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Impressum:

Der maskierte Lord und die unbefriedigte Witwe | Erotische Kurzgeschichte

von Lucy Palmer

 

Lucy Palmer, die auch unter den Pseudonymen Inka Loreen Minden, Mona Hanke und Ariana Adaire schreibt, ist eine bekannte Autorin erotischer Literatur. Von ihr sind bereits über 50 Bücher, 9 Hörbücher, mehrere Übersetzungen und zahlreiche E-Books erschienen, die regelmäßig unter den Online-Jahresbestsellern zu finden sind.Neben einer spannenden Rahmenhandlung legt sie Wert auf eine niveauvolle Sprache und lebendige Figuren. Romantische Erotik – gepaart mit Liebe und Leidenschaft – findet sich in all ihren Storys, die an den unterschiedlichsten Schauplätzen spielen.Lucy Palmer liebt es, ihre Leser in andere Welten zu entführen, in denen es immer ein Happy End gibt.

 

Lektorat: Nicola Heubach

 

 

Originalausgabe

© 2012 by blue panther books, Hamburg

 

All rights reserved

 

Cover: DaniloAndjus @ istock.com

Umschlaggestaltung: www.heubach-media.de

 

ISBN 9783862771356

www.blue-panther-books.de

Der maskierte Lord und die unbefriedigte Witwe von Lucy Palmer

Alexandra Kenneth saß mit ihren drei Freundinnen Elizabeth, Jane und Charlotte im Salon von Blixton Hall und spielte eine Partie Whist. An Nachbartischen, abgetrennt durch Paravents, taten es ihnen andere Frauen und Männer gleich. Die Gewinne würden einer Wohltätigkeitsorganisation zugutekommen, die damit ein Waisenhaus unterstützen wollte. Im Raum herrschte weitgehend Ruhe, deswegen unterhielten sie sich leise.

Alexandra und ihre Freundinnen nannten sich spaßeshalber »Die wilden Witwen«, und Alexandra war mit ihren vierunddreißig Jahren die jüngste im Bunde und noch nicht wirklich bereit, für den Rest ihres Lebens auf einen Mann zu verzichten. Sie wollte noch so viel von der Welt sehen, Abenteuer erleben. Aber das ging eben als alleinstehende Frau nicht.

Immerhin boten ihr die Freundinnen Zerstreuung, ansonsten würde sie wohl wahnsinnig werden, denn sie hatte niemanden mehr: keine Familie und keinen Mann. Sie fühlte sich allein.

Wie so oft fiel das Gespräch der Witwen auf den »Maskierten Lord«, einen unbekannten Adligen, der einsame Frauen beglückte, sofern sie es wünschten.

Ihre Busenfreundin Elizabeth, die nur wenig älter als Alexandra und die reichste Witwe Londons war, schwärmte in den höchsten Tönen vom maskierten Lord. »Du solltest ihn dir gönnen, meine Liebe«, sagte sie zu ihr, wobei sie sich mit ihrem spitzenbesetzten Fächer Luft zuwedelte. »Er ist der beste Liebhaber, den ich je hatte, zwar der teuerste, aber er ist wirklich jedes Pfund wert.«

»Und du weißt wirklich nicht, wer sich hinter der Maske verbirgt?«, fragte Alexandra und strich sich eine blonde Locke aus der Stirn, während sie ihre Karten studierte. »Ich meine, der Mann könnte sich mit uns in diesem Raum befinden.«

»Vielleicht. Es wird gemunkelt, er sei ein verschuldeter Adeliger, mehr weiß ich auch nicht von ihm.« Elizabeth legte, über das ganze Gesicht strahlend, ihre letzte Karte auf den Tisch. »Zehn Punkte, her mit dem Geld, Ladys!«

In Gedanken versunken holte Alexandra eine Fünf-Pfund-Note aus ihrem Pompadour. Geld genug hätte sie, um sich einen Liebhaber zu leisten. Ihr verstorbener Gatte, ein Londoner Geschäftsmann, hatte ihr ein Vermögen hinterlassen. Arthur war schon fast ein Greis gewesen, als sie geheiratet hatten, und vier Monate später hatte er das Zeitliche gesegnet. Alexandra hatte nie reine Leidenschaft kennengelernt. Auch vor der Hochzeit nicht. Sie hatte als unvermittelbarer Blaustrumpf gegolten, weil sie ihre Nase lieber in Bücher steckte. Die Zwangsheirat war für sie ein Schock gewesen. Immerhin war Arthur ein liebevoller Mann gewesen, der ihr auch Trost spendete, als ihre Eltern kurze Zeit später an der Grippe starben. Alexandras Sehnsucht nach Nähe wurde seitdem von Tag zu Tag größer.

