscheinlich, denn daß zwei von den drei Orgasmen im Bild weiblich waren, findet sie, ist eine gute Quote, und obwohl sie nicht genau weiß, warum, weil es ihr in diesem Moment zwischen Koffer auspacken und Abendessen eigentlich egal sein könnte, freut sie sich, daß sie einen Pornokanal erwischt hat, auf dem es um Sex und Lust geht und nur darum. Sie kann nicht anders, sie lächelt vor sich hin und wirft einen schnellen Blick auf die Uhr.

Eine Dreiviertelstunde ist noch Zeit, also Porno, Klappe, die zweite. Diesmal sitzt sie nicht auf der Bettkante, sondern lehnt sich gemütlich zurück, legt die Beine über den Koffer und den verdächtig warmen Hinterkopf an den vom Hotel eigens dafür angenagelten Vertreterwandschutz. Wie schön, wenn die Innenausstattung mitdenkt. Sie hat richtig getimt, ein Schriftzug, ›Kurzfilme‹, ist auf der Mattscheibe zu sehen.

 

 

Eine zierliche weiße Frau in vollem Geschirr, Strapse, Stöckelschuhe, Hüftgürtel, winziger Tangaslip, busenfreie Korsage, stützt sich mit den Händen auf die Lehne eines Sofas. Hinter ihr ein mehr als großer, breitschultriger Farbiger, der mit der Hand seinen Penis umschlossen hält und ihr mit der freien Hand über und zwischen die Hinterbacken fährt. Es klingelt. Sie richtet sich auf, zupft mit einer entzückend sorgfältigen Geste den ohnehin kaum schamhaarbedeckenden Slip zurecht und geht zur Tür. SCHNITT. Draußen steht ein braungebrannter muskulöser Löwe, Marke liebeshungriger Surfer. SCHNITT. Der Farbige ist mittlerweile auf dem Sofa glücklich mit sich selbst beschäftigt. SCHNITT. Der Surfer sagt, hallo, Tom, der Farbige sieht kurz auf, sagt, hallo, Frank, die Dame im Geschirr vollendet den interessanten Dialog, hallo Frank, zieh deine Hose aus. STOP.

 

 

Im Hotelzimmer gibt es ein kurzes paulinisches Zwischenlachen. Sie stellt sich vor, wie sie bei nächster Gelegenheit ihren blazerbekleideten Freund an der eichenen Haustür begrüßt, strahlend lächelt und dann ohne Pause zwitschert: »Hallo Hans-Jörg, zieh deine Hose aus«, und stellt sich seinen gediegenen BWL-Studentenblick dabei vor. Den Rest des Films bekommt sie nicht ganz mit, weil sie den leeren Koffer auf den Schrank hebt, um mehr Platz auf dem Bett zu haben. Sie sieht wieder auf die Uhr. Schon Hunger? Ja, aber nicht auf Abendessen, und sie schlägt den Gong zur dritten Runde.

 

 

Ein Chefzimmer. Offensichtlich Konferenzende, die zwei Besucher lächeln erwartungsvoll. Der Chef betätigt seine Gegensprechanlage und nuschelt anzüglich: »Frau Müller, zum Diktat bitte.« Die Tür geht auf, Frau Müller steht im Zimmer, kurzes Pannesamtkleid, eine Nummer zu eng, geschlitzt bis zum Strapsgürtel, im Ausschnitt kämpfen zwei riesige Brüste um etwas Frischluft, sie selbst reibt die Knie gegeneinander, leckt sich über die Lippen, drückt mit der Handinnenfläche ihre Scheide durch den Stoff. Keine Frage, diese Frau ist eine Sekretärin.

 

 

»Irgendwer hat sich da vertan«, denkt Pauline, »entweder hat der Drehbuchautor noch nie eine Sekretärin gesehen, oder der Kostümfundus war zu begrenzt für so ein anspruchsvolles Script.«

 

 

Der Chef verläßt das Zimmer. Frau Müller kniet sich vor einen Besucher, öffnet ihm die Hose, nimmt seinen Penis aus der Boxershorts und beginnt, ihn zu lecken. SCHNITT. Der zweite Besucher ist praktischer veranlagt und zieht die Hose gleich ganz aus. Dann reibt er seinen steifen Penis und tritt hinter die Sekretärin.

SCHNITT. Frau Müller lutscht weiter, die Brüste haben mittlerweile alle Fesseln gesprengt und bewegen sich mit dem Oberkörper leise vor und zurück. Dem Blick des ersten Besuchers kann man ansehen, daß es ihm leid tut, sie in seiner Lage nicht zu fassen zu bekommen. SCHNITT. Der zweite Besucher kniet hinter Frau Müller und zieht ihr das rote Kleid, das erstaunlich dehnbar ist, bis weit über den Rücken hoch. Dann schiebt er ihr mit beiden Händen die Schenkel auseinander und dringt von hinten in ihre Scheide ein, GROSSAUFNAHME, bewegt die Hüften vor und zurück und fickt sie heftig, während er ihre Pobacken auseinanderzieht und drückt. SCHNITT. Der Chef betritt das Büro, sieht, daß die drei mittlerweile aufs Sofa vor dem großen Fenster mit den handelsüblichen Yukkapalmen gewechselt sind, und lächelt zufrieden, man sieht, den Vertragsabschluß, oder was immer Gegenstand der Konferenz war, hat er in der Tasche. Er setzt sich auf den Chefsessel, legt die Füße auf die Schreibtischplatte, zieht den Reißverschluß runter und onaniert. SCHNITT. Die Sekretärin liegt hingegossen auf dem tiefen Sofa und ist mittlerweile bis auf lange Strümpfe ausgezogen. Ihr Kopf liegt im Schoß des ersten Besuchers, der endlich an ihre Brüste herankommt und sie ausgiebig befühlt, massiert und die Brustwarzen in den Mund nimmt, während sie seinen Penis streichelt und mit weit herausgestreckter Zunge, GROSSAUFNAHME, darüberleckt. SCHNITT. Über dem Schoß des zweiten Besuchers liegen die Beine der Sekretärin, er befühlt mit seinen Fingern ihre Scheide, steckt nacheinander die Finger hinein und reibt ihr mit der Handfläche über das Schamhaar. Die Sekretärin kommt in dem Moment, als er den Oberkörper vorbeugt und sein Gesicht in ihrem vorgewölbten Schoß vergräbt. SCHNITT. Der Chef lächelt zufrieden und angelt sich ein Kleenex aus der Schublade. STOP.

 

 

Was für eine Handlung. Sie kann in ihrem Hotelzimmer wirklich nur staunen. Eher aus Reflex als bewußt, schiebt sie ihre Hand unter den dünnen Stoff ihres Slips und ist erstaunt. Sie ist völlig naß im Schritt, sie ist geil plötzlich, total geil und reibt schneller, bis sie es sich anders überlegt und noch einmal zappt.

 

 

Wieder Büro. Aber diesmal eine Chefin. Was der Chef konnte, kann die Chefin schon lange. Wahrscheinlich soll das ein Verlag sein, denn sie hält einen Stapel Manuskripte in der Hand und schimpft mit einer Mitarbeiterin, die vor ihrem Schreibtisch steht.

Dann wirft sie den Stapel in den Papierkorb, die wesentlich jüngere Mitarbeiterin sinkt in sich zusammen, die Chefin öffnet eine Tür und bittet sie energisch, einzutreten. SCHNITT. In dem Raum hinter dem Büro der Chefin steht nur ein riesiges Bett. Die Mitarbeiterin steht verlegen davor, während sich die Chefin aus ihrem Kostüm schält und die unvermeidbare Strapskorsage zum Vorschein kommt. Sie streckt die Hand aus und betastet den Busen der Mitarbeiterin. Dann zieht sie ihr den Reißverschluß der Jeans runter, unter der zufällig nur noch nackte Haut ist, und entkleidet sie ganz. Sie zeigt auf das Bett. SCHNITT. Die Mitarbeiterin legt sich auf den Rücken in die Mitte des Bettes, und die Chefin schiebt ihr mit einer sehr zielgerichteten Geste die Beine auseinander und kniet sich dazwischen. Sie senkt den Oberkörper und spreizt mit den Händen die Schamlippen der Mitarbeiterin auseinander, die zieht die Beine an und öffnet die Knie noch weiter. Sie beugt den Kopf tief zwischen die Schenkel der Mitarbeiterin und steckt ihre Zunge zwischen die Schamlippen, leckt ihre Scheide dann ganz aus, faßt mit einer Hand unter ihren Po und führt ihren Daumen, GROSSAUFNAHME, so tief ein, wie es geht. Dann leckt sie höher bis zum Kitzler und reizt ihn mit der Zungenspitze. SCHNITT. Die Mitarbeiterin rollt sich über ihre Chefin, legt sich der Länge nach auf sie und greift sich zwischen die Beine, um ihre Schamlippen zu teilen, so daß ihr Kitzler, GROSSAUFNAHME, den der anderen berühren muß. Dann bewegt sich die Hüfte langsam vor und zurück, kreist, während die Chefin ihre Brüste umfaßt hat und die Beine über ihren Po kreuzt. STOP.

 

 

Im Hotelzimmer ist es mehr als schwül geworden. Sie hätte nie gedacht, daß Filme sie erregen könnten, aber sie ist bis zum Bersten geil und streift sich in einer hastigen Bewegung den Slip hinunter. Dann greift sie in ihre Handtasche, die neben dem Bett steht, und nimmt einen schmalen, poppigen violetten Vibrator raus, den ihr einmal eine lesbische Freundin als Gag geschenkt hat und den sie seitdem auf Reisen immer dabei hat, man weiß ja nie. Er fängt an, in ihrer Hand leise zu summen, als sie ihn in sich schiebt, den Blick fest auf die beiden Frauen auf dem Bildschirm gerichtet, und sich ihr Mittelfinger schnell auf ihrem Kitzler bewegt. Selten war ein Orgasmus so gut, und sie würde gerne schreien, wenn sie nicht, ganz Karrierefrau, immer noch im Kopf hätte, daß ihr Chef nebenan auspackt und Hotelzimmerwände gewohnheitsmäßig nie besonders dick sind. Allerdings wäre da noch die Möglichkeit, daß auch er nicht nur auspackt und ebenfalls mit leicht gespreizten Beinen auf seinem Bett sitzt und sich ansieht, wie sich die Schauspieler im Fernsehen ficken, lecken und wichsen, und sie überlegt lächelnd, ob er solche Worte im Bett wohl aussprechen würde und weiß, daß es Spaß machen würde, weil er jemand wäre, der weiß, was er wie sagt und nicht sinnlos herumschwafelt. Was für ein schöner Auftakt für einen Hostessenjob.