»Und ... wie kontaktiert man den Maskierten?«, fragte sie beiläufig, als würde sie das Thema nur mäßig interessieren, während sie die Karten neu mischte.

Elizabeth lächelte wissend. »Du schreibst ihm eine Nachricht, meine Liebe. Vermerkst Tag, Uhrzeit und Ort, und wirfst den Brief in das große Tongefäß, das im Britischen Museum direkt am Eingang zur Ägyptischen Ausstellung steht. Und wenn du Glück hast, kommt er vorbei. Er ist nämlich sehr begehrt.«

Das hörte sich nach einem Abenteuer an! Genau das Richtige für eine »wilde Witwe«. Alexandras Herz schlug schneller. Ob sie es riskieren sollte?

Just in diesem Moment löste sich ein Schatten hinter dem Paravent und Viscount Winter trat hervor. Der große, dunkelhaarige Mann grüßte die Damen flüchtig, warf Alexandra einen intensiven Blick zu und marschierte aus dem Salon.

Alexandra hielt die Luft an, bis sich ihr Herzrasen gelegt hatte. »Habt ihr das gesehen?«, flüsterte sie. »Hoffentlich hat er uns nicht zugehört!«

»Und wenn schon!« Elizabeth kicherte. »Wir sind Witwen, keine Jungfrauen.«

»Ich denke nicht, dass es seine Art ist, andere zu belauschen«, meldete sich Charlotte, die Älteste im Bunde.

Nervös spielte Alexandra mit ihrer Halskette. »Marcus ist ein arroganter, überheblicher Mann, ihm traue ich alles zu.«

»Tatsächlich?« Charlotte hob eine silbergraue Braue. »Vor ein paar Jahren hast du noch anders über ihn gedacht.«

»Er hat sich verändert, seit Isabell nicht mehr unter uns weilt«, verteidigte sie sich.

»Und er hat ein Auge auf dich geworfen, meine Liebe«, kommentierte Elizabeth und schwärmte ihnen vor, wie attraktiv Marcus mit seinen vierzig Jahren immer noch aussah. »Du könntest Viscountess werden, Alexandra. Eine richtige Adlige! Ihr würdet ein hübsches Paar abgeben.«

»Du weißt so gut wie ich, dass es das Gesetz verbietet, den eigenen Schwager zu heiraten, also sprich leiser!«

»Stimmt, dieses blöde Gesetz«, murmelte Charlotte. »Wer hat denn das erfunden, immerhin seid ihr ja nicht blutsverwandt.« Sie seufzte theatralisch, bevor sie leise hinzufügte: »Aber er würde dich bestimmt in sein Bett nehmen.«

Alexandra holte tief Luft. Sie mochte ihre Freundinnen wirklich sehr, aber wie oft hatte sie ihnen schon erklärt, dass sie nichts von Marcus wollte. Zugegeben, er sah hervorragend aus: groß gewachsen, schwarzhaarig, schlank, mit einem gut geschnittenen Gesicht, aber er hatte etwas an sich, das ihr jedes Mal den Schweiß aus allen Poren trieb, wenn er sie anschaute, nein, er starrte sie regelrecht an. Durchdringend. Besitzergreifend. Als könnte er bis in ihre Seele sehen.

Auch wenn in diesem Fall eine Heirat nach dem Gesetz unmöglich war, konnte sie dennoch auf einen Adelstitel gut und gern verzichten. Durch die Geschäftsbeziehungen ihres Mannes Arthur hatte die feine Londoner Gesellschaft Alexandra akzeptiert und in den Ladys Elizabeth, Jane und Charlotte drei wirklich gute Freundinnen gefunden.

»Du solltest dir den Viscount nehmen, Alexandra, und wenn es nur zu deinem Vergnügen ist. Isabell hat immer von seinen Qualitäten als Liebhaber geschwärmt, das hast du uns doch selbst erzählt.«

»Er hat sie umgebracht«, erwiderte sie trotzig. Ein Grund mehr, ihn zu meiden.

»Liebes, warum bist du so hart zu ihm? Isabell starb bei der Geburt ihres Kindes. Niemand trägt daran die Schuld. Denkst du nicht, er ist genug bestraft, gleich zwei Menschen verloren zu haben?«

Noch immer sah Alexandra den winzigen Sarg, den sie neben dem ihrer jüngeren Schwester in die Gruft getragen hatten. Es war der schlimmste Tag in Alexandras Leben gewesen. Seit der Beerdigung vor drei Jahren hatte sie kein Wort mehr mit ihrem Schwager gewechselt.