Als sie den Fahrstuhl betritt, den ihr Chef noch netterweise für sie aufgehalten hat, um mit den beiden Kollegen essen zu gehen, kommt sie sich sehr abgebrüht und freizügig vor, denn zwischen ihrem Orgasmus und dem höflich flachsenden Gespräch mit ihrem Chef sind keine zehn Minuten vergangen. Unten im Restaurant sitzt sie klassisch zwischen den beiden Herren, die Hände in wohlerzogener Pfötchenhaltung brusthoch über dem noch leeren Teller gefaltet. Man plaudert, und Pauline gibt sich alle Mühe, unaufdringlich kultiviert und spritzig zu wirken, was ihr in dieser guten Stimmung nicht schwerfällt. Dann, zwischen Spargelspitzen, Sauce béarnaise und Petersilie, passiert es.

»Sagen Sie mal«, sagt der eine in scherzhaft neugierigem Ton zu ihrem Chef, »was ist denn eigentlich Pay-TV, auf meinem Fernseher ist so ein Schild.«

Die Petersilie legt sich als Hustenreiz auf ihren Gaumen, das Stück Butterkartoffel wird fahl und schwer im Mund. Sie kaut und lächelt und enthauptet dabei mit der Gabel unauffällig Spargel um Spargel. Und auf diesem Weg erfährt sie, daß es keineswegs ein Service des Hotels ist, diesen Kanal für die Gäste anzumieten, sondern daß Pay-TV seinem Namen alle Ehre macht und wie ein Telefongespräch direkt mit auf die Rechnung gesetzt wird. Die silbrige Hinrichtung auf Paulines Teller kommt einem Gemetzel gleich, dem jetzt auch die Kartoffel zum Opfer fällt. Sie mißtraut eigentlich Klischees und Redewendungen aus Prinzip, aber jetzt wünscht sie sich, im buchstäblichen Boden zu versinken, damit niemandem auffällt, wie es ihr heiß und kalt den Nacken hinuntertropft. In Gedanken sieht sie ihren Chef die Rechnung bezahlen, nett lächelnd und sich mit spitzen Bemerkungen amüsierend, dann ein kurzes ›Oh‹ und dann in ihr hellrosa gefärbtes Gesicht ›Zimmer 100, Erdnüsse aus der Minibar; Zimmer 602 (ihres); Pornokanal und ein ziemlich heftiger Orgasmus.‹ Das darf doch nicht wahr sein. Wenn er ihr das antut, und das wird er, dafür ist die Pointe zu gut, kann sie nicht nur eine eventuelle Fortsetzung des Jobs vergessen, weil sie danach nicht mehr mit ihm arbeiten könnte, sondern sie müßte auch noch die stundenlange Heimfahrt allein mit ihm in einem Auto durchstehen, bei der er sie immer wieder piesacken würde, sie kennt das, umgekehrt würde sie es genauso machen. Und sie hetzt, während sie bewußt charmant und unauffällig, bitte bitte unauffällig, lächelnd plaudert, alle Möglichkeiten durch ihren Kopf, die sie jetzt hat, damit dieser peinliche Vermerk nicht auf der Rechnung steht und ihr Chef sie damit während der ganzen Rückfahrt aufzieht, denn sosehr sie auch sonst seine spitze Zunge schätzt, das würde sie nicht ertragen. Irgendwo gibt es schließlich eine Privatsphäre. Die Möglichkeiten, die sie hat, sind wenige und aussichtslos: Sie könnte zur Rezeption gehen, wenn es keiner sieht, hoffen, daß Marga, die nette Angestellte, Dienst und Verständnis hat, und diesen Posten im voraus bezahlen, damit sie die sicherlich zuvorkommende und schwesterliche Angestellte von der Rechnung streichen kann. Klar, und dann geht sie in ihr Büro und amüsiert sich wie Bolle und macht vielleicht sogar noch eine Andeutung, wenn die Rechnung bezahlt wird. Kommt nicht in Frage. Oder, Möglichkeit zwei, sie wagt die Flucht nach vorne, lehnt sich im Fahrstuhl, später wenn sie allein zur Nichtraucheretage hochfahren, lässig an den großen Spiegel und flachst ganz dreist: »Na, haben Sie eben auch den Porno gesehen, wie fanden Sie denn Frank, den Surfer?« Keine gute Idee, er ist immer noch ein gutes Stück bissiger als sie, und sobald sie ihm so einen Ball zuspielt, wird er ihn immer und immer wieder ausspielen. Oder er könnte es als Aufforderung verstehen, er ist immerhin verhältnismäßig jung und attraktiv und unberingt. Letzte Möglichkeit: Gar nichts machen und hoffen, daß ein Wunder geschieht. Und das beschließt sie auch.

Am nächsten Morgen gibt es einen Hoffnungsschimmer. Der andere Mitarbeiter erzählt von dem Actionfilm, den er gestern auf Pay-TV gesehen hat, auch eine clevere Masche, das hätte sie der Guave gar nicht zugetraut. Erleichtert lockert sich der Kleiderbügel in ihrem Kreuz, den sie seit gestern abend mit sich herumträgt. Denn natürlich – darauf war sie noch gar nicht gekommen – ist es sehr wahrscheinlich, daß der Posten zwar vermerkt wird, aber nicht der Film, bei einem Telefongespräch ist der andere Teilnehmer ja auch unbekannt. Das macht sie sich immer und immer wieder klar und schöpft neuen Mut. Auf der Messe ist sie wieder frech und aufmerksam, mixt Cocktails, tauscht mit ihrem Chef äugelnd Zeichen über die Einkäufer aus und hat alle Hände voll zu tun. Am Morgen des letzten Tages in ihrem Zimmer lernt sie die Inhaltsangabe des parallel gelaufenen Horrorfilms auswendig und wird ihn aufsagen, sollte beim Bezahlen der Rechnung irgendein peinlicher Kommentar kommen. Aber dann ist doch alles ganz anders.

Vergiß es, denkt Pauline plötzlich, als sie mit ihrem Koffer im Fahrstuhl zur Rezeption fährt, an der ihr Chef gerade bezahlt. Vergiß es, wenn er jetzt einen dummen Spruch macht, laß ihn, du bist schließlich eine erwachsene Frau, du hast ein Recht auf Sex, ob zu zweit, zu dritt oder allein, du hast dich gut amüsiert, verdammt gut, wenn sie ehrlich ist, und lächelt ihr biblisches Lächeln, unschuldiger Engelsmund und teuflisch hochgezogene Augenbraue, also steh auch dazu. Schließlich ist sie nicht irgendwer, sondern Pauline! Und gleich fühlt sie sich besser.

Trotzdem ist der Moment spannend, die Fahrstuhltür geht auf, ihr Chef wendet sich gerade von der Rezeption ab, sie tritt aus dem Lift, er faltet die Rechnung zusammen. Jeden Moment muß ein Kommentar kommen. Sie geht auf ihn zu, er sieht ihr nicht direkt ins Gesicht, lächelt aber ihre Ohren an und wirkt irgendwie verkrampft, o nein, er überlegt jetzt also, wie er sie wohl einschätzen soll, oder schlimmer noch, es ist ihm peinlich, mit ihr zusammenzusein. Hatte er nicht mal gesagt, er sei Buddhist, Zen oder so was in der Richtung? Pauline geht in ihrem Gedächtnis schnell die Zeitungsartikel durch, die sie immer so schnell weitergeblättert hat, wie war das, nicht für die Schule, sondern fürs Leben, mein kurzes Leben als Cocktailhostess, nicht gerade bestsellerverdächtig, aber haben Buddhisten ein Keuschheitsgelübde? Sicher nicht, aber wieso ist er dann so angespannt? Sie denkt noch mal an den Horrorfilm, strafft dann die Schultern, dehnt die sorgfältig gebräunte Halsbiegung und übt dann in Gedanken ein schnippisch leichtfertiges ›Na und?‹, das lässig, überlegen und dezent genießerisch kommen soll. Sie sieht ihn unsicher an, er lächelt weniger botticellimäßig, eher wie ein verkaterter Margarine-Boy, wenn es den denn gäbe, sie hält unwillkürlich die Luft an, jetzt … gleich … irgend etwas muß doch kommen.

Ihr Chef öffnet ihr die Wagentür, »Ja, dann wollen wir mal wieder«, sagt er, kein Scherz diesmal, vielleicht war das Pay-TV ja auch über Gebühr teuer, und er ist deswegen sauer, aber die paar Minuten können doch nicht … auf der anderen Seite hat sie in dem Moment wirklich nicht auf die Uhrzeit geachtet, der Chef drängt sie förmlich in den Wagen, was hat er es denn auf einmal so eilig, und wo ist die Guave? Klein, farblos und die Bewegung der Hüften unter dem graugrünen Sakko irgendwie matschig beim Gehen, erreicht der Kollege das Auto.

»Aber Sie wollten doch nicht schon fahren. Sie sehen beide etwas groggy aus.« Er zwinkert süßstoffsüß mit fahlem Nachgeschmack, stößt dann den Chef, der, wieder ganz nadelgestreifte Botticelliputte, am Wagen lehnt, in die Seite und raunt mit saftigen Mundwinkeln und graugrünem Blick in Paulines Richtung: »Wohl zu viele Horrorfilme gesehen gestern abend?« Ein Glucksen, es gärt die Guave. Ach, das ist es, ihr Chef, seine Heiligkeit, hat sich auch Frank, den Surfer, angesehen, wie nett. Das hatte sie doch gleich geahnt. Das ändert natürlich manches. Eine peinliche Pause wabert ihnen wie Kompott um die Füße, der dritte im Obstkorb ist genau wie der immer störende Geschmack im Multivitaminsaft, es ist immer einer dabei, der einfach nicht reinpaßt.

Pauline verabscheut die Guave und empfindet Solidarität und auch ein bißchen Mitleid für die Putte, die nur langsam wieder rote Bäckchen bekommt, wie sich das für gesunde Fruchtsafttrinker so gehört. »Nein«, sagt ihr Chef dann, »wohl eher die erotischen Kurzfilme auf dem zweiten Kanal. Sie wissen ja, wie das ist, das Erdnußsyndrom, eigentlich sind sie fettig, und immer ist irgendeine Faule dabei, und meistens ist auch einfach zuviel Salz in der Dose, aber aufhören kann man dann doch nicht.« – »Außerdem«, spuckt Pauline der Guave in hohem Bogen wie Apfelkerne entgegen, »waren Frank und Frau Müller dann doch irgendwie spannend.« Die Putte wirft Pauline einen Blick aus traubensaftdunklen Augen entgegen, einen Blick, klar und ohne Konservierungsstoffe, während sie einsteigt, reicht der Guave die Hand und fährt los.

Marga goes Shopping

Die Ladenglocke erinnerte sie an den Pausengong des Internats, auf dem sie ihre Schulzeit verbracht hatte, ein etwas lasziver, dumpfer Dreiklang, der im Raum schwebte, bis Marga eingetreten war und die Tür sich hinter ihr geschlossen hatte. »Der Rest des Geschäfts wäre für die Backfische dieser Höheren-Töchter-Schule allerdings weniger geeignet«, dachte sie belustigt und sah sich um. Der Boden war mit einem dicken cremefarbenen Teppich ausgelegt, in schweren Eichenregalen, die hinter der gläsernen Ladentheke standen, stapelten sich kleinere und größere Papierschachteln, in der Thekenvitrine selbst waren die teuersten Stücke ausgestellt: Kaum zu tragende und noch weniger zu bezahlende Designerdessous aus goldenem Satin und Samt, mit Tausenden von winzigen Perlen bestickt oder grob aus Metall zurechtgehämmert. ›Ich bin gespannt, ob sie dazu auch Keuschheitsgürtel aus Stahl anbieten‹, ging es Marga durch den Kopf, als sie einige Schritte vortrat, um sich den Rest anzusehen.

Der Laden war für ein Wäschegeschäft, auch wenn es in einer so exklusiven Gegend lag, unverhältnismäßig groß, aber so verschachtelt, daß er intim und fast gemütlich wirkte. Die Umkleidekabinen waren einzeln im Raum verteilt, und an Dutzenden von Ständern hingen die Träume aus ungekämmter Seide und schillerndem Satin, Samt und Chiffon – Luxus pur. Wenige Kundinnen standen verteilt an den Regalen oder warteten vor den Kabinen. Das Dessousgeschäft sah von außen dezent und unspektakulär aus, wer hierher fand, hatte entweder von einer Freundin einen Tip bekommen oder sich zufällig verirrt.

Marga hatte vor, ihre Freundin Linda zu besuchen, die hier arbeitete, konnte sie aber nicht entdecken. Sie ließ ein winziges Bustier in psychedelischen Mustern durch die Hände gleiten, bei dem auf Höhe der Nippel der Stoff ausgespart war, und wollte gerade bei dem dazugehörigen Tanga, der ebenfalls an einer sehr dicken Stelle geöffnet war, nach dem Preis suchen, als sie eine Frauenstimme flüstern hörte: »Ein extravagantes und gleichzeitig komfortables Modell! Wenn du richtig feucht bist und ein Typ dir zwischen die Beine faßt, wird er sehr erstaunt sein, da habt ihr dann beide etwas davon, ich spreche da aus Erfahrung.«

Marga lachte, drehte sich um und küßte ihre Freundin kurz auf den Mund. »Berätst du alle Kundinnen so, Linda?«

»Weniger. Aber komm mal mit nach hinten, ich zeige dir etwas, das dir gefallen wird.«

Im anschließenden Teil des Ladens war die Beleuchtung mehr als nur dezent, weil das spärliche Licht aus dem Schaufenster nicht so weit reichte, es war geradezu schummrig. Sie öffnete eine der auf Hochglanz polierten Vitrinen und gab Marga ein schwarzes Schnürmieder, das die Brüste mit eingearbeiteten Stangen zu einem perfekten Dekolleté formen würde. »Mit langen schwarzen Spitzenstrümpfen sieht das super aus«, versprach Linda, und beide begannen zu lästern, wen aus ihrem Bekanntenkreis man damit wohl beglücken könnte.

In dem Moment öffnete sich eine unauffällige Tür in einer Ecke des Ladens, und ein großer Mann in dunkelblauem. Sakko betrat den Laden und sah zu ihnen herüber. Margas Freundin entschuldigte sich hastig und ging zu ihm. Marga hörte ihn leise mißbilligend reden und sah, wie er einer Verkäuferin ein paar Lackschuhe in die Hand drückte, die in einem geöffneten Karton auf dem Boden gestanden hatten. Sie packte sie ein und stieg dann auf eine kleine Leiter, um sie oben im Schrank zu verstauen. Das blaue Sakko sah sich kurz um und langte mit seiner Hand blitzschnell zwischen ihre leichtgeöffneten Schenkel. Als sie wieder auf dem Boden stand, hörte Marga ihn noch ›Ein bißchen mehr Disziplin, Frau Weiß‹ sagen, während er fest die Hand auf eine Brust seiner Verkäuferin legte, dann war er wieder verschwunden.

Mit zornroten Flecken auf Wange und Stirn kam Linda zu Marga zurück und fauchte: »Wenn dieser Idiot nur endlich mal seine Grabscherei sein lassen könnte, ich kann ihn nicht mehr sehen.«

»Warum zeigst du ihn nicht an?«

»Weil ich den Job hier brauche, beim Chef beschwert habe ich mich schon, aber der sagt dann immer: ›So schlimm wird es schon nicht sein, Frau Weiß, und Herr Wagner ist eine hervorragende Kraft.‹ Weißt du, früher ist bei uns jede Menge gestohlen worden, und weil die Sachen alle exklusiv und teuer sind, war das wirklich ein Problem, aber seitdem der da ist, geht kaum noch etwas an der Kasse vorbei. Allerdings sind seine Methoden auch alles andere als okay.«

Sie zeigte Marga mit einer unauffälligen Geste die Sicherheitskameras, die dezent in die Wände eingelassen waren, kaum zu bemerken für jemanden, der nicht direkt danach suchte. »Durch die Kameras sieht er genau in die Umkleidekabinen. Hinten in seinem Büro sitzt er und spannt, wie die Mädels in die schärfsten Dessous steigen, und geilt sich daran auf. Da entgeht ihm natürlich nicht, wenn eine mal aus Versehen etwas anbehält, und bei der Erfolgsquote wird der Chef wohl kaum auf ihn verzichten wollen. Neulich hat er zu mir gesagt: ›Linda, wenn Sie mit einem derartig hochqualifizierten Mitarbeiter nicht klarkommen, muß es doch auch an Ihnen liegen‹. Die anderen Verkäuferinnen beschweren sich natürlich auch nicht, weil sie wissen, wie er mich abgefertigt hat. Es ist echt zum Kotzen.«

Marga überlegte einen Moment, lächelte dann geheimnisvoll und hatte es plötzlich sehr eilig, sich zu verabschieden. Die Freundin sah ihr einen Moment nach, zuckte dann mit den Schultern und bediente eine andere Kundin.

Ein paar Tage später betrat Marga wieder das Dessousfachgeschäft.

Den dezenten Trench vom letzten Besuch hatte sie gegen eine rote Lederjacke getauscht, die langen Beine steckten in hochhackigen Stiefelletten, und ihren dunkelbraunen Pagenkopf hatte sie unter einer schwarzen Lockenperücke versteckt. Linda mußte sich beherrschen, um nicht laut loszulachen. »Ist das dein neues Outfit? Aber der französische Tanga neulich war dir zu gewagt, ja?«

»Wollen wir doch mal sehen, ob sich dein notgeiler Herr Detektiv nicht beeindrucken läßt«, zischte Marga. »Und jetzt zeig mir etwas wirklich Gewagtes.«

 

 

Mit dem Arm voll Lederkorsagen, Spitzenbodies und durchsichtigen Tangas schließt Marga die Tür der Ankleidekabine hinter sich. »Eigentlich müßte es hier Auskleidekabine heißen«, grinst sie, denn genau das ist es ja hier. Und wie sie sich ausziehen würde. Das goldgerahmte Schild ›Bei der Anprobe von Slips und Bodies Unterwäsche bitte anlassen‹ übersieht sie großzügig. Sie hängt die Ware an den Haken und schaut genau dahin, wo sie die Kamera vermutet. Ein winziges, kaum sichtbares rotes Blinken verrät ihr, daß die Linse betriebsbereit ist. ›Mal sehen, wie betriebsbereit dieser Typ bald sein wird‹, denkt sie und gibt sich Mühe, sich nichts anmerken zu lassen.

Sie läßt die rote Jacke von ihren Schultern gleiten und knöpft sich dann unendlich langsam die Bluse auf. Sie trägt nichts darunter und umfaßt, als sie die Bluse achtlos auf den Stuhl neben sich gelegt hat, mit beiden Händen ihre vollen Brüste und massiert sie mit geschlossenen Augen. Dann beugt sie sich zu einer der drei Spiegelwände vor und preßt den Busen gegen das kalte Material. Sofort stellen sich die Spitzen auf, und Marga nimmt eine zwischen zwei Fingerkuppen und drückt sie ganz vorsichtig. Nachdem sie sich den Minirock über den Po geschoben und mit der Fußspitze beiseite gekickt hat, kommt ihr eine Idee. Sie dreht sich mit dem Rücken zur Kamera, schlüpft aus dem Slip und stellt einen Fuß auf die Ablage des Spiegels, schließlich beugt sie sich weit nach vorne und beginnt, sich die Stiefeletten aufzuschnüren.

Der Detektiv sitzt schon geraume Zeit vor einem seiner Monitore und starrt auf die dunkelhaarige Frau, die sich so langsam auszieht, als wäre sie nicht hier, um Wäsche anzuprobieren, sondern um sich eine heiße Pause beim Einkaufsbummel zu gönnen. Er schluckt schwer und hofft, daß es wirklich soweit kommen wird. Als sie sich von ihm abwendet und ihm dann den nackten Po entgegenstreckt, stößt er seine Kaffeetasse um und legt sich die Hand auf den Reißverschluß. Er sieht durch die weitgeöffneten Schenkel die Brüste der Frau, die sich leicht bewegen, während sie immer noch an den Schnüren der Stiefel herumhantiert. Wäre es heller und gäbe die Kamera ein schärferes Bild, könnte er die sicherlich pechschwarze Möse der Frau sehen, und er stellt sich vor, wie er über diesen perfekt gerundeten Po streicht und dann zwischen ihre Beine langt, wo es heiß und offen sein würde, und sein Schwanz zuckt heftig. Aber er kann doch nicht hier im Büro, wenn jetzt eine der Verkäuferinnen hereinkäme … und so sitzt er weiter an seinem Monitor, hat die anderen ganz vergessen und sieht der Frau zu.

Marga ist aus ihren Stiefeln gestiegen und hat sich wieder dem Spiegel zugewandt. Locker spreizt sie die Beine, mittlerweile macht es ihr wirklich Spaß, und sie knickt leicht in den Knien ein und streichelt ihr Schamhaar, das tatsächlich so feucht ist, wie es ihr ihre Freundin bei dem französischen Tanga prophezeit hatte. Dann unterbricht sie aber und nimmt eines der Dessous vom Haken. Es ist ein sündhaft teurer Büstenhalter aus Spitze, sie schließt die Druckknöpfe am Rücken und zieht ihn dann über, faßt noch einmal in jedes Körbchen, um ihre Brüste in die richtige Position zu legen, und betrachtet sich dann im Spiegel. Sehr hübsch, so einen hatte sie schon lange haben wollen. Das nächste ist der transparente Slip, unter dem Stoff kräuselt sich das feuchte Haar, er sitzt wie angegossen, und Marga überlegt, daß beides zusammen soviel kostet, wie sie in zwei Tagen verdient. Ob sie es wohl wagen kann? ›Vielleicht ist er noch nicht ganz geplättet‹, überlegt sie und beschließt, zu Ende zu führen, womit sie eben begonnen hat. Sie hat sich noch nie gestreichelt, wenn ihr jemand dabei zugesehen hat, und es macht sie geiler, als sie gedacht hätte. Sie schiebt ihre Hand in den Slip und reibt einige Minuten, dann unterdrückt sie ein Stöhnen und läßt sich gegen den Spiegel sinken. Marga schlüpft in ihre Sachen, ohne die Dessous auszuziehen, bringt den eigenen Slip in der Handtasche unter und verläßt das Geschäft.

Ihrer Freundin flüsterte sie im Vorbeigehen zu: »Sieh mal nach, ob ich den Macker kleingekriegt habe« und verschwand. Niemand hielt sie auf.

Doch schon am nächsten Tag war sie wieder in der gleichen Verkleidung da. Kichernd nahm ihre Freundin sie beiseite und erzählte ihr, daß sie gestern den Herrn Detektiv gesehen hätte, mit geschlossenen Augen vor einem der Monitore sitzend und so heftig wichsend, daß er sie erst nach einigen Sekunden bemerkt hätte. Es sei ihm ziemlich peinlich gewesen. Und er habe sich den ganzen Tag nicht im Geschäft blicken lassen, um sie wie üblich unter irgendeinem Vorwand zu befummeln.

Marga lächelte. »Gut, aber sag mal, wann habt ihr denn Inventur? Schon in vier Tagen? Na, da muß ich mich ja ranhalten. Und es ist vielleicht nicht schlecht, wenn du dir bis dahin Urlaub nimmst.« Sie umfaßte mit einer Hand die Taille der Freundin und flüsterte: »Erinnerst du dich noch an das andere Mädchen, das bei uns im Internat mit im Zimmer geschlafen hat? Und wie wir die Nächte durchgefeiert haben, als sie krank geworden ist?« Sie nickte, und ihre Augen begannen zu glänzen: »Komm doch nachher mal in die Kabine, ja?« Marga ging von Regal zu Regal und suchte die teuersten und ausgefallensten Modelle aus.

 

 

Schwer bepackt betritt sie die Kabine. Der rote Punkt scheint plötzlich aufmerksam zu flirren, und Marga freut sich auf die nächste Vorstellung. Diesmal zieht sie sich schnell um. Sie hat erst gar keine Unterwäsche angezogen und steht nur kurze Zeit nackt vor dem Spiegel, dann schlüpft sie in einen hautengen Latexbody, bei dem Reißverschlüsse über den Brüsten und im Schritt einen schnellen Zugriff garantieren. Die hohen Stiefel behält sie an. Sie ist gerade fertig geworden und bewundert ihr Spiegelbild, als sie von draußen eine betont förmliche Stimme hört. »Kann ich Ihnen helfen, oder kommen Sie zurecht?«

»Kommen Sie doch bitte mal nachsehen«, ruft Marga genauso förmlich zurück. Ihre Freundin betritt die Kabine und flüstert grinsend: »Wo soll ich denn nachsehen?« Marga stellt einen Fuß auf den Stuhl neben der Tür, so daß die Kamera sie genau im Visier haben muß, dann zieht sie den Reißverschluß zwischen den Beinen auf. Sie sieht fast aus wie eine Domina und spielt ihre Rolle perfekt. »Knie dich hin«, flüstert sie, und dann: »Mach es mir mit der Zunge, leck mich jetzt.«

In seinem Büro sitzt der Detektiv und glaubt nicht, was er sieht. Seine maßgeschneiderte Hose platzt beinahe, als die Verkäuferin sich zwischen die Füße der Kundin auf den Boden kniet und sie ihr Gesicht zwischen deren Schamlippen preßt. Der Detektiv stellt sich eine überfeuchte, dichtbehaarte Möse vor, sein Bild auf dem Monitor ist viel zu undeutlich, und darin eine biegsame Frauenzunge, schmal und flink, tastend und leckend, und seine eigene Zunge stößt von innen gegen seine Zähne, wie gerne würde er jetzt nach nebenan gehen und sich erst die Schwarzhaarige vornehmen und in ihre Möse stoßen, bis sie schreit. Und dann müßte ihn diese Verkäuferin in den Mund nehmen und seine Eichel saugen, und in diesem Moment kommt er, und heftig stöhnend schließt er die Augen.

In der Kabine hat Linda die Hände dazugenommen und steckt Marga langsam erst einen und dann einen zweiten Finger hinein, und Marga windet sich und stöhnt leise und hat ihren Orgasmus fast gleichzeitig mit dem Detektiv. Sie zieht die Freundin an den Schultern zu sich hoch und umarmt sie fest. Dann küßt sie sie lange und flüstert: »Fortsetzung folgt bei mir zu Hause, ich rufe dich an, und ich verspreche dir etwas ganz Besonders. Was ist mit deinem Urlaub? Kannst du gleich gehen?« Sie nickt und verläßt die Kabine, um einer Kollegin Bescheid zu sagen. In der Zwischenzeit zieht Marga all die sündhaft teuren Dessous übereinander an, versteckt sie unter ihrer Kleidung und verläßt das Geschäft. Der Detektiv will nichts anderes, als daß sie wiederkommt und wagt daher nicht, ihr den Weg zu versperren, wie er es sonst mit Kundinnen macht, die englisch einkaufen.

 

 

Zwei Tage mußte er sich gedulden, denn Marga wollte ihre Finalnummer gut vorbereiten. In ihrer Handtasche hatte sie Kondome und Gleitcreme untergebracht und machte sich früher als sonst auf den Weg in die exklusive Ladenstraße, denn sie hatte etwas Besonders vor, etwas, das ihr schon lange durch den Kopf ging und wozu sich nie die Gelegenheit ergeben hatte. Vor dem Dessousgeschäft war eine Bushaltestelle, und es regnete Bindfäden, als sie dort ausstieg. Auf der Bank saß ein junger, schlanker Mann mit einem T-Shirt, auf dem ›Ich war in Helgoland‹ stand. Ein Stück weiter unterhielten sich zwei Touristinnen auf spanisch, und eine alte Frau las in einem Boulevardblatt.

Marga hatte Herzklopfen und war angespannter als bei den letzten beiden Besuchen oder ›Heimsuchungen‹, wie sie sie bei sich nannte. Sie setzte sich neben den Jungen, der sein Glück kaum fassen konnte, lächelte ihn strahlend an und sagte: »Hallo, ich bin Marga. Hätten Sie vielleicht Lust, mit mir in dieses Wäschegeschäft zu gehen und mich in der Kabine zu vögeln?« Er sah sie sprachlos an und errötete leise. Sie öffnete ihre Handtasche, zeigte ihm den Inhalt und fügte hinzu: »Von vorne, von hinten, wie Sie mögen, Sie würden mir damit eine große Freude machen. Nur leise müßten Sie sein, schließlich wollen wir doch keine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses riskieren, nicht wahr?« Und sie lächelte noch strahlender. »Na, kommen Sie schon, ich mache das nicht professionell, es kostet Sie also nur Ihren Schwanz«, und sie zog ihn von der Bank hoch.

Der junge Mann war so verblüfft, daß er ihr willenlos in das Geschäft folgte. Die Verkäuferinnen waren mit einer schwierigen Kundin beschäftigt, und sie suchte sich wieder einen Arm voll teurer Strapse, Strümpfe, Hüftgürtel und Büstenhalter zusammen und zog ihre Eroberung in die Kabine.

 

 

Davon hat sie schon lange geträumt, einfach einen fremden Mann anzusprechen und mit ihm zu machen, wozu sie Lust hat. Sie öffnet seine Jeans und zieht sie ihm aus, weil sie es in Pornofilmen immer ausgesprochen lächerlich gefunden hat, wenn den Männern die Hosen um die Fußknöchel schlackerten, während sie mit ihren Partnerinnen zugange waren. »Laß mich von hinten«, raunt er atemlos und kann es noch gar nicht fassen. Sie dreht den Stuhl so, daß die Kamera sie beide von der Seite im Visier haben mußte, den Rest würden die Spiegel ergänzen. »Ich kann es nicht sagen«, denkt Marga, »hoffentlich kommt er alleine auf die Idee, noch mehr zu wollen.« Sie dreht ihm das Hinterteil zu und drückt ihm zusammen mit den Kondomen wie zufällig auch die Gleitcreme in die Hände. Dann beugt sie sich tief auf dem Stuhl hinunter und spreizt weit die Beine. Er umfaßt ihre Hüften und dringt langsam in sie ein, stößt einige Male und erinnert sich dann an die Gleitcreme, und in diesem Moment wird dem Detektiv schwarz vor Augen.

 

 

Marga hatte ihren Spontansex ausgiebig genossen, als sie mit dem jungen Mann und der Handtasche voller Luxusdessous die Kabine verließ. Die Hintertür ging auf, und heraus kam ein kleiner älterer Mann mit dem Detektiv. Marga stockte einen Moment lang der Atem, vielleicht hatte sie es jetzt doch zu weit getrieben.

Dann aber hörte sie, daß der Ältere heftig schimpfte: Wie er es wagen könne, er sei hier angestellt, und bei einem ersten Überblick über den Warenbestand könne man mit bloßem Auge feststellen, daß die teuersten Wäschestücke fehlten, was er eigentlich den ganzen Tag mache in seinem Büro, auf solche Mitarbeiter könne er jedenfalls gut verzichten, als er ihn eben mit geschlossenen Augen vor den Monitoren vorgefunden habe, sei ihm einiges klargeworden, und nun solle er sich bitte einen neuen Arbeitsplatz suchen, bis zur fristgerechten Kündigung sei er jedenfalls beurlaubt. Marga lächelte triumphierend und sehr zufrieden, der junge Mann war noch ganz benommen von seinem Glück und begleitete sie hinaus.

»Haben Sie noch Zeit«, fragte Marga ihn an der Bushaltestelle. »Ich bin jetzt nämlich frei. Vielleicht haben Sie ja noch Lust, mit zu mir zu kommen?« Und als er begeistert nickte, sagte sie: »Wissen Sie, ich habe da eine sehr gute Schulfreundin, die Ihnen bestimmt auch gut gefällt. Warten Sie mal einen Augenblick, ich muß sie nur schnell mal anrufen.«

»Was arbeiten Sie denn eigentlich?« fragte er noch, und Marga sagte: »Gerade heute habe ich eine neue Aufgabe, sagen wir eine Mission, erledigt, aber sehr wahrscheinlich werde ich mich bald als Ladendetektivin bewerben, meine Freundin arbeitet da in so einem Geschäft, wissen Sie, da müßte bald ein Job freiwerden.